Sonntag, 31.08.08: Ankunft im Burgund

Der lange Abend steckt noch in den Knochen, als wir heute morgen unser Lager abbauen und das Fahrzeug startklar machen: Dennoch soll es an diesem Tag gut 380 km weiter gehen und dabei wollen wir bis ins Herz des Burgunds vorstoßen, genauer gesagt ins Département Yonne und zu seinem Verwaltungssitz Vermenton.

Von nun an westwärts ...Wir verlassen dabei vorübergehend unsere "Leitlinie", den 48. Breitengrad, denn wir wollen auf der A36 eine weite Kurve schlagen, um die Metropole Dijon südlich zu umfahren. Danach wird es aber wieder Richtung Norden gehen und damit auch zurück zu unserem so vertrauten Breitengrad - insgesamt aber ganztags westlich, wie auch unser Zumo deutlich macht. Viel Autobahn wird da heute zu befahren sein, und die ist in einer Hinsicht weitaus unangenehmer als die vielen hervorragenden Nationalstraßen, die wir nehmen werden: Hier kann es teuer werden -  etliche Euros an Autobahngebühren werden heute wohl den Besitzer wechseln!

Allzu leer ist die Strecke heute leider ebenfalls nicht, denn wir schreiben den 31.08. und wir sind in Frankreich, was bedeutet, dass sich genau an diesem Wochenende eine nahezu endlose Autokolonne zurück in Richtung Paris wälzt, da die Ferien zu Ende sind - wir freuen uns heute schon auf die ruhige Zeit, die nun zu erwarten ist ...

Die Autos, die uns überholen, sprechen für sich: Oft überladen, bis zur Heckscheibe vollgepackt mit Utensilien, die vom Urlaubskoffer bis zum Kinderspielzeug reichen, die meisten von ihnen hinten auch noch mit Lenker-wedelnden Fahrrädern beladen - es scheint tatsächlich eine ganze Nation in ihren Heimatort zurück zu reisen, der offenbar Paris ist. Wie angenehm leer muss das Land in den nächsten Tagen sein!

In der Nähe des berühmten Ortes Beaune und damit durch die Heimat des französischen Spitzenburgunders geht es auf der A6 wieder Richtung Nordwesten. Nur wenige Kilometer später taucht auf der rechten Seite der Autobahn eine beeindruckende Burg auf: Das Chateauneuf-en-Auxois gilt als Juwel mittelalterlicher Architektur im Burgund und immer wieder geht auch der Blick des Fahrers in Richtung der Höhen, auf denen das prachtvolle Bauwerk gelegen ist - wenn nur heute nicht der irre Rückreiseverkehr wäre! Und auf den muss man umso mehr achten, je eiliger die Fahrer in Richtung ihrer Hauptstadt drängen, die genau in Verlängerung dieser Autobahn wartet - mit keinem von denen will man heute oder morgen wirklich tauschen!

Obwohl hier und jetzt dichter Verkehr herrscht, ist dennoch bereits erstmals ein gewaltiger Unterschied zur deutschen Autobahn erkennbar: Es fehlen die aggressiven Drängler und Raser, Ausnahmen bestätigen die Regel!

Halt mitten im Chablis-Gebiet ..?Wir sind dennoch froh, als wir nach langer Fahrt endlich die Autobahn verlassen können: Die Ausfahrt Nitry mündet nicht in einem von uns später als "Abzockschleife" getauften Gebilde, aber dennoch werden wir hier zur Ader gelassen: Es sind wohl gut 30,- EUR, die wir für die lange Autobahnfahrt abdrücken dürfen - ein echtes Fahrvergnügen!

Als wir dann aber die Ausfahrt hinter uns gelassen haben und durch die umgebende Landschaft des Burgunds rollen, sind die Euros schlagartig vergessen: Was uns da ganz plötzlich unvermutet und völlig überraschend umgibt, ist in der Tat schwer zu beschreiben. 

Es ist das erste, aber bei weitem nicht das letzte Mal auf dieser Tour, dass uns die Landschaft den Atem verschlägt: Was uns hier umgibt, ist so anders als zu Hause, dass es schwer fällt, sich auf die nun so gut wie leere Straße zu konzentrieren. Vor allem eines, was man zu Hause vergeblich sucht: Eine andere Vegetation, viel Ursprünglichkeit, Menschenleere, eine dünne Besiedlung, die auch einmal den weiten Blick erlaubt, ohne auch nur eine einzige Hütte zu sehen.

Schon heute wird zum ersten Male klar, was sich im Laufe dieser Reise noch verdichten wird: Das Burgund ist auf einen Schlag in die "Top Five" derjenigen Regionen aufgerückt, die als eine Alternative zum entfernten Deutschland ernsthaft in Erwägung zu ziehen wären, wenn es denn einmal so weit sein sollte ...

Wir queren ein mittelalterliches Städtchen mit engen Gassen und nur einem einzigen Menschen auf dem Bürgersteig am heutigen Sonntagvormittag. Es geht weiter und schließlich erreichen wir Vermenton - beim örtlichen Campingplatz Les Coullemières handelt es sich um ein malerisch am Ufer des Flüsschens Cure gelegenes, angenehmes Gelände mit schönen und großen Stellplätzen, die man sich in der Nachsaison selbstverständlich wie überall aussuchen kann.

Wir suchen uns schnell einen schönen Platz und bauen unverzüglich das OZtent auf - eine erste Gewitterschauer droht bereits und wir wollen möglichst diesmal keinen 30 Sekunden Test machen, bevor es losgeht - und schon bald danach geht es wirklich los ...   

Oztent als willkommene Ergänzung ... Malerische Umgebung ...

Bereits nach kurzer Zeit steht fest, dass wir hier schon den ersten Ruhetag einlegen werden, denn der mittelalterliche Ort mit seiner Kirche aus dem 12. Jahrhundert und den verwinkelten Gassen wirkt durchaus einladend. Eines finden wir aber am heutigen Nachmittag nicht und das wird während unserer Reise noch häufiger ein Problem werden: Ein geöffnetes und in der Umgebung erreichbares Restaurant.

Also wird Wein für das heute (und nicht das letzte Mal) selbst gekochte Abendessen beschafft: Es ist kein Problem, aus dem zu Fuß noch erreichbaren Supermarkt ATTAC zwei vorzügliche Burgunder-Weine einzukaufen - auch das wird sich im Laufe der Reise nicht immer als selbstverständlich herausstellen, bereichert aber durchaus die Erkenntnisse für unseren Rotweinkeller. Und so wird es noch ein hervorragendes Essen, das da (aus weitgehend mitgebrachten Bestandteilen) gezaubert wird, ohne die Outdoorküche allzu sehr zu strapazieren. Für gemütliche Atmosphäre sorgt auch Bernd´s Hobo Ofen, den wir diesmal natürlich ebenfalls dabei haben und auch das OZtent erweist sich nun als hervorragendes Beizelt, selbst wenn die Nacht heute wieder im Explorer verbracht wird ...

Der folgende (Ruhe-)Montag bringt eine erste Überraschung: Der Campingplatzbetreiber springt nach der morgendlichen Frage nach Baguettes sofort in sein Auto, um welche zu beschaffen - ein Erlebnis, das wir während der weiteren Reise kein einziges Mal mehr haben sollten - wir werden vielmehr noch froh sein, wenn wir in der Nähe überhaupt eine Bäckerei oder ein entsprechendes Geschäft finden ...    

Auf dem Weg zur Marina ... ... vorbei am idyllischen Flusslauf ... Immer noch Boots-Saison ...
Natürliche Gärten ... ... und eine beeindruckende Altstadt ... ... alerdings "verkehrsgünstig" gelegen ... Tolle Alleen ...
... dann alle hier ... ;-))

Ausführliche Rundgänge in der Umgebung an diesem Tag: Vermenton verfügt nicht nur über ein "maison internet", das wir allerdings nicht aufsuchen, sondern auch eine tolle Umgebung und eine hübsche Marina, von wo aus man sicher wunderbare Ausflüge mit France Afloat und einem gemieteten Hausboot machen könnte. Der Bereich hier gehört zum Canal du Nivernais, auf dem man 174 km entlang schippern kann zwischen dem nahen Auxerre und dem südlich liegenden Dezise, wo ein Übergang in den Canal latéral à la Loire möglich ist.

Erinnerungen werden hier natürlich sofort wach an den Shannon in Irland, wo wir vor vielen vielen Jahren großartige Erlebnisse mit dem Kabinenkreuzer hatten - wo, wenn nicht hier, wäre das vielleicht künftig einmal eine echte Alternative ..?


© 2009 J. de Haas, Kartenausschnitt: Tourisme Yonne