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In diesem Jahr treibt sich der LERRY besonders lange in Südeuropa
herum: An der Atlantikküste, in dem uins bekannten ehemaligen Fischerdorf
Praia da
Vieira, erlebe ich zum ersten Mal den Ansturm der Touristen mit.
Hier an diesem etwas abgelegenen Ort begegne ich diesmal fast nur
portugiesischen Touristen. Das ist auch bei den Wohnmobilen so.
Danach kommen Spanier und Franzosen. Deutsche, Niederländer oder
Polen tauchen dagegen wirklich nur vereinzelt auf. Langsam wird es für den
LERRY wieder Zeit, seine jährlichen Wartungen in Deutschland zu
erledigen. Meine Doktoren warten auch schon auf mich. Doch der Reihe
nach ...
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Der Strand wird tagsüber richtig voll. Ganz besonders lästig ist ein neuer Trend bei den Urlaubern: Ein Strandtuch und ein Sonnenschirm sind nicht mehr angesagt, inzwischen müssen es Stellwände oder fast kleine Hütten sein. Diese versperren vielen Besuchern am Strand natürlich die Sicht auf das Meer, was dann schon mal zu Problemen führt. Ich selbst lasse mich unter diesen Umständen lieber am warmen Abend am Strand nieder: Ein wunderbarer Sonnenuntergang ist dann immer mit dabei. Und auch die Kurzzeit-Hütten sind um diese Zeit bereits wieder verschwunden ...
Das obige rechte Bild zeigt den Strand an einem Morgen danach: Das sanfte Muster des Sandes kommt vom "Bügeln" des Strandes. Ja, hier werden weite Strandbereiche am Morgen wieder schön glatt gemacht. Die Spuren des letzten Tages, Fußabdrücke und Strandburgen, verschwinden somit.
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Es ist jetzt Anfang Juli 2025: Wieder einmal kam es vor, dass
sich das
Meer über Nacht einen großen Teil des Strandes geholt hat. Diese
im Bild sichtbare gut einen Meter hohe Kante gab es am Tage vorher noch nicht. Es ist
Hochsommer, also sehr warm und eigentlich die Zeit für schönstes
Wetter. Auch nachts, wenn die Liebespaare romantische Stunden am
Strand verbringen. So weit ich weiß, wird aber niemand vermisst ...
Bei ruhiger See wird hier die traditionelle Fischerei weiter praktiziert: Es ist aber nur noch ein kleiner Nebenerwerb mit kleinen Booten, früher waren die erheblich größer. Die gefangenen Fische kommen direkt in den Verkauf zu einem schönen kleinen Fischmarkt im Freien bei den ehemaligen Fischerhäusern hier im Ort.
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Der LERRY und ich stehen nun beide kurz vor der langen Fahrt
zurück nach Deutschland. Da bietet sich ein letzter Waschtag im
Waschsalon von Praia da Vieira an. Dumm ist dann nur, wenn unerwartet
der Trockner ausfällt und deshalb die Wäsche im LERRY trocknen muss. Das sieht dann
immer so aus, als würde ich nicht allein im LERRY leben. Und es
heißt für mich: Wenden der
Wäsche nicht vergessen ..!
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Heute ist der 18. Juli 2025, die Abfahrt nach Norden ist angesagt. Ab Mittag mache ich mich wieder einmal auf den Weg nach Alveite Grande, um die schon im letzten Bericht erwähnten Freunde zu besuchen, in deren Dorf der von mir so geliebte fast 4 Meter hohe Zitronenbaum steht, der ganzjährig 600 bis 800 frische unbehandelte Zitronen trägt. Die Zitrone ist eine wunderbare Frucht!
Die Reise geht später weiter über Sao Felix da Marinha. Das liegt noch in Portugal, während meine nächsten Stationen El Encinar und Tardajos sich bereits in Spanien befinden. Von Tardajos fahre ich weiter bis nach Beasain, das ebenfalls in Spanien liegt und auf mich wirkt wie eine große Stadt. Hier, ganz in der Nähe meines Parkplatzes, finde ich die ersten Spuren eines modernen Zuges, obwohl es hier keinerlei Schienen oder einen Bahnhof gibt. Nur Straßen, aber auch Geschichte ..!
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Für den LERRY ist schnell ein Platz gefunden: Die spanische Stadt bietet diese Parkplätze für Wohnmobile an, dieser hier ist eine einzige Fläche aus Teer und Stein. Nicht die kleinste Spur von Pflanzen ist zu sehen. Zwischen den Häusern sieht das allerdings besser aus. Beasain liegt im Baskenland, und der Ort verfügt tatsächlich über das Flair einer großen Stadt, in der alles in Bewegung ist. Dabei werden hier nur etwa 14.000 Einwohner gezählt. Die Spanier schreiben den Namen dieser Stadt seit 1897 mit einem Akzent über dem zweiten a, die Basken verzichten darauf. Da wir im Baskenland sind, werde ich die baskische Schreibweise verwenden. Der Ort ist umgeben von Bergen und zusammen mit dem Fluss Oria findet man hier eine sehr abwechslungsreiche Landschaft. Die Gründung von Beasain geht bis ins 13. Jahrhundert zurück und da kommt eine Familie Igartza ins Spiel, doch erst einmal geht es nun in die Stadt.
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Ein kurzer Spaziergang in die nähere Umgebung des Parkplatzes
zeigt bereits das schon erwähnte Flair von Beasain. Ganz besonders
interessant finde ich die weiterführende Markierung des
Fahrradweges: Ein baskisches Kunstwerk auf dem Asphalt? War die
Markierungsmaschine vielleicht kurzzeitig allein unterwegs?
Vielleicht war der Arbeiter an der Maschine auch mit dem Handy
beschäftigt und ist falsch abgebogen? Auf jeden Fall ist das
Eregebnis sehr interessant
anzusehen. Zweiradfahrer sollten hier, besonders nachts, besser nur
nüchtern vorbeikommen ..!
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Von der Stadt aus gehe ich direkt zum kleinen Fluss Oria: Er führt am Parkplatz vom LERRY vorbei und als ich dem Fluss folge, erreiche ich schließlich den Ort, der zur Gründung dieser Stadt beigetragen hat: Das Igartza Monument. Die Igartzas waren eine Familie, die an diesem Ort ein befestigtes Haus bauen ließ. Diese Familie wurde deshalb hier am Fluss Oria bekannt, weil sie hier mehrere benötigte Dienste errichten ließ, und zwar nicht nur "industrielle" Dienste. Mit Unterstützung des Flusses Oria, den Wäldern und dem Erz aus den Minen von Zerain und Mutiloa konnte hier allerdings ein erstes Industriezentrum entstehen.
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Wir sehen im Bild den Fluss Oria, der direkt an der Anlage vorbeiläuft, daneben ist die Brücke zur Stadt zu erkennen. Die Anlage entstand im 13. Jahrhundert, die Steinbrücke stammt aus der Zeit gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Vorher gab es hier eine Brücke aus Holz. Alle Steine der Brücke sind noch original erhalten, auch für den Fahrweg trifft das zu. Kurzzeitig hatte man die Brücke mit Teer abgedeckt, später wurde der Teer sehr sorgsam entfernt und die alte Fahrbahn wieder hergestellt. Hier ist der Sitz der Aranzadi-Gesellschaft, in der sich Forscher, Wissenschaftler und andere Mitglieder zusammenfinden, um ein historisches Erbe für die Zukunft zu erhalten. Das bedeutet in diesem Fall, dass sich das gesamte Igartza Monument noch auf seinem angestammten historischen Platz, aber auch gleichzeitig in der Stadt befindet.
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Der Palast entstand nach dem Bau eines ersten Wehrturmes aus dem 12. Jahrhundert an dieser Stelle. Die Außenseite aus Stein trägt eine durchdachte Holzkonstruktion. Zum Zeitpunkt des Baus im 15. Jahrhundert wurden Bäume mit einem Alter von 200 - 300 Jahren verwendet. Er ist der größte Holzpalast im Baskenland, hat eine freitragende Galerie und einen Innenhof. Auch zwei Schießscharten sind noch am Palast zu finden. Der damalige Mörtel war von schlechter Qualität und musste immer wieder erneuert werden.
Inzwischen werden die Gebäude nach Bedarf mit den alten Bautechniken in einem guten Zustand gehalten. Auch der Mörtel wird inzwischen besser sein. Der Großteil des Gebäudes ist noch original. Heute wird der Palast als Konferenzzentrum und Auditorium verwendet. Oben befinden sich die Schlafräume und unten fand das tägliche Leben statt. Hier standen auch die Ställe mit den Pferden. Der Hausmüll wurde übrigens einfach aus dem Fenster geworfen. Was danach mit dem Müll geschah, konnte ich nicht herausfinden. Somit gab es auf dem Gelände sicher noch eine weitere Tierart: Ratten ..!
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Wassermühlen sind im Baskenland weit verbreitet: Es gibt noch mehrere Hundert davon. Diese Mühle hier stellt wegen der geschichtlichen Bedeutung eine Besonderheit dar. Sie war Teil der Dienstleistungen der Familie Igartza, die einen enormen Schub der Entwicklung in dieser Gegend bewirkten.
Der Bau der Mühle geht zurück bis ins 15. Jahrhundert. Zu dieser Zeit war die Technik einer Mühle zumeist noch aus Holz, so auch die Mühlräder. Erst im Jahre 1890 wurden die hölzernen Räder durch solche aus Eisen ersetzt. Die letzte Renovierung fand im Jahr 1970 statt., bei der die Mühle einen elektrischen Backofen für den Brotteig bekam. Gebacken wurde mit Sauerteig und derjenige Teig, der nach einem Tag übrig blieb, wurde am folgenden Tag zum Mischen des neuen Teiges verwendet.

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Der Komplex der Familie Igartza wurde immer wieder an den Fortschritt der Technik angepasst. Die Industrie hier war auf die Erzeugung von Eisen ausgerichtet. Im Jahre 1782 wurde die Schmiede noch einmal komplett erneuert. Zum Ende des 19. Jahrhunderts kam dann das Ende der hydraulischen Schmieden. Es kam die Zeit der Hochöfen. Zu dieser Zeit gründeten zwei der Schmiede, Domingo Goitia und Martin Usabiaga, aus Igartza eine neue Eisenfabrik etwa einen Kilometer flussabwärts: Die "Fabrica de Hierro San Martín", also die "Eisenfabrik von San Martin".
Aus dieser damals von den beiden Schmieden gegründeten Eisenfabrik ging im Jahre 1917 in Beasain ein besonderes Unternehmen hervor: Die "Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles, (CAF)". Das Angebot an Schienenfahrzeugen dieser Firma ist sehr groß. Im Unternehmen entstehen heute Züge für den Nahverkehr, den Regionalverkehr und den Verkehr mit Hochgeschwindigkeitszügen. Hier ein Beispiel:

Von der mittelalterlichen
Schmiede zum Schnellzug - so geht das. Und für das LERRYmobil geht die
Reise weiter ..!
© 2025 Jürgen Sattler, Bild Schnellzug: Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles S.A. - iRel40
Anm. der Red.: Weitere Beiträge von Jürgen Sattler finden sich in unserer Autorenübersicht!
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