Samstag, 30.08.2008: Auf ins Elsass ..!

Bei leichtem Verkehr beginnen wir an diesem Morgen unsere Fahrt, die uns bis zum Atlantik führen soll. Die Frage, die sich allerdings dem überzeugten Rotweintrinker jetzt schon stellt, ist noch unbeantwortet: Ist das eigentlich gleichzeitig auch eine Fahrt entlang eines "Weißweinäquators"? Haben wir doch bisher noch absolut nichts gehört von grandiosen Rotweinen, die aus Frankreichs Regionen des angepeilten 48. Breitengrads gekommen wären - nun ja, wir werden sehen und außerdem geht´s ja auch noch ein bisschen südlicher ...

Mit an Bord haben wir bei dieser Reise eine Ausrüstung wie selten zuvor: Neben sämtlichen Gegenständen unseres Testivals 2008 ist auch das neue OZtent mit dabei - es bleibt allerdings zu hoffen, dass die Wettergötter nicht glauben, wir wollten diesmal eine ganze Testreise für das Zelt machen. Wir ahnen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie nah wir mit derartigen Überlegungen diesmal an der Realität sind ...

Wir überqueren den Rhein bei Straßbourg, der Ford Ranger samt Explorer erweist sich aufs Neue als wunderbares Fahrzeug - durchzugsstark und äußerst komfortabel sorgt das Redaktionsfahrzeug mit für eine entspannte Stimmung im Cockpit: Wir hoffen, dass das auch so bleiben wird ..!

An der Elsässischen Weinstraße ... Das 48. Winzerfest am 48. Breitengrad ...

Unsere Route zumindest in der Nähe des Breitengrades 48° Nord wird uns zugleich auch durch die "breiteste" Gegend Frankreichs führen. Doch ganz am Anfang steht am heutigen Anreisetag ein Stück Fahrt entlang der Elsässischen Weinstraße und auf dieser muss man zunächst einmal Richtung Süden oder genauer Südwest. Das soll aber bei unserem Vorhaben nicht weiter stören, obwohl hier sicherlich eher ein Paradies für Weißweintrinker wartet als eines für die Freunde des guten Roten ...

Eguisheim: Am Camp mit den 3 Burgen ...Ziel der ersten Etappe wird Eguisheim sein, ein kleines mittelalterliches Städtchen südlich von Colmar. Der dortige Campingplatz ist benannt nach den malerischen drei Burgen, die man von da aus sehen kann und am Fuße dieser "Trois chateaux" liegt auch der touristisch bestens bekannte Ort.

Viel kommt hier zusammen, das man als sehr geeigneten Auftakt unserer geplanten Tour ansehen kann: Nicht nur dass Eguisheim ungefähr bei N 48° 2´ liegt und damit ziemlich genau auf unserer "Ideallinie", sondern an diesem letzten Augustwochenende findet hier auch das traditionelle Winzerfest statt - und in diesem Jahr wird es tatsächlich zum 48. Mal ausgerichtet!

Wir erreichen das verwinkelte Eguisheim und finden auch einen Stellplatz im Drei-Burgen-Camp - insgesamt wird aber der Ort und das Camp nach erstem Augenschein nicht unbedingt auch die erste Stelle für uns sein, dort direkt zwei Tage zu verbringen. Eguisheim wird in einem Prospekt zur Elsässischen Weinstraße als eine der "Wiegen des Weinanbaugebiets" bezeichnet, als ein mittelalterliches Städtchen, das in sich in drei konzentrischen Kreisen um seinen Mittelpunkt herum anordnet. Der Historie nach soll hier Papst Leo IX im Jahre 1002 geboren worden sein, hervorgehoben wird auch ein "einzigartiges Gefüge von ziviler und militärischer Architektur des 15. Jahrhunderts". Man findet alte Fachwerkhäuser mit Balkonen und Erkern, Brunnen und "Zehnthöfe". Auch ein Weinlehrpfad kann hier begangen werden, außerdem locken regelmäßige Weinproben ... 

Eguisheim ... Malerische Innenstadt ...

Ist es nun ein Wunder, dass am heutigen Samstag-Festabend ganze Massen auch deutscher Touristen durch den kleinen Ort drängen? Die Innenstadt ist an allen Einfallstoren abgesperrt - die mittelalterliche Struktur erleichtert den Kassenwarten die Einrichtung gebührenpflichtiger Eingänge - heute ist der Ort nur gegen Eintrittsgeld zu betreten.

Mit im Eintrittspreis enthalten ist ein kleines Weinprobierglas mit einer Aufschrift, die an die vierzigjährige Städtepartnerschaft mit Hinterzarten erinnert - die Weinproben selbst im ganzen Ort sind zusätzlich zu bezahlen.

Wir lassen uns davon allerdings nicht den ersten Abend verderben und schlendern wie viele andere auch durch die alten Gassen - hier und da wird auch mal ein Gläschen Wein probiert. Die erste große Enttäuschung folgt auf dem Fuße: Was hier an Rotweinen im Angebot ist und auch unter der Bezeichnung Pinot Noir rangiert, ist der Erwähnung kaum wert - selbst wenn man hier und heute Abend nicht gerade Weine von der Klasse eines Spitzen-Burgunders erwartet - nun ja, niemand hatte damit gerechnet, dass ausgerechnet das Elsass im Rotweinkeller eine führende Position einnehmen würde ...    

Trachten der einen Art ... ... und der anderen ...

 

Die Stimmung geht hoch im Ort schon am Nachmittag: Wir setzen uns draußen vor ein Lokal und probieren eines der elsässischen Nationalgerichte, Choucroute. Eigentlich ist es ein Witz, wenn die Deutschen im Ausland oft als "Krauts" bezeichnet werden, denn dieses Nationalgericht outet die wahren "Krauts": Sauerkraut und Würstel sind die Hauptbestandteile dieses nicht gerade leichtverdaulichen Gerichts, das wir uns heute genehmigen. Sauerkraut wird hier in allen Variationen geliebt und das Elsass ist nicht nur das Hauptanbaugebiet von Weißkraut, sondern vermutlich auch der Hauptkonsument.

Mit Einbruch der Dunkelheit wird das kleine Eguisheim erst richtig lebendig und verwandelt sich schon bald in einen feiernden Hexenkessel: Die durch die engen Gassen wogenden Massen lassen es so richtig krachen, während man unzählige Weinproben und auch anderes machen kann mit Begleitung verschiedener Musikkapellen an den Straßen und Plätzen. Ohne weiter ins Detail zu gehen zum heutigen Abend muss man doch festhalten, dass es für den ersten Tag unserer Reise recht spät wird, bis wir endlich wieder zum Camp und zum Explorer zurückfinden - was für ein Auftakt ..!


© 2009 J. de Haas, Kartenausschnitt: Die Elsässische Weinstraße, tourisme alsace