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Offroad beim ADAC ... 

Ein Wochenendtrip nach Kempten


Offroad

Für Fans ein Wort mit einem ganz besonderen Klang. Doch wann bekommt man schon einmal die Gelegenheit seiner Leidenschaft nachzugehen, etwas zu üben, Sicherheit zu gewinnen?

Der ADAC hat einen Geländekurs im Angebot, der viel Freude verspricht und Sie unter Anleitung auf schwerere Prüfungen vorbereitet.

Inhalte auf der Straße: Kurvenfahren und Bremsen
Inhalte Offroad: Handling und Balance, Befahren von Sand- und Schotterpassagen, Hindernisse Überfahren, Wenden am Berg.

Genau so konnte man es lesen Anfang des Jahres 2010 auf der Webseite des ADAC unter "Fahrerlebnistrainíng" - wäre so etwas nicht genau das Richtige für eine bewährte Beifahrerin, z.B. als "Geschenkgutschein" aufbereitet ..?

Gesagt, getan, im April 2010 wird der erste Kurs des Jahres gebucht, der auf der ADAC Fahrsicherheitsanlage in Kempten/Allgäu angeboten wird - für ca. 180 bis 200 EUR pro Person und einen kleinen Zuschlag für einen eventuellen Begleiter, der nicht am Steuer sitzen darf während der Veranstaltung, kann man sich das Vergnügen durchaus gönnen. Das Wochenende soll auch einen ansonsten angenehmen Rahmen bieten, und so fällt die Wahl der Unterkunft schließlich auf das nur wenige Autominuten vom Gelände entfernte Hotel Fürstenhof, günstig gelegen am Rathausplatz inmitten von Kempten. Und auch auf dessen Webseite wird kräftig getrommelt:

Im Fürstenhof sein, heißt mitten in Kempten sein.

Nur hier erreichen Sie in wenigen Gehminuten verschiedenste Lokale, die mit ihren kulinarischen Delikatessen locken oder die malerische Fußgängerzone mit ihren vielen kleinen Geschäften, die zum Shoppen einladen. Der Rathausplatz, der sozusagen direkt vor der Tür liegt, lädt in lauen Sommernächten Kemptener und Nicht-Kemptener zum geselligen Verweilen ein und verwandelt sich in der Vorweihnachtszeit kurzerhand zum Weihnachtsmarkt ...

Vom Brot über Nudeln bis zum Strudelteig wird hier noch alles hand- und hausgemacht und dabei komplett auf Fertiggerichte und Zusatzstoffe verzichtet. Dieser Frische-Purismus spiegelt sich auch in der kleinen aber täglich wechselnden Speisekarte wider. Dazu werden Weine von deutschen und österreichischen Spitzenwinzern sowie Allgäuer Biere und Edelbrände zu fairen Preisen gereicht ...

Laue Sommernächte oder Weihnachtsmärkte sind (zum Glück! ) eher nicht zu erwarten Anfang April, laut Wetterbericht trotzdem eher bescheidene Aussichten, aber die angekündigte Altstadtwirtschaft samt Spitzenweinen und das ADAC-Programm machen neugierig - die Reise nach Kempten kann beginnen!


Samstag, 10.04.10: Die Anreise nach Kempten verläuft problemlos, das Hotel Fürstenhof ist gut zu finden. Aus der Altstadtwirtschaft im Hotelkeller wird heute nichts, eine lautstarke Hochzeitsgesellschaft wird am Abend die Kellergewölbe für sich allein beanspruchen.

Aber Kempten hat zum Glück noch mehr zu bieten, und so folgt dem ausführlichen Stadtbummel ein angenehmer Abend in einem guten und gemütlichen Kemptener Lokal - was will man mehr als Vorbereitung zum "Offroad-Fahrerlebnistag" ..?

Sonntag, 11.04.10: Die Veranstaltung in der Dieselstraße in Kempten, wo sich die ADAC Fahrsicherheitsanlage befindet, beginnt heute Morgen früh: Von 8:15 Uhr bis 16:30 Uhr soll der Kurstag gehen, und so finden wir uns an diesem windigen Morgen schon recht zeitig auf dem Gelände ein ...

Bereits mehrere hier versammelte Geländewagen zeigen, dass man auf diesem Parkplatz wohl richtig ist, lediglich ein amerikanisches GMC Sportsmobile 4x4 Wohnmobil fällt etwas aus dem Rahmen und auch der auffällige Hummer, der hier ebenfalls bereits parkt und die Aufschrift eines Fitnessgroßhandels trägt, lassen Erwartungen auf einen interessanten Teilnehmerkreis entstehen ...

Der Suzuki Jimny, mit dem unser "Team" an der Veranstaltung teilnehmen wird, ist wohl das kleinste Fahrzeug der hier Angetretenen, aber es wird sich als vollwertiges Geländefahrzeug in diesem Umfeld bestens präsentieren, wie man später feststellen kann: Die wohl mehr als ahnungslose Begleiterin eines Teilnehmers wird später äußern, dass es wohl ganz klar sei, dass ein so kleines Auto überall durchkommt ...

Der heute nicht an den Übungen beteiligte "Beifahrer" des Explorer Teams hatte bereits vor vielen Jahren an ähnlichen Veranstaltungen teilgenommen: Bestens in Erinnerung noch das "Westdeutsche Verkehrssicherheits-Institut" in Grefrath bei Krefeld, das seinerzeit auch für Privatpersonen Kurse anbot, die heute wohl nicht mehr so ohne weiteres belegt werden können: Vom Bremshaken bis zum 180°-Turn war alles enthalten, in jedem Fahrzeug saß ein individueller Instruktor, während andere Instruktoren außerhalb des Fahrzeugs für Action sorgten, indem sie z.B. unvermittelt Hindernisse wie Reifen vor das Fahrzeug warfen, um plötzliche Bremssituationen zu simulieren.

Derartiges war mit Sicherheit heute nicht zu erwarten, aber dennoch ist das Erstaunen groß, dass ein "Fahrerlebnistrainíng" wie das vom ADAC angebotene lediglich von einem einzigen Instruktor durchgeführt werden soll. So stellt sich die Frage, wie das funktionieren kann bei insgesamt 7 teilnehmenden Fahrzeugen und dem des Instruktors?

Das Geheimnis wird jedoch schnell gelüftet: Nach kurzer Einführung in die Theorie, in der alle möglichen Aspekte vom Böschungs- und Rampenwinkel über Wattiefe bis hin zur Untersetzung, Bodenfreiheit und ABS, ESP oder Ähnliches zur Sprache kommt, verteilt der Instruktor an jedes Team einen Funkempfänger: Über diesen wird er von nun an mit allen kommunizieren und entsprechende Anweisungen erteilen - Antworten der Teilnehmer sind hierbei nicht vorgesehen ...

Für den außen herumlaufenden "Beifahrer" des Explorer Teams gibt es einen zusätzlichen Funkempfänger - dieser wird sich später immer dann auch für alle Kursteilnehmer als hilfreich erweisen, wenn z.B. der Instruktor das Wort an die Teilnehmer richtet und er dabei im Auto sitzt, während alle draußen stehen und ihm bei seinen Vorführungen zusehen ...

Die Praxis beginnt: Zunächst stehen die angekündigten "Straßeninhalte" auf dem Programm - Kurven fahren und Bremsübungen auch auf bewässertem Untergrund folgen. Während die Bewässerung vom Himmel zum Glück ausbleibt und sich das Wetter im Laufe des Tages zunehmend bessert, wird dagegen an Feuchtigkeit aus der Beregnungsanlage nicht gespart. Im Anblick plötzlich hervor schießender Wassersäulen bei Bremsmanövern mit vorgegebenen Geschwindigkeiten stellt manch ein Teilnehmer fest, dass er keine Chance gehabt hätte, falls es sich anstelle der Wassersäulen um ein "stabileres" Hindernis gehandelt hätte ...

Fotografierend stellen sich zwei Begleit-Damen der Teilnehmer in die Nähe einer Leitplanke hinter dem Schleuderbereich: Kaum hat der Instruktor sie von dort verscheucht, schleudert das GMC 4x4 WoMo auch fast bis zu dieser Stelle - eine der Beiden gehört übrigens zu diesem Fahrzeug ...

Da die meisten Geländewagen hier über ABS verfügen und auch Automatikfahrzeuge dabei sind, muss heute jeder Fahrer seine ganz speziellen Erfahrungen machen, die auch nur für sein Fahrzeug gelten - Bremshaken pur ohne ABS und ohne Automatik, dafür aber mit richtiger Lenk- und Blicktechnik lernte man seinerzeit sehr ausführlich und allgemein gültig beim "Westdeutschen Verkehrssicherheits-Institut". Derartiges wird man ein Leben lang wohl kaum vergessen - vom ADAC sicherlich zu viel verlangt, solches auch bei der heutigen Veranstaltung zu erwarten ...

Der Nachmittag ist voll dem "Inhalt Offroad" gewidmet: Verschränkung, Schräglagen, Steilhänge und anderes stehen nun auf dem Programm. Dass auch dieser Veranstaltungsteil für viele Fahrer sehr wertvoll ist und etliche Aha-Erlebnisse mit sich bringt, ist nicht nur an den Reaktionen in der Gruppe festzustellen. So zeigt sich die Hummer-Fahrerin, die sich später ganz hervorragend im Gelände schlägt, anfangs überhaupt nicht informiert über die Schaltmöglichkeiten, die ihre Automatik in Sachen Untersetzung bietet. Auch der GMC-Fahrer staunt nicht schlecht über die Geländefähigkeit seines Fahrzeugs: Zuletzt ist er nicht der Einzige, der anerkennend feststellt, was mit diesem "WoMo" alles möglich ist ...

Insgesamt ein recht erfolgreicher Tag für alle Teilnehmer und die meisten von ihnen hätten noch am Morgen nicht geglaubt, zu was sie bis zum späteren Nachmittag alles mit ihrem Fahrzeug ganz locker "erfahren" - somit insgesamt sicherlich eine sehr gelungene Veranstaltung, die am Schluss mit einer Urkunde für die Teilnehmer belohnt wird.

Ein wichtiger Aspekt des Offroadfahrens wird allerdings bei diesem Kurs überhaupt nicht behandelt, was jedoch niemandem vor Ort tatsächlich auffällt: Das Bergen eines steckengebliebenen Fahrzeugs aus Sand oder Schlamm findet überhaupt nicht statt - dass dies ein Hauptproblem nicht nur des wüstenbegeisterten Offroadfahrers sein könnte, werden manche der Teilnehmer des "Fahrerlebnistrainings" möglicherweise irgendwann eines Tages noch merken ...


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