Mit dem  EXPLORER MAGAZIN "unterwegs":

5. Scam/Bremach/Iveco Treffen 

Murnau 2009

24.07. - 26.07.2009


Wieder einmal hatte Christian Demmelmair gerufen, diesmal schon zum 5. Scam/Bremach/Iveco Treffen, das erneut im Murnauer Ortsteil Achrain direkt am Ufer der Loisach stattfindet.

Bereits vor zwei Jahren hatten wir es schon einmal vergeblich versucht, zum Treffen nach Murnau zu kommen, doch damals waren wir kurz vor unserem Ziel vom ersten Hagelschlag auf unserem nagelneuen Ford Ranger und dann noch vom beruflich bedingten Rückruf überrascht worden und mussten unmittelbar danach wieder den Rückweg antreten. Dieses Mal wollten wir uns aber nicht noch einmal abhalten lassen und so waren wir schließlich gerne gekommen, denn jeder, der an Reisen, Campen, OffRoad und Outdoor interessiert ist, wird hier herzlich aufgenommen, auch wenn er nicht das "richtige" Fahrzeug dabei hat.

Auf dem urigen Gelände des Rafting-Veranstalters Bavariaraft am Ufer der Loisach können wir uns ausbreiten zu einem angenehmen Wochenende, das auch wettermäßig spannend zu werden verspricht, schließlich ist doch genau ab der Grenze zum Kreis Weilheim-Schongau ab Freitagnachmittag von der Unwetterzentrale Starkregen vorhergesagt worden. Die Wetterfrösche quaken somit zwar von Starkregen, Dauerregen und sonstigem nassen Vergnügen, aber das schreckt die ca. 30 Teilnehmer mit 3 Hunden offensichtlich nicht, die nach und nach mit ihren Expeditionsfahrzeugen eintreffen.

Schon bald finden wir uns in Ufernähe von den diversen Fahrzeugen umgeben: Direkt neben uns steht der Iglhaut von Uli und Fini, dicht davor der nagelneue, futuristisch und riesig wirkende Bremach von Dietmar und Rita, die nicht nur mit ihrem Fahrzeug, sondern auch mit ihren beiden Chihuahua-"Wachhunden" auffallen, die sich mindestens aufführen wie Dobermänner ...

Vor den beiden und auch nicht weit von uns entfernt ein ganz neuer Defender mit Hubdach. Mit seinem Fahrer Jack und Partnerin Roswitha verstehen wir uns ebenfalls auf Anhieb wunderbar und wie wir schnell merken, musste sich der Fahrer bisher noch nicht an Hand unserer Defenderkurse in die Feinheiten der Fahrzeugbenutzung einarbeiten ...

Auf der anderen Seite hinter uns das Fahrzeug von Ingrid und Horst Ellguth, deren Scam mit Bocklet-Kabine zunächst durch ein riesiges "ALEMANIA" auf der Vorderseite und ein fast ähnlich großes auf der Rückseite auffällt. Am folgenden Tag werden wir erfahren, warum derartige Aufkleber am Fahrzeug tatsächlich sehr von Vorteil sein können, insbesondere dann, wenn man z.B. eine halbjährige Reise durch Südamerika plant ...

   

Weiter entfernt auf dem Gelände finden sich noch jede Menge andere interessante Fahrzeuge ein, so z.B. ein umgebauter Feuerwehrwagen mit variocab-Kabine von Nils oder der beeindruckende "mehrstöckige" Bremach von Martin und Angelika aus Österreich, deren "Hochhaus" mit Dachreling für Aufsehen sorgt.

In der Nähe parkt heute auch Christians Toyota, der für den Einsatz bei der Offroad-Medic-Crew vorgesehen ist, die eine umfassende professionelle medizinische Betreuung von Offroad-Veranstaltungen im In- und Ausland anbieten, zu der u.a. Akutmaßnahmen bei Unfällen und allgemeinmedizinische Betreuung von Fahrern und Veranstaltungsteams gehören.

Bald schon ist der große Grill angeheizt und die Grillfete kann losgehen. Als der angekündigte Regen dann schließlich doch im Laufe des Abends losbricht, finden wir in einem großen Zelt Zuflucht und der erste Abend steht im Mittelpunkt von Fachsimpelei über Expeditionsfahrzeuge, Reiseziele und OffRoad-Abenteuer. Da wir das Wetter allerdings wie immer ausführlich angekündigt hatten, müssen wir von da an merklich gegen den Verdacht ankämpfen, dafür auch verantwortlich zu sein ...

Am ersten Abend gibt es bereits manche kuriose Geschichte zu hören, wie z.B. die von Nils, die auch noch perfekt zum 40jährigen Jubiläum der ersten Mondlandung passt:

So sitzt Nils vor kurzem in seinem Garten, als er plötzlich hört, wie sein Wagen in der Garage auf seinem eingezäunten Grundstücks gestartet und heraus gefahren wird: Sofort hechtet er über den Zaun und seinem Fahrzeug hinterher, das noch kurz vor der gegenüber liegenden Mauer zum Stehen kommt. Er reißt die Fahrertür auf und sieht einen Mann im weißen T-Shirt am Steuer sitzen. Nils ruft dem Fahrer zu, was ihm einfällt und fragt ihn, woher er kommt: "Ich komme von Mond" ist die mehr als unerwartete Antwort. Nils fordert den Gast vom Mond nun auf, sofort das Fahrzeug zu verlassen und ihm auf die Terrasse zu folgen, was dieser auch macht.

Während der Mann vom Mond draußen wartet, ruft Nils die Polizei an. Sofort danach kehrt er auf die Terrasse zurück, doch da steht nur noch ein Paar Turnschuhe, der Gast selbst ist weg - ohne seine Schuhe. Nils wirft sich in sein Auto, um den Mann vom Mond zu verfolgen. Er fragt seinen Nachbarn beim Herausfahren, ob dieser einen Mann im weißen T-Shirt gesehen hätte und der Nachbar nickt: Er weist Nils den richtigen Weg und schon kurz danach hat er seinen "Gast" eingeholt. In diesem Moment kommt ihm bereits auch schon ein Streifenwagen entgegen und die Beamten verstehen sofort, als Nils kurz aufblendet und auf den Flüchtling weist: Sie machen den Mann vom Mond dingfest und der lehnt nun am Polizeiauto. Dabei fällt Nils auf, dass der "Gast" auch seine Kaffeetasse mitgenommen hat, die jetzt auf dem Dach des Streifenwagens steht.

Auf dem Rückweg fällt Nils noch ein schwarzes Audi TT Cabrio mit offenem Verdeck und laufendem Motor auf, das offensichtlich im Regen gestanden hatte. Später wird sich herausstellen, dass der Mann vom Mond mit diesem Fahrzeug angereist war, das er sich irgendwo angeeignet hatte. Fazit des außerirdischen Besuchs: Ein leichter Lackschaden an Nils Fahrzeug, verursacht durch einen wohl ansonsten unauffälligen "Mann vom Mond", der nach späterer offizieller Auskunft nur seinen Arzt gewechselt und von diesem wohl falsche Medikamente gegen seine Krankheit bekommen hatte ...

Der Abend schreitet voran: Natürlich werden die armen "Hubdachbesitzer" bemitleidet wegen des Regens, aber alles bleibt nicht nur wie üblich dicht, sondern diesmal auch noch völlig trocken, denn heute haben wir unser Klappdach erst zum Schlafengehen aufgestellt und in der Nacht hört es dann schlagartig auf zu regnen ...

Am nächsten Morgen ist das Wetter wieder schön und Christian lädt uns ein zur Rettungshubschrauberstation des ADAC "Christoph Murnau" vom nahe gelegenen Unfallkrankenhaus Murnau. Christian fliegt seit 15 Jahren als Sanitäter auf dem Hubschrauber mit und wir bekommen eine ausführliche Führung und Informationen auch vom Helikopterpiloten und dem diensthabenden Notarzt. Zunächst wird der Helikopter dafür auf seiner Plattform in den Hangar bewegt.

Wir erfahren, dass dieser Hubschrauber zu den ganz wenigen in Deutschland gehört, die über eine Winde verfügen und dass mit ihm die meisten Windeneinsätze hierzulande erledigt werden. Der Hubschrauber fliegt beeindruckende Einsätze: Seine Winde mit 90 m langem Seil wird vom vierten Mann an Bord bedient, einem Bordingenieur, der im Einsatz die Anweisungen an den Piloten gibt, damit dieser auch ohne Sicht auf den Bergevorgang die Maschine ausreichend sicher fliegen kann. Die Einsatzbandbreite ist weit gefasst: Das "Kundenspektrum" reicht von Hobby-Tauchern, die im Walchensee fahrlässig mehr als 50 m tief tauchen, der Grenze, die selbst für erfahrene Berufstaucher der Polizei gilt, bis hin zu Mountainbikern, die schwer verletzt von einem mit der Winde abgeseilten Arzt versorgt werden müssen.

Die Maschine operiert dabei in der Regel unter Sichtflugbedingen (VFR), auch wenn die Piloten selbstverständlich über eine IFR-Ausbildung verfügen und damit im Notfall z.B. auch Flughäfen wie München oder Innsbruck unter Instrumentenflugbedingungen erreichen können.

Die Höhe des Startplatzes von fast 700 m hier vor der Klinik erfordert bereits besondere Vorkehrungen: Der Hubschrauber fliegt nur mit halber Tankfüllung, um ggf. auch die Zugspitze oder andere Berggipfel anfliegen zu können, wo Unfallopfer versorgt und auch geborgen werden müssen. Verwendet wird der Helikopter neben Rettungseinsätzen ebenfalls auch für Verlegungen von Patienten zu anderen Kliniken.

Wir dürfen uns alles ganz genau aus der Nähe anschauen: Cockpit, Ausstattung, Motoren und den "Fahrgastraum" mit der Patiententrage. Doch schon bald piept es wieder im Hangar und der Helikopter muss in kürzester Zeit startklar gemacht und auf seiner Plattform aus dem Hangar bewegt werden. Noch während wir uns das Büro anschauen mit den ICAO-Karten zur Flugplanung, kommt der Helikopter auch schon wieder zurück: Zum Glück war es diesmal kein ernster Fall, der Patient musste nicht mitgebracht werden ...

Kaum sind wir zurück auf dem Gelände der Bavariaraft, wird der Vortragsraum vorbereitet: Wir haben Gelegenheit, unseren Film über die American Star zu zeigen und können uns auch einen wunderschönen Reisebericht mit Dia-Vortrag von Ingrid und Horst Ellguth über ihre halbjährige Reise durch Südamerika (Argentinien, Chile, Peru) anschauen. Da bekommt man sofort Lust, alles zusammenzupacken und aufzubrechen, aber zum Glück haben wir ja diesmal auch einen Bericht über eine ähnliche Reise im Magazin!

In den Pausen hat man ausgiebig Gelegenheit, sich die anderen Fahrzeuge anzuschauen und die Insassen nach ihren Erfahrungen zu befragen. Jedes Mobil hat seine Vor- und Nachteile und ist auf die individuellen Ansprüche zugeschnitten. Klar, dass man da auch schon mal in den Motorraum kriechen oder die Leistung der verschiedenen Solarpaneele in der Abendsonne richtig durchmessen muss. Dabei wird natürlich mit und ohne Beschattung gemessen ...

Noch hält sich das Wetter und die Forellen werden angeliefert für den Grill: Christian würzt die Fische, füllt sie mit frischer Petersilie und grillt sie für uns alle. Ob er selbst noch einen der sehr leckeren Fische abbekommen hat, ist nicht überliefert, denn der eine oder andere isst dann doch mehr, als er vorbestellt hat - wenn  überhaupt vorbestellt ...

Wir legen zwei der ganz frischen Forellen in den Räucherofen und sie gelingen wirklich gut, wie einige, die davon probieren, uns auch bestätigen.

Kaum fangen wir an zu essen, bricht wieder der Regen los und wir versammeln uns erneut im Zelt: Aber der Regen vergeht bald wieder und das Treiben verlagert sich erneut nach draußen. Später gibt es noch einen weiteren Teil des Berichts über die Südamerikareise und ein großes Lagerfeuer: Dort lernen wir auch Thomas kennen, der heute zur Crew des Rettungshubschraubers gehört und dessen Pickup mit Tischer-Wohnkabine uns schon im Hangar der Hubschrauberstation aufgefallen war. Thomas outet sich als regelmäßiger Explorer Magazin Leser, der einst selbst eine Explorer Kabine hatte, die er persönlich wieder aufgebaut und später erfolgreich über unseren Bazar verkauft hat, weil er aufgrund des überraschenden Wachstums seines geliebten Hundes auf eine Tischerkabine umsteigen musste. Aber er denkt immer noch gerne an seinen Explorer zurück ...

In der Nacht von Samstag auf Sonntag beendet schließlich gegen 1:00 Uhr dann ein weiterer Regenschauer das gemütliche Beisammensein - aber niemand ist traurig, haben wir doch heute ausreichend Unterhaltung gehabt.

Am Morgen danach warten auf uns schon heiße Weißwürste, frische Brez´n und Weißbier, so kann man ein Treffen bei nun auch bestem Wetter im Laufe des Tages schön ausklingen lassen ...

Unser Fazit: Man verabschiedet sich gern mit einem "Bis zum nächsten Jahr!" Danke an Christian und Partnerin Martina, das war ein schönes, gelungenes Treffen!


© 2009 S. Zerlauth


Nachtrag, September ´09: 10 Jahre und 10 000 Einsätze ...

Genau so lautet die Überschrift eines Artikels im Clubmagazin ADAC motorwelt Heft 9 vom September 2009. Berichtet wird in diesem Artikel von einem Jubiläum, nämlich dem des von uns besuchten Rettungshubschraubers Christoph Murnau der Unfallklinik. Als Ergänzung zu unserem Besuchsbericht vom 5. Scam / Bremach / Iveco-Treffen hier der Beitrag des ADAC:

Murnau. Jubiläum für Christoph Murnau: Seit 10 Jahren fliegt der am Unfallklinikum stationierte Hubschrauber unter der Flagge des ADAC. Übernommen hat der Club die Station von einem Privatbetreiber, der von 1994 bis 1999 zu Rettungsflügen abhob. Über 10 000 Mal leisteten die Murnauer Luftretter seitdem schnelle Hilfe. Als einziger Intensiv-Transporthubschrauber in Deutschland ist der Helikopter mit einer Rettungswinde zur Bergung in den Alpen oder in unwegsamem Gelände ausgerüstet.