PDA-Einsatz für Navigation


Vorbemerkung

Ende 2001 hörte ich zum ersten Mal bewusst vom Einsatz des GPS im Auto und stellte mir die Frage, ob dieses System für mich interessant sein könnte. Die Grundüberlegung war, das System nicht nur im Auto, sondern auch zum Wandern und Fahrradwandern zu nutzen. Auch die Orientierungsmöglichkeiten in einer fremden Stadt, in der man als Fußgänger unterwegs ist, stellte ein Kriterium dar.

In dieser Phase stieß ich auf die Canadier und GPS-Info-Seite, die eine gründliche Übersicht für den Gebrauch des GPS vermittelt. Vor allem waren die Programme Fugawi, TTQV und OZI-Explorer interessant, da sie auch auf einem Palm bzw. einem Pocket PC (PPC) ablauffähig sind (Letzterer wird alternativ auch als PDA, also "Personal Digital Assistent" bezeichnet). 

Blieb also die Entscheidung, ob ein Palm oder solch ein Pocket PC und welches GPS Gerät angeschafft werden sollte.

Der PDA

Mit dem Casio Cassiopeia unterwegs ...Bei dieser Frage stieß ich auf die PPC Welt Community und von da schon bald auf das Forum Pocketnavigation

Die Wahl fiel auf einen Pocket PC, da dieser mehr Ausbaumöglichkeiten versprach. So erwarb ich schließlich einen Casio Cassiopeia E-200G, weil dieser sowohl über einen Compact-Flash (CF) als auch einen Secure-Digital-Slot (SD) für Speichererweiterungen verfügte. 

Die PPC Welt bot aber auch Navigationsprogramme wie TomTom, Navigon und Destinator, die für den Palm nicht zu haben waren. Mittlerweile hat sich dieser Markt noch erweitert.

Bei einer eventuellen Neuanschaffung würde ich heute unbedingt auf Bluetooth achten. Durch die damit mögliche Funkübertragung entfällt das Kabelgewirr im Fahrzeug und man kann sowohl den PDA als auch die GPS-Maus, die in diesem Verbund den GPS-Empfänger darstellt, optimal im Fahrzeug platzieren.

Darüber hinaus halte ich Erweiterungsslots für wichtig, d.h. die bereits erwähnten CF und auch SD. Wenn dann der PDA noch über einen Hauptspeicher von mindestens 128 MB RAM verfügt, wäre ich vollends zufrieden.

Der GPS-Empfänger

Die geplante Verwendung des Systems zum Wandern führte zu der Überlegung, einen GPS-Empfänger der Marke Garmin anzuschaffen. Die Auseinandersetzung mit Programmen wie TTQV, Fugawi und OZI brachte mich zu der Erkenntnis, dass der PDA wesentliche Funktionen der Garmin Geräte übernehmen konnte, wobei im Hintergrund immer eine digitale Karte zur Verfügung steht. Zunächst beschloss ich aber, mir einen reinen GPS-Empfänger anzuschaffen.

Die Wahl fiel auf den Delorme Tripmate, da dieser eine eigene Stromversorgung mit vier Mignon Akkus aufwies. Diese Wahl erwies sich aus zwei Gründen als falsch: Zum einen gaben die Akkus nach wenigen Stunden hinter der Frontscheibe ihren Geist auf, zum anderen fand sich keine Anschlussmöglichkeit an den Casio.

Die Bluetooth GPS-Maus "Fortuna Clip-On" ...Demzufolge entschied ich mich für die zusätzliche Anschaffung einer Holux GM 210 GPS-Maus, die den damals neuen Sirff II-Chipsatz enthielt. Dieser ist gegenüber dem bis dahin gebräuchlichen Evermore-Chipsatz wesentlich empfindlicher (die Zahl der empfangenen Satelliten ist höher) und damit die Standortbestimmung sicherer. Den Adapter zum Casio modifizierte ich derart, dass ich anstelle der Stromversorgung für den Zigarettenanzünder einen Akkupack mit vier NIMH-Akkus verwenden konnte. Mit vier Mignonakkus (2000 mAh) kann man GPS-Maus und PDA bei ausgeschalteter Displaybeleuchtung ca. 7 h lang betreiben (siehe auch Bild oben mit vier Mono Akkus).

Bei einer Neuanschaffung würde ich mich heute für eine Bluetooth-Maus entscheiden, allerdings mit dem neu heraus gekommenen XT-Modus. Mit diesem ist es möglich, eine Standortbestimmung auch unter schlechten Empfangsbedingungen durchzuführen, z.B. unter einem dichten Blätterdach im Wald. 

Ein Wechselakku wäre wünschenswert, um länger von einer Stromquelle unabhängig zu sein. In dieser Konfiguration entfällt der Kabelsalat mit einer seriellen oder einer USB-Lösung. Vielleicht kann man dann mit einer GPS-Maus auch noch zusätzlich einen Laptop bedienen.

Im Moment würde meine Wahl auf eine GPS-Maus vom Typ Fortuna Clip-On fallen.

Eine integrierte Lösung wie z.B. den Yakumo PDA delta 300 GPS oder aber auch eine Maus, die in den CF-Slot gesteckt wird, halte ich für mich persönlich weder im Auto noch beim Wandern für sinnvoll. Im Auto gibt es immer einen Zwiespalt zwischen Sichtbarkeit des Bildschirms für den Fahrer und Empfangsqualität der GPS-Maus. Normalerweise sollte die Maus immer direkt hinter der Windschutzscheibe liegen, allerdings nur, wenn diese nicht metallbedampft ist (Schutz vor Erwärmung). Metall ist ebenso undurchlässig für die Strahlen wie Wasser (z.B. beim dichten Blätterdach). 

Beim Wandern sitzt meine Kabelmaus auf der Schulter: So kann ich den PDA z.B. bei Regen unter der Jacke tragen. Ich habe sie dann in einem wasserdichten Aquapak selbst im Winter beim Skilanglaufen dabei.

Integrierte Lösung: Der Yakumo PDA delta 300 GPS ...Die Verwendung einer Kabelmaus bietet zusammen mit einer Verlängerung die Möglichkeit, einen günstigeren Standort zu finden. Die meiste Freiheit bietet jedoch die Bluetoothlösung (Reichweite ca.10m). Viele Mäuse haben einen Magnetfuß und können damit auch außen angebracht werden, wenn sie wasserdicht sind, wie z.B. die Holux. Ich persönlich würde dies aber nur im Notfall machen.

Navigation und Routenplaner

In der PDA-Welt unterscheidet man Navigations- und Routenplanerprogramme. 

Bei Navigationsprogrammen kann man diesen eine Start- u. Zieladresse mitteilen. Es berechnet dann die günstigste Route automatisch und führt pfeil- und sprachgesteuert ans Ziel. Wenn man aus irgend welchen Gründen die vorberechnete Route verlässt, wird die Berechnung neu durchgeführt. 

Seit einiger Zeit sind solche Programme auch in der Lage, Verkehrsmeldungen in ihre Berechnung aufzunehmen (Stauumfahrung). Das Programm Navigon verwendet dazu TMC (Traffic Messaging Channel), das im UKW-Bereich den Sendern zugemischt ist, die Programme Route66 und wohl neuerdings TomTom stellen die Nachrichten über GPRS zur Verfügung (Zusatzkosten). Solche Programme stehen in der Regel für Westeuropa zur Verfügung, das Programm Automapa umfasst auch Polen. Sinnvoll ist ein solches Programm für den Autofahrer, der beruflich häufig auf europäischen Straßen unterwegs ist. Mittlerweile ist die Navigation hausnummerngenau.

Da ich praktisch nur im Urlaub lange Strecken mit dem Auto unterwegs bin, spielt ein Navigationsprogramm für mich nur eine untergeordnete Rolle. Ich benutze auf Reisen ein TomTom System, Version 1.5. Es hat mich auf mehreren Frankreich Reisen gut geleitet. Die Karten sind zwar veraltet, aber das muss man wohl auch bei neueren Versionen (mittlerweile 3.0) berücksichtigen.

Um sich für eines der angebotenen Systeme zu entscheiden, lohnt ein Besuch des Pocketnavigations-Forums. Die Auswahl sollte man m.E. von der Qualität des den Programmen zur Verfügung stehenden Kartenmaterials abhängig machen. Dieses wird von Navteq bzw. TeleAtlas gestellt (Vektorkarten). Es scheint, dass Navteq bei der Deutschlandkarte genauer ist, während TeleAtlas beim Rest Europas einen höheren Deckungsgrad aufweist.

Bei einem Routenplaner wird die Route ebenfalls vom Programm berechnet, unterwegs kann man aber auf der Karte mit Hilfe des GPS nur sehen, wo man sich im Moment befindet (Moving Map Funktion). Ein Beispiel für ein solches Programm ist z.B. AutorouteExpress von Microsoft oder Route66 (ältere Versionen). 

Die genannten Programme verwenden vektorielles Kartenmaterial, das wie bei Navigations-Festeinbauten meist auch noch proprietär ist, d.h. nur für das spezielle Programm verwendet werden kann. Das Kartenmaterial beschränkt sich überwiegend auf Straßen.

Für den Offroader, der sich im Gelände bewegt, ist m.E. ein solches Programm mit Vektorkarten weniger zu gebrauchen. Hier sind in der Regel eher Rasterkarten erforderlich, die man eventuell sogar noch selber scannen und als Bitmap verwenden muss. Zum Wandern und Fahrradfahren verwende ich die Programme OZIExplorer und OZI-CE, die von dem Australier Des Newman entwickelt wurden, zusammen mit einer topographischen Karte Top50-NRW.

Neuerdings habe ich auch Erfahrungen mit eigens gescannten Karten von Guadeloupe (1:100.000 bzw. 1:25.000) sammeln können. Im Zusammenspiel von PDA, GPS und der PPC-Version des Routenplaners liegt m.E. nun der Vorteil gegenüber einem Handheld-GPS: Man kann beliebige Karten unterlegen und weiß so immer, wo man sich befindet. 

Man plant eine Route, indem man auf der Karte Wegpunkte markiert. Beim OZI-Explorer hat man auch die Möglichkeit, mit Hilfe von Wegpunkten eine Route festzulegen. Wenn man im so genannten "Moving Map Modus" in den Bereich eines solchen Punktes kommt, wird man zum nächsten geleitet (entspricht GOTO-Funktion), eine rudimentäre Form der Navigation. Die gesamte zurück gelegte Strecke wird als Track (Datei mit Zeit- und Koordinateninformationen) gespeichert.

Der Track wird als Linie auf der Karte dargestellt und kann mit anderen Nutzern (und auch mit anderen Programmen) ausgetauscht werden. Das gilt auch für Routen und Wegpunkte. Mittlerweile gibt es die PC-Version auch in Deutsch und für den PDA ebenfalls eine Hilfe in deutscher Sprache. Wer sich über OZI genauer informieren will, schaue auf der Webseite von OZI vorbei. 

Viele aus meiner Sicht wichtige Dinge habe ich in meiner Webseite zusammen getragen. Mich haben vor allen Dingen die Track- und Routingeigenschaften des Programms überzeugt. Diese Themen finden sich im Kapitel "Verwendung OZI-CE".

Es gibt allerdings im Forum Pocketnavigation auch viele Anwender von Fugawi. Es hat gegenüber OZI den Vorteil, dass es vektoriell erzeugte Karten von Teleatlas für Europa verarbeiten kann.

Auch soll in diesem Zusammenhang TTQV erwähnt werden, das im PC-Bereich sehr verbreitete Programm, das als PDA Version allerdings nur die Palm Welt unterstützt.

Zum Thema Sunrise und Sunset (wann geht an bestimmten Orten zu bestimmten Zeiten die Sonne auf oder unter, siehe hierzu auch den Sonnenauf-/-untergangsrechner vom Explorer Magazin und den Garmin-Fehler in diesem Bereich) haben alle drei zuletzt genannten Programme derzeit wohl keine Lösung. Bei OZI und TTQV habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass auf Anregungen ziemlich schnell reagiert wird, wenn sie sich verwirklichen lassen.

Befestigung im Auto

Dieser Punkt dürfte insbesondere für Offroader sehr wichtig sein. Meine Lösung mit Standardhalterung am Schwanenhals und Saugnapf erscheint für den Einsatz im Gelände kaum tauglich. Auch dieses Thema wird im Forum Pocketnavigation intensiv diskutiert. Viele schwören auf Halterungen der Firma Brodit, andere auf Seidio. Sie bieten feste Lösungen für viele PDA´s an mit auf den Wagentyp angepassten Befestigungen.

Ist solch ein System für den Offroadeinsatz geeignet?

Navigation mit OZI-CEDa ich in dem Bereich nicht aktiv bin, weiß ich nicht, ob ich die Frage erschöpfend beantworten kann. Wenn ich allerdings im Explorer Magazin den Umfang des Themas Map Datum und Probleme mit der Kalibrierung unbekannten Kartenmaterials nachlese, würde ich die Kombination OZI-Explorer, GPS-Maus, PDA und Laptop empfehlen.

Ich habe z.B. eine selbst gescannte Karte 1:100.000 von Guadeloupe (IGN) ohne Map Datum nur mit Längen- und Breitengradangaben im OZI Explorer verwendet. Nach der ersten kurzen Fahrt lag der aufgenommene Track horizontal und vertikal verschoben über der Straße. Nach dem Verschieben der Karte (geht nur am PC oder Laptop) und damit Änderung der Kalibrierung stimmte die komplette Karte. Diese Funktion wird meines Wissens weder von Fugawi noch bei TTQV angeboten.

Gegenüber den Handheld-Geräten hat die Kombination GPS-Maus + PDA wohl den Vorteil, dass man selbst gescannte oder gekaufte Karten unterlegen kann und damit seinen Standort auf der Karte in jedem Moment ablesen kann. 

Wenn man den Moving Map Modus eingeschaltet hat (Kleines GPS-Zeichen) wird der Track als farbige Linie aufgezeichnet und als Datei gespeichert.

Das Beispiel im obigen Bild wurde mit OZI-CE erzeugt: Maßstab der Karte 1:50.000, die Pfeilspitze zeigt auf den Standort. Unten wird die Geschwindigkeit, die Kompassrichtung und die Höhe über NN (leider nicht korrigiert) angezeigt.

Man kann die Auflösung (hier 150%) in breitem Ausmaß verändern, z.B. um eine bessere Übersicht zu gewinnen. Man kann aber auch Karten verschiedener Auflösung nebeneinander verwenden und dann bei Bedarf umschalten ... 


© 2004 Ferdinand Mollenhauer (Username: Fermoll im Forum Pocketnavigation.de)
Bild Fortuna Clip-On: Fortuna Electronic Corp., Bild PDA delta 300 GPS: Yakumo


Anm. der Red.: Zum Thema OZIExplorer weisen wir auf den anderen Beitrag unseres Autors hin: Praxisbericht - Arbeiten mit OZIExplorer!


Nachtrag, März ´08: PDA-Navigation in der Redaktion ...

Auch die Redaktion setzt neben einem Zumo 550 und anderen Geräten natürlich PDA´s ein: Zu den neusten Errungenschaften gehören unsere O2 Xda orbit - Geräte, die neben dem vollen Funktionsumfang des PDA auch als mp3-Player, Diktiergerät oder Foto- und Filmkamera eingesetzt werden können und die auch keine GPS-Maus mehr benötigen, da alles Erforderliche zum Empfang im Gerät bereits eingebaut ist.

Sehr schön dabei die zusätzlichen Möglichkeiten der Navigation, die auch als Fußgänger bestens genutzt werden können: Neben einem TomTom-Programm, das standardmäßig auf dem orbit bereits vorinstalliert ist (Bild unten links), können unter Windows Mobile selbstverständlich auch noch andere Programme zum Einsatz kommen.

Auf dem Xda orbit vorinstalliert: TomTom ... ... und unter Windows Mobile: OziExplorer mit selbstkalibrierten Karten ...

Für Navigationszwecke haben wir uns natürlich für den OziExplorer entschieden, der zusätzlich zum TomTom auch den einfachen Betrieb mit selbst kalibrierten Karten oder z.B. das Routing im Gelände auf der Basis topographischer Karten erlaubt (Bild oben rechts).

Und als Fußgänger lernt man seinen PDA natürlich besonders zu schätzen: Er hilft auch dann weiter, wenn man auf dem Rückweg abends sein Hotel nicht mehr findet ...


Nachtrag, Juli ´09: Und weiter geht´s!

Klar, dass wir noch nicht genug hatten von den Möglichkeiten unseres Xda orbits: Schließlich kann man so ein Teil recht komfortabel selbst programmieren. Und was lag näher, als außer unserem Windchill- und Hitzeindexrechner, dem Sonnenauf- und -untergangsrechner natürlich auch noch GPS-Funktionen nachzurüsten!

Mehr dazu in unserem Beitrag: Pimp my PDA!