Kapadokien: Einige Anmerkungen ...

Das Städtchen Göreme wird in der Regel von Bussen überschwemmt, man verbindet es sofort mit Kapadokien. Ich durchstreife das Gelände und kann in aller Ruhe meine Fotos machen, ich bin allein auf weiter Flur. Für die Fotos genial, aber für die Menschen, die hier vom Tourismus abhängig sind, eine Katastrophe. Auch in den Souvenir Shops, Cafés oder den anderen vom Tourismus abhängigen Läden: Keine Kunden ...

Hier in der Umgebung findet man die berühmten Erdpyramiden, auch Feenkamine genannt. Schon immer eine Touristenattraktion war hier die Fahrt mit einem Heißluftballon über die Täler mit diesen Kaminen. Heutzutage sind zwar immer noch an die hundert in der Luft, aber die Körbe sind nur mit wenigen Passagieren besetzt. In die Körbe passen bis zu 30 Personen, allerdings kann ich darin nur 3 - 8 Passagiere erkennen. Überwiegend sind derzeit Asiaten in Kappadokien.

Heißluftballonfahrt über den Tälern ... Landung bei den Feenkaminen ... Start mit wenigen Passagieren ...

Am nächsten Tag fahre ich mit der Zicke nach Zelve, dort besuche ich die durchlöcherten Täler. Am Eingang höre ich hinter mir einen Mann auf Deutsch sagen: "Endlich wieder einer da!" Ich schaue mich verdutzt um und frage, was er denn meint. Er lächelt mich an und sagt, dass früher mehr deutsche Touristen da waren. Aufgrund der politischen Lage sei der Tourismus aber eingebrochen. Ich schaue mich um und stelle fest, morgens um zehn Uhr bin ich der einzige Ausländer hier. Ich weiß aber, dass es vor gar nicht so langer Zeit anders war: Da kamen Kolonnen von Bussen jeden Tag hier an und spuckten ihre Fracht aus.

Zelve ist bis Mitte des 20. Jahrhunderts bewohnt gewesen. Dann stürzten einige der Felsen ein, und auch heute noch gibt es immer wieder Felsstürze. Deshalb sind auch einige Teile der Region in den Tälern gesperrt. Ein neues Dorf wurde deshalb ca. zwei Kilometer entfernt gegründet, Yeni-Zelve (neues Zelve). Heute heißt es aber Aktepe.

Der Rundgang durch die Täler dauert etwa ein bis eineinhalb Stunden, kostet 10 TL (umgerechnet ca. 2,30 EUR - Stand 11/2017). Diese einzigartige Tuffsteinlandschaft mit ihren bizarren Felsen erstaunt den Betrachter schon. Ein paar Höhlen können besichtigt werden, man erkennt die Werkzeugspuren noch an den Wänden und Decken. Weiterhin gibt es auch noch einige Kirchen, diese sind mit einfachen Malereien ausgestattet.

Auf zu den Höhlenwohnungen! Kirchenbesichtigung möglich ... Höhlenbehausung wieder bewohnt ...
Faszinierende Tuffsteinformationen ... Felsstürze möglich ... Bizarre Felsen ...
Etliche Kirchen vorhanden ... Verschiedene Malereien ... Fresken mit zerstörten Gesichtern ...
Historische Anlagen ... ... und Gräber für Erwachsene und Kinder ...

Anschließend mache ich mich auf den Weg nach Ürgüp. Unterwegs weist ein Hinweisschild auf eine Kirche hin: Ich biege auf einen nicht befestigten Sandweg ab, aber kein weiterer Hinweis auf die Kirche ist zu sehen. Also heißt es wieder zurück auf die Hauptstraße und weiteren Hinweisen folgen. Die gibt es zur Genüge. In dieser Region wurden unzählige Kirchen in den Tuffstein gehauen. Ab und zu sieht man in den Kirchen noch einige Fresken an den Wänden. Aber immer muss ich feststellen, dass die Gesichter zerstört wurden. Vielleicht haben Ziegenhirten aus Langeweile Zielübungen gemacht ...

Aber auch die Natur arbeitet an der Zerstörung dieses Kulturerbes: Wasser, Kälte und der weiche Tuffstein setzt den Behausungen zu. Oft sieht man, dass die Fassaden weggebrochen sind. Die dahinter liegenden "Zimmer" sind jetzt "Freisitze". Aber man bekommt einen kleinen Einblick in die damalige Wohnsituation. In Ürgüp mache ich einen Halt mit einem Rundgang, esse etwas und fahre dann weiter nach Mustafapasha. Auf dem Weg dorthin gibt es im Pancarlik Tal eine weitere Kirche. Die Fresken im Inneren sind noch relativ gut erhalten - aber fast alle Gesichter sind wieder zerstört ...

Am nächsten Tag bleib ich noch in Göreme und besuche das Open-Air-Museum: Vom Campingplatz aus kann man dieses Museum gut zu Fuß erreichen. Es liegt ca. 1,5 km außerhalb von Göreme. Hier sind auch einige Touristen angekommen, Japaner, Chinesen, Franzosen, Engländer - aber keine Deutschen. Der Eintritt kostet 30 TL (ca. 6,70 EUR - Stand 11/2017). Auch hier werden wieder schöne Einsichten in die Lebensräume der Ureinwohner geboten.

Mein Aufenthalt in Göreme endet und auf der Rückfahrt möchte ich noch eine der unterirdischen Städte in Derenkuyu besuchen. Und wieder bin ich allein, ich verschwinde in der Unterwelt und sofort kommt ein beklemmendes Gefühl auf: Die Gänge sind niedrig und eng. Hier haben einst so an die 3.500 Menschen gelebt. Zur Zeit der Christenverfolgung haben sich die Menschen an solchen Orten eingegraben, bis auf 85 Meter Tiefe haben sie ihre Höhlen gebuddelt. 45 Meter davon sind für den Tourismus freigegeben. Von diesen unterirdischen Städten soll es an die 50 geben, aber es sind erst 36 gefunden worden. Auch nimmt man an, dass es zwischen den Städten, die einige Kilometer auseinander liegen, Verbindungstunnel gab.

85 m tiefer Schacht oder Brunnen ... "Mühlsteine" als Verschluss ... Die Gänge sind niedrig und eng ...
Verwirrendes Labyrinth ... Nichts für Besucher mit Platzangst ... Belüftung bis heute einwandfrei ...
Beklemmende Gefühle möglich ... Wie mag das hier unten mit der Hygiene funktioniert haben ..?

Als ich unten angekommen bin, frage ich mich, wie das wohl mit der Hygiene funktioniert hat, haben die oberen den unteren "auf den Kopf gepinkelt"? Aber diese Frage wird mir nicht beantwortet ...

In diesen "Räumen" waren sowohl eine Weinpresse als auch die Tiere untergebracht. Um den Zugang zu versperren, wurden große aufrecht stehende "Mühlsteine" in die Gänge gerollt, ein von außen kaum zu öffnendes Hindernis. Die Belüftung funktioniert heute noch einwandfrei, bis zu 1.500 Belüftungskamine wurden zu diesem Zweck in den Tuff gebohrt. Ich bin erstaunt über diese Meisterleistung, die vor ca. 2.000 Jahren erbracht wurde. Personen, die größer als 190 cm sind, Probleme mit dem Rücken und Knien haben oder unter Platzangst leiden, sollten diese Besichtigung vermeiden: Die Gänge sind zum Teil nur 1,00 m hoch und eng ...

Ich esse eine Kleinigkeit und mache mich wieder auf den Weg, der soll mich zurück an die Küste bringen. Bis Silifke sind es ca. 400 km. Gut zu schaffen, da ein Teil Autobahn ist. Diese Fahrt führt mich auf 1.400 - 1.600 m Höhe durch riesige Getreidefelder. Auch Obstplantagen sehe ich rechts und links neben der Straße. In Silifke angekommen, suche ich einen kleinen Campingplatz auf. Er liegt direkt am Meer, außer mir erneut keine weiteren Camper.

Als der Platzinhaber mich fragt, ob ich Hunger auf einen Salat mit Calamari habe, sage ich nicht nein. Darufhin drückt er mir eine Angel in die Hand und meint: "Dann musst du die fangen". Ich schaue etwas doof aus der Wäsche und glaube, er macht Witze. Nein, er meint es ernst! Also ab auf den Steg, die Hungerpeitsche ins Wasser gehalten und warten, warten, warten ... Nach einer Stunde hab ich allerdings keine Lust mehr, lege die Angel an die Seite und hole mir etwas aus meiner Verpflegungskiste.

Angelplatz zur Selbstversorgung? Barbarossa zu Besuch ..?

Am nächsten Tag mache ich eine kleine Tour in die Berge: In einem Fluss in der Nähe soll Kaiser Barbarossa im Jahr 1190 auf dem Weg ins Heilige Land ertrunken sein. Ich finde den Gedenkstein und schaue in das Flusstal: Der Göksu schlängelt sich in Richtung Meer und welch ein Panorama bietet sich hier ..!

Ich fahre weiter Richtung Mut, die Stadt liegt in einem Tal. Es ist heiß und stickig, kein Wind der etwas Abkühlung bringt. Also hinauf in die Berge, die Zicke muss wieder bis auf 1.800 m hochklettern. Ziegenherden kreuzen meinen Weg, eine Gams sehe ich links neben mir die Felsen erklimmen. Ich bin streckenweise allein auf der Straße und genieße das auch.

In einem kleinen Dorf mache ich Rast und gönne mir einen Tee mit einem Toast. Einige ältere Dorfbewohner schleichen um die Zicke herum, trauen sich aber nicht zu fragen. Aber irgendwie kommt dann doch noch ein Gespräch zustande. Mit meinem Holpertürkisch schaffe ich es, einige Dinge zu erklären, die Photovoltaikanlage, den Innenausbau, usw. Freundlich verabschieden sie sich, ich mache mich weiter auf den Weg in Richtung Küste. Gegen Abend bin ich wieder am Campingplatz angekommen und diesmal sind auch andere Gäste da: Es werden Fotos von der Zicke und mir gemacht, ein bisschen gefragt, erklärt. Eben so, wie ich das schon zigmal gemacht habe ...

So langsam endet meine Tour: Am nächsten Tag fahre ich die Küste entlang Richtung Anamur und dann weiter nach Alanya. Während der gesamten Tour hatte ich KEINE Probleme irgendwelcher Art. Trotz der angespannten Lage kann ich diese Exkursion empfehlen. Ich habe immer wieder feststellen müssen, dass wir Deutschen noch immer gern gesehen und auch freundlich bedient werden. Und eines steht auch fest: Wir fahren oft in Gebiete, die wesentlich gefährlicher zu bereisen sind. Meine ehrliche Meinung, die Türkei ist von Deutschland in drei bis fünf Tagen zu erreichen, hat viel zu bieten, Geschichte, freundliche Menschen, viel Gegend und auch viele Kilometer schöne Küstenabschnitte, usw. Warum dann nicht eine Fahrt in dieses Land ..?

Strand in Anamur ohne Touristen ... Burg in Anamur (1) Burg in Anamur (2)
Burg in Anamur (3) mit Moschee aus dem 13. Jhdt. Burg in Anamur (4) Burg in Anamur (5)

Die Zicke hat allerdings wieder zugeschlagen, sie hat immer wieder Überraschungen auf Lager. Nicht nur das Getriebe, der Öldruckschalter, sondern auch die Ventilschaftdichtungen sind mittlerweile neu, die Ventile sind eingestellt, der Fahrersitz ist aufgemöbelt, ein Stellmotor der Leuchtweitenregulierung ersetzt, alle Gummilager des Fahrwerks erneuert, der Motor, das Getriebe und die Vakuumpumpe abgedichtet und noch viele weitere Kleinigkeiten sind erledigt. Es wird nicht langweilig. Aber die Zicke hat Charakter, ist geradeaus, ehrlich und kompliziert. Käufer hätte ich genug, aber sie bleibt bei mir.

Dieses Jahr muss sie wieder aus der Türkei ausreisen. In den eineinhalb Jahren, die sie in der Türkei lebt, habe ich sie wieder auf Vordermann gebracht oder bringen lassen. Technisch ist sie aufgewertet worden. Ich glaube, sie ist traurig, wenn sie wieder nach Deutschland muss. Da gibt es nicht viel, was ich ihr bieten kann, kein Gelände, wo sie sich wohlfühlt, überall Verbotsschilder und noch vieles mehr, was verboten ist. Also muss ich mir etwas einfallen lassen ...

Die Zicke und ihr Herr ..? Tee trinken in einem Dorf ...

Der Dieselverbrauch auf der Kappadokien Rundfahrt lag bei 8 l/100 km, der Ölverbrauch nicht messbar. Und das bei einer gesamten Kilometerleistung von geschätzten 300.000 km. Genau kann ich das nicht sagen, weil einer der Vorbesitzer den Tacho um ca. 100.000 km zurückgedreht hat. Aber ich bin zufrieden. Einige Roststellen werden noch beseitigt und die Einstiegsholme erneuert. Dann ist sie fertig für den deutschen TÜV ...


© 2017 Ludwig Hauhoff  (Hauy)



Auf dem Weg zum "Nordpunkt" ...Anm. der Red.: Weitere Beiträge von Hauy in unserem Magazin:

Und seine Berichte zur Punktesammlung mit besonderen Punkten Europas: 


Und noch ein Hinweis: Auch zwei andere Autoren unseres Magazins haben sich übrigens bereits schon einmal auf den Weg nach Kappadokien gemacht: