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Inzwischen ist der März 2026 angebrochen: Es wird Zeit für die erste Inspektion des LERRYmobils in diesem Jahr. Die Steintreffer des Orkans vom Januar auf der Aluminiumhülle des Fahrzeugs sollen überprüft werden. Bisher sieht es so aus, als wären die Steinschläge nicht durch das Aluminium gegangen. Dazu kommen noch einige Wartungsarbeiten. Alles zusammen könnte eine ganze Woche Zeit in Anspruch nehmen. Da bedeutet für mich, dass ich wieder eine Unterkunft für diese Zeit brauche. Es hilft nichts, die beiden Werkstattbesuche jedes Jahr sind für den Erhalt des LERRY sehr wichtig!
Für die Arbeiten gibt es eine gute Adresse: Caravanas
Sao Pedro Leiria Camping. Die Firma befindet sich in Marinha
Grande, einem Ort, der den Lesern schon bekannt ist. Ich habe bereits gute
Erfahrungen im letzten Jahr damit
gemacht. Dieses Mal sind zusätzlich zur Beseitigung der Steinschläge
wieder
Arbeiten für den Rostschutz am Aufbau und dem kompletten
Unterboden vorgesehen. Außerdem soll die Sitzgruppe neue Bezüge
erhalten: Nach 23 Jahren sind sie mit vielen durchgescheuerten
Stellen versehen.
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Dazu finde ich ein kleines Hotel: Einfach, aber völlig ausreichend. Es ist ein altes Hotel hier in Marinha Grande. Ein wenig ärgerlich ist es, dass man alles nur noch unpersönlich machen kann. Irgendwann gibt es alles nur noch als Automat, auch ein Hotel. Dann ist man vom elektrischen Strom abhängig, ob und wann man hinein und ob man auch wieder heraus kommt. Keine gute Vorstellung. Immerhin gibt es hier ein kleines Geländer vor dem Gebäude, das einzige Geländer weit und breit. Dort kann ich wenigstens mein Fahrrad lassen ...
Am Rathaus der Stadt Marinha Grande, heute ist der 25. April 2026: Portugal feiert die Befreiung zur heutigen Demokratie durch die sogenannte Nelkenrevolution, auf deren Spuren ich bereits vor einem Jahr in der Stadt Peniche war. Bürger und Armee hatten gemeinsam an diesem Tag die Befreiung von der diktatorischen Unterdrückung geschafft. Der Ort Marinha Grande selbst entstand historisch gesehen eigentlich durch einen Wald: Den Pinhal de Leiria, einen Kiefernwald. Nach der Befreiung Portugals von den Moslems zum Ende des 12. Jahrhunderts gab es hier am Rio Lis die ersten Siedler, die aus dem Tidengewässer des Flusses Salz gewannen. König Alfonso III. begann dann zu Anfang des 13. Jahrhunderts mit dem Anlegen des Waldes zwischen der Küste und der Stadt Leiria, die wir ebenfalls bereits kennen. Sein Sohn, König D. Dinis, hat den Wald seinerzeit weiter sehr gefördert. Zuerst diente der hauptsächlich dem Schutz vor den wandernden Dünen, später wurden aus seinem Holz die Schiffe der portugiesischen Entdecker gebaut.
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Im Jahre 1590 wurde hier auch eine erste Kapelle errichtet: Ihr Name war "Santa Maria da Marinha" . Um 1600 wurde der Name auf "Nossa Senhora do Rosario da Marinha" geändert. Ganz in der Nähe gab es damals noch den Ort "Marinha Pequena". Die Ansiedlungen, die sich um die Kapelle gebildet hatten, konnten nun leicht mit dem Ort Marinha Pequena verwechselt werden. Deshalb änderte man schließlich den Namen ein weiteres Mal zu "Marinha Grande". Das einstige Marinha Pequena ist heute längst ein Teil von Marinha Grande und liegt am östlichen Ende dieses Ortes.
Durch den Wald von Leiria aus von Ost nach West fließt der
erwähnte kleine
Fluss Lis, der in der damaligen Zeit noch mit Booten befahren
werden konnte. Dieser Wald wurde dann zur Rohstoffquelle für den
Schiffbau, die Glas- und metallurgische Industrie sowie für die
Harzgewinnung. Er erstreckte sich entlang der Küste auf
eine Fläche von 11,5 ha. Dies waren letztlich die Voraussetzungen
für die weitere Entwicklung
des Ortes Marinha Grande, der seit 1988 eine "Stadt" ist
und heute gut 33.000 Einwohner hat.
Springen wir nun ein wenig in der Geschichte, um zum Ursprung der bedeutenden Glasindustrie der Stadt zu kommen, die ich erwähnte: Im 15. Jahrhundert wurde in Coina, einem kleinen Ort südlich von Lissabon, ein erster Ofen gebaut, um die Buntglasfenster des Klosters Batalha reparieren zu können, das wir als Weltkulturerbe bereits in einem früheren Bericht kennengelernt haben. Im Jahre 1747 musste diese Glasfabrik, geleitet vom Iren John Beare, wegen Brennstoffmangel verlegt werden, und zwar nach Marinha Grande. Doch auch hier hatte der Betreiber kein Glück: Hohe Preise für die benötigte Energie führten im Jahr 1748 letztlich zur Schließung der Fabrik.
Nachdem die Glasfabrik aufgegeben wurde, blieb es erst einmal ruhig in Marinha Grande, die Zeit mit dem Glas schien zu Ende zu sein: Zwanzig Jahre lang stand die Fabrik ungenutzt in dem Ort und verfiel ...
Rund um Marinha Grande und auch unter dem Wald findet sich aber der besondere siliciumhaltige Sand, und mit diesem Sand beginnt auch die Geschichte der traditionellen Glasbläserei in Portugal. Wir befinden uns in Gedanken im 18. Jahrhundert und ich stehe mit dem LERRY auf einem schönen Platz in Marinha Grande.
Die Portugiesen entwickelten im Laufe der Zeit eine wunderbare Technik des Glasblasens, was zunächst nur die Männer lernten. Heutzutage wird dies auch von Frauen ausgeübt, es steht mittlerweile jedem frei, der diese handwerkliche Fertigkeit kennenlernen möchte. Auch neugierigen Kindern wird diese traditionelle Technik bereits unter fachlicher Anleitung beigebracht. Ich bin auch neugierig und besuche deshalb die alte Glasfabrik in Marinha Grande: Sie ist inzwischen in ein wunderbares Museum umgebaut worden. Vielleicht kann ich hier einmal das Glasblasen miterleben, mit einem Glas, hergestellt aus dem Sand der Umgebung von Marinha Grande ...
© 2026 Jürgen Sattler
Portugal 2026




