Mit dem  EXPLORER MAGAZIN "unterwegs":

Spekulationen rund um das Heck: Könnte es so gewesen sein ..?    


Natürlich wissen wir es derzeit noch nicht genau und belegen werden wir das eine oder andere erst dann können, wenn wir Unterwasserfotos vorliegen haben, die weitere Erkenntnisse über den Untergang des Hecks mit sich bringen.

Aber die Bilder vom August 2006, die das versunkene Heck auf Luftbildern zeigen, lassen natürlich eine Vielzahl von Vermutungen und Spekulationen zu. Eine in sich geschlossene und recht überzeugende Variante davon sandte uns direkt nach Veröffentlichung der Bilder Stephan Robmann, der selber nautisch sehr interessiert ist, wie er uns schrieb. 

Und illustriert hat er seine Ablaufbeschreibung auch gleich, die sich als grobe Übersicht an den Erkenntnissen orientiert, die wir bereits in unserem obigen Beitrag und dem über die "Autopsie" der AMERICAN STAR aufgeführt haben. 

Hier also die "Geschichte vom Heck", so wie sie gewesen sein könnte ...


Was geschah mit dem Achterschiff der American Star?

Eine theoretische Möglichkeit, wie es sich abgespielt haben könnte:

Bild 1:

Das Achterschiff ist mittschiffs bei der Bruchstelle aufgelaufen, jedoch im hinteren Bereich der Schraubenwellen und des Ruders erfährt der Kiel keine Grundberührung. Die See greift die Backbordseite an und reißt innerhalb der nächsten Jahre größere Stücke aus der Bordwand des Schiffes. Die Decks beginnen sich an der Aufprallstelle aufzubiegen.

Bild 2:

Die Backbordseite des Hecks beginnt zu sinken, da nun das zusätzliche Gewicht des eingedrungenen Wassers in allen Decks und die instabile Bordwand dazu führen, dass sich der Rumpf verzieht und verformt (rote Linie, zeigt den Umriss), währenddessen die Spitze des Hecks immer noch ziemlich gerade erscheint. Auf der Backbordseite werden die abgerissenen Bruchstücke zu einem Trümmerfeld angehäuft ...
     

Bild 3:

Die Neigung der Decks nach Backbord wird immer stärker und die Aufbauten beginnen sich, deutlich sichtbar von der Steuerbordseite, zu verziehen. Es entsteht der Eindruck, das Heck "rollt" auf die Backbordseite. Das Heck beginnt auf der Backbordseite auf dem Grund anzustehen, wodurch die geneigten Decks und Aufbauten durch die Strömung in Steuerbordrichtung gedrückt werden.

Bild 4:

Die unbarmherzige See holt sich die nun dem Wasser schutzlos ausgelieferten Decks und deren Aufbauten, Stück für Stück, wobei unten zuerst ein Stück fehlt, und darauf die oberen Decks wieder ein Stück tiefer stürzen und schräger werden (diesen Prozess konnten wir in diesem Jahr sehr gut auch am Vorschiff beobachten). Gleichzeitig verzieht die Gewalt der Brandung den verformten Schiffsrumpf immer mehr in Strömungsrichtung.

Bild 5:

Innerhalb kurzer Zeit werden auch für die Steuerbordseite die Gewalten der See zuviel und sie gibt nach. Dadurch stürzen die noch verbliebenen schrägen Decks auf der Steuerbordseite wie ein Kartenhaus ineinander und das Heck versinkt vollends im Wasser. Die Strömung leistet ganze Arbeit und schert die oberen, noch verbliebenen Aufbauten weg und lagert sie in Form eines zweiten Trümmerfeldes auf der Steuerbordseite ab.

Anmerkung: Meine Annahmen zum Zerfall stammen aus Beobachtungen von anderen Wracks und aufgrund der Statik des Schiffskörpers. Ich vermute, dass sogar die meisten Strukturen der Decks noch vorhanden sind, jedoch der Rumpf verzogen und quasi flachgedrückt wurde und die oberen Decks und Aufbauten von der Strömung und Brandung weggetragen sind. Diese finden sich sicherlich nun auf der Steuerbordseite im Trümmerfeld wieder ...


Nachtrag: Und Stephan Robmann ist noch weiter gegangen: Ergänzend zu seiner obigen Darstellung hat er sich das Bild von Christian Niehoff  noch einmal vorgenommen und tatsächlich Interessantes dabei herausgearbeitet (auf Bild rechts klicken):

Ich kann leider auch nicht tauchen, drum habe ich mir nochmals die beiden Fotos genau angeschaut und, was ich so sehe, mit weißen Linien verbunden. Dabei ist etwas erstaunliches herausgekommen. Vielleicht lasse ich mich ja auch durch die Strömung und den Schattenwurf täuschen, doch das was da unten zu sehen ist, kann keine Täuschung sein ...

Mit netten Grüssen
Stephan Robmann


© 2006 Explorer Magazin, Schematische Darstellungen: Stephan Robmann, Bildvorlage Wrack: Christian Niehoff