Frankreich   Rhône 2013

Auf den Spuren der Römer und Päpste ...


Der Weg zur Rhône ...

Wie kommt man als Weinreisender an die  Rhône? Diese Frage muss geklärt werden, will man mit Weinreisen Rettich durch die älteste Weinregion Frankreichs reisen - und genau das haben wir Mitte April 2013 für einige Tage vor.

Mit dem Flugzeug? Nach Avignon? Gibt man die Strecke München <=> Avignon ein, so erhält man allerlei Flugverbindungen, alle mit Umstieg in Paris. Auffallend ist die "lange" Flugzeit von Paris nach Avignon, ca. 3 - 4 Stunden. Das Ziel ist auch nicht AVN (Flughafenkürzel für Avignon Caumont), sondern Avignon TGV (Bahnhof für den Hochgeschwindigkeitszug TGV). Ein Quercheck auf der Webseite des Flughafens Avignon zeigt, dass außer einer wöchentlichen Linienmaschine aus Warschau keinerlei Flugaktivitäten im April 2013 stattfinden ...

Ein wenig Recherche ergibt dann folgende Empfehlung der Air France für die Flugverbindung München <=> Avignon: Man fliegt von München nach Paris, hat eine Stunde (!) Zeit für das Umsteigen einschließlich Gepäck abholen, um dann mit dem Zug, der eine Flugnummer hat, nach Avignon zu reisen. Bei den Details der Reise findet sich auch folgender Hinweis: Bitte beachten Sie, dass eine Teilstrecke Ihrer Reise mit dem Zug durchgeführt wird. Diese Zugreise wird genau wie Ihr internationaler Flug auf Ihrem Ticket aufgeführt. Vor Antritt der Zugreise müssen Sie Ihr Flugticket durch eine Zugfahrkarte austauschen. Dieses sollte bis spätestens 20 Minuten vor der Abfahrt geschehen. Strammes Umsteigeprogramm!

Auf diesen "Stressversuch" haben wir wirklich wenig Lust, zumal wir noch die Weitläufigkeit des Flughafens Charles de Gaulle von unserer Weinreise ins Bordeaux in ausreichender Erinnerung haben ...

So macht das Reisen Spaß ... Leere Bahnhöfe ...

Nun, es geht aber auch einfacher ohne die kuriosen Ratschläge der Buchungsportale: Wir fliegen in das deutlich näher gelegene Lyon, um dann per Zug weiter nach Avignon zu reisen.

Am Flughafen Lyon finden wir dann schnell den angegliederten Bahnhof: Der und seine Anzeigetafeln sind recht leer, unser Zug nach Avignon wird erst 50 Minuten vor Abfahrt angezeigt. So haben wir ausreichend Zeit, den nahezu leeren Bahnhof zu genießen - ach wenn Reisen doch immer so relaxt wäre ...

Wir kommen schließlich an im Bahnhof Avignon Centre und müssen dann weiter zum vereinbarten Treffpunkt am Bahnhof TGV, der wiederum etwas außerhalb von Avignon liegt. Die Bushaltestelle erscheint zunächst gut ausgeschildert, aber da sie sich hinter der Stadtmauer verbirgt und man dort an der Beschilderung gespart hat, müssen wir uns auf den letzten 20 Metern doch noch durchfragen.

Am Bahnhof TGV verkürzen wir uns die Wartezeit mit Pernod und Baguette. Am frühen Nachmittag sind dann alle eingetroffen. Ein großes Hallo, denn neben Gerhild Burkard, die in einer Person unsere Reiseleiterin, Sommelière und amtierende Deutsche Champagnerbotschafterin ist, treffen wir auf Lothar und Sabine, mit denen wir bereits Burgund, Bordeaux und das portugiesische Douro-Tal bereist haben. Verstärkt wird die Truppe durch Pedro, mit dem wir aus München angereist sind - auch er diesmal schon ein alter Weinreisenhase, der bereits in Portugal mit von der Partie war. Neu für uns ist die waschechte pfälzische Winzerin Karin, die aber in der Vergangenheit auch schon mit Gerhild in Sachen Champagner unterwegs war. Ein kleiner überschaubarer, wein- und wissensdurstiger Haufen, der wunderbar in einen Kleinbus passt und sich von Gerhild in bewährter Weise chauffieren lässt.

Unser erstes Ziel ist das Hotel Les Florets in Gigondas. Malerisch gelegen am Fuße der Dentelles de Montmirail, diesem unverkennbar markanten Gebirgszug mit seinen gezackten Kämmen. Auch im weiteren Verlauf unserer Reise werden wir auf eine Vielzahl ganz außergewöhnlicher Fotomotive treffen.

Wir beziehen unsere hübschen Zimmer, die mit antiken Möbeln eingerichtet sind und bereiten uns vor auf den Auftakt am Abend ...

Lernen mit Freude ... Weinauswahl zum Filet de taureau poêlé, pomme de terre Macaire ...
Vortrag des ansässigen Winzers ...

Im Garten des Gästehauses bekommen wir zunächst Theorieunterricht und auch jede Menge Lehrmaterial: Gerhild erzählt zusammen mit einem Winzer der Cave de Vignerons de Mont Ventoux das Wichtigste über die Weine der Region, die Weinanbaugebiete, Rebsorten, Terroirs, die Höhenlagen und das Klima. Die alte Platane muss als Kartenhalter dienen. Begeistert führt uns der französische Winzer seine Wetter-App vor, so hat er seine Weinberge wettermäßig voll im Griff ...

Damit der Stoff süffiger wird, gibt es dazu schon das erste Glas Rhône-Wein mit ein paar Oliven. So drückt man die Schulbank gerne. Wir werden in den folgenden Tagen den Gebieten

  • Gigondas
  • Vacqueyras
  • Côtes de Ventoux
  • Côtes du Rhône
  • Côtes du Rhône Villages und
  • Châteauneuf du Pape

einen Besuch abstatten, aber auch Weine probieren aus den Regionen

  • Côte-Rôtie
  • Côteaux du Tricastin
  • Rasteau
  • Lirac
  • Tavel und
  • Beaumes de Venise.

Damit erhalten wir einen wirklich umfassenden Überblick zu den Rhône-Weinen, denen das Explorer Team bereits bei der Tour Frankreich 2010 einen ersten Besuch abgestattet hatte.

Die Rebsorten Grenache, Syrah und Mourvèdre beherrschen die Weingärten für die Rotweine, durch geringe Mengen an Carignan und Cinsault ergänzt. Clairette, Viognier, Marsanne, Roussanne, Bourboulenc, Chardonnay  und Grenache blanc sind die Reben der Weißweine.

Das Institut national de l’origine et de la qualité (INAO) reglementiert die Zusammensetzung der Rhône-Weine: So darf der Wein aus Gigondas nur aus maximal 80% Grenache, 15% Syrah und 10% anderen regionalen Sorten wie z.B. Cinsault bestehen. Auf gar keinen Fall darf Carignan verwendet werden. Bei den Weinen der Côtes de Ventoux dagegen sind bis zu 30% Carignan erlaubt. Beim Châteauneuf-du-Pape sind 13 Rebsorten für den Rotwein zugelassen. Ein unglaublicher Regulierungswirrwarr, mit dem wir uns nicht weiter beschweren wollen. Man kann sich vorstellen, wie "unterhaltsam" die Fragen der Winzerprüfung für die Region sind. Bei Bedarf werden wir aber unser Grundwissen in Details vertiefen ...

Anschließend genießen wir das mehrgängige Abendmenü mit einer Auswahl von erlesenen Weinen. Dem Sommelier des Hauses macht die Auswahl der Weine zusammen mit Gerhild sichtlich Spaß: So wird uns unter anderem ein Altitude 500 AOP Ventoux aus 2010 gereicht, der seinen Namen der Anbauhöhe 500 m über N.N. verdankt, dann ein Gigantis AOP Ventoux aus 2009 oder ein Château de Vaudieu Blanc, ebenfalls aus 2010.

Wenn das insgesamt kein gelungener Auftakt zur Weinreise ist  ..!

Die Tourübersicht:

 

Am Fuß der Dentelles de Montmirail ...

Hinweis: In diesem Bericht sind hinter den umrahmten anklickbaren Bildern abweichende Großbilder hinterlegt!


© 2014 Sixta Zerlauth