Mit dem  EXPLORER MAGAZIN "unterwegs":

Wo die Denzel Alpenstraßenführer herkommen

Von Markus Golletz

    

Markus Golletz, bislang einziger Autor im Explorer Magazin, der auch im "richtigen" Leben freier Journalist ist, hatte uns einen Bericht über den "Denzel" zur Verfügung gestellt, den wir erstmalig im Juli 2000 veröffentlichten. 

In der Zwischenzeit gab es für den Autor allerdings Anlass, diesen Bericht in Teilen neu zu fassen. Er hatte nach eigenen Angaben ein halbes Jahr für Harald Denzel ohne Bezahlung gearbeitet (siehe hierzu auch Nachtrag v. 05/03).

Hier nun die aktuelle Version des Beitrags über den Alpenstraßenführer, Stand Dezember 2002!

 

Wer öfter mit dem Motorrad in den Alpen unterwegs ist, wird ihn kennen, den "Großen Alpenstraßenführer" aus Innsbruck. "Der Denzel", wie ihn viele kurz und kultig nennen, ist ein mehrere hundert Seiten starker Spezialführer, der viele der interessanten Strecken innerhalb des kompletten Alpenbogens beschreibt. Dass man hier ein Werk in den Händen hält, in das viel Erfahrung und noch mehr Recherche eingeflossen ist, wird schnell klar, wenn man den Umfang betrachtet: über 600 Hochziele wollen zunächst erfasst und später ständig aktualisiert werden. 

Die Geschichte des Familienunternehmen beginnt schon in den 50er Jahren, genauer 1952, als der Verlag von seinem Vater Eduard Denzel gegründet wurde. Der formte die unnachahmliche Handschrift innerhalb von 40 Jahren seines Schaffens. Die Ursprünge des Wander- und Sportverlages lagen in der damals wachsenden Campingbewegung, auf die sich Eduard Denzel schnell spezialisierte. Zu seinem Lebenswerk kann man getrost den "Großen Alpenstraßenführer" zählen, der von ihm das erste Mal 1956 herausgegeben wurde. Damals allerdings nur in eingeschränkter Form: es waren nur die Pässe der Ostalpen bearbeitet.

Schon ein Jahr später konnte Eduard Denzel den ersten Gesamtalpenband "Wien-Nizza" herausgeben, der auch durch die großen Automobilclubs verbreitet wurde. Um eine Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Straßen zu ermöglichen, wurde die neun Stufen umfassende Denzel-Alpenstraßen-Skala eingeführt. Sie bezieht sich auf den fahrtechnischen Schwierigkeitsgrad und umfasst so ziemlich alle Formen von befahrbaren Untergründen von pott-eben und ohne Kehren, bis zu "nur noch mit Leichtmotorrad bei Optimalwetter und entsprechendem Geschick des Fahrers/der Fahrerin empfehlenswert". Diese Skala hat sich bewährt und heute noch Gültigkeit.

Der Alpenpionier Eduard Denzel verstarb im September 1999. Sein Sohn Harald Denzel hatte allerdings schon 1988 die Geschäfte übernommen. Der knapp 40jährige Tiroler hat an dem Werk seines Vaters nicht viel verändert, Text und Layout blieben größtenteils erhalten, man arbeitet an Aktualisierungen und neuen Titeln.

Harald Denzel ist gelernter Bildhauer. Später kamen Qualifikationen in EDV und Buchhaltung hinzu, sowie eine Ausbildung als Bürokaufmann und eine Ausbilderprüfung. "Damit war das Rüstzeug für meine Geschäftsführertätigkeit komplett", sagt Harald Denzel von sich selbst. Sein Steckenpferd war von Anfang an die graphische Gestaltung des "Großen Alpenstraßenführers", redaktionelle Tätigkeiten folgten erst später.

Besonders wichtig ist für Harald Denzel, mit allen im Verlag anfallenden Arbeiten vertraut zu sein. Harald hält den Kontakt zu allen mit der Weiterverarbeitung betrauten Unternehmen. Genau genommen ist der Verlag sogar geschrumpft - während früher bis zu drei Angestellte mit Eduard Denzel arbeiteten, macht Harald fast alles allein. Seine thailändische Ehefrau Thanalak hilft unentgeltlich gelegentlich bei der Büroarbeit, ansonsten setzt auch der Denzel Verlag in den letzten Jahren verstärkt auf Computertechnik. Ein Grund dafür, warum die 20. Ausgabe des "GRAF" gute vier Jahre bis zur Neuauflage brauchte, wo doch normalerweise nur gut zwei Jahre als Aktualisierungsrhythmus angesetzt sind. Die gesamte "alte" 19. Ausgabe musste erst digitalisiert, die Zeichnungen und Skizzen alle neu am PC erstellt werden (die alten waren von Hand in Tusche gezeichnet!). Das kostete viel Zeit.

Andere Publikationen des Verlags, wie zum Beispiel die Klettersteigführer, wurden komplett von Autoren recherchiert, doch die Zeiten scheinen vorbei zu sein, zu unattraktiv sind die gebotenen Honorare.

Harald Denzel vermutet unter seinen LeserInnen circa 50 Prozent MotorradfahrerInnen. Den hohen Beliebtheitsgrad in der Zweiradbranche setzte Harald geschäftstüchtig in Gedrucktes um. Auf dem Material des "Großen Alpenstraßenführers" basierend, erschienen zuerst: Motorrad-Touren in den Alpen und dann Motorrad-Touren in Süd- und in Mitteldeutschland. Ein Norddeutschlandband war zwischenzeitlich in Arbeit, wurde aber aufgrund schlechter Verkaufschancen ad Acta gelegt. 

Diese Bände gehen etwas spezieller auf die Bedürfnisse von MotorradfahrerInnen ein und bieten zwar eine relativ hohe Aktualität und gute Recherche, lassen aber Roadbooks oder ein ansprechendes Layout vermissen. Auf Serviceinformationen wie Übernachtungstipps oder Reparaturwerkstätten wird nach wie vor hartnäckig verzichtet. Vielleicht ist das altbackene Erscheinungsbild gerade das Erfolgsrezept des Verlages. 

Doch wie schafft es ein Mensch, dieses umfangreiche Verlagsprogramm immer wieder zu aktualisieren und neu aufzulegen? Sicherlich, seit ein paar Jahren fährt Harald Denzel im Sommer wieder Motorrad, jedoch alle 600 Hochziele in zwei Jahren abzuklappern, schafft ein einköpfiges Verlagsunternehmen nicht allein. Stolz erzählt Harald die Geschichte von einem treuen Leser, der es innerhalb von elf Jahren vollbrachte, mit dem Fahrrad sämtliche Denzel-Strecken abzufahren. 

Es sind die LeserInnenbriefe und - noch wichtiger - die persönlichen Kontakte, die eine entscheidende Rolle spielen. Und davon hat Harald Denzel eine Menge. Da er für seine veröffentlichen Informationen nicht zahlen kann oder will, ist er auf "ehrenamtliche" Informanten angewiesen. Hunderte Tipps und Recherchen von Tourenfahrern werden allerdings lediglich mit dem Vermerk: "Harald Denzel danke ... sämtlichen Mitarbeitern und Freunden des Verlages ..." honoriert. 

Nun sollte man nicht denken, dass jede per Leserbrief angezeigte Änderung sofort in den "Großen Alpenstraßenführer" übernommen würde. Dass die Informationen gesichert sein sollen, ist ein Verlagsgrundsatz im Hause Denzel. Zuschriften sollten Fotos von den markanten Stellen, bzw. Bilder von Zusatztafeln, die ein etwaiges Verbot nachvollziehbar machen oder Verweise auf Gesetze zeigen. 

Harald Denzel profitiert ohne Zweifel von dem Ruf seines Vaters Eduard. Bisweilen gab es auch Probleme mit Konkurrenten, die den Denzel all zu dreist kopieren. Ähnlich lautende Titel oder abgeschriebene Passagen sind dem Tiroler ein Ärgernis, allerdings kann er auch kein Copyright auf derlei Daten anwenden, weil sie von jedem anderen auch so erfahren sein könnten. 

Seit dem Frühling ´99 fährt Harald Denzel wieder ein eigenes Motorrad. Seinen Traum, eine BMW R 80 GS "Last Edition" hat er sich erfüllt und dabei noch Glück gehabt. Beinahe wäre die "Basic" ausverkauft gewesen, doch er konnte noch eines der letzten Exemplare ergattern. Harald und Thanalak Denzel haben die letzten Jahre mehrere Erkundungstouren in den österreichischen und italienischen Alpen unternommen. Ein wenig schwärmt Harald noch von einer Harley, doch die muss noch warten, der Fahrzeugpark soll nicht zu groß werden. 

Bei den Denzels ist eine gewisse Bescheidenheit (auch gegenüber den Autoren) angesagt. Das Image und der gute Ruf des Verlages reichen dem Kleinbetrieb anscheinend aus. An steil ansteigenden Umsätzen ist Harald Denzel weniger interessiert, vielmehr daran, den Fans und LeserInnen verlässliche Informationen über die schönsten Seiten der Alpen zu liefern. Für die Zukunft lässt sich hoffen, dass auch die zahlreichen "Mitarbeiter des Verlages" Erwähnung finden ...   

   

© 2000-2003 Markus Golletz 


Anm. der Red.: Ein Erfolgsrezept hält an ...

Das von unserem Autor angesprochene Erfolgsrezept hält an: Auch viele Jahre später, in der zweiten Dekade des neuen Jahrtausends, wird wie schon bei Vater Eduard wieder einer der Schwerpunkte in den Ostalpen und bei den MotorradfahrerInnen liegen. Diesmal ist es Sohn Harald Denzel, der mit seinen "Motorrad-Touren Ostalpen" ganze 75 Rundfahrten in den Alpenländern Österreich, Deutschland, Schweiz, Slowenien und Italien bespricht (siehe Titel unten rechts).

Und in all diesen Ländern der genannten Rundfahrten wird es den Motorradenthusiasten möglich sein, eine passende Maschine für eine der Touren zu bekommen, falls nötig. Ganz gleich um welches Modell oder um welche Vorlieben es sich handelt: Sei es eine Maschine wie die oben erwähnte R 80 GS "Last Edition" oder auch die eines anderen Herstellers, neu oder gebraucht. Wer z.B. in der Schweiz ein neues Bike sucht oder auch ganz überraschend einen Ersatz für sein bisheriges: Eine Motorrad Occasion auch für den ausgefallensten Wunsch wird es dort sicherlich geben ..!

    

Nachtrag, 05/03: Stellungnahme und "Rat" vom Denzel Verlag ...

Wir erhielten eine Mail von Harald Denzel, die wir unkommentiert dem obigen Beitrag hinzufügen. Eine ausführliche Stellungnahme hierzu von Markus Golletz liegt uns allerdings vor, auf die wir bei Bedarf zurückkommen ...

Markus Golletz hat nie für uns gearbeitet - weder mit, noch ohne Bezahlung - er hat lediglich ein dreimonatiges Praktikum bei uns absolviert, das von einer Stiftung finanziert wurde. Es gab und gibt keine Vereinbarungen, welche nicht von uns eingehalten wurden.

Markus Golletz hatte Honorarvorstellungen, die in Bezug auf Art, Höhe und auch Fälligkeiten für uns vollkommen uninteressant waren. Aus diesem Grund mußten wir eine eventuelle Zusammenarbeit gänzlich ablehnen. - Das spätere Klinken-Polieren bei anderen einschlägigen Buchverlagen hatte anscheinend ähnliche Reaktionen zur Folge.

Ob sich ein Verlag zur Realisierung eines Projektes entschließt, hat eine Vielzahl von Entscheidungskriterien. Außenstehende dürften da wohl kaum über Details informiert sein. Und woher will ein Markus Golletz wissen, welche Angebote wir unseren Autoren machen? Markus Golletz hatte bzw. hat keinerlei Einblick in unsere Buchhaltung, weshalb er auch nichts über Zahlungen wissen kann.

Wir raten Ihnen nun, Herr Jürgen de Haas, diese Formulierungen zu überdenken. Sollten Sie diese weiterhin auf Ihrer Seite, für die Sie als Betreiber verantwortlich sind, veröffentlichen, sehen wir uns veranlaßt, rechtliche Schritte bezüglich rufschädigender Äußerungen und Unterlassung zu unternehmen.

Wir hoffen auf Ihre Kooperation und verbleiben
mit freundlichen Grüßen
Harald Denzel