Deutschland   Die Großmutter und die Postbank ...

oder: Vom Bankenhorror in PSD2-Zeiten


Als Banker zu Bankstern wurden ...Die alte Frau ist inzwischen deutlich über 70 Jahre alt, mittlerweile ist sie auch Großmutter. Sie ist, nein sie war lange Zeit Kundin der Postbank, jahrzehntelang hielt sie dieser Bank die Treue. Bis heute ging regelmäßig auch ihre Rente auf diesem Konto ein ...

Ingrid K., wie wir sie hier nennen wollen (der richtige Name ist der Redaktion bekannt), stammt noch aus einer vergangenen Zeit: Ihr einstiger Ehemann Hubert hatte noch eine Banklehre bei der ehrbaren Deutschen Bank absolviert, zu einer Zeit, als Lehrlinge noch zu einer Hauptversammlung dieses Institutes reisen durften, wie er ihr erzählte. Zu einer Zeit, als Persönlichkeiten wie ein Herman Josef Abs noch Bankvorstand waren - eine Zeit, zu der es hieß A wie Abs, B wie Abs und S wie Abs. Eine Zeit, in der es noch Bankiers gab, lange bevor diese zu Bankern und schließlich zu Bankstern wurden …

Willkommen im PSD2-Zeitalter ..?Ehemann Hubert erinnerte sich immer noch gern an diese Zeiten, wo man als Lehrling in der Hauptversammlung der größten deutschen Bank ganz vorne in der Reihe in der noch ehrbaren Bankenhauptstadt Frankfurt sitzen durfte und dort den Platz frei hielt für bekannte Größen der deutschen Wirtschaft, wie z.B. Helmut Horten, den ehemaligen König der Kaufhäuser, der seinerzeit auch gern an solch wichtigen Hauptversammlungen teilnahm.

Zu dieser großen Zeit der noch ehrbaren Kaufleute und "Kreditinstitute" also war Ingrids Mann so ein "Bankkaufmann" geworden und lange hielt er dieser Bank auch später noch die Treue, wenn auch nur noch als Kunde ...

Als es im Laufe der Jahre nur noch bergab ging nicht nur mit dem Ansehen der Banken, sondern auch überhaupt mit diesem Gewerbe  und irgendwie dem ganzen Land, wechselte er eines Tages mit seinem Konto zur Postbank, damals ebenfalls noch angesehen als solide und volksnahe Bank der "kleinen Leute", die sich hier gut aufgehoben fühlten.

Aus dieser Zeit stammt also unsere Großmutter Ingrid, und seit dieser Zeit ist auch sie selbst Kundin dieser Bank, der Postbank. Mit Erschrecken bemerkten die Eheleute später, dass die Zeit der ehrbaren Banken offenbar an ihnen vorbeigegangen war, mittlerweile konnten sich Banker bzw. Bankster und deren Kunden eher wie in Spielkasinos fühlen, als in einst angesehenen Bankhäusern ...

Auch die Postbank wurde so zum Spielball des flüchtigen Großkapitals, das sich nun eilig und unter den Globalisten rund um Länder und Regionen bewegte. Entsetzt erfuhren die beiden irgendwann, dass nun auch die Deutsche Bank diese ehemalige Postadresse geschluckt hatte und die Bank fortan als ihre Tochter betrachtete.

Jahre und Jahrzehnte vergingen, Ingrid lernte schon bald, dass am alten Spruch "Früher war alles besser" doch mehr Wahres war, als man diesem Spruch später noch zugestehen wollte - für das ehedem ehrbare Bankgewerbe galt es allemal ...

Irgendwann streckte die Europäische Union, die früher wenigstens wegen Schengen auch noch gut für den "kleinen Mann" auf der Straße oder hier besser für die "kleine Frau" gewesen war, ihre Tentakel nach den Banken aus. Mittlerweile war diese Eurokrakenzentrale überwiegend zur Quelle für unsägliche Vorgaben und Richtlinien geworden, von nationalen Regierungen im vorauseilenden Gehorsam oft noch verschärft - und für ein solches Verhalten war natürlich gerade das "Heimatland" unserer Großmutter leider besonders bekannt.

photoTAN gefällig?Wenn also in diesen modernen Zeiten etwas von "Brüssel" kam, war das eine Ausgeburt von Bürokraten, die - wie so oft vom ungefragten Steuerbürger nicht mal durch Demokratiesimulation alimentiert - mit offenbar nichts anderem ihre Dienstzeit verbrachten. Und die sich scheinbar täglich noch absurdere Regelungen und Vorschriften für den möglichst kaum noch "normal" und wirtschaftlich abzuwickelnden Alltag ausdachten ...

Vom Verhau des Datenschutzes, der bald überwiegend nur noch diejenigen schützte, die möglichst viel verschleiern und vor dem Bürger verbergen wollten bis hin zu den nun geltenden Regeln, die vor allem den Kunden der inzwischen überall lauernden Bankster den Alltag zur Last machten.

Nicht nur der Zugriff auf eigene Konten wurde derart erschwert, dass manche alte Menschen nur noch mit Hilfe ihrer Enkel an ihr Geld kamen, sondern auch die Machenschaften von kommerziellen und politischen Tagedieben, die den Leuten das Geld mit üblen Tricks und Sprüchen aus der Tasche ziehen wollten, wurden zur täglichen Routine des Systems.

Zinsen gab es trotz fortschreitender Inflation schon lange keine mehr, weil neben Pleitestaaten auch die unsägliche Fehlkonstruktion des Euros gerettet werden musste, nein, die Leute wurden schon bei vergleichsweise geringen Ersparnissen mit Lügenformeln wie "Aufbewahrungsentgelt" bei Negativzinsen das im Laufe des Lebens erarbeitete Geld entwertet und aus der Tasche gezogen. Dass die Großmutter inzwischen glaubte, nur noch von Irren und Verbrechern umgeben zu sein, muss niemanden mehr wundern, der in dieser Zeit noch in der für viele Völkerwanderer als "Milch- und Honigland" angesehenen Heimat lebte ...

Und so entstanden also die Bankster-Regelungen, die angeblich natürlich aus Gründen der "Sicherheit" für die Bankkunden ständig weiter verkompliziert und noch absurder gestaltet wurden: Ingrid erinnerte sich an die früheren Erzählungen von ihrem einstigen Bankkaufmann Hubert, der vor Jahrzehnten auch schon einmal bei einer Bank in Luxemburg war, als es dort noch ein Bankgeheimnis gab und manch einer versuchte, etwas von seinem Geld dort zu verstecken: Bei dieser Bank also ging einst das geflügelte Wort um, dass, falls der Kunde verstirbt, die Bank erben würde - weil einfach niemand außer dem Kunden von diesem Geld wusste oder gar darauf zugreifen konnte.

EU-Richtlinien zum Abgewöhnen ...An diese Geschichte fühlt sich Ingrid erinnert, als eines Tages Enkel Sven vergeblich versucht, ihr eine europäische Regelung wie PSD2 zu erklären. Dabei liest er ihr nämlich von dieser neuen Brüssel-Erfindung vor:

"Mit dem Gesetz zur Umsetzung der Zweiten Zahlungsdiensterichtlinie (Zahlungsdiensteumsetzungsgesetz - ZDUG) wurden die aufsichtsrechtlichen Bestimmungen im Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG) und die zivilrechtlichen Vorgaben im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) berücksichtigt. Zudem waren Folgeänderungen in weiteren Gesetzen (z.B. Kreditwesengesetz) erforderlich. Die PSD2 ist eine EU-Richtlinie zur Regulierung von Zahlungsdiensten und Zahlungsdienstleistern …"

Abgesehen davon, dass kein normaler Mensch oder Bankkunde so etwas versteht oder verstehen soll, werden als Ziele in diesem Bürokraten-Verhau auch genannt, die "Sicherheit im Zahlungsverkehr zu erhöhen", den "Verbraucherschutz zu stärken", "Innovationen zu fördern" und den "Wettbewerb im Markt zu steigern". Natürlich glaubt Ingrid kein Wort von alledem, zumal die Regeln bei allen Banken in unterschiedlicher Form von Tag zu Tag immer absurder zu werden scheinen. Sie glaubt inzwischen stattdessen fest daran, dass all das nur einem einzigen Zweck dienen soll: Nämlich möglichst Kunden wie sie von ihrem Konto fernzuhalten, ganz nach dem alten Motto, wenn der Kunde stirbt oder es ihm wenigstens fast unmöglich gemacht wird, an sein Konto zu kommen, dann erbt halt die Bank irgendwie. Oder zumindest muss sie das Geld nicht rausrücken, solange der Kunde nicht mehr durchblickt bei diesen abstrusen Verfahren mit x TANs, photoTANs, mobilTANs, Handy-Apps, Onlinebanking PINs, Telefonbanking PINs und was sonst noch so wild durcheinander verlangt oder angeboten wird.

Enkel Sven versucht Ingrid zu beruhigen und erklärt ihr, dass er selbst mit einer Finanzsoftware arbeitet und künftig auch das von ihm verwendete "HBCI-Banking"-Verfahren ebenfalls abgeschafft wird, das er auf seinem PC lange Zeit sicher und komfortabel verwenden konnte. Stattdessen würde man nun auch ihn, der sich nicht ausschließlich zu Handy-Apps drängen lassen will, mit unsäglichen photoTAN- und mobilTAN-Verfahren oder Ähnlichem drangsalieren, mit denen auch seine Finanzsoftware erheblich aufwändiger wird.

Ohne Zusatzgerät kein Weg zum Konto?Jede Bank würde dafür nur ihre eigenen Geräte zulassen, das eine mal mit einer Karte, das andere ganz ohne usw. Und bei einer seiner Banken wären tatsächlich sage und schreibe 6 verschiedene (!) Eingabeschritte erforderlich von Anmeldedaten, erster Pin, zweiter Pin, Bestätigung, photoTAN-Eingabe usw. bis man da eine Transaktion am PC durch hat, falls man das Handy nicht benutzen will. Ein Verfahren für erhöhte Sicherheit? Nein, ein Verfahren von Irren für Irre!

Und so muss auch Ingrid ein Zusatzgerät kaufen für ihr Postbankkonto, das sie über ein sogenanntes USB-Kabel mit ihrem Computer verbinden muss und merkwürdige Zusatzeingaben verlangt, wenn sie irgendwas überweisen will ...

Mittlerweile hat sich auch Sven in Rage geredet. Ingrid sagt dies alles zwar gar nichts, aber eines wird ihr bei Svens Schilderungen doch klar: Offensichtlich schienen nun alle völlig durchzudrehen. Nur noch Bekloppte, Bescheuerte und Ganoven? Und dabei Banken und Politiker in erster Reihe ganz vorn!? Das mit der Erhöhung der Sicherheit erscheint auch ihr jetzt nur noch lächerlich: In Zeiten, wo doch Leute wie sie - wie man liest - nach Anruf von sogenannten "Polizisten" ihr Geld eigentlich zur Sicherheit vor die Tür legen sollen zum Abholen ..!? 


Eines Tages setzt "ihre" Postbank, die Ingrid jeden Tag zum Teufel wünscht, noch einen drauf, und zwar richtig: Sie erhält mit Datum 27.12.2021 ein wenig freundliches, vollbürokratisches Schreiben, in dem man ihr mitteilt, dass ihre Legitimation "nicht mehr auf dem neuesten Stand" wäre. "Mit wenig Aufwand" könne sie dabei "helfen", sich neu zu legitimieren: Sie solle mit ihrem "gültigen Ausweis und dem beiliegenden Vordruck in ihre nächste Postbank-Filiale" gehen, derartige Filialen erkenne man "am Postbank Logo mit den `drei Segeln´" ...

... gibt’s irgendein der dämlich sabbelt ...In die nächste Filiale gehen? Wo soll die sein? In Ingrids Kaff gibt´s auf jeden Fall keine. An der Kasse vom Supermarkt, wo man wenigstens noch Geld abheben kann, sagt man ihr, man hätte mit Konten der Postbank nichts zu tun. Und Filiale mit drei Segeln? Sven hilft ihr auf Nachfrage zuerst einmal nur mit flotten Seemannssprüchen aus. Zwei davon gefallen Ingrid wegen der "drei Segel" der Postbank besonders gut: "Segeln ist die teuerste Art unbequem zu reisen" und vor allem der passende zu dieser Mitteilung: "Auf jedem Schiff was schwimmt und schwabbelt, gibt’s irgendein der dämlich sabbelt!".

Natürlich enthält dieses dämliche Schreiben auch einen ganz wichtigen Hinweis, der hierzulande natürlich Tür und Tor öffnet: Man sei "gesetzlich verpflichtet", die persönlichen Daten und die Legitimation aktuell zu halten.

Na klar doch! Aber was genau das für gesetzliche Regelungen sind, teilt man in diesem Schreiben natürlich nicht mit. Ingrid ist aber auch so davon überzeugt, dass man so etwas heutzutage im BallaBalla-Land wohl auch nicht mehr mitteilen muss, irgendwelche dubiosen Winkeladvokaten würden sicherlich ausreichend viele Gummiparagrafen im Rechtsstaat jederzeit herauskramen können bei Bedarf ...

Wie viele Schritte bis zum Konto?Dass das Ganze natürlich in "ihrer Filiale" mit Termin am schnellsten gehen würde, vergisst man selbstverständlich nicht zu erwähnen - was schließlich geht heute noch ohne Termin und Maske?

Ingrid kocht vor Wut: In Zeiten also, wo man schließlich per "PostIdent"-Verfahren jederzeit Konten eröffnen kann, wie ihr Sven erklärt, will man sie nun also zwingen, auf eigene Kosten und als mobil eingeschränkte über 70 Jahre alte Frau an irgendeinen Ort zu fahren, wo diese Figuren vielleicht noch eine "Filiale" haben? Um  ihre Legitimation auf den "neuesten Stand" zu bringen?

Mit Hilfe von Sven verfasst Ingrid eine Beschwerdemail: Sie teilt dieser Bank mit, dass es bei ihr im Ort keine Zweigstelle gäbe, dass aber jederzeit ein Mitarbeiter bei ihr vorbeikommen könne, um sie zu identifizieren und ihre Legitimation zu modernisieren. Sie selbst sei nicht mobil und auch nicht bereit, irgendwo durchs Land zu fahren für hanebüchene Anforderungen.

Mit einer Ticketnummer kommt am 10.01.2022 eine zweite Online-Antwort:

" ... herzlichen Dank für Ihre E-Mail an die Postbank. Sie haben einen Grund zur Reklamation. Es tut mir leid, dass wir Ihren Anspruch nicht erfüllen konnten. Sie erwarten zu Recht eine kompetente und serviceorientierte Bearbeitung Ihres Anliegens. Ich bedaure, dass wir Ihnen dieses Mal nicht weiterhelfen können. Deshalb habe ich Ihre E-Mail an unser Beschwerdemanagement weitergeleitet. Sie erhalten in Kürze eine Antwort per Post ..."

Datiert mit dem 25.01.2022 kommt später auch tatsächlich ein Schreiben der Postbank per Post. Darin heißt es u.a.:

"Sie haben sich am 10.01.2022 mit einer Beschwerde an uns gewandt. Für die Recherche des Sachverhalts benötigen wir jedoch etwas Zeit. Wir werden Ihnen voraussichtlich in den nächsten zehn Arbeitstagen antworten. ... Wir bedanken uns herzlich für Ihre Geduld"

Sie müssen dringend aktiv werden ...Nahezu gleichzeitig trifft ein mit dem 24.01.2022 datiertes weiteres Schreiben der Postbank ein, also erstellt genau einen Tag vor der obigen Mitteilung mit den voraussichtlichen zehn Arbeitstagen. Und in diesem Schreiben wird erneut auf die Notwendigkeit "sofort aktiv" zu werden hingewiesen, um eine Sperrung von Karte und Konto zu verhindern, die bei nicht erfolgender neuer Legitimation innerhalb von zwei Wochen erfolgen würde. Offensichtlich weiß auch bei diesem Laden die Rechte nicht was die Linke tut ...

Erneut müssen Ingrid und Sven eine Antwort per Mail verfassen:

" ... mit Datum v. 25.01.22 erhielt ich auf meine Beschwerde die schriftliche Mitteilung, man brauche noch Zeit für eine Antwort.

Mit Datum v. 24.01.22 erhalte ich nun die erneute Androhung einer Kontensperre, wenn ich mich nicht innerhalb der nächsten zwei Wochen zu einer mir völlig unbekannten Filiale IRGENDWO im Lande begebe und mich dort identifiziere. Die Poststelle in meinem Wohnort fühlt sich nicht zuständig, in Pandemiezeiten soll ich offenbar also vollständig sinnfrei und auf meine Kosten irgendwelche Reisen unternehmen.

Ist das die Art und Weise, wie die Postbank mit Kunden umgeht, die bereits seit Jahrzehnten (!) bei ihr ein Konto haben? Dann schicken Sie doch endlich einen Mitarbeiter zu meinem Wohnort, wenn Sie nach vielen Jahren nun daran zweifeln, dass ich noch existiere!

Es wird offenbar höchste Zeit für die Einschaltung von Verbraucherschutz und Presse, um endlich die Diskussion zu eröffnen bezüglich der immer absurder werdenden Situation in diesem Lande sowie speziell im Bankgewerbe bzw. bei der Postbank und deren Kunden. ..."

Es vergehen wieder Wochen, bis mit Datum 08.02.2022 erneut ein Schreiben der Postbank bei Ingrid eingeht. Dieses spricht erneut für sich:

"... Sie haben sich an uns gewandt und warten nun auf eine Antwort. Leider ist es uns noch nicht gelungen, alle Informationen vollständig auszuwerten. Daher können wir Ihnen heute keine abschließende Lösung anbieten. Wir prüfen Ihr Anliegen sorgfältig und werden Ihnen innerhalb der nächsten zehn Arbeitstage antworten. ..."

Noch ein Gerät gewünscht?Als nun ebenfalls ein weiteres Schreiben der Postbank mit demselben Datum 08.02.2022 bei Ingrid eingeht, fühlt man sich spätestens nach diesen Informationen an die zwei Abteilungen vom Explorer Magazin erinnert, die ständig damit beschäftigt sind, sich zu überlegen, welche von ihnen nun zuständig ist: Die Fachabteilung "Dümmer geht´s nümmer" oder die konkurrierende Fachabteilung "Dümmer geht´s ümmer" ..?

Dieses weitere Schreiben mit demselben Datum hat nun auch eine neue Mitteilung parat:

" ... Sie sind verärgert, dass wir Sie um eine aktuelle Legitimation gebeten haben und verlangen, dass wir von diesem Wunsch absehen. Leider muss ich Sie darüber informieren, dass wir Ihrem Wunsch nicht entsprechen können. ... Die für den ... angekündigte Sperre Ihrer Karte habe ich vorübergehend bis zum ... ausgesetzt. Um die Sperre Ihrer Karte und folgend die Sperre Ihres Kontos zu vermeiden, benötigen wir eine aktuelle Legitimation von Ihnen. Eine Kopie füge ich bei ..."

Unterzeichnet war dieses seelenlose Framing-Schriftstück von "Ihre Postbank". Und dass man "gebeten hätte" war glatt gelogen, es handelte sich eindeutig um eine klare Drohung mit diffusen Begründungen. Auch die Aussage, Ingrid hätte "verlangt", dass diese ehrenwerten Banker von ihrem "Wunsch" absehen, war ebenfalls gelogen: Ingrid hatte schließlich mitgeteilt, man könne sie jederzeit zu Hause aufsuchen zur erneuten Legitimation und war lediglich nicht bereit, auf eigene Kosten in irgendeinen, nicht einmal benachbarten Ort zu reisen, um bei irgendeiner vielleicht noch vorhandenen Filiale dieser "kundenfreundlichen" Bank eine alberne Nachprüfung zu absolvieren.

Wollte man also vielleicht ganz einfach nur die jahrelange Kundin los werden? Schließlich ging im Wesentlichen nur ihre Rente ein und die monatlichen Gebühren von rund sechs Euro pro Monat waren diesem ehrenwerten Institut ganz einfach zu wenig? Vielleicht wollten diese Gestalten aber nur wissen, ob sie noch lebte und möglichst über eine Kontosperre an ihr Geld kommen? Mittlerweile hielt Ingrid in diesem Land alles für möglich, und das obwohl sie kaum noch Nachrichten hörte und bereits auf eine Tageszeitung verzichtete, um sich nicht täglich neu aufregen zu müssen. Aber letztlich half auch das nicht: In den örtliche Käseblättchen, die kostenlos verteilt wurden, konnte man irgendwelche Anzeigen einer noch irgendwo vorhandenen Postbank-Filiale und Hinweise zu deren albernen Vorgaben und Verfahren sicherlich nicht erwarten ...

Nach Rückspreche mit Sven traf Ingrid schließlich eine Entscheidung: Selbst in ihrem Kaff gab es noch zwei Zweigstellen von "Kreditinstituten", aufgrund der landschaftlichen Gegebenheiten natürlich Sparkasse und Volks- und Raiffeisenbank. Also würde sie wohl oder übel dorthin wechseln, da sie es leid war mit dieser einst kundennahen Bank. Der nicht unerhebliche Aufwand auch hierbei: Alle "SEPA-Abbucher", die auf ihrem Konto fröhlich tätig waren, mussten informiert werden. Aber um die alte Bank loszuwerden, scheute Ingrid nun auch diesen Aufwand nicht mehr: Sie informierte alle, was mit Hilfe von Sven natürlich "digital" erfolgen musste, falls nötig.

Und dann war nach wenigen Tagen die Neueröffnung des Kontos bei einer örtlichen Filiale angesagt: Nun, wie wir erfuhren, war das örtliche Personal in Sachen online-Banking natürlich völlig überfragt und man übergab lediglich Telefonnummern von "Fachabteilungen". So klappte es nach langem Hin und Her dann schließlich zumindest teilweise, einen "online-Zugriff" auf Ingrids Konto zu ermöglichen. Und so etwas muss Ingrid nun inzwischen zwingend nutzen: Man hat ihr diesmal ein photoTAN-Gerät verpasst, mit dem sie nach Enkel-Schulung vielleicht eines Tages wieder an ihr Geld kommt - aber werden die Banken das zuletzt wirklich noch zulassen, anstatt sie zu beerben?

Ingrid zweifelt inzwischen auch daran und überlegt, ob sie nicht irgendwie sicherstellen soll, dass zumindest ihr Enkel erbt, bevor die von Brüssel und sonstwo gesteuerten Finanzgeier sie endgültig ausrauben können …


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