Samstag,
15.08.: Vier Uhr Aufstehen und ab nach Hause?
Am Abend vor der Anfahrt auf Barcelona verabschiedet Kapitän Möller die Passagiere: Er bedankt
sich bei allen, die in Barcelona das Schiff verlassen und wünscht ihnen eine gute Heimreise. Danach hören
wir vom Kapitän gar nichts mehr, war er vielleicht der Meinung, er
fährt sein Schiff nun leer zurück nach Mallorca? Oder war er etwa
schon ganz von Bord gegangen, weil seine Tour nur von Barcelona nach
Barcelona führt? Hatte er vielleicht keine Lust mehr auf eine
Verabschiedung der Passagiere, die erst in Palma von Bord
gehen, weil
der letzte Morgen dort alles andere als sonnenverwöhnt ist ..?
![]()
Fragen über Fragen, denn irgendwie merkwürdig war es schon, wenn nur
die Barcelona-Aussteiger verabschiedet werden
und der Rest dann am nächsten Morgen zu nachschlafener Zeit sehen
kann, wie er in Palma von Bord kommt, oder?
![]()
Feststeht: Es gab noch Passagiere an Bord und die wollten das Schiff erst auf Mallorca verlassen, ganz egal, ob mit ohne Verabschiedung, aber auf jeden Fall mit Unterstützung beim "Ausschiffen"!
Wir sind nicht nachtragend, denn es war ja schon vor der Reise bekannt, dass die cosma an diesem Samstag bei Nacht und Nebel in Palma anlegen würde, und das tat sie dann auch planmäßig. Was wir allerdings nicht wussten: Dass wir für einen Flieger um 08:45 Uhr nach München, dem noch etliche andere kaum später folgen würden, schon zu nachtschlafener Zeit unser Gepäck offensichtlich ohne jede Unterstützung vom Deck 15 durchs ganze Schiff bis zum Shuttlebus schleifen sollten.
Also war am Vorabend noch ein Gang zur Rezeption fällig: Irgendwie
schien man aber unser Problem nicht ganz ernst zu nehmen (Frage:
Schmeißt man eigentlich die Ältesten am frühen Morgen ohne
Frühstück zuerst raus,
dann natürlich auch ohne Gepäckservice?).
Immerhin sagte man uns aber schließlich zu, dass am folgenden Morgen um 05:00 Uhr nun doch noch jemand beim Gepäcktransport helfen würde. Diesmal sollte auch kein Koffer vor die Kabinentür gestellt werden, sondern der Helfer würde klopfen. War das eine geheime Aktion?
Zum Thema Frühstück meinte man nur lapidar, man könne doch ab
4:30 Uhr im Marktrestaurant frühstücken, man müsse ja erst um 5:00
Uhr wieder in der Kabine sein!
![]()
Nach entsprechenden vorabendlichen Aktivitäten ist somit auch am Abreisetag für uns dann um 0400 Aufstehen angesagt. Immerhin ist bis zum Klopfen an der Tür noch einiges zu erledigen und dieses Klopfen erfolgt dann auch tatsächlich pünktlich: Der junge Mann an der Tür erweist sich als sehr freundlich und hilfreich, so dass wir mit unseren sieben Sachen durchs ganze Schiff gelangen und schließlich unten am nächtlichen Anlieger stehen, wo schon einige andere Passagiere damit beschäftigt sind, auf eigene Faust ihr Gerümpel zu einem der beleuchteten nahen Busse zu schaffen - "selbst ist der Mann und die Frau", scheint hier heute Morgen die Devise zu sein. Unser Begleiter hilft uns noch bis zum Bus, hat sein Trinkgeld verdient und verschwindet wieder im nächtlichen Dunkel ...
Kurz
darauf startet der Bus und wir verlassen den Hafen Richtung
Flughafen Palma de Mallorca. Der Ankunftsschock dort hat es in sich:
Hunderte Passagiere drängen sich hier am frühen Morgen vor der
offenbar völlig überforderten Sicherheitskontrolle: Der Versuch der
Abwicklung in wechselnden Schlangen in Hektik und Durcheinander
lässt nicht den Eindruck entstehen, dass man hier auf derartige
Passagiermengen zu diversen Flügen irgendwie vorbereitet ist -
kommen wir alle hier etwa völlig überraschend ..?
![]()
![]()
Irgendwann
sind wir durch und ein wieder langer Fußweg durch den Flughafen steht an,
bis wir schließlich eine abgelegene Ecke in einer Abflughalle
finden, wo man trotz schlafender Leute und herumstehenden
Gepäckstücken einen Sitzplatz finden, sein Gepäck im Blick
behalten und auch noch etwas Kleines zum Frühstück auftreiben kann
...
Offenbar ist der Andrang hier doch nichts so
Ungewöhnliches, denn sowohl die Zahl der hier herumlaufenden
Menschen wie auch die dann schließlich gefundenen Tafeln mit den Abflügen zeugen
von regem Verkehr um diese Zeit: Für einen Zeitraum von 10 Minuten
zwischen 0845 und 0855 sind allein drei (!) Flüge nach München
aufgeführt! Fliegen wir da vielleicht in einer "Rotte", wie man bei
der Luftwaffe eine kleine fliegende Formation bezeichnet, die in der
Regel aus zwei bis drei Maschinen besteht ..?
![]()
Wir verbringen die Wartezeit so gut es geht und dann kommt auch der Zeitpunkt, wo wir uns zum Flieger begeben: Der Rest der Reise verläuft unspektakulär, irgendwann sind wir wieder am Flughafen München und das Procedere ist wohl jedem bekannt, der hier mal eine Reise beendet hat ...
Und das Fazit ..?
Nun, der dritte Trip mit AIDA innerhalb von 13 Jahren
war sicher gelungen, an den Temperaturen, die eigentlich alle
unsere Landausflüge irgendwie beeinträchtigt haben, war nicht der Veranstalter, sondern
höchstens die Sonne schuld, die sich vom Mond ausgerechnet im
Mittelmeer zu dieser Jahreszeit verfinstern ließ - liebe Sonne, bitte
anders beim nächsten Mal ..!
![]()
Woran wir aber selbst schuld waren, ausgerechnet mit dem neuen Flaggschiff fahren zu wollen, das zugleich auch die größte
Passagiermenge überhaupt seit Jahren auf einem AIDA Schiff beherbergen kann. Und das,
obwohl wir
derartige Massenveranstaltungen normalerweise ganz bewusst vermeiden
und eigentlich auch nie mehr zu Hotelurlauben tendieren. Nun, dafür
kann man niemanden verantwortlich machen als die Reisenden selbst!
In diesem Sinne: So schnell wird es sicher keine solche
Veranstaltung mehr bei uns geben, vielleicht später mal, irgendwann im Sommer
mit einem kleinen Schiff, wie wäre es zum Beispiel - bei
hoffentlich wieder passender Lage - etwa mit einem Postschiff der Hurtigruten ..?
![]()
Und zu AIDA? Da kann eigentlich niemand wirklich meckern. Es gibt
manchmal so eine
bestimmte Redensart, die einem oft einfällt,
wenn man "dreimal" hört: "Ich war jetzt beim xxxxx dreimal: Das
erste Mal, das letzte Mal und nie mehr wieder". Und wie heißt das
jetzt bei uns, wo wir zum dritten Mal tatsächlich dabei waren? Nun, da heißt es:
"Wir waren jetzt mit AIDA dreimal unterwegs .... jawohl!"
![]()
Nachtrag, November ´26: Stürmische Zeiten für Kreuzfahrer?
Selbst unser leider verstorbener American Star Autor
und Fachmann für zivile und militärische Schifffahrt Bill Lee käme
wohl aus dem Staunen nicht mehr heraus, wenn er erfahren hätte, was
heutige "Kreuzfahrer" so alles in wenigen Wochen erleben können, selbst wenn sie sich
mit ihrem Schiff noch im Hafen befinden!
![]()
Denn einen Hafen hatte er doch einst für Kreuzfahrtschiffe bei Sturm empfohlen, nachdem wir ihn damals zu seiner Meinung über die Sicherheit von Kreuzfahrtschiffen befragt hatten, als wir 2013 unsere erste AIDA Kreuzfahrt auf der AIDAmar unternahmen. Damals wurde uns deren gewaltige Segelfläche sogar vom Kapitän erklärt, als es darum ging, ob man überhaupt anlegen könne wegen des widrigen Windes vor dem Hafen von Livorno.
Bill meinte damals: "Kreuzfahrtschiffe machen sich wesentlich besser in `Mühlteichen´ (Karibik oder Mittelmeer). Und noch besser im Hafen, wenn es stürmisch zugeht an diesen Örtlichkeiten ..." Damals konnten wir ihm leider noch nicht von einem kurzen Zeitabschnitt unserer Kreuzfahrerei berichten, den wir nun innerhalb weniger Monate selbst erlebt haben. Denn während wir noch bei unserer dritten Kreuzfahrt mit der AIDAcosma unterwegs waren, kam es, wie bereits im Bericht erwähnt, zu einem erstaunlichen Zwischenfall auf einem anderen AIDA Schiff: Die AIDAperla wurde bei ihrem Aufenthalt im Hafen Le Havre trotz ihrer Vertäuung am 08.09.26 vom Sturm losgerissen, trieb unkontrolliert durch das Hafenbecken und es kam zuletzt zu einer sogenannten "Allision" (dem Aufprall auf ein feststehendes Objekt), als sie rückwärts eine Kaimauer rammte.
Dies
ist umso erstaunlicher, wenn man wie wir den Vorgang der Vertäuung
und die dicken Stahltrosse eines solchen Schiffsriesen
mal im Detail beobachtet hat. Inwieweit
die während der Liegezeit auf der Brücke verbliebene Besatzung in
der Lage war oder versucht hat, das Schiff mit Hilfe der modernen
drehbaren AZIPOD-Gondeln unter Kontrolle zu bringen, ist uns nicht
bekannt. Diese Motoren gehören zu den sogenannten
POD-Antrieben, bei denen die Propeller als drehbare Gondel unter dem
Schiff aufgehängt sind. Darin befindet sich der Elektromotor, der
seine Kraft direkt über die Motorwelle auf den Propeller überträgt.
Die Gondel ist um 360° drehbar gelagert, womit das Schiff durch
Richtungsänderung des ausgestoßenen Wassers ohne Ruder am Heck manövriert
werden kann. Ähnliche Effekte kann man am Bug durch (fest
installierte) Seitenstrahlruder erzielen, die z.B. Anlegemanöver
erheblich erleichtern.
Als wäre dieses erstaunliche Geschehen nicht bereits genug, folgte am 27.10.26 das nächste fast unglaubliche Ereignis: Wieder tobte ein Sturm in einem Hafen, diesmal in Bremerhaven, als der Krezfahrer Mein Schiff 3 zu einer mehrwöchigen Tour zu den Kanaren aufbrach. Wegen des Sturms wurden offenbar zusätzlich zwei Schlepper eingesetzt, die allerdings nicht in der Lage waren, die heftige Kollision mit zwei weiteren Schiffen zu verhindern. Sowohl das Video vom Youtube-Kanal "Alex" im Bericht des TAGESSPIEGELs als auch ein weiteres Youtube-Video betreffen diesen Unfall. Das Video von "Alex" zeigt auch, wie einer der beiden Schlepper auf der Steuerbordseite durch Drehung und volle Kraft voraus vergeblich versucht, das Kreuzfahrtschiff von den benachbarten Containerschiffen wegzudrücken. Da diese Manöver allerdings überwiegend im vorderen Teil von Mein Schiff 3 erfolgen, treibt das Heck unaufhaltsam gegen den Container-Nachbarn und richtet sowohl dort als auch an der eigenen Steuerbordseite erhebliche Schäden an. Gegen den Kapitän der Mein Schiff 3 wird nun ermittelt, da er trotz der Wetterlage versuchte, mit dem Schiff in Bremerhaven abzulegen.
Man kann nun spekulieren, ob der Unfall von Mein Schiff 3
auf jeden Fall geringfügiger hätte verlaufen können oder im besten
Fall sogar verhindert worden wäre, wenn es wie die modernere
AIDAcosma über den erwähnten AZIPOD-Antrieb verfügt hätte. Da
das TUI-Schiff jedoch nur über einen konventionellen
diesel-elektrischen Antrieb mit zwei festen Wellen und Propellern
sowie klassische Ruder verfügt, war es nicht möglich, z.B. durch
Schrägstellung einer AZIPOD-Gondel auf der Steuerbordseite
möglicherweise einen "Heckschlepper" zu ersetzen, den es
bei dem
Unfall offenbar nicht gab. Möglichweise wäre aber die
"Segelwirkung" des Riesenschiffes bei dem Sturm immer noch zu groß
gewesen, um den Aufprall ganz zu verhindern. Wir wissen es nicht,
auch können wir es nicht berechnen und leider gibt es auch keinen
Bill Lee mehr, mit dem wir so etwas diskutieren könnten ..!
![]()
Ach ja, dann erreichte uns noch eine ganz andere unschöne
Kreuzfahrt-Nachricht Ende Oktober 2026: Vielleicht hat ja der eine
oder die andere Kreuzfahrt-Begeisterte schon mal darüber
nachgedacht, vielleicht auch in der Eigenschaft als Rentner, die
Wohnung und auch den Wohnort mit einem Kreuzfahrtschiff zu tauschen,
das im Rahmen einer Langfrist-Reise alles an Bord bietet, was man so
braucht - für manche dann sozusagen ein betreuter
unterhaltender Lebensabend an Bord anstelle im Altenheim?
![]()
Nun, das Kreuzfahrtschiff Odyssey ist vor einiger Zeit dadurch bekannt geworden, als solcher "Wohnort" für zahlungskräftige Rentner und andere zu dienen, die dabei auch gleich noch eine mehrjährige Weltreise unternehmen wollten. Leider schreibt dieses Schiff aktuell nun erneut Geschichte: Aufgrund explodierender Treibstoffpreise, auch als Folge des irren Iran-Kriegs, kam die Kreuzfahrt zu einem abrupten Ende und die Odyssey liegt seitdem in Kambodscha fest. Die Kunden des Schiffsbetreibers "Villa Vie Residences", die für ihren Einzug ins schwimmende Domizil z.T. ihre Häuser verkauft haben, mussten nun innerhalb kurzer Zeit das Schiff im Hafen von Sihanoukville verlassen - das unrühmliche Ende einer Langzeit-Kreuzfahrt oder gar eines Lebenstraums ..?
© 2026 J. de Haas, Bild Unfall Mein Schiff 3: Shortcut aus Video Youtube-Kanal Alex (@CruiseOfficerAlex)
Anm. der Red.: Weitere Beiträge von Jürgen de Haas finden sich in unserer Autorenübersicht!