Abenteuer Mobile-Computing ... (1)


So sieht sie aus, die Zukunft ...

Na, habt ihr euren PC auch schon weggeschmissen? Nicht? Dann wird es aber Zeit! Der Trend arbeitet gegen euch. Habt ihr das denn immer noch nicht kapiert? Sinkende Absatzzahlen bei allen PC-Herstellern, alle Welt redet von Wireless Communication und ein Handy bringt mittlerweile schon mehr Anwendungen mit als eine nackte Windows Installation - so ungefähr fünf!

In ein paar Jahren sitzen die Leute nicht mehr an einem PC, sondern surfen mit ihren Smartphones, Tablets und all dem anderen Kram, den sich in letzter Zeit die Marketingstrategen der großen Konzerne ausgedacht haben.

Das ist eben die Zukunft und deshalb sollte man sich verdammt noch mal auch endlich auf den Weg dorthin machen. Seht es endlich ein! Der PC hat endgültig ausgedient: Die Zukunft gehört den PDAs, Webpads und Internet-Kühlschränken ...

Noch ist das Zukunftsmusik, doch nicht mehr lange. Zur Zeit befinden wir uns noch in so einer Art Übergangsphase. Jetzt solltet ihr doch zumindest endlich mal den hässlichen Midi-Tower an eure Schwiegermutter verschenken und auf ein schönes Notebook mit Wireless LAN umsteigen, bevor auch dieses in ein, zwei Jahren durch ein schönes Handy mit intuitiver Bedienung über drei Tasten ersetzt wird.

Alles über drei Tasten bedienen? Tja, die Mehrheit wollte es schließlich so! Wer kann schon effektiv mit den über 30 Tasten einer normalen Computertastatur arbeiten!? Alles viel zu kompliziert! Lernen will das heute keiner mehr und so muss in der Zukunft eben alles intuitiv funktionieren.

So sieht sie also aus, die Zukunft. Dies könnte man jedenfalls meinen, wenn man sich die vollmundigen Versprechungen bzw. Versprecher der Mobilfunkfirmen für die nächsten Jahre hört. Was heute mobil schon möglich ist, erfahrt ihr in dem folgenden Erfahrungsbericht, für den weder Kosten noch Mühen gescheut wurden ..!


Mit HSCSD und GPRS sind in den letzten Monaten zwei neue Techniken auf den Markt gekommen, die uns die mobile Highspeed-Zukunft schon mal etwas näher bringen sollen. Ich habe mal ein wenig ausprobiert, was heute schon machbar ist.

Als Testobjekte für den mobilen Alltag dienten ein Fujitsu Lifebook, ein Nokia 6210 und ein Palm IIIc. Schummeln konnte ich nicht: Ich war und bin tatsächlich fünf Tage die Woche fernab von jeglicher Telefonleitung. Na gut, stimmt nicht ganz. Eigentlich hatte ich nur keine Lust mehr, mich jedes Mal durch die Telefonanlagen der verschiedenen Unterkünfte zu hacken ...

Alles begann also damit, dass ich fünf Tage in der Woche die Abende zumeist offline verbrachte und nach einigen Wochen allabendlichen Fernsehens immer mehr den Drang nach dem Internet verspürte.

Unterwegs mit dem Nokia 6210 ...Ich wusste auf was ich mich einließ, als ich dann eines Tages in dieses kleine Geschäft hereinspazierte, dem Verkäufer mein Anliegen klar machte und mit einem Nokia 6210 und einem D2-Classic-Premium Vertrag (dieser Vertrag ist für Leute mit Telefonrechnungen gedacht, die dem Lohn eines Facharbeiters entsprechen) den Laden kurze Zeit später wieder verließ. Um es vorweg zu nehmen: Es war mein finanzieller Ruin!

Das Nokia 6210 bringt schon von sich aus einen echten Internet-Zugang mit sich. Allerdings eben doch nur über WAP, das so genannte Wireless Application Protocol. Mit WAP kann man tolle textorientierte und kurz gefasste Seiten gestalten und diese dann sogar in endlicher Zeit auch über Mobilfunk übermitteln. Damit entspricht es eigentlich genau dem, was User sich in Umfragen immer wünschen. Eigentlich unverständlich, warum diese tolle Erfindung dann doch floppte.

Auch ein HSCSD-Modem ist voll in das Handy integriert und wie mittlerweile wohl alle Handys, verfügt es natürlich auch über ein Infrarot-Interface. Meine ersten Versuche erfolgten über Infrarot.

Unter SuSe-Linux muss dazu zuerst einmal das Paket „irda.rpm“ installiert werden. Kurze Zeit später konnte ich mittels "irdadump" auch schon den Datenaustausch zwischen Handy und Notebook beobachten. Als Einwahlprogramm kommt bei mir "Wvdial" zum Einsatz. Es dauerte keine Stunde und ich war online! Allerdings schaffte ich immer nur eine 9.600er Verbindung. Nach langem Suchen auf der Nokia Homepage fand ich dann endlich die passenden AT-Kommandos, mit denen angeblich auch HSCSD endlich funktionieren sollte. Aber auch mit den richtigen Commands wollte es mit der schnellen Verbindung nicht so recht klappen ...

Ich wollte die Infrarot-Verbindung als Fehlerursache ausschließen und kaufte deshalb ein Datenkabel. Stolze hundert Mark muss man dafür berappen. Aber es lohnt sich: Kaum hatte ich Handy und Notebook verkabelt, hatte ich auch einen 38.400er Connect.

Von Highspeed aber auch hier keine Spur. Zwar fließen die Daten nun schneller, es dauert aber immer noch sehr lange, bis diese durch das Funknetz "getröpfelt" sind. Surfen wird zur Geduldsprobe! Um Emails abzurufen reicht es aber. Zumindest dann, wenn die netten Kollegen nicht mal wieder eine 2 MB Powerpoint Präsentation oder ähnliches an einen verschickt haben. So was kann einem dann echt den letzten Nerv rauben !

Mit dem Notebook im Zug ..?So richtig Highspeed ist HSCSD aber nun wirklich nicht. Es ist auch nur sehr schwer vorstellbar, dass das Übertragen von Daten mittels Mobilfunk tatsächlich einmal so schnell oder gar schneller wird als über das Festnetz. Durch die langen Antwortzeiten sind die Mobilfunknetze zum Surfen völlig ungeeignet.

Dies führt auch dazu, dass es beinahe unmöglich ist, auf mehreren Websites gleichzeitig zu surfen. Wenn man wie aus dem Festnetz gewohnt, schon mal eine zweite Seite aufruft, während die andere noch lädt, wird die zweite Anfrage nach einigen Sekunden mit einem Timeout quittiert, da die andere Anfrage die "Leitung" komplett dicht macht. Auch ein Klick auf den "Stop-Button" hilft hier nicht weiter, denn die Daten fließen trotzdem noch für einige Zeit weiter und blockieren die neue Anfrage .

Ich kann mich noch dunkel an mein erstes Modem (ein 14.400er) erinnern: Damit könnte man heute im Festnetz noch deutlich schneller surfen als mobil über HSCSD!

Soweit zum Notebook. Richtig mobil ist man damit aber auch nicht. Wer schon mal im Zug einen Platz auf der Seite des Gangs eingenommen hat und dort sein Notebook bereit gemacht hat, wird früher oder später seinen Sitznachbarn vorbei lassen müssen - das passiert allerdings nur, wenn man sein Notebook auspackt. Ansonsten bleiben die Leute stundenlang ruhig sitzen. Dazu muss das unhandliche Gerät unter stetiger Gefahr eines Plattencrashs dann also aus dem Weg geschafft werden.

Insgesamt aber alles doch viel zu unpraktisch, dachte ich mir und erweiterte meine mobile Ausrüstung um einen Palm Pilot. Alles wäre so schön gewesen, wenn die Leute von Palm nicht zu geizig gewesen wären, ein Ladegerät beizulegen. Das hat man eben davon, wenn man sich ein Gerät mit integriertem Akku kauft. Also noch mal in die Innenstadt...

Mit der mitgelieferten Docking-Station und dem Programm Kpilot gelang mir schon bald der Datenabgleich zwischen Notebook und Palm. Termine planen und Adressen speichern kann ja heute jedes Handy. Ein Palm eignet sich darüber hinaus auch vorzüglich für ebooks oder besser gesagt für eNewspapers. Heise, die Süddeutsche Zeitung, Spiegel und viele andere bieten ihren Online-Content speziell aufbereitet an. Heutzutage findet man jede Menge ebooks zum Downloaden, Städte wie Köln z.B. bieten sogar dafür eigene e-Ausleihen an. So kommen täglich die neuesten Nachrichten auf den Bildschirm und im Zug kann man auch dem Sitznachbarn wieder blitzschnell und gefahrlos Platz machen - so macht Mobile Computing dann doch fast schon wieder Spaß ..!

Fazit

Das mobile und vor allem schnelle Internet bleibt auch mit HSCSD und vermutlich auch GPRS weiter Zukunftsmusik. Nach zwei erschreckend hohen Mobilfunkrechnungen habe auch ich wieder einen Festnetzanschluss beantragt ...

Um mal eben die allerneusten News auf den PDA zu laden oder sich finanziell zu ruinieren, sind die Mobilfunknetze aber auch heute schon gut geeignet.

Für Globetrotter im Ausland sieht es allerdings noch schlechter aus: Wenn man überhaupt die Chance hat, sich mobil ins Internet einzuwählen, zahlt man zusätzlich mindestens noch die Roaming-Gebühren. Wer sich gerne fernab von jeglicher Zivilisation aufhält, dem bleibt wohl bis auf Weiteres nur die Kurzwelle ...


Adressen und Infos:


© 2002 Karsten Franke


Nachtrag, Oktober ´03: Und wie es weiter ging, darüber mehr in Abenteuer Mobile-Computing (2)!