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Selbstversuch: Fahrt auf der Eisstraße ...


Estland 2026: Unterwegs auf der Eisstraße ...Vorbemerkung der Redaktion: Wir erinnern uns gern an einen ganz speziellen Beitrag vom Autor Michael Gallmeister, der uns u.a. auch von seinen Besuchen in Russland oder der Ukraine in unserem Magazin bestens bekannt ist. Seinerzeit war es aber eine Bilderreise, die er vor einigen Jahren in Lettland mit dem Fahrrad machte, die sich etwas anders darstellte als unsere üblichen Reiseberichte ...

Auch diesmal machte uns einer seiner Kurztripps neugierig, bei dem er sich mit seinem alten Mercedes zu einem "Selbstversuch" aufmachte, eine kurze Reise aus seinem aktuellen Heimatland Lettland hinüber zur westlichen Südspitze des benachbarten Estlands. Diesmal der Anlass etwas für uns sehr ungewöhnliches: Eine erste "Testfahrt" auf einer inoffiziellen, d.h. ungesicherten Eisstraße.

Schweden 2000: Etwa irgendwo ein "Overflow"?Wer sich vielleicht schon mal bei einer Huskytour wie wir vor vielen Jahren während der Millennium-Tour in Schweden mitsamt Schlitten und Hunden auf einen sogenannten "Overflow" begeben hat und die Kufen dabei unter Wasser auf dem Eis eines gefrorenen Sees rutschen sah, kann sich möglicherweise daran erinnern, dass er mit sehr "gemischten Gefühlen" dem Knirschen unter sich gelauscht hat: Weil dabei die Vorstellung aufkam, vielleicht jeden Moment mitsamt Schlitten und Hunden durch die Eisdecke in die Tiefe zu verschwinden. Es war durchaus etwas gruselig auf diesem Streckenabschnitt unterwegs zu sein mit Hunden, die sowas mit ihrem Musher sogar schon einmal erlebt hatten - den Einbruch in die Eisdecke bei -30° C !

Wenn man nun darüber nachdenkt, in vielleicht ähnlicher Sitiuation und mit nicht mal einem Allrad-Fahrzeug über eine inoffizielle Eisstraße hinüber zu einer Insel zu fahren, kann man vielleicht nachvollziehen, dass sich auch dabei ein merkwürdiges Gefühl in der Magengegend breit machen kann bei der Vorstellung, in diesem Fahrzeug zu sitzen ...

Aber da wir unseren Michael als entsprechend schmerzfrei bei seinen diversen Unternehmungen erleben konnten, erschien uns auch diesmal sein Kurzbericht mit zwei Youtube-Videos recht spannend (Für die englischsprachigen Links gibt es bei Anklicken von (->DF) dahinter eine deutsche Fassung, evtl. 2x "Nur notwendige Cookies akzeptieren" dabei anklicken).


Mein Wunsch war schon seit vielen Jahrzehnten einmal eine Eisstraße vom Festland übers Meer zu einer Insel mit dem Auto zu überqueren. Erst dieses Jahr wurden nach längerer Zeit und anfänglichen Problemen wieder mal drei Eisstraßen offiziell vom estnischen Staat organisiert und freigegeben.

Wegen den in den letzten Jahren sehr milden Wintern im Baltikum wurde seit 2022 kein Budget mehr für die Ausschilderung und Begrenzung der Eisstraßen in Estland zur Verfügung gestellt. Zum letzten Mal wurden offiziell alle 7 Eisstraßen vom estnischen Festland zu verschiedenen Inseln im Winter 2011 zugelassen. Zuletzt 2019 die Strecke Haapsalu Noarootsi.

Am 1. Februar 2026 wurde inoffiziell ein Eisweg zwischen Rohuküla und der Insel Vormsi von zahlreichen Autofahrern genutzt: Ein Weg, welcher offiziell nicht vom Estnischen Transportministerium zugelassen (->DF) und völlig auf eigene Gefahr und eigenes Risiko von zahlreichen lokalen Einheimischen genutzt wurde. Interessant ist, dass auch der Bürgermeister von Vormsi, Maris Jõgeva, diesen Weg genutzt hat, mit der Begründung:

"Auf einer kleinen Insel herrscht großes Vertrauen in der Gemeinschaft. Und wenn bekannt ist, dass es Wege gibt, dass sie fest sind, sprechen die Leute miteinander, und diejenigen mit mehr Erfahrung wissen, dass es sicher ist, dann gibt es keine Angst mehr. Wir sind gerade von einem Fußballturnier mit meinem Kind zurückgekommen, das wir mit der Fähre nicht erreicht hätten."

Wo verläuft hier die Eisstraße ..?Selbst ein alter sowjetrussischer Eisbrecher aus den 60er Jahren wurde nach 8 Jahren wieder aktiviert um Schiffsrouten freizuhalten (->DF). Siehe hierzu auch die folgende Veröffentlichung (->DF).

Da die Verkehrsverwaltung keine Mittel für Eisstraßen hat, sucht Haapsalu gemeinsam mit der Gemeinde Lääne-Nigula nach einem privaten Betreiber, der bereit wäre, eine Eisstraße instand zu halten. Interessant ist, dass in einem relativ jungen EU-Staat, wo die Bürokratie und der Sicherheitswahn wilde Blüten treibt, es zivile Eigenmächtigkeit gibt, die bisher anscheinend auch nicht geahndet wird. Rechtlich ist die Sachlage mehr als fraglich.

Verstoß gegen das Verkehrsrecht: Nach dem estnischen Road Traffic Act ist das Fahren auf Eisflächen, die nicht als offizielle Straßen ausgewiesen sind, untersagt. Zudem besteht ein gesetzliches Verbot, Kraftfahrzeuge innerhalb von 200 Metern zur Küstenlinie zu führen, außer auf dafür vorgesehenen Straßen.

Verstöße gegen allgemeine Verkehrsregeln werden in Estland auf Basis von "Fine Units" berechnet. Ein Verstoß gegen das Befahrungsverbot von gesperrten oder nicht ausgewiesenen Wegen kann Bußgelder bis zu 1.200 EUR (entspricht 300 Fine Units) nach sich ziehen.

Haftung und Versicherung: Dies ist der kritischste Punkt. Kfz-Versicherungen und Mietwagen-Anbieter schließen die Haftung für Schäden, die auf inoffiziellen Eisstraßen entstehen, in der Regel kategorisch aus. Sollte ein Fahrzeug einbrechen, trägt der Fahrer die vollen Kosten für die Bergung und den Totalverlust des Fahrzeugs selbst (->DF).

Nun schien sich aber aufgrund regionaler Initiative etwas zu bewegen, spätestens ab 7. Februar 2026 sollte die erste Eisstraße zwischen Saarema und Hijuma offiziell in Betrieb (->DF) genommen werden, hier die Vorschriften zum Befahren (->DF). Es ist interessant, wie aus einem aktiven zivilen Ungehorsam wieder etwas offiziell möglich gemacht wird (->DF).

Zwei weitere Eisstraßen werden jetzt auch zu den Inseln Vormsi und Kihnu eröffnet (->DF). Hier (->DF) sowie auch hier der Hintergrund (->DF) dazu.

Historisch vielleicht noch als Anmerkung: Um das Jahr 1800 soll es so kalte Winter gegeben haben, dass die gesamte Ostsee bis zu zwei Monaten total zugefroren war, so dass man sogar Poststationen auf dem Eis errichtete ...


So machte ich mich schließlich mit meinem alten Mercedes Kombi am Sonntag, den 22. Februar 2026, auf den Weg, um die Eisstraße vom estnischen Munalaiu Hafen, Kreis Pärnu, zur Insel Kihnu zu fahren, was man in anderen Jahreszeiten normalerweise mit der Fähre "Kihnu Virve" macht. Doch leider war diese Eisstraße gesperrt, wegen Eisbruch aufgrund des ansteigenden Meeres und böigen Winden aus West mit Schneeverwehungen ...

Diese Eisstraße ist gesperrt! Vielleicht mit einem Jeep befahrbar? Nun ja, besser nicht, oder ..? Aber vielleicht geht´s zur kleinen Insel Manilaid ..?

Die drei ersten obigen Bilder zeigen die Einfahrt der gesperrten langen Eisstraße zur Insel Khinu, die ich mir per pedes zu Beginn angeschaut habe. Vielleicht wäre sie mit einem Jeep befahrbar gewesen, aber nicht mit einem einfachen alten Mercedes Kombi ...

Dann aber das letzte Bild oben: Ein paar hundert Meter weiter gab es dann noch die nicht legale Verbindung zur kleinen Insel Manilaid (auch Manija, dt: Manja), wohin Autospuren übers Eis führten und die ich dann schließlich auch gefahren bin: Nun, dachte ich mir, dann wenigstens diese als Trostpreis ..!

Hinfahrt
22.02.26
Vom Festland
zur Insel
Manilaid
Rückfahrt
22.02.26
   

© 2026 Michael Gallmeister, Lett-landweit


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