EXPLORER MAGAZIN:

WAECO antwortet nicht ...

oder: Taubstumm in Emsdetten?

    

Eigentlich waren wir mit dem Teil immer sehr zufrieden: Lange Jahre hatte sie treu ihren Dienst verrichtet, unsere Kompressorkühlbox COOLMATIC FA-30 von WAECO, Emsdetten. Oft zwar ächzend und auch immer wieder mal stotternd - nun, sie braucht eben ordentlich Strom, und das konstant: Keine Kühlbox, die mit schwächlichen Batterien leben mag und sie macht dieses auch lautstark deutlich. 

Oft hatte sie den Fahrer schwer beeindruckt: Wenn er wieder mal Schweißausbrüche bekam im Cockpit, da Explorer "Suntours" angesagt waren, zeigte sie im gleichen Augenblick akustisch an, dass ihr genauso zumute war: Brummend, stöhnend, ächzend machte sie deutlich, dass wir es schwer hatten auf unserer heißen Fahrt ...

So etwas schweißt natürlich zusammen und umso bedauerlicher war es da, als die FA-30 während der "Abenteuer Allrad" 2005 ihren Geist aufgegeben zu haben schien - 4 Tage unerträgliche Gluthitze in Bad Kissingen hatte sie wohl endgültig nicht überstanden. Und so nahm eine Geschichte ihren Lauf, bei der wir uns fragen mussten, ob die in Emsdetten wohl mittlerweile taubstumm geworden sind ...

   

Vor wenigen Jahren war offenbar alles noch anders: Vielleicht hatte man ja zu dieser Zeit noch das Personal, Emails zu beantworten oder vielleicht war man damals einfach noch gewillt, auf Kundenanfragen zu antworten. Schließlich hatten wir da noch nicht so "moderne" Zeiten wie heute, wo man zwar möglicherweise niemanden mehr antrifft, der für Service da ist, dafür aber ein Schild vorfindet: "Wir sind für Sie unterwegs ..."

Nun, damals hatten wir uns eine Schutzhülle für diese Kühlbox zugelegt, die nach Herstellerangaben aufgrund ihrer zusätzlichen Isolierung auch den eingebauten Energiespeicher des Gerätes unterstützen sollte, und genau das wollten wir damit erreichen.

Allerdings stellte sich dann heraus, dass die Außenhülle dieser Hülle schwarz war  - und so kann man sich vorstellen, wie die zusätzliche Isolierwirkung bei nicht zu verhindernder Sonneneinstrahlung z.B. während der Fahrt buchstäblich verdampfte ...

Also schrieben wir im Jahr 2002 eine Mail an WAECO und wir bekamen auch eine Antwort:

18.06.2002

Sehr geehrter Herr de Haas,

zunächst möchten wir uns für das von Ihnen erhaltene Feedback zur Schutzhülle IC-FF30 in Kombination mit der Kühlbox FA-30 herzlich bedanken. Dieses gibt uns die Möglichkeit, die Bedürfnisse der Kunden/Anwender genauer kennenzulernen und hilft uns, unsere Produkte kontinuierlich zu verbessern.

Sicherlich wäre eine Ausführung in weiß oder mit Aluminiumbeschichtung effektiver bezüglich des Wirkungsgrades. Die Schutzhülle dient jedoch nicht nur der zusätzlichen Isolierung sondern auch zum Schutz vor Verschmutzung und Beschädigung. Daher wird eine weiße Schutzhülle nicht lange weiß bleiben, eine Aluminiumfolie außen kann unangenehm blenden (insbesondere bei direkter Sonneneinstrahlung) und ist erfahrungsgemäß nicht sehr beständig.

Wir haben mit der hellgrauen Aussenhaut versucht, hier einen Kompromiß zu finden. Bei der Farbauswahl der dunkleren Oberseite ist uns dieses wie Sie richtig anmerken nicht optimal gelungen. Ihre Anregungen werden wir an das Produktdesign weitergeben.

MfG

Markus Bühner
Mobile Kühlung/Mobile Refrigeration
WAECO International GmbH

Wir wissen zwar nicht, was aus dieser Anregung für das Produktdesign geworden ist, schließlich haben wir bis heute noch keine anderen Schutzhüllen gesehen, aber immerhin gab es eine Antwort und auch der gute Wille war wenigstens erkennbar ...

Doch zurück zu unserem aktuellen Problem: Ganz offensichtlich kühlte unsere FA-30 nicht mehr oder zumindest nicht richtig, was also war zu tun? Wir besuchten die Webseite von WAECO (Stand Mai 2005) und waren sehr beeindruckt vom Produktangebot - ein webtauglicher Hochglanzprospekt präsentierte sich vor uns am Bildschirm. Und dieser Prospekt enthielt wirklich alles von der Kfz-Erstausrüstung über mobile Kühlgeräte bis hin zum Weinkühlschrank - tolle Sache für unseren Rotweinkeller!

Aber leider fanden wir rein gar nichts zu dem für uns so wichtigen Punkt "Service": An wen kann man sich wenden, wenn man ein Problem mit seinem Hochglanzprodukt hat, welche Selbsthilfen werden angeboten, welche Symptome für eine Fehlererkennung sind bekannt? Nichts dergleichen auf der Webseite, offenbar standen hier nur noch Selbstdarstellung und Neuverkauf im Vordergrund - ein schwaches Bild, aber das mit Hochglanz!

Bei allem Verständnis, dass die Entsorgung und Neubeschaffung eines fehlerhaften Gerätes die für den Hersteller interessanteste Fehlerbehebungsalternative sein mag, wollten wir dennoch aber etwas anderes. Also schrieben wir am 30.05.05 erneut eine Mail an WAECO, in der wir diese unsere Meinung äußerten. Aber so viel Kunden-Selbstvertrauen wurde nicht belohnt: Eine Antwort erhielten wir aus Emsdetten leider nicht ...

Also versuchten wir es am 13.06.2005 noch einmal:

"Sehr geehrte Damen und Herren,

in unserer Mail v. 30.05.05 (siehe unten) hatten wir eine Anfrage bezüglich Ihres Service gestellt.

Zum einen hätten wir gern gewusst, an wen sich ein Kunde im Fehlerfall wenden soll, zum anderen ging es um die Frage, ob Fehlerhinweise zu den unterschiedlichen Geräten existieren, die für Kunden eine Hilfestellung sein können.

Leider erhielten wir auf unsere Mail hin keine Antwort. Da wir nicht davon ausgehen, dass eingehende Anfragen dieser Art bei Ihnen unbeantwortet bleiben, bitten wir Sie hiermit noch einmal um Antwort.

Mit freundlichem Gruß

Jürgen de Haas
Explorer Magazin

Wie man sich denken kann, erhielten wir auch in diesem Fall die selbe Antwort: Nämlich gar keine ...

Da wir nun aber trotzdem die Hoffnung nicht aufgegeben hatten, die Kühlbox vielleicht dennoch repariert zu bekommen, machten wir uns auf die Suche: Der Händler, der die Box schließlich entgegennahm, versprach, sich in Kürze wieder zu melden. Der Anruf kam nach einigen Tagen: Die Box funktioniere einwandfrei, lediglich "Unterspannung" sei das Problem gewesen ...

Unterspannung? Nun, die gab es sicherlich in der Tat während der heißen Tage in Bad Kissingen, da die Batterie der Kabine nur noch durch die Solarzelle aufgeladen wurde und bei einer Stromaufnahme der Kühlbox von "(55 - 60 W) x prozentuale Laufzeit" ging die Batterie schon gewaltig in die Knie dabei ... 

Aber was war bei der Heimfahrt? Da hing die Box wie üblich an der Fahrzeugbatterie und lief auch nicht regelmäßig wie ansonsten gewohnt. Also nur "Unterspannung" ..?

     

Wir fuhren wieder zum Händler, man erklärte dort, der Test wäre einwandfrei verlaufen. Die Box wurde wieder eingeräumt und wir versuchten es nun mit der Batterie eines anderen Fahrzeugs: Derselbe Effekt wie vorher! Wurden dagegen maximale 13,5 V an die Box gegeben, lief sie tatsächlich, war die Spannung allerdings nur geringfügig niedriger, lief sie schließlich überhaupt nicht mehr - klarer Fall eines offenbar recht heimtückischen Defekts!

Erneut wurde die Box ausgeladen, man sagte zu, sie nun zusammen mit einer ausführlichen Fehlerbeschreibung an WAECO zu senden. Und einige Wochen später war das Teil wieder zurück: Gemeinsam mit einem Testprotokoll und einer Rechnung, die folgenden Text enthielt:

"Das uns eingesandte Gerät haben wir eingehend überprüft. Wir haben den Batteriewächter eingestellt. Abschließender Probelauf o.K."

Über den Preis kann man sich nicht beschweren, für insgesamt nur wenig mehr als 50,- Euro (inkl. MwSt) einschließlich der Kosten des Händlers haben wir nun wieder eine funktionsfähige Kühlbox - aber dennoch bleiben eine Menge der eingangs gestellten Fragen: Warum gibt es keine Antworten auf Anfragen bei WAECO? Hat man dies aufgrund seiner Stellung am Markt nicht nötig? Nimmt man dort den Kunden nicht ernst? Warum gibt es keine Fehlerhinweise für die einzelnen Geräte? Wenn hier nur ein "Batteriewächter" plötzlich verrückt spielt (warum eigentlich?), warum muss dann unnötiger Zusatzaufwand entstehen, wenn derartiges Verhalten nicht einmal bei Händlern allgemein bekannt ist? 

Und: Warum kann man einen solchen "Wächter" eigentlich nicht selbst einstellen? Wer will uns vorschreiben, wie wir mit unserer Batterie umzugehen haben und wie leer diese werden darf, wenn sie z.B. keine Fahrzeugbatterie ist?   

Fragen über Fragen, aber leider keine Antworten ... 

Nun, da wir taubstumme Anbieter von Produkten überhaupt nicht mögen, werden Alternativen immer gleich viel interessanter: Muss es auch unbedingt immer eine Kompressorkühlbox sein? 

Und so haben wir gleich beschlossen, einmal eine Alternative zu testen: Nur den Bruchteil von einer FA-30 kostet eine "Billigbox". Unsere neue Elektro-Kühlbox "Super Trippy" von Gio´Style S.p.A. hat zwar nur ein Fassungsvermögen von 22 Litern statt der 30 Liter der Kompressorkühlbox, auch kühlt sie natürlich nicht ganz vergleichbar mit der FA-30, dafür kostet sie mit rund 50,- Euro aber auch nur rund ein Zehntel (!), hat einen Stromverbrauch von unter 50 W (so mag es unsere Solarzelle! ) und scheint das Problem der "Unterspannung" eher nicht zu kennen. 

Während der Tage im Testbetrieb bei den Bergfeuern vom Achensee surrte ihr Doppelventilator stets unbeeindruckt - daraufhin haben wir sie im Gegensatz zur FA-30 auch gleich mal mit uns herumgetragen sowohl außerhalb des Fahrzeugs als auch in unserer Kabine - für derartige Aufenthalte und auch solche mit langen Standzeiten wie die in Bad Kissingen eigentlich optimal!

Und so danken wir schließlich den "Taubstummen aus Emsdetten" dafür, dass wir eine weitere interessante Alternative für die einfache Kühlung "unterwegs" kennen lernen konnten - wir werden unsere "Super Trippy" sicherlich künftig regelmäßig nutzen!   


Nachtrag, April ´07: Produktanpassungen ...

Eine Antwort haben wir zwar nach wie vor nicht erhalten von den Taubstummen in Emsdetten, aber offenbar können sie wenigstens lesen: Die aktuellen Produkte, so z.B. die derzeit erhältliche WAECO CF-35, die mit unserer obigen FA-30 vergleichbar ist, enthalten alle diejenigen Änderungen, die wir seinerzeit schmerzlich vermisst haben.

Zum einen hat die CF-35 mit rund 45 W einen niedrigeren Stromverbrauch, darüber hinaus hat sie eine neue Elektronik, die insbesondere den hohen Anlaufstrombedarf mindert und drittens verfügt sie über einen einstellbaren Batteriewächter: Diesen stellt man auf "HIGH", wenn die Box an einer Starterbatterie hängt und auf "LOW", wenn sie über eine Versorgungsbatterie wie z.B. unsere neue EXIDE G60 Gelbatterie im Explorer betrieben wird.

Na also, die Taubstummen aus Emsdetten sind in Hinblick auf ihre Produkte offenbar lernfähig. Wenn jetzt noch eine gewisse Höflichkeit ihren Kunden gegenüber dazu käme ...

Ach ja, noch was, fast hätten wir es vergessen: Die Schutzhülle für obiges Teil ist immer noch oben schwarz - eine bessere Möglichkeit, die Sonnenenergie auf der Oberseite einer Kühlbox zu sammeln, hat man bisher eben immer noch nicht gefunden ...

Aber dagegen haben wir im "Neuen" ja nun unseren eigenen Sonnenschutz