(Bericht
von S. Zerlauth)
21.08.2009 -- Nun ja, von Euro-Tour oder selbst
Euro-"Extratour" zu reden, fällt diesmal wirklich schwer
bei Nordost09: Denn mit
dem Euro hat unser heutiges Gastland nun wirklich auf den ersten
Blick rein gar nichts mehr zu tun.
Die Eurozone hatten wir in dem Moment verlassen, als wir von Bord
der Fähre VILNIUS gingen: War es an Bord des Schiffes aus dem
Nicht-Euroland Litauen durchaus noch möglich gewesen, mit dem Euro
zu zahlen, geht bereits in Baltijsk, dem Hafen von
Kaliningrad, nichts mehr in dieser Richtung. Nicht einmal
Euros tauschen kann man hier in Ermangelung einer simplen
Wechselstube, stattdessen wird man zum Ort Baltijsk oder direkt
nach Kaliningrad verwiesen.
Zum Glück braucht man nicht unbedingt den Rubel nach der Ankunft,
wenn alles gut geht, und so war es diesmal auch bei uns. Doch was
wäre geschehen, wenn ..? Nun, wir brauchen uns mit dieser Frage
nicht zu befassen, denn wir erreichen schließlich ohne Probleme
Kaliningrad und dort gelingt es wieder mit viel Glück, ganz in der
Nähe unseres Standplatzes, an dem wir auf unseren russischen
Gesprächspartner von der Firma
Geocamper warten, eine Bank zu finden, wo wir 100,- EUR in
4.450,-
Rubel tauschen können ...

Im Verlauf der späteren Fahrt über die
Kurische
Nehrung fällt es dann aber schon fast schwer, diese Rubel wieder
los zu werden, nachdem uns zuvor die Polizei bei der Reise durch den
Oblast Kaliningrad einmal gestoppt, jedoch auf die Erhebung eines
Bußgeldes freundlicherweise verzichtet hatte. Zwar geht nun einiges drauf für den Eintritt von ca.
25,- EUR (Stand Dezember ´09) in das
Naturschutzgebiet
der Nehrung, den wir kurz hinter
dem Ort Szelenogradsk bürokratisch perfekt zu zahlen haben,
aber danach sind die Gelegenheiten selten.
Die nächste verpassen wir, als man uns in der Ferienanlage VIZIT
zwar keine Campingmöglichkeit,
dafür aber eine Übernachtung in einer Holzhütte ohne Kochgelegenheit
für 3.000 Rubel (ca. 70 EUR) anbieten will. Das erscheint uns trotz
der
offenbar "normalen" Nehrungspreise in dieser Anlage als Abzocke und
wir verzichten dankend - schon wieder Geld gespart ...
Das nahe
gelegene Duna Camping können wir dagegen überhaupt nicht nutzen, da man uns
gar nicht erst auf den Platz lässt - wie sich zeigt, ist das
Ausgeben von Rubeln bei dieser Euro-"Extratour" fast genau so
schwierig wie das von Euros!
Erst kurz vor der Grenze zum Schengenraum mitten auf der
Kurischen Nehrung südwestlich vom litauischen Nida schaffen
wir es wieder, Geld auszugeben: Das Camp Dom Docug gibt uns Asyl in
landschaftlich schöner Umgebung am Haff und wir haben nicht nur einen
Stellplatz für die Nacht, sondern können auch anhand der
ausschließlich in Russisch beschrifteten Speisekarte zu Abend essen
- wird so wohl bald der Anschluss an den Euro-Raum gelingen ..?
Wir übernachten für 500 Rubel, das Abendessen kostet uns wenige
weitere Rubel, bei diesen Preisen kann man nicht meckern.
Die
Dokumentation für unsere Euro-"Extratour" folgt am nächsten
Morgen - unserem letzten Tag auf russischem Staatsgebiet, denn heute
geht es zurück in den Schengenraum, wo bereits das nächste
Bargeldproblem in Litauen auf uns warten
wird, aber das hat noch etwas Zeit ...
Bevor wir die Grenze erreichen, machen wir noch Halt an der
großen Düne Epha - der Parkplatz hier erweist sich bald als echter
Tummelplatz russischer Touristen. Entsprechend gibt es hier auch
zahlreiche
Stände, an denen Bernstein, Bier, Räucherfisch oder Grillfleisch
angeboten wird. Für wenige Euros bekommt man frisch gegrillten Lachs
mit einem Salatteller und Brot, da bleiben immer noch
genügend Rubel übrig für Literatur und Bernstein - was will
man mehr?
Dass hier auf der Nehrung viele zahlungskräftige Russen unterwegs
sind, hatten wir nicht zuletzt bereits am
sichtbaren
Bauboom gemerkt - und dass man hier trotz aller gegenteiligen
Eindrücke wohl doch nicht ganz so weit vom Euro entfernt ist, zeigen
in beeindruckender Weise einschlägige Personengruppen: Die Reihe
westlicher Nobelkarossen mit russischem Kennzeichen, in die man sich
schon bald bei der Ausreise nach Schengenland einreihen muss,
spricht hier eine deutliche Sprache ...
  
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