Auf dem Wasserstraßenkreuz

Die "Große Acht" der Magdeburger Weißen Flotte ist eine beliebte Rundfahrt, die wir natürlich auch unternehmen wollen, wenn wir schon in "Machteburch" sind. Vom Vorhafen aus führt sie durch das Elbufer-Panorama von Magdeburg, es erfolgen auch diverse Schleusungsfahrten und man befährt dabei das sogenannte "Wasserstraßenkreuz".

Die "Große Acht" auf dem Wasserstraßenkreuz MagdeburgUnsere Rundfahrt auf dem Wasserstraßenkreuz, die in der nebenstehenden Karte im Überblick dargestellt ist, geht zunächst Richtung Norden und unterquert auf der Elbe die Kanalbrücke Magdeburg, die mit 918 Metern längste "Trogbrücke" Europas. Nach zwei Schleusungen in den Schleusen Niegripp und Hohenwarth geht es von da aus erneut zurück zur Trogbrücke, wobei sie diesmal allerdings oben auf dem 918 Meter langen Kanal befahren wird.

Nach dem Trog wird das historische Schiffshebewerk Rothensee angefahren, das nur noch aus touristischen Gründen betrieben wird, da man für die "normale" Schifffahrt auch die benachbarte Schleuse Rothensee benutzen kann, was aber in Anbetracht der touristischen Aspekte der "Großen Acht" mit Ausflugsschiffen natürlich nicht gemacht wird.

Über den "Abstiegskanal" bzw. "Verbindungskanal" Rothensee geht es anschließend wieder zurück Richtung Magdeburg, wobei jedoch vor Erreichen des Ausgangshafens noch die "Niegrigwasserschleuse" Magdeburg zu passsieren ist, bis man wieder über die Elbe zum Ausgangspunkt der Fahrt zurückkehren kann. Die ganze Tour dauert mehrere Stunden und ist sehr empfehlenswert nicht nur für Kurzzeittouris wie uns, die mehr über das Mageburger Umfeld "erfahren" möchten.

Die Planungen für die Errichtung dieses Wasserstraßenkreuzes gehen auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurück. Im Jahr 1905 begann der Bau des Mittellandkanals, das Schiffshebewerk Rothensee wurde 1938 fertiggestellt. Auch die Kanalbrücke und das Doppel-Schiffshebewerk Hohenwarthe befanden sich seinerzeit bereits im Bau. Widerlager, Pfeilergründungen und vier Bögen der Kanalbrücke waren weitgehend fertiggestellt, als 1942 mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs ein Baustopp erfolgte. Nach Kriegsende wurde das Projekt seitens der DDR nicht weitergeführt.

Nach der Wiedervereinigung änderte sich dies: Die 2001 errichtete Schleuse Rothensee ersetzte das historische Schiffshebewerk und im Jahr 2003 wurde auch die Kanalbrücke Magdeburg über die Elbe fertiggestellt. Damit sparen Schiffe einen 12 Kilometer langen Umweg mit ca. 3 Stunden Fahrzeit ein. Der Streckenabschnitt des Mittellandkanals von Magdeburg bis zum Dortmund-Ems-Kanal ist seit Ende 2017 von 185 Meter langen Schubverbänden mit 3.600 t Ladung durchgängig befahrbar. 

Hafen Magdeburg - Leuchtturm Niegripp (Karte: 1)

Wir gehen am Anleger "Petriförder", wo sich auch ein Womo-Stellplatz befindet, an Bord unseres Ausflugsschiffs SACHSEN-ANHALT von der "Weißen Flotte Magdeburg". Der erste lange Streckenabschnitt führt Richtung Norden der Elbe entlang vorbei am Leuchtturm Magdeburg und an "unserem" Herrenkrugsteg, den wir allerdings auch als Hotelgäste leider noch nicht betreten haben.

Wir lassen die Magdeburger Brücken hinter uns, unterqueren die Elbbrücke Hohenwarthe und erreichen das erste Mal die berühmte Magdeburger Kanalbrücke (Übersichtskarte: Nr. 4), die auch als "Trogbrücke" bezeichnet wird, weil durch ihren Trog oben auch Schiffe fahren können. Wir unterqueren diese Brücke diesmal aber nur auf unserem Weg zum ersten Ziel, dem Leuchtturm Niegripp (Karte: 1).

Anleger "Petriförder" ist auch ein Womo-Stellplatz Bereit zum Entern ... Gleich geht´s los mit der "Großen Acht" ...
Vorbei an Wallonerkirche und Strandbar Magdeburg Charterfloß für Freizeitausflüge Hinter uns die Jerusalembrücke ...
Umbau von alten Speichern zu Wohngebäuden Vorbei am Leuchtturm Magdeburg Hinter "unserem" Herrenkrugsteg ...
Wassersport muss sein ... Man hat die Ruhe weg ... Auch der einsame Wolf rudert vorbei ...
Ruhe an Bord ... Elbbrücke Hohenwarthe Blick auf die Kanalbrücke Magdeburg (Trogbrücke, Karte: 4) nach Unterquerung
Wilde Reiter ... Hinter dem Elbknick ... Leuchtturm Niegripp (Karte: 1)

Schleusen Niegripp - Hohenwarthe (Karte: 2 - 3)

Am Leuchturm Niegripp biegen wir nur ab und fahren um die Ecke, um zur ersten Schleuse zu gelangen, die ebenfalls den Namen "Niegripp" trägt (Karte: 2). Zu dieser Schleuse weiß die WSV (Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes) mehr:

Die Schleuse Niegripp als Bestandteil des Wasserstraßenkreuzes Magdeburg wurde in den Jahren 1936 bis 1938 erbaut und verbindet die Elbe über den Niegripper Verbindungskanal mit dem Elbe-Havel-Kanal. Bis zur Inbetriebnahme der "Doppelsparschleuse" Hohenwarthe (siehe unten) und der Kanalbrücke über die Elbe stellte der Weg über die Schleuse Niegripp, die Elbe und den Rothenseer Verbindungskanal die einzige Ost-West Verbindung zwischen dem Mittellandkanal und dem Elbe-Havel-Kanal dar.

Bei der Schleuse Niegripp handelt es sich um eine Spundwandschleuse mit senkrechten Wänden. Die Kammerwände bestehen aus Stahlspundwänden, die Häupter aus Stahlbeton. Eine Besonderheit der Schleuse Niegripp ist, dass aufgrund der schwankenden Wasserstände der Elbe beide Hubtore doppelkehrend sind. Wenn der Wasserstand der Elbe niedriger ist als der im Elbe-Havel-Kanal, geht bei Schleusungen in der Schleuse Niegripp Wasser aus dem Kanal in die Elbe verloren. Technische Daten der Schleuse: Nutzbare Länge 165 m, Kammer-  und Torbreite: 11,70 m.

Ein interessanter Effekt ergibt sich für den Betrachter auf dem Besucherdeck, wenn während der Schleusung die Spundwände direkt am Schiff vorbeigleiten!

In der Schleuse Niegripp Aussicht Schleusenwände ... Schleusen-Navigation mit Rückspiegel ..? ;-)
Alles im Blick auch in der Schleuse ... Schleusentor öffnet sich zur Ausfahrt ...

Wir verlassen die Schleuse und sind unmittelbar im weiträumigen Gewässer vor der daneben liegenden Schleuse: Diesmal ist es die wesentlich größere Nachbarschleuse Hohenwarthe, die eigentlich aus zwei Schleusen besteht: Zum einen die "Doppelschleuse Süd", auf die wir nun mit der SACHSEN-ANHALT zusteuern, und daneben die "Hohenwarthe Nord", wie die großen Beschriftungen über den Schleusentoren zeigen. Zusammen stellen sie also die besagte "Doppelsparschleuse Süd" dar, über die wir erfahren:

Es handelt sich um eine Schleusenanlage mit zwei parallelen Schleusenkammern, die durch eine Mittelmole getrennt sind und den Betrieb von Schiffen in beide Richtungen ermöglichen; sie ist als "Sparschleuse" konzipiert, um durch den Einsatz von Wassersparbecken etwa 60 % des Wassers wiederzuverwenden und so den Wasserverbrauch zu senken. Sie überwindet einen großen Höhenunterschied (18,50 m) und verbindet den Mittellandkanal mit dem Elbe-Havel-Kanal am Wasserstraßenkreuz Magdeburg. Die beiden Schleusenkammern sind 190 m lang sowie 12,50 m breit und fungieren als "Sparschleuse": Drei gestaffelte Wassersparbecken pro Kammer speichern bis zu 60 % des Schleusungswassers, das sonst verloren ginge. Wichtig für den Verkehr: Sie ermöglicht Schiffen die Überquerung der Elbe und stellt eine Verbindung nach Berlin her.

Schleuse Niegripp geschafft ... Wechsel zur Hohenwarther Doppelschleuse Süd ...
Beeindruckendes Heck: ELBE PRINCESSE II Da will man nicht hineingeraten ...
Vorfahrt vor der Prinzessin! Die gewaltige Doppelschleuse wartet ... Die Prinzessin folgt uns ...
Passt sie wirklich rein ..? Auch bei uns ist Maßarbeit gefragt ... Festbinden hier kein Problem, der Poller fährt mit hoch!
Auch oben klebt die Prinzessin noch hinter uns ...

Vor der Einfahrt in die "Doppelschleuse  Süd" fällt uns ein besonders großer Kahn auf, der ebenfalls vor der Schleuse wartet und vor dem wir wohl Vorfahrt bekommen, wie sich schnell herausstellt: Die ELBE PRINCESSE II! Wir sind neugierig, um was es sich bei diesem sehr auffälligen großen Boot handelt und werden bei Wikipedia fündig zu einer früheren Prinzessin:

"Die Elbe Princesse ist 95 Meter lang, 10,50 Meter breit und hat einen sehr geringen Tiefgang von nur 0,90 Meter. Angetrieben wurde es von einer Kombination aus zwei starren Schaufelrädern am Heck mit einem Durchmesser von 4,6 Metern und 2,6 Metern Breite und zwei schwenkbaren Omega-Jet-Bugstrahlrudern. ... Die Heck-Schaufelräder erlauben im Gegensatz zu Seitenschaufelrädern die Durchfahrt durch schmale Schleusen und werden von zwei Volvo-Schiffsdieselmotoren mit jeweils 750 PS angetrieben. Die Elbe Princesse fährt mit einer Besatzung von 24 Personen und bietet Platz für 80 Passagiere."

Zum neueren Schiff hier findet man bei weiteren Recherchen heraus, dass MS ELBE PRINCESSE II im Jahr 2018 in Dienst gestellt wurde und mittlerweile das dritte Schiff mit dem innovativen Schaufelrad-/Jetantrieb ist.

Diese Prinzessin fährt nun unmittelbar hinter uns in die Schleuse ein und wenn man zu ihr hinüber blickt, sieht man tatsächlich schnell, dass sie mit ihrer Breite von über 10 Metern in der nur rund zwei Meter breiteren Schleusenkammer wirkt wie dort eingezwängt. Entsprechend beschäftigt zeigt sich die Besatzung bei der genauen Navigation und Vertauung - immer noch intensive Erinnerungen an unsere letzten eigenen Schleusungen auf dem Canal du Midi werden selbstverständlich bei diesem Anblick sofort wieder lebendig!


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