Bau eines Offroad-Anhängers 

Der Terrano bekommt einen Begleiter ...


Zur Entstehung

Vor einiger Zeit habe ich mir einen kleinen gebrauchten Anhänger zugelegt: Da mein hier schon vorgestellter Terrano II einen kurzen Radstand hat, habe ich mich entschlossen, diesen Anhänger für meine Reisen und Bedürfnisse umzubauen.

Der kleine Anhänger, Baujahr 1988, hatte einige Roststellen, das Holz war verschlissen und auch die Lackierung war an mehreren Stellen angegriffen. Aus diesem Grund wurde er von mir komplett zerlegt, was innerhalb von einer Stunde erledigt war. Die Radlager (Schrägrollenlager) wurden gecheckt, neu geschmiert und eingestellt. Mit Flex und Drahtbürste wurde der Rost entfernt, anschließend erfolgte eine Konservierung mit Rostgrundierung. Danach wurden die Stellen des Kastens verstärkt, an denen die Achse und die Deichsel verschraubt sind ...

So fing es an ...

... und so ging es weiter ...

Im Bereich der Heckklappe war der Rost auch fleißig und hatte den Querträger zerfressen. Dieser wurde erneuert, genauso wie die Heckleuchtenbefestigung. Aus einem Aluriffelblech habe ich mir anschließend zwei Kotflügel kanten lassen: Die Besonderheit dieser Kotflügel ist, dass sie aus drei Teilen bestehen und an den Ecken verklebt und vernietet sind. So kann ich bei eventuellen Beschädigungen die Teile austauschen und muss nicht den gesamten Kotflügel erneuern.

Vor den Kotflügeln sind rechts und links jeweils zwei Airline Schienen angeklebt und genietet. Hier kann ich bei Bedarf weitere Ausrüstungsgegenstände befestigen. Zwischen den Heckleuchten und den Kotflügeln sind ebenfalls je eine Airline Schiene und eine kleine Plattform angebracht. Vorn sind vor den Kotflügeln Abweiser aus Alu-Profil verklebt und vernietet. Auf diesen Abweisern können Kanister an den Airline Schienen befestigt werden.

Der Deckel ist vorne angeschlagen und wird mit zwei Gasdruckdämpfern angehoben. Auf dem Deckel sind auf jeder Seite drei kleine Airline Schienenstücke verklebt und verschraubt. An diesen kann ich eine Reling o.ä. befestigen. Auch ein Dachzelt oder das Reserverad kann hier montiert werden. Die Gasdruckdämpfer sind so stark, dass sie den Deckel trotz der Last noch anheben können.

Mit Dichtungen wird das Innere des Kastens gegen Feuchtigkeit gesichert: Der Innenraum besteht aus Sperrholz, rechts und links sind zwei horizontal verlaufende Airline Schienen und vorn in den Ecken je eine vertikale Airline Schiene verschraubt. So kann ich meine Ladung sichern.

Die Heckklappe ist links angeschlagen: Meine Überlegung ist die, dass ich später eine "Küche", wie sie in einigen Klappzeltanhängern zu bekommen ist, einbaue. Und diese Küche wird nicht an der Heckklappe befestigt, sondern aus dem Kasten entlang der Heckklappe ausgezogen. Aber diese Idee reift noch.

Als Bereifung habe ich 235/75 R 15 auf einer 5-Loch Stahlfelge mit Lochkreis 112 mm aufgezogen (Mercedes oder Ford). Die Reifengröße ist die gleiche wie auf meinem Terrano. Eine Adapterplatte für meine 6-Loch Terrano Felgen habe ich noch nicht organisieren können: Aber kommt Zeit, kommt Rat! Als Alternative habe ich ggf. noch zwei Alufelgen von Mercedes - diese müssen aber erst noch hergerichtet werden ...

Bei der Arbeit ... ... der Rohbau ist in vollem Gange ...

Trocknen kann er alleine ... ;-))

Der Anhänger hat eine Spurweite von 1.400 mm, der Terrano von 1.450 mm an der Hinterachse, gemessen mittig an den Reifen. Der Anhänger ist so breit wie der Terrano, im Spiegel sehe ich gerade noch die Kotflügel. Im Geradeauslauf kann es allerdings vorkommen, dass der Anhänger von rechts nach links springt und sich nicht wirklich entscheiden kann, welcher Spurrille er folgen soll. Aber in Kurven läuft er dann in der inneren Spurrille und ist stabil, was ich durch mehrere Fahrversuche feststellen konnte. Die Spur des Anhängers lässt sich noch durch eine Spurverbreiterung um 30 mm auf jeder Seite verbreitern.

Die Kabel verlaufen in einem Hohlraum rechts und links entlang der Seitenwände: Sie liegen geschützt und können nicht hängen bleiben und dann abreißen. Verbaut ist ein 13-poliger Jägerstecker. Im Innenraum habe ich die Möglichkeit, eine zusätzliche Versorgungsbatterie zu verbauen. Die Ladung erfolgt über die LM des Terrano oder über eine Photovoltaikpaneele. Die Beleuchtung ist Standard plus Nebelschlussleuchte, rechts und links am Heck sind wasserdichte Steckdosen verbaut. Hier kann ich noch Stromabnehmer anschließen (Scheinwerfer, Ladegeräte, etc.).

Die Lackierung wurde mit einer Rolle aufgetragen, die Farbe hatte ich noch im Keller stehen. Aber sandfarben sieht doch auch gut aus, oder ..?

Technische Daten

zGG 650 kg, Leergewicht ca. 160 kg, Kasteninnenmaße 1600 mm x 1050 mm x 400 mm (L x B x H), der Aufbau besteht aus verzinktem Stahlblech, Trapezprofil.  Reifengröße 235/75-15 auf 5-Loch-Stahl- oder LM-Felge, Lochkreis 112 mm, der Deckel ist ebenfalls aus Stahlblech gefertigt. Die Deichsel besteht aus einem Rundrohr und ist 1200 mm lang. So kann ich ohne anzuecken den Anhänger angekuppelt rechtwinklig am Pkw parken ...

Deckel vorn angeschlagen und mit Gasdruckdämpfern angehoben Vor den Kotflügeln rechts und links jeweils zwei Airline Schienen Zwischen Heckleuchten und Kotflügeln Airline Schiene und Plattform
Anbringungsmöglichkeit für Kanister ... Innenraum aus Sperrholz mit Airline Schienen ... Fertig: Die Reise kann beginnen ...

Noch ein Wort zu Kupplung und Achse

Ich habe in mehreren Foren immer wieder Diskussionen über die Kupplung verfolgt. Aber für mich gilt: Die Kugelkopfkupplung ist die gängigste Kupplung in Europa. Und wer braucht wirklich eine Verschränkung von 45° und mehr? Alles andere erscheint mir als Spielerei: Die Verschränkung der Kugelkopfkupplung reicht in 99 % der Fälle aus, die wenigsten werden tatsächlich eine NATO- oder Maulkupplung brauchen. Ich werde diesen Anhänger nicht auf irgend welche "Expeditionen" mitnehmen, deshalb reicht mir das. Genau das gleiche gilt für die Federung der Achse. Blattfeder, Drehstabfeder, gummigefedert usw.: Die günstigste Version sind die gummigefederten Achsen. Für meinen Anhänger sind diese 650 kg Achsen schon für kleines Geld zu haben. Und sie erfüllen ihren Zweck: Wann fährt man schon stundenlang über Wellblechpisten ..?

Das zGG von 650 kg ist bewusst gewählt: Es hört sich nicht viel an, aber ich schleppe auch nicht meinen Hausstand mit in den Urlaub. Mein Terrano hat ein zGG von 2.805 kg, inklusive Anhänger macht das 3.455 kg. Somit falle ich unter die 3.500 kg Grenze und bezahle in etlichen Ländern lediglich die Maut für PKW und nicht für LKW, die erheblich teurer ist.

Wie ich schon bei meinem Dachträgerbau angemerkt habe, kann Alu auch im Anhängerbau sehr gut verklebt und vernietet werden. Diese Verbindungen halten lange. Als Kleber kann hier der Einkomponentenkleber von Sikaflex oder Teroson verwendet werden. Auf Nummer sicher geht man auf jeden Fall mit einem Zweikomponentenkleber. Die Klebestellen sollten dabei gut angeraut und mit einem Reiniger gesäubert werden.

Zusammen mit diesem Anhänger kann ich zusätzlich eine kleine Winde einsetzen: Sollte es nötig sein, den Anhänger ohne Pkw zu bewegen, kann diese kleine Superwinsch-Winde (980 kg Hublast) nützlich sein.

Während der Bauphase tauchten immer wieder neue Ideen auf, die ich versucht habe, in diesem Anhängerbau umzusetzen. Nicht immer ist es mir geglückt, aber das meiste schon. Eigentlich sollte es ein "ganz normaler" Anhänger werden, eigentlich. Und nun ..?

In der Theorie gibt es keinen Unterschied zwischen Theorie und Praxis, in der Praxis schon: Und aus diesem Grund wird mich der Anhänger diesen Sommer bei einer weiteren "Renovierungstour" nach Alanya in die Türkei begleiten und von mir dort ausführlich getestet werden. Ich habe direkt neben meiner Hütte Offroadstrecken ohne Ende: Da werde ich dann feststellen, wie sich meine theoretischen Überlegungen in der Praxis bewähren ...


© 2014 Ludwig Hauhoff (Hauy)