Suunto Vector:

Das Multitalent - mit kleinen Fehlern und (nun nicht mehr!) taubstummen Eltern ...


Klar, wir waren begeistert über unsere neuen Geräte (und wir stehen unverändert dazu, immerhin funktionieren sie weiterhin prächtig!). Wir müssen jedoch einräumen, dass sich etliche Fragen nicht nur zum Suunto Vector, sondern auch zur Firma Suunto und ihren Niederlassungen stellte - die letztere schien sich bis vor kurzem als ein Unternehmen der "kommunikationstechnisch Taubstummen" darzustellen! Aber der Reihe nach. Zuerst unser (unverändertes) Resümee des Vorjahres, die weiteren Erkenntnisse dann im Anschluss ...


Uhr, Höhenmesser, Barometer, Kompass, Thermometer, Höhen und Druck-Historie - was will man eigentlich als Outdoorer sonst noch wissen? "Die ultimative Outdoor-Uhr kommt aus Finnland" (Woick-Katalog 1999). "Suunto ist im Kompaßbau und bei Taucheruhren seit Jahrzehnten als Qualitätshersteller bekannt ... Das beleuchtbare Display ist wahrhaft riesig und hervorragend abzulesen ... Die Menüführung ist sehr logisch und einleuchtend. Daher muß man nicht in der Gebrauchsanweisung lesen, wenn man eine Funktion mal 2 Monate nicht angewendet hat." (Därr-Katalog 1999-2000). "Ein Finne hat mir diese Uhr aus seiner Heimat erklärt. Seitdem trage ich sie" (Lauche & Maas-Katalog 1999-2000).

Der Jubel in allen Katalogen war derart groß, dass wir sofort zugegriffen haben, um das rund 380,- DM teure Teil  mitzunehmen in seine Heimat, um es dort bei unserer Tour Skandinavien 99 zu testen  ... (Anm. der Redaktion: 11/99 kostete es bereits ca. DM 430, hoffentlich nicht wegen unserem Beitrag ...)

Hochgelobt in allen Prospekten ...

Merkwürdig erschien es uns schon, dass auf den verschiedensten Katalog-Abbildungen immer 975 mb angezeigt wurde, Zufall? Nach einigen Rückfragen (bei der Firma Suunto in Deutschland konnte auch der "Vector-Spezialist" das Phänomen nicht erklären!) wurde klar, dass hier nicht der (sonst übliche) Normal-Null (reduzierte)-Luftdruck angezeigt wird, sondern ein Umgebungsluftdruck.

Den Normal-Null-Luftdruck ("SEA-Level") kann man aber zusätzlich einstellen, ebenso wie die jeweilige Bezugshöhe. Wir rätselten, wie das nun im Zusammenspiel funktioniert: gemessener Umgebungsluftdruck und jeweils veränderliche "SEA"-Druckeinstellung sowie Bezugshöhe. Wie sich jedoch nach einigen Tagen herausstellte, muss man nur so oft wie möglich die jeweilige Bezugshöhe einstellen, sofern man die kennt. Oder aber den "SEA"-Luftdruck - wie bei jedem anderen barometrischen Höhenmesser auch (mehr zum Thema "Barometrischer Höhenmesser" siehe unten).

Schleierhaft bleibt jedoch, wie man die (laut Suunto frühestens nach einigen Jahren erforderliche) Kalibrierung des Drucksensors (lt. Handbuch auf Basis des Umgebungsluftdrucks) nach Anruf z.B. beim Flughafen bewerkstelligen soll: Flughäfen kennen in der Regel nur den Normal-Null-Luftdruck (QNH) und keinen Umgebungsluftdruck. Also zum Kalibrieren wohl auf nach Helsinki - dort liefert sicher einer der Flughäfen (17 m Höhe über NN) mit seinem Normal-Null-Luftdruck auch fast den benötigten Umgebungsluftdruck ...

Nun aber zu den Erfahrungen mit der "Uhr", die tatsächlich unproblematisch und ohne Handbuch jederzeit bedienbar ist, wenn man das durchgängig eingehaltene Bedienungsprinzip kennt. Knopf oben rechts: Hauptmodusebene, oben links: Wählen der Unterfunktion, unten rechts: vorwärts (+), unten links rückwärts (-). Das wars schon und damit kommt man in jeder Funktion klar. Eine Hintergrundbeleuchtung ist durch Knopfdruck einschaltbar. Da in neueren Anleitungen z.T. das Ablaufdiagramm nicht mehr enthalten ist, bieten wir es in vereinfachter Form zum Download an!

Ihre Hauptfunktionen:

  • Uhr
  • Grosse, digitale Zeitanzeige mit Datum und Wochentag sowie das barometrische Trendfenster: Luftdruckentwicklung in den letzten 3 sowie 6 Stunden. Auf Tour morgens nach dem Aufstehen die erste Hauptfunktion des Berichterstatters, um sich an den neuen Tag zu gewöhnen (Soll aber auch im Büro, auf dem Weg dahin oder im Biergarten funktionieren!)

    Die Unterfunktionen umfassen 3 Alarme (auf Tour wurden zwei davon verwendet: ein "Normalaufstehalarm" und ein "Ruhetagsaufstehalarm", letzterer mindestens eine Stunde später ...). Aber auch eine Stoppuhrfunktion ist vorhanden sowie ein Timer, mit dem man die verbliebene Zeit bis zu einem Ereignis (bei uns z.B. mal eine wichtige Bootsabfahrt nach Rückmarsch zum Gletschersee) runterzählen kann (bis zu 24 Stunden).

    Klar, es gibt auch jede Menge andere Uhren auf dem Markt, die vieles bieten: Erfahrungsgemäß reichen hier die unzähligen Möglichkeiten im Sportbereich vom Pulsmesser bis zur Solaruhr und solchen mit kombinierten Schweizer Messern. Alarmfunktionen für Flüssigkeit und Nahrung, Rundenzähler  und anderes sind dabei so wichtig wie bei anderen Modellen mögliche Zeitzonenwechsel und GPS-Funktionen. Chronographen für den Piloten mit Flugcomputer oder solche für Kampfschwimmer, Minentaucher und ganz gewöhnliche Taucher () mit Beleuchtung durch H3-Tritium Glasröhrchen sind ebenso auf dem Markt wie einfach nur Modelle, die extreme Bedingungen wie starke Temperaturschwankungen, Staub- und Feuchtigkeitseinwirkung und Erschütterung aushalten können.

    Was aber von allem brauchen wir wirklich unterwegs? Nun, vor allem die folgenden Möglichkeiten, die uns der Suunto Vector bietet:

  • Höhenmesser
  • Unsere Standardeinstellung während der Fahrt von Camp zu Camp, aber auch bei Wanderungen zu den nächsten Erhebungen. Die Höhenangaben (mit den Höhenlinien der Karten immer übereinstimmend!) in 5 m-Schritten machten deutlich, warum z.B. dem Pickup die Puste ausging: Steigung auf 930 m in kürzester Zeit ...

    Die Höhe wird immer dann neu eingestellt, wenn man sie genau kennt: der Normal-Null-Luftdruck wird dann automatisch bestimmt. Weitere Unterfunktionen zeigen Höhendifferenzen an oder ermöglichen Höhenalarme. Letzteres von uns auf der Tour nicht genutzt, aber für Bergsteiger sicher eine nützliche Info. Ebenso dazu gehört die Möglichkeit, eine (einstellbare) Historie der Höhenunterschiede abzurufen.

    Uhrzeit und das barometrische Trendfenster werden zusätzlich auch in dieser Hauptfunktion angezeigt.  

  • Barometer
  • Unsere Standardeinstellung im Camp: immer auf dem Tisch, weil dann auch die Temperatur unabhängig von der Körperwärme angezeigt wird (immer auf der rechten, der "East"- Seite des beweglichen Einstellrings liegend, neben dem Bierkrug, damit die Kompass-Libelle nicht den Blick auf die Temperatur versperrt, siehe unser Bild ...)Echteinsatz im Camp ...
    Ausser der Anzeige des Umgebungsluftdrucks (in mbar) gibt es auch die Differenzanzeige (ständiger Hinweis auf das Wettergeschehen!) sowie die Möglichkeit, den Normal-Null-Luftdruck abzulesen. Darüber hinaus kann man die Historie des Luftdrucks der letzten Stunden bzw. Tage abrufen.

    Insgesamt war diese Hauptfunktion unsere wichtigste Wetterinfo, immer zur vollen Zufriedenheit. Uhrzeit und das barometrische Trendfenster werden zusätzlich auch in dieser Hauptfunktion angezeigt.  

  • Kompass
  • Unsere Standardeinstellung bei der Stellplatzwahl im Camp: Immer schön die Nase nach (Nord)westen hiess es in Anbetracht der bestehenden Wetterlage, dann erst das Dach (nach Kontrolle der Wolkenbewegung) gegen die Hauptwindrichtung aufgestellt.

    Klasse: Genaue Anzeige durch Libelle. Auch mit Marschzahl kann gearbeitet werden, was nicht uninteressant war, als mal eine Rundwanderung (ohne GPS!) anstand. Damit es auch genau zugeht, kann man die lokale Missweisung unproblematisch nach der üblichen Vorgehensweise einstellen.

    Natürlich werden auch in dieser Hauptfunktion Uhrzeit und das barometrische Trendfenster zusätzlich angezeigt.

Unser Fazit: Hervorragender "Outdoor-Computer", der von nun an bei keiner Tour mehr fehlen wird. Und der Berichterstatter kann jetzt auch von sich sagen: "Seitdem trage ich sie ..."


1. Nachtrag, Mai ´00: Keine Antwort ..?

Und nun, ca. 1 Jahr später, gab es einige weitere Erkenntnisse. Sie entzauberten vielleicht weniger den Vector (denn der ist und bleibt auch ohne Software-Update für "Nicht-Bergsteiger" weiterhin ein gutes Gerät), aber echt entzaubert schien die "taubstumme" Herstellerfirma Suunto. An der finnischen Sprache konnte es jedenfalls kaum liegen, dass sie weder Emails beantwortete noch jemals Stellung bezog zu den Überlegungen der Anwender - woran mochte es dann liegen ...?

Aber nun zu den in der Zwischenzeit deutlich gewordenen Problemen, die uns mittlerweile auch zu einer Messtour auf das Zugspitzplatt geführt haben: Der Fehler und die Reaktionen ...


Mehr zum Thema "Barometrischer Höhenmesser": In einem "Outdoor-Forum" erfolgte eine Anfrage zum Höhenmesser von Friedbert Eisenbart, die wir beantworteten:

Hallo,
wer kann mir sagen wie man einen Höhenmesser benutzt? Wo bekomme ich den aktuellen Luftdruck her? Wird der Luftdruck immer auf Meereshöhe angegeben? Wir rechne ich dann den Luftdruck auf meine Höhe um?

Hallo Friedbert,

Ein Höhenmesser ist immer gleichzeitig auch ein Barometer. Die Anzeige des Höhenmessers ändert sich deshalb durch Höhenänderung z.B. "Aufstieg" UND durch Wetteränderung z.B. "Fallen des Luftdrucks". Du kannst wie folgt mit dem Höhenmesser arbeiten:

1. Du kannst am Höhenmesser den Luftdruck reduziert auf Meereshöhe einstellen, diesen Luftdruck erhältst du z.B. an Flughäfen, Landeplätzen oder bei Wetterstationen. Ein Umrechnen auf den Umgebungsdruck ist nicht erforderlich.

2. Du kannst am Höhenmesser die Höhe einstellen. Die Höhe kannst du auf Gipfeln, Passhöhen, an Berghütten, bei Flughäfen, Landeplätzen oder auch anhand von Kartenmaterial (Position ermitteln und Höhenlinien zählen oder an Seeufern - häufig ist die Höhe von Seen in Karten eingetragen usw.) feststellen. Wenn du die Höhe einstellst, kannst du übrigens den Luftdruck reduziert auf Meereshöhe ablesen.

3. Es empfiehlt sich, alle paar Stunden zu überprüfen, ob die Höhe stimmt. Ebenso muss der Höhenmesser neu eingestellt werden, wenn du merkst, dass du zwar steigst, aber die Höhe immer niedriger wird bzw. umgekehrt.

4. Bleibst du an einem Ort (z.B. Übernachtung), empfiehlt es sich am Abend die richtige Höhe (gemäß Punkt 1 oder 2) einzustellen. Zeigt der Höhenmesser am Morgen eine andere Höhe an, kannst du daraus folgende Schlüsse ziehen:
- ist die Höhe gestiegen, dann wird das Wetter i.d.R. schlechter, denn der Luftdruck ist gesunken
- ist die Höhe gesunken, dann wird das Wetter i.d.R. besser, denn der Luftdruck ist gestiegen

Vor dem Aufbruch aber nicht vergessen, die richtige Höhe wieder einzustellen.
Viel Spaß mit deinem Höhenmesser!



2. Nachtrag, Januar ´08: Nachfolger ...

Viele Jahre sind nun mittlerweile ins Land gegangen und immer noch ist das Explorer Team zur vollen Zufriedenheit mit seinen Suuntos unterwegs - auch wenn in der Zwischenzeit eine Vielzahl von Nachfolgern des Vectors von Suunto vorgestellt wurde: Irgendwie braucht man sie nicht wirklich, so lange der in allen Belangen überzeugende Vector noch bestens funktioniert.

Und wie heißen sie alle, die Nachfolger, die Observers, Advizors, X6, X6HRs, -HRTs oder HRMs, und nun noch ein Suunto Core, der sogar herannahende Gewitter anzeigen soll. Ob sie alle soviel besser sind als der grundsolide Vector? Man mag sich dazu seine eigene Meinung bilden!

Nun, wir haben in vergangenen Jahren viele Lesermails zu den Nachfolgern erhalten und was wir da gelesen haben, weist nicht unbedingt darauf hin, dass der Stein oder besser die Uhr der Outdoor-Weisen mittlerweile gefunden wurde.

So wollen wir die Zwischenzeit überspringen und gleich zum Suunto Core kommen, zu dem wir die nachfolgende Mail von Jochen Krusius erhielten, der uns auch zu dem Gerät gleich einen Testbericht lieferte. Und dieser ist nicht unbedingt dazu geeignet, uns einen Nachfolger für unseren Vector zu empfehlen!

Suunto Core: Muss man den wirklich haben ..?Sehr geehrtes Explorer-Magazin-Team,
ich hatte die von Ihnen im Internet veröffentlichten Berichte über den Armbandcomputer Suunto Vector aufmerksam gelesen. In der Annahme, dass Suunto nun endlich präzisere Höhenmesser in ihren neuen Core-Modellen einsetzt, hatte ich mir die Suunto Core Steel gekauft und damit Höhentests durchgeführt.

Mein Hausberg (Amalienhöhe in Heiligenberg/Bodensee) ist genau 787 m hoch. Ich bin bei stabiler Wetterlage von der Ausgangshöhe 446 m auf diese Höhe gestiegen, nachdem ich die Suunto Core auf diese Höhe kalibriert hatte. Oben angekommen zeigte der Höhenmesser dann bereits 822 m an. Zur Kontrolle hatte ich meinen GPS-Empfänger Garmin eTrex Vista HCx mit eingebautem barometrischen Höhenmesser mitgenommen. Dieser zeigte 785 m an, eine hervorragende Präzision (Garmin gibt eine Toleranz von +/- 3 m an).

Ich habe diesen Versuch 2x wiederholt und dann bin ich von 402 m auf 1064 m (Berg Pfänder bei Bregenz) aufgestiegen. Die Suunto Core zeigte oben angekommen 1121 m an. Der Garmin eTrex Vista zeigte 1061 m an.

Meine Versuchsergebnisse habe ich der Firma Suunto in Finnland mitgeteilt. Sie hat daraufhin veranlasst, dass die Suunto Core ins Werk Finnland zurückgeschickt wurde. Bereits 8 Tage später habe ich dann eine neue Suunto Core Steel aus Finnland erhalten. Mit dieser neuen Uhr habe ich dann die "Hausberg-Versuche" wiederholt.

Leider waren die Ergebnisse wieder genauso enttäuschend. Der Höhenmesser der Suunto Core zeigt eine viel zu große Höhe an. Ich habe meine Ergebnisse der Firma Suunto wieder mitgeteilt und bekam folgende, physikalisch von mir nicht nachvollziehbare Antwort: "Es ist leider möglich, dass der Suunto Core kleinere Änderungen (< 5m) bei dem Aufstieg nicht speichert. Deswegen kann der Gesamtaufstieg falsch vorkommen. Hätte der Core diese Eigenschaft nicht, würde er Änderungen auch dann speichern, wo die Uhr in einer Stelle ist und Luftdruck wegen z.B. eine Klimaanlage geändert wurde."

Suunto verspricht in ihrer Werbung einen "präzisen Höhenmesser (accurate to 30.000 ft), temperaturkompensiert". Daher muss der Kunde davon ausgehen, dass der Höhenmesser auch die Höhe einigermaßen genau anzeigt, sofern er das Gerät mit der Ausgangshöhe korrekt kalibriert hat und sich die Wetterverhältnisse (= Meeresluftdruck) nicht geändert haben.

Inzwischen habe ich die Suunto Core an meinen Händler zurückgegeben. Es wäre interessant zu erfahren, ob einige Ihrer Leser auch bereits Erfahrungen mit der neuen Suunto Core gemacht haben.

Mit freundlichen Grüßen
Jochen Krusius
   


3. Nachtrag, Juli ´09: Selbstversuch

Nun wollten wir es doch noch einmal wissen: Auch wenn die Suunto Vector noch so gut funktionieren nach all den Jahren, aber könnte es nicht doch noch besser gehen mit modernstem Gerät?

Und so orderten wir schließlich den Suunto X10, das derzeitige Flaggschiff der "Armbandcomputer", das selbstverständlich auch die GPS-Navigation beherrscht. Und das Ergebnis? Nun, das war mehr als enttäuschend. Aber mehr dazu unter unserem Beitrag


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