Unser geliebter Suunto Vector hatte zuletzt doch noch Appetit darauf gemacht, einen späten Nachfolger zu testen: Der Suunto X10 schien genau der richtige Kandidat zu sein, einmal ein anderes Gerät von Suunto zu nutzen. Kann dieser doch auch eines, wovon man beim guten alten Vector vor vielen Jahren nur geträumt hatte: Mit Hilfe von GPS navigieren ...
Aber der Reihe nach! Über die Tausendsassas konnte man nur Gutes lesen:
Mit dem Suunto X10 entdecken Sie die Erde neu
"´Nachdem Sie Ihre Suunto X10 Protokolle mit dem Suunto Track Exporter exportiert haben, kann weltweit jeder Google Earth Anwender die Spannung ihrer Abenteuer nachempfinden. Sie können ihre Route in Google Earth speichern und sie per Email an Freunde oder Familie schicken, auf einer Website veröffentlichen oder als Download bereitstellen´, so Suunto Outdoor Produktmanager Petteri Hernelahti."
Oder auch:
"Mit der
überarbeiteten GPS-Funktion lokalisiert die Suunto X10 Ihre Position noch
schneller als die X9i. Verbessert und damit zuverlässiger ist auch die
Routenführung unter ungünstigen Bedingungen, in denen Sie sie am dringendsten
benötigen, beispielsweise unter dichtem Blätterdach. Im Gegensatz zu klobigen
GPS-Handgeräten haben Sie mit der Suunto X10 beide Hände frei und können sich
voll und ganz auf Ihre Aktionen konzentrieren, ohne Angst zu haben, dass das
Gerät in unwegsamem Gelände zu Boden fällt oder Sie es gar verlieren könnten.
Die Suunto X10 zeichnet Wegpunkte und Routen auf, die Sie im Anschluss am PC
analysieren und katalogisieren können.
Die Suunto X10 verfügt über Höhenmesser, Barometer, digitalen Kompass,
Thermometer, erweiterte Speicherkapazität sowie die bekannten Funktionen für
Uhrzeit und Stoppuhr. Gepackt in einer schlanken und sportlichen Armbanduhr
sorgen all diese Merkmale nicht nur für mehr Sicherheit, sondern ergänzen Ihr
Outdoor-Erlebnis um eine völlig neue Dimension.
Die Suunto X10 ist kompatibel mit einer Vielzahl digitaler Kartensoftware
weltweit, darunter National Geographic TOPO!, Google Earth, Fugawi und Magic Maps.
Mit der Suunto Track Exporter PC-Software lassen sich Routen und Wegpunkten
schnell, genau und einfach planen und festlegen. Routen können mit Hilfe einer
digitalen Karte individuell geplant und direkt auf die Suunto X10 übertragen
oder ausdruckt werden. Im Anschluss können Anwender mit der Suunto Track
Exporter PC-Software ihre Tour in Google Earth exportieren und ihre Abenteuer
damit an jedem Ort der Erde in echter Satellitenbildqualität verfolgen."
Wieder mal also Uhr, Höhenmesser, Barometer, Kompass, Thermometer, Höhen und
Druck-Historie, für schlappe 380 EUR gibt es das Wunderding. Ein Vergleich mit
unserem alten Suunto Vector Bericht ließ uns zum ersten Mal dann staunen: Auch
den gab es damals für 380 - nur hieß die Währung seinerzeit noch DM und nicht
EUR ... ![]()
Dafür kann der X10 auch deutlich mehr als unser guter alter Vector: Die GPS-Funktionalität war diesmal der ausschlaggebende Faktor für uns. Schließlich könnte man mit so einer Armbanduhr doch leicht ein Backup GPS-Gerät wie z.B. unseren früheren GARMIN 12XL ersetzen, den wir bei Touren zur Sicherheit dabei haben. Auch sehr nützliche Dinge wie z.B. die Anzeige der Sonnenauf- und -untergangszeiten beherrscht der X10, wenn die GPS-Funktion verwendet wird.
Also bestellten wir die Uhr in der Ausführung "Military": Klar, dass hier die rote Hintergrundbeleuchtung und das invertierte Display reizte. Nach ersten Tests allerdings legte sich die Euphorie ganz schnell: Auch bei dieser neuen Uhr, dem "Armbandcomputer", wurde nur mit Wasser gekocht!
Zwar gefiel das Armband sehr, doch andere Punkte dafür
deutlich weniger: Die invertierte Darstellung auf dem LCD-Display (weiße Ziffern
auf schwarzem Hintergrund), kann man nicht umstellen. In etwas dunkleren
Räumen erwies sich die Anzeige als kaum ablesbar, nur draußen, auch bei starker Sonneneinstrahlung,
war die Uhr problemlos zu benutzen. Offenbar ein "echtes" Outdoorinstrument,
bzw. ein nahezu ausschließliches, sind Militärs denn immer nur draußen ..?!
Dass Sonnenauf- und -untergangszeit bei eingeschalteter GPS-Funktion unter
der Hauptfunktion "Höhenmessung/Barometer" zu finden sind, fanden wir
zwar verwunderlich, aber man kann sich daran gewöhnen. Die genaue Position ließ sich
nach enormer Wartezeit auf verfügbare Satelliten schließlich auch feststellen, aber schon beim dritten oder
vierten Versuch schaltete sich GPS auf "PAUSE".
Ein Status, der im Manual des Gerätes gar nicht dokumentiert ist, und
"GPS ON" ließ sich danach nicht wieder aktivieren. Ein Bug?
Dass aber mit eben dieser eingeschalteten GPS-Funktion und intensivem Navigieren der Akku nur 6 Stunden halten soll, nun das ist weniger eine Frage der Gewöhnung. Muss doch der Akku nach 500 maligem Entladen ausgetauscht werden - und das geht nur durch Einsendung bei Suunto!
All das hätten wir aber vielleicht noch in Kauf genommen, wenn, ja wenn da eines nicht gewesen wäre, wovon sich übrigens jeder selbst überzeugen kann, ganz ohne die Uhr zu kaufen. Auf der Webseite von Suunto kann man zu allen Uhren nicht nur die Manuale herunterladen, sondern im Falle des X10 auch die benötigte Software: Um Waypoints und Routen außerhalb der Uhr vorbereiten zu können, benötigt man eine Software mit der Bezeichnung TREK MANAGER, für einen Export nach Google Earth wird zusätzlich noch der TRACK EXPORTER angeboten.
Und mit dem TREK MANAGER nun begann für uns der (kurze) Weg des Abschieds von unserem X10: Die Software, die bei Suunto von "our software expert" betreut wird, wie die Nachricht der Firma unten zeigt, ist offenbar seit bereits seit dem Jahr 2003 im Einsatz. Sie geistert seitdem durch diverse Foren: Eine Bezeichnung für diese Software stammt aus dem Jahr 2004 und nach unseren Feststellungen hat sich in all den Jahren daran nichts verändert. Die Bezeichnung lautete seinerzeit übersetzt ganz einfach: "Schrott".
Wir wissen nicht, worauf sich die Behauptungen gründen, diese Software oder das Gerät sei kompatibel unter anderem mit FUGAWI oder anderen Softwarepaketen. Wie man an den Funktionen der aktuellen Version 1.2.2 (Stand Juli ´09) ersehen kann, die man unter "Aktionen" erhält (Bild unten links), besteht lediglich die Möglichkeit eines Datenim- und -exports mittels "Aus Textdatei importieren" und "In Textdatei exportieren". Dies erfolgt auf Basis der beiden Datenformate WayPointPlus (stmwpp) oder Suunto Trek Manager (STM) *.sdf-Format.
Startet man nun das Programm, das bereits in
seiner Bedieneroberfläche so abstrus wirkt wie kein anderes, das wir seit
längerem gesehen haben (Bild unten rechts anklicken), und importiert eine kleine Datei mit einigen wenigen Waypoints einer Route
(Zweites Bild von ganz unten, Waypoints erfasst mit GPS Utility), ist das Ergebnis erschütternd: Nicht ein einziger Waypoint kommt in dieser mehr als jämmerlichen Software fehlerfrei an
(Bild ganz unten). Fazit
dieser Importversuche: Man bekommt keine vorbereiteten Routen und Waypoints auf diese "Uhr", womit sie für uns letztlich
nicht nutzbar ist. Wenn
offenbar auch die meisten Käufer sich damit begnügen, wenn überhaupt, nur
Routen und Waypoints zu exportieren, wollen wir jedoch gerade auch die
Gegenrichtung: Ohne
vorher vorbereite Daten importieren zu können, ist die GPS-Funktion des X10
für uns absolut wertlos.
Auf unsere Anfrage bei Suunto diesbezüglich erhielten wir zunächst eine Antwort, die mit unserer Frage nicht das Geringste zu tun hatte. Offensichtlich steckt diese Software derart voller Fehler, dass der "Software expert" von Suunto sich wohl entschlossen hat, eine andere Fehlerbehandlung zu beschreiben: Nämlich die bei Kalibration von Karten, was wir mit diesem "Werkzeug" wirklich niemals auch nur versuchen würden ...
Response (Maria
Malmivaara) - 07/08/2009 01:28 AM Dear Sir, Thank you for contacting Suunto. We
apologise for the late reply.
There is an bug in Trek Manager. The problem has two impacts. It only possible
to add and edit map calibration points in degree based formats. Adding points in
grid based formats causes errors, but at least the points finally appeared in
the list. Another error concerns the editing of those points. Our software
expert only managed to edit the grid coordinates while he was using the MGRS
formats, which is just another presentation format of UTM. He suggested the
following sequency to calibrate.
- Open the map in calibration mode using degrees format
- Place a two known points into the map so that they appear in different
vertical an horizontal level
- Edit the points locations so that they are "close enough" of the correct
values
- Save calibration
- Change to UTM and try to edit the points.. if fail change to MGRS and use the
"Gridder" application to convert the known UTM values to wanted MGRS values
- enter the values into "latitude" column ( That is actually a bug, only one
column should appear...)
- Press save
- Calibration finished
Best regards,
Suunto HelpDesk
Nachdem wir versucht hatten, unsere eigentliche Frage zu
verdeutlichen, nämlich z.B. NUR zwei Waypoints einer Route im ersten Schritt
fehlerfrei in den TREK MANAGER zu importieren und mit dessen Hilfe diese dann
schließlich in einem zweiten Schritt in den X10 zu laden, kam eine weitere
Antwort, und die kann man als Offenbarungseid interpretieren:
Response (Derek Ross) - 07/14/2009 11:28 AM Dear Sir/Madam, Thank you for
contacting Suunto.
Unfortunately the Trek Manager software has not been designed to import
co-ordinates, waypoints or routes from sources other than the X10. Please visit
the link below to view a list of 3rd party software which is compatible with the
X10 and may have the features you require:
http://www.suuntocampaigns.com/mapsite/en/maps.html
With Best Regards,
Suunto Helpdesk


Immerhin hatte man geantwortet seitens Suunto - eine echte Verbesserung gegenüber den Zuständen vor vielen Jahren. Und man zeigt fast so etwas wie Humor in einer in schlechtem Englisch verfassten Antwort: "There is a bug in Trek manager" - Es gibt also einen Fehler im TREK MANAGER, diese Aussage können wir nur als Witz ansehen, auch wenn dem X10-Käufer möglicherweise das Lachen darüber im Halse stecken bleibt. Und die Beschreibung der bescheidenen Möglichkeiten des hauseigenen "software experts" lassen fast schon Mitleid aufkommen. Aber in der zweiten Antwort dann der eigentliche Hammer: Der TREK MANAGER wurde nicht designed, Waypoints oder Routen von anderen Quellen als dem X10 zu importieren. Aber dann, liebe Firma Suunto, stellt sich doch die Frage, was das Ganze überhaupt soll und wofür eigentlich eine Funktion "Aus Textdatei importieren" im Datenformat WayPointPlus (stmwpp) im Menu enthalten ist? Etwa um bereits seit ca. 6 Jahren (!) den Anwender auf den Arm zu nehmen ..?
Und wie ein solcher Datenimport schließlich
z.B. mit FUGAWI funktionieren soll, nun das bleibt für uns ebenfalls weiter im Dunkeln. Im Manual
der Uhr wird auf die Webseite von Suunto verwiesen, aber auf dieser Webseite steht kein einziges
Wort zu Details dieses Vorgangs - auch das vielleicht alles nur ein Fake ..?
![]()
![]()
Vor ein paar Tagen haben wir die Uhr wieder schön eingepackt und zurückgeschickt - mit einem derartigen "Dreck Manager", Verzeihung, TREK MANAGER als Werkzeug können wir leider das ansonsten vielleicht (?) nutzbare Gerät nicht so verwenden wie wir uns das vorgestellt hatten.
Schade,
so wird unser Suunto Vector wohl noch lange Dienst tun müssen ...
![]()
© 2009 Explorer Magazin