Die Nacht des Schreckens
Auch hier in Portugal werden die Winter kälter und vor allen Dingen nasser. Kein Vergleich mehr zu meiner ersten Überwinterung hier in Portugal. Damals war es noch bis in den Januar warm, doch das ist seit Jahren vorbei. Die Winter werden zunehmend nasskalt. Jeden Tag gibt es in inzwischen Warnungen vor Wellenhöhen bis zu elf (!) Metern an der portugiesischen Küste zwischen Figueira da Foz und Nazeré. Ich befinde mich mit dem LERRY ungefähr in der Hälfte dieser Strecke ...
Während ich nun in Marinha Grande bin, toben über Nordspanien und Frankreich Stürme und es regnet in großen Mengen. Auch hier wird das Wetter immer schlechter, es regnet häufig, die Luft bleibt feucht und die Temperaturen lassen nichts mehr draußen trocknen. Unangenehm!

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Ich verlege meinen Stellplatz zu Freunden nach Vieira de Leiria. Wir verbringen hier auch Weihnachten und den Jahreswechsel. Im Ort befindet sich auch ein Waschautomat, der hilfreich ist, wieder einmal saubere Sachen im LERRY zu bekommen. Man muss sich das aber so vorstellen: Am Morgen des nächsten Tages ist das Handtuch im Bad noch immer komplett feucht. Alles am Auto muss geschlossen bleiben, um die feuchte Luft nicht ins Auto zu bekommen. So geht das bis Ende Januar 2026 weiter. Am 27. Januar wird dann aber alles anders!
In meiner Blickrichtung Westen geht die Sonne unter: An Tagen, die nur viele Wolken und ab und zu Regen bringen, ist mir ein eindrucksvoller Sonnenuntergang noch sicher. Nun kommt allerdings das Tiefdruckgebiet "Kristin" auf die portugiesische Küste zu. Der Wirbel dieses Sturms soll etwa bei Figueira da Foz auf die portugiesische Küste treffen. Das ist kein großer Abstand zu Vieria de Leiria, wo ich bei meinen Freunden neben dem Haus den Stellplatz habe, mit Blick nach Westen, von dort kommt der Sturm ...
Zur Sicherheit bringen wir den LERRY am Abend vor das Haus in den Windschutz
gegen die Westrichtung. Die
Nacht kommt. Natürlich hören wir pausenlos die Wetternachrichten, der Sturm
Kristin wurde inzwischen zum Orkan hochgestuft. Dann
passiert es: Das Zentrum des Orkans verläuft immer weiter Richtung
Süden. Bald ist klar, dass es genau in Praia da Vieira an
Land gehen wird, was nur etwa 4 km von hier entfernt ist. Danach wird
der Sturmwirbel direkt über uns hinwegfegen, die
Windgeschwindigkeit wird inzwischen mit 180-190 km/h angegeben.
Allen ist sofort klar: Das gibt eine Katastrophe!
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In dieser Nacht wird nicht geschlafen. Zuerst kommen
schwere Böen: Das Fahrzeug fängt an, sich mit den Böen zu bewegen.
Zur Sicherheit blockiere ich die Räder zusätzlich mit der Bremse.
Ich selbst lege mich auf den Fußboden, mit meinen gut 100 kg
Körpergewicht (ob ich etwas abnehmen sollte?
) hole ich damit
den Gewichtsschwerpunkt im Fahrzeug so weit wie möglich nach unten. Es
ist 3 Uhr am Morgen des 28. Januar, als der Sturmwirbel
kommt. Mit einem Schlag wird draußen alles dunkel: Alle Lichter
sind aus ...
Im Auto brennt jetzt nur noch eine kleine LED-Lampe, als der Orkan über uns herfällt. Der LERRY hat Mühe seinen Platz zu
halten, aber es klappt. Ich liege auf dem Boden und höre draußen die
Schläge der herumfliegenden Teile, alles erfolgt in völliger
Dunkelheit. Nach draußen zu gehen wäre jetzt
lebensgefährlich! Zweimal wird der LERRY auf dem Dach getroffen, auch von hinten sind Treffer zu hören. Dann fliegt etwas
Größeres direkt an der rechten Seite vorbei, von hinten nach vorne.
Gleich darauf knallt etwas genau vor uns auf die Straße, direkt vor die Vorderräder. Ich höre viele Steine rund um das
Fahrzeug auf der Straße aufschlagen, von allen Seiten kommen Dinge
geflogen, der Wirbel ist da ..!
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Es ist inzwischen 6 Uhr, als das Zentrum des Orkans weiterzieht: Die Menschen kommen vorsichtig aus ihren Häusern, ich aus dem LERRY. Überall herrscht die totale Finsternis. Auf den ersten Blick ist nicht viel zu sehen, mit Taschenlampen werden aber die ersten Spuren sichtbar. Das, was an uns von hinten nach vorn vorbeigeflogen ist, war ein kleiner Lorbeerbaum: Er war aus dem Garten herausgerissen worden und flog dann direkt am LERRY vorbei. Dabei hat er den Außenspiegel nach vorn gerissen und die Seite verkratzt. Auf dem Auto liegt ein Kabel, mir wird gesagt, dass das ein "Internetkabel" war ...
Im Schein der Taschenlampen sind die ersten Dinge zu erkennen, die der Sturm mitgerissen hat. Ein Dachziegel kam von einem Haus, das in südöstlicher Richtung von uns steht. Die langen Balken kamen aus dem Westen geflogen und ein Stück Dach fiel genau vor die Räder vom LERRY und kam damit eher aus südlicher Richtung. Die Steine, die das Auto von hinten getroffen haben, kamen von Gebäuden, die nördlich von uns stehen. Ein Zeichen dafür, dass der Orkanwirbel tatsächlich direkt über uns gezogen ist. Dann wird es langsam hell ...
© 2026 Jürgen Sattler










