Spanien  Mallorca -

17. Bundesland oder Insel der vielen Gesichter ..?


Wildromantische Strände, atemberaubende Berge und eine bezaubernde Küche: Mallorca ist weit mehr als Ballermann und Saufgelage. Auch Kulturinteressierte, Sportler und Genießer kommen auf der Balearen-Insel gleichermaßen auf ihre Kosten ...

Zwischen Mandelblüten und Olivenhainen

Mallorca: Die größte Insel Spaniens ...Die größte Insel Spaniens bietet neben der Hauptstadt Palma de Mallorca 52 weitere Städte und Gemeinden, fast 200 Strände und Badebuchten sowie eine tolle Landschaft, die zum Wandern, Radfahren oder Tauchen einlädt.

Im Norden der Insel kommen Wanderfreunde auf ihre Kosten. In der Serra de Tramuntana gibt es weitläufige Wanderpfade entlang der Nordwestküste der Insel. Dort zeigt die Insel ihr mediterranes Herz: Olivenhaine, Steineichenwälder und Zitrusplantagen säumen die Wanderwege, die am besten in den kühleren Monaten zu entdecken sind. Die Schlucht Torrent de Pareis ist unter Urlaubern mittlerweile zu einem wahren Klassiker geworden. Für die heißen Sommermonate empfiehlt es sich, bei Höhlenwanderungen der Sonne gekonnt aus dem Weg zu gehen. Knapp 4000 Höhlen soll es auf Mallorca geben.

Kulturfreunde werden eher vom westlichen Teil der Insel begeistert sein: Dort kann die atemberaubende Gartenarchitektur bewundert werden. Opulente Jasminsträucher verströmen in den Gärten von Alfàbia ihren betörenden Duft. Die aus maurischer Zeit stammenden Kleinode mit ihren wilden Gewächsen und Herrenhäusern sind definitiv einen Besuch wert.

Unberührte Natur lässt sich hingegen südlich der Insel finden: Der Nationalpark des Cabrera-Archipels ist zwischen dem 01. April und dem 30. Oktober über kleine Fährboote zu erreichen. Besonders schön: Auf Cabrera darf sich nur eine bestimmte Anzahl von Besuchern aufhalten, so dass die Natur fernab von Touristenströmen  genossen werden kann ...

Städtetrip in die Hauptstadt

Die Kathedrale von Palma ...Palma sollte sich niemand entgehen lassen, der auf Mallorca ist. Mit einem Frühstück im Freien in einem der zahlreichen Restaurants und Cafés beginnt der Tag in der Hauptstadt. Nach der Stärkung am Morgen sollten unbedingt die Läden des Ortes unsicher gemacht werden: In Palma lässt es sich gut shoppen. Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass die meisten Läden von 14 bis 17 Uhr Siesta haben.

Wer nicht einkaufen gehen möchte, dem sei morgens der Besuch in der berühmten Kathedrale Sa Seu ans Herz gelegt. In den frühen Morgenstunden scheint die Sonne in das bunte Glas der Rosette und zaubert ein wundervolles Licht ins Innere des sakralen Baus. Im Frühsommer hat die Kathedrale ab 10 Uhr geöffnet. Ein anderer sehenswerter sakraler Bau ist das ehemalige Kloster Convent de Sant Antoni Abat. Im ovalen Innenhof lässt sich bei angenehmer Stille der Lärm der Welt ausblenden.

Kunstliebhaber finden im Museu Es Baluard moderne Kunst von Dalí bis Picasso vor. Eine anschließende Wein- und Kaffeepause auf der Plaça de Cort, dem verkehrsberuhigten Platz vor dem Rathaus von Palma empfiehlt sich immer - bei Tapas und Wein lässt sich der Tag besonders gut gestalten. Partywütige finden in Palma allerdings auch noch ihr Auskommen ...

Bezaubernde Strände

Mallorca ist die Insel der Strände: Naturbelassen und kilometerlang ist der Sandstrand Es Trenc im Süden der Insel. Zwar ist der Strand kein Geheimtipp mehr, aber er zählt noch immer zu den schönsten. Auch für Nichtschwimmer und Kinder ist der flache Einstieg ins Meer geeignet. An der stylischen Strandbar lässt es sich zudem gut speisen ...

Paradies für Schnorchler und Romantiker ... Kilometerlange Sandstrände ... ... und atemberaubende Ausblicke von den Bergen ...  

Weißer Sand, flaches Wasser und eine unberührte Strandfläche bietet die Platja des Caragol. Wer diesen unvergleichlichen Strand genießen möchte, muss allerdings auch zu Fuß vom Leuchtturm Cap Ses Salines eine halbe Stunde am Wasser entlang wandern. Umso ruhiger ist es dort aber auch. Wer nicht so gut zu Fuß ist, kann auch vom Hafen von Colonia St. Jordi aus nach Süden laufen. An der Platja des ses Roquetes lässt es sich ebenfalls aushalten.

Schnorchler und Romantiker finden in der Bucht Cala S'Amonia nach 122 Treppenstufen ein schönes Kleinod. Wer dort noch ein wenig weiter an den Fischerhäuschen vorbei läuft, kommt zur Cala de sa Comuna. Der Steinstrand ist wunderschön und hat kristallklares Wasser. Allerdings braucht man festes Schuhwerk ...

Segeln, Reiten, Kitesurfen

Auch Sportler können auf Mallorca wahre Paradiese für sich entdecken. Eines der schönsten Segelgebiete findet sich im Nordwesten der Insel: Dort schmiegt sich die Bucht Puerto de Pollensa an die Berge. Pferdeliebhaber finden zahlreiche Naturparks und Strände vor, auf denen sie auf dem Rücken der Tiere in der Nebensaison sogar über den Strand preschen können. Wer es ein wenig gediegener mag, der kann mit einem Kayak zu einsamen Buchten paddeln. Auf der Insel gibt es viele Angebote für Anfänger und Fortgeschrittene. Seesterne, Tintenfische und Barrakudas lassen sich am besten beim Tauchen entdecken.

Geeignete Domizile vorhanden ...Wer lieber festen Boden unter seinen Füßen spüren möchte, der kann sich seine Inline-Skates anschnallen und den Passeig Maritim in Palma unsicher machen. Auch die Szene-Meilen zwischen Portixol und Porto Pi oder aber die Strecke von Illetes bis hinter Magaluf eignet sich für Inliner hervorragend.

Die hohen Berge der Insel laden Radfahrer und Wanderer zugleich ein, sie zu bezwingen. Ein atemberaubender Ausblick ist bei den meisten Bergen die Belohnung.

Individualurlaub in der Finca

Gerade Individualurlauber, die keine Lust auf große Hotelanlagen mit All-Inclusive-Angeboten haben, finden auf Mallorca ein kleines Paradies vor. Von Deutschland aus gibt es zahlreiche preiswerte Flüge auf die Balearen-Insel. Der Flug dauert nicht lang und das Wetter ist meistens gut. Am besten wohnt es sich ganz entspannt in einer abgelegenen Finca. Besonders schöne Fincas lassen sich über den Reiseanbieter fincallorca finden, der sich darauf spezialisiert hat. Dort kann zwischen 400 Fincas ausgewählt werden.

Die bäuerlichen Ferienhäuser verfügen meistens über einen Pool und Saunen, so dass auch der Wellnessfaktor nicht zu kurz kommt. Zwar haben die Fincas meist noch ihre Originalmauern; jedoch sind sie saniert und bieten einen guten Hotelstandard. Von luxuriösen Fincas über romantisch-urige Häuschen bis hin zur modernen Interpretation der traditionellen Bauernhäuser der balearischen Insel können sich Urlauber ihr geeignetes Domizil aussuchen.

Besonders für Wanderfreunde ist ein Urlaub interessant, bei dem von Finca zu Finca gewandert wird. Zuvor können am heimischen Computer die besten Routen ausgewählt werden: Ob durch Zitronenwälder, blühende Mandelbäume im Frühjahr oder immer an der Küste entlang; der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt ...

Massentourismus und Insel des Mülls?

Mallorca steht allerdings nicht nur für bezaubernde Natur, wie jeder weiß, der sich mit der Insel näher beschäftigt. Mit dem Ballermann ist an der Playa de Palma eine Partymeile erschaffen worden, die massenhaft Touristen zu Trinkgelagen und schnellem Spaß auf die Insel gelockt hat. Die Entstehungsgeschichte des als "Ballermann" eingedeutschten und inzwischen schon legendären Balneario 6 in El Arenal reicht zurück bis in die 60er und 70er Jahre. Für viele ist er der Inbegriff von Saufgelagen und Partyspaß aller Art, gelegen an der weltberühmten "Schinkenstraße" etwa auf Höhe des ebenfalls bereits legendären Bierkönigs. Auch der ist gefragtes Ziel von Spaßtouristen, die auf "Malle" natürlich "einen heben" wollen.

Bis zu 10 Millionen Menschen besuchen pro Jahr die Insel. Doch mit der nächtlichen Sangria-Party an der Promenade soll nun Schluss sein: Die Gemeinde von Palma de Mallorca hat Trinkgelage im Freien nach 22 Uhr verboten. Für das kommende Jahr soll der Konsum alkoholischer Getränke auf den Straßen der Playa de Palma gänzlich verboten werden. Diese Entwicklung zeigt sehr deutlich, wie exzessiv jahrelang am Strand gefeiert worden ist. Gerade für viele deutsche Urlauber gilt Mallorca als 17. Bundesland - Interesse an der Insel, ihrer Kultur und Gesellschaft haben die meisten Billig-Urlauber nicht. Vielmehr geht es um Sonne, Strand und Saufen.

Nicht nur der Ballermann zählt zur dunklen Seite der Insel: Auf ihr häuft sich heute so viel Müll an wie an kaum einem anderen Ort in Europa. Mit 800 Kilo Müll pro Kopf und Jahr liegt die Insel auf einem traurigen Spitzenplatz. Nun hat die Inselregierung beschlossen, noch mehr Müll auf die Insel zu holen: Sie kauft Abfall an und verbrennt ihn bei Palma de Mallorca. Das offensichtlich lukrative Geschäft entsetzt Anwohner und Umweltschützer.

Der Müllankauf ist ein deutliches Zeichen für die wirtschaftliche Krise, in der nicht nur Mallorca selbst, sondern ganz Spanien steckt. Händeringend wird nach Wegen gesucht, um Profit zu machen ...

Trotz der eindeutig vorhandenen Schattenseiten des Massentourismus gibt es dabei natürlich aber auch eine gute Seite: Die zahlreich angebotenen Billigflüge nach Spanien können schließlich nicht nur von denen genutzt werden, die sich für die Insel als Riesenstrand oder als Partymeile interessieren. Auch der Besucher, der die vielen positiven Seite der Insel kennt und diese nutzen oder kennenlernen möchte, kann einen solchen Service nutzen und so die kurze Anreise fast noch zum günstigen Ausflug ummünzen. Da Mallorca darüber hinaus auch Ausgangspunkt z.B. für Kreuzfahrten ist, ergibt sich durch entsprechende Angebote hier ebenfalls die Möglichkeit für einen günstigen Einstieg. So nutzte auch das Explorer Team für seine AIDA-Kreuzfahrt im Mittelmeer von hier aus den Hin- und Rückflug mit TUI: Beginn und Ende einer äußerst bemerkenswerten Reise ...

Die Wirtschaftskrise erreicht Mallorca

Arbeitslosigkeit prägt die Insel heutzutage ebenso: Zwar hat sich die Situation im Jahr 2013 ein wenig entspannt, doch die Arbeitslosenquote liegt noch immer bei 20 Prozent. In mehr als 50.000 Haushalten auf den Balearen sind demnach alle Familienmitglieder arbeitslos. Besonders betroffen sind Frauen, Einwanderer und junge Menschen. Auf dem Bau gibt es fast keine Jobs mehr; lediglich der Tourismus verspricht noch ausreichende Beschäftigung.

Versorgung mit Grundnahrungsmitteln: Markt in Inca ...Wie auf dem spanischen Festland wird auch auf der Insel gespart: Bis Jahresende sollen mindestens 347 Millionen Euro eingespart oder mit neuen Steuern gegenfinanziert werden. Bereits in Kraft getreten ist die Erhöhung der Benzinsteuer um 4,9 %. Auch die Immobilien sind von der Krise betroffen: Wie auf dem Festland ist auch auf der Baleareninsel die Immobilienblase geplatzt. Die Preise auf dem einheimischen Wohnungsmarkt sinken seit Jahren unaufhaltsam, ein Ende ist nicht in Sicht. An dieser Entwicklung sind auch ausländische Investoren schuld. Die von Ausländern erworbenen Ferienhäuser und Zweitwohnsitze sind mittlerweile deutlich billiger geworden. Nur hochwertige Immobilien in begehrten Lagen sind preislich stabil und unterliegen dem Abwärtstrend nicht.

Dort, wo wirtschaftliche Verhältnisse schwierig sind, ist Korruption nicht weit: Auch Mallorca gilt als Insel, auf der Korruption an der Tagesordnung ist. Ob größenwahnsinnige Projekte wie der Bau eines Velodroms oder einer U-Bahn; einige oft hemmungslos überteuerte Projekte verschlangen schon hunderte Millionen Euro. Da bei derartigen Investitionen oft die Hälfte von der EU beigesteuert wird, bedeutet das, dass dabei auch jede Menge Steuergeld aus Nachbarländern in privaten Taschen verschwunden ist - natürlich auch aus Deutschland als größtem Nettozahler der EU ...

Die Wirtschaftskrise treibt auf Mallorca immer mehr Einheimische in die Armut: Im Jahr 2011 wurden auf der Insel knapp 4.000 Familien aus ihren Häusern und Wohnungen vertrieben. Sie konnten die Hypotheken und Mieten nicht mehr zahlen. Laut einem Bericht des Kinderhilfswerks Unicef leben auf Mallorca 26 % der Kinder unterhalb der Armutsgrenze. Damit haben die jüngsten Inselbewohner die Rentner überholt. Auch die Zahl der Bedürftigen, die auf Suppenküchen und Armenspeisungen angewiesen sind, ist auf Mallorca extrem gestiegen. Christliche wie private Hilfsorganisationen kommen mit dem Einsammeln von Spendengütern kaum nach. Die Lebensmittelbank "Banco de Alimentos" versorgt mit ihren Spenden und knapp 200 Mitarbeitern etwa 42.000 Menschen mit Grundnahrungsmitteln.

Proteste, Demonstrationen und Auswanderer in der Krise

Die Wirtschaftskrise hat ihre Spuren auf der Insel hinterlassen. Gegen die teils harten Einschnitte wird auf der Baleareninsel fast täglich protestiert. Stellvertretend für die Empörung der Einheimischen kann die Bewegung der indignados, der "Empörten", genannt werden. Sie haben zunächst in Madrid und im ganzen Land gegen die Verantwortlichen der Finanzkrise demonstriert. In Palma wurde die zentrale Plaça d´Espanya besetzt. Auch die Gewerkschaften rufen immer öfter zu Demonstrationen und Protesten auf.

Insel der vielen Gesichter ...Gerade viele Deutsche, die sich während ihrer Urlaube auf der Insel zum Auswandern entschlossen hatten, stehen nun mit leeren Händen da. Sie kamen mit der Illusion im Gepäck, unter der Sonne Mallorcas eine Existenz zu finden und ein Leben auf der warmen Mittelmeerinsel führen zu können. Doch zahlreiche Aussteiger mussten schmerzlich ihr eigenes Scheitern erfahren. So leben viele Auswanderer auf der Straße, schlafen auf Parkbänken oder Felslöchern und sind auf Armenspeisungen angewiesen.

Helfer gehen davon aus, dass auf der Insel um die 100 deutsche Vagabunden leben. Genaue Zahlen existieren aber nicht. Das Rote Kreuz, das sich in der Hauptstadt Palma um die Wohnungslosen kümmert, hat im Jahr 2012 etwa 900 Obdachlose gezählt. Damit wurde ein trauriger Rekord gebrochen. Knapp die Hälfte der Obdachlosen sind dabei Ausländer.

Mallorca - Insel der vielen Gesichter

Ballermann, Sex und Saufen, 17. Bundesland, Hochburg von Korruption und Müll, wundervolle Natur, Kultur und Menschen: Mallorca kann mit Fug und Recht als Insel der Extreme bezeichnet werden.

Allerdings ist der Billig-Tourismus-Sektor lokal begrenzt und kann so vermieden werden, wenn es denn der Besucher auch möchte. Und dann gilt als Fazit: Das Klischee von der "Ballermann"-Insel wird diesem bezaubernden Ort im Mittelmeer jedenfalls nicht gerecht ...


© 2013 Stefanie Bühlchen