Es geht los

Als nächstes baute ich das Zelt auf einer ebenen Wiese auf, um alles zu inspizieren. Ich kontrollierte alle Nähte und besonders die Abspannschlaufen, ob alles gut und sicher vernäht war. Nun wurde es ernst: Ich baute den Ofen auf und probierte zuerst aus, wie er am besten zu platzieren ist. Ich dachte mir, dass die Ausrichtung zu einer der Zeltecken die beste Lösung sei. So ergab sich der größtmögliche Raum rund um den Ofen.

Nach kurzer Überlegung entschied ich mich dafür, den Ofen vom Eingang aus gesehen in die linke Zeltecke auszurichten. Mir war zum befestigen des Ofenrohres an der Mittelstange eine recht simple und sehr preiswerte Lösung eingefallen: Ich hatte beim Kauf der Aluminium Zeltstange zufällig auch Kleiderhaken zum Anklemmen an Zeltstangen von genau diesem Durchmesser gesehen. Kaum hatte ich die erblickt, hatte ich die Lösung auch schon vor Augen ...

Die Rohrhalterung, Klammer und Spannfeder Die modifizierten Kleiderhalter

Es handelt sich dabei im Prinzip um eine zur Verstärkung mit eingeprägten Sicken versehenen Klammer aus verzinktem Stahlblech, die wie eine Wäscheklammer funktioniert. Die beiden Klemmbacken sind halbschalenförmig zum Umfassen des Rohres und die beiden Griffenden ca. 12 cm lang und mit je einem Haken versehen. Sie kosteten 1,95 Euro pro Stück. Da brauchte man gar nicht versuchen, das selber zu bauen.

Der Ofen fertig aufgebaut im ZeltIch versah die Halbschalen mit einem Belag aus Silikongummi zur Temperaturisolierung gegen die Zeltstange und als Rutschhemmung. Die Enden bog ich einfach halbkreisförmig auf, genau so weit, dass sich das 60 mm Ofenrohr leicht klemmend hineindrücken ließ. Eine Halteklammer kam direkt oberhalb des Ofens an die Zeltstange und umfasste das erste 50 cm-Teilstück des Ofenrohres knapp über dem 90 Grad Ausgangsbogen.

Die zweite Klammer fasste am Ende des zweiten 50 cm-Rohrstückes, unterhalb des nun Richtung Zeltwand abgehenden 45 Grad Bogen das Ofenrohr. Um diese Halterung zu sichern, kam um jede Klammer eine Spannfeder, die hinter der Zeltstange in sich selber verhakt wurde ...

Das Rohr saß nun fest und gegen Herausfallen gesichert an der Zeltstange. Als nächstes ermittelte ich den Punkt an der Zelthaut, an dem das nächste auf den 45 Grad Bogen zu steckende 50 cm Rohr diese durchstoßen musste. Es würde dann gut 25 cm nach außen herausragen. Nachdem dieser Punkt angezeichnet war, legte ich noch den zweiten Punkt fest, an dem eine weitere Öffnung zur Entlüftung angebracht werden sollte - möglichst hoch in der Zeltspitze. Diese sollte der besseren Ventilation dienen und z.B. den beim Nachlegen von Holz austretenden Rauch gut abziehen lassen.

Ich hatte mir natürlich im Vorfeld schon ein paar Gedanken gemacht, wie ich die Öffnungen gestalten würde: Da Nähen nicht gerade meine Paradedisziplin ist, hatte ich eine Lösung wie am Moskosel Zelt für mich von vornherein ausgeschlossen. Dies hätte aufwändige Näharbeit zur Folge gehabt. Stattdessen hielt ich mich an meine technischen Fähigkeiten und plante die beiden Öffnungen, Ofenrohrdurchführung und Lüftung mit einem Flansch zu realisieren. 

Da es möglich sein muss, die Lüftungsöffnung abhängig vom Wetter schnell zu schließen, platzierte ich diese in  die Zeltspitze auf der Seite, in der sich auch der Eingang befindet. So kann man schnell aus dem Eingang treten, nach oben langen und den Wetterschutz über die Öffnung klappen.

Nachdem nun die Punkte festgelegt waren, konnte ich das Zelt wieder abbauen und machte mich an die Anfertigung der beiden Flansche. Deren Aufbau sieht man auf den Zeichnungen (Skizze 1 und 2).   

Rohrdurchführungsflansch Lüftungsflansch

Aus Gewichtsgründen und auch wegen der guten Bearbeitbarkeit fertigte ich die Flanschringe aus 5 mm starken Makrolonscheiben. Dies ist ein UV-resistenter, hoch bruchfester, durchsichtiger Polycarbonatkunststoff, den man im speziellen Fachhandel in Scheiben und Stangenform kaufen kann. Benötigt werden pro komplettem Flansch je zwei Scheiben mit dem Maß 20 x 20 x 0,5 cm. Mit etwas Glück bekommt man diese kleinen Scheiben als Reststücke sehr preiswert. Man kann die Flanschringe aber auch ebenso aus Aluminium, PVC oder sogar Holz anfertigen. Es kommt auf die Werkzeuge an, die man zur Verfügung hat. Eventuell kann auch ein Freund oder Bekannter mit entsprechendem Beruf da aushelfen. Grundsätzlich könnte man die Ringe einfach mit einer Stichsäge aussägen. Da muss aber sehr sauber gearbeitet werden. Professionell geht es mit einem Kreisschneider auf einer großen Ständerbohrmaschine oder noch besser gleich auf einer Drehbank.

Outdoor-Klempner vortreten

Für den Rohrdurchführungs-Flansch fertigte ich zwei Ringe mit einem Außendurchmesser von 16 cm und einem inneren von 13 cm. So verblieb ein Ring mit einer Breite von 1,5 cm. Hier hinein wurde mittig mit einer 8er Teilung, also alle 45 Grad, ein Durchgangsloch von 6,1 mm gebohrt. Dies war der Außenflansch. In den inneren Flansch wurden die entsprechenden Löcher für ein Gewinde M6 gebohrt. Um diese Gewinde stabiler zu gestalten, setzte ich direkt sogenannte Helicoil Reparaturgewinde aus Edelstahl ein. Damit waren die Gewinde für häufiges aus- und eindrehen der Schrauben "gehärtet". Dies ist aber nur die Kür. Es reicht auch ein normales, in den Kunststoff geschnittenes Gewinde. Man muss nur besser aufpassen, dass man das Gewinde bei der Montage nicht  überdreht. Danach schnitt ich aus einer 3 mm starken Silikongummiplatte eine runde Scheibe von genau 16 cm und übertrug die Löcher im Außenflansch auf diese Scheibe.

Mit einem 6 mm Locheisen wurden dann die Schraubenlöcher ausgeschlagen. Genau mittig wurde in die Scheibe noch ein Loch mit einem Durchmesser von 6 cm als Durchführung für das Ofenrohr ausgestanzt. Eine zweite runde Scheibe mit genau 13 cm, dem Innendurchmesser des Flanschringes, folgte und wurde mit Silikonkautschuk genau vermittelt auf die erste größere Scheibe geklebt. Verklebt wurde aber nur ein etwa 3 cm breiter Bereich oberhalb des 6 cm Loches.

Ofenrohr im Flansch mit dem Funkensieb Die Flansche von der Innenseite

Die Idee war folgende: Im unbenutzten Zustand lag die zweite kleinere Scheibe auf der größeren auf und verschloss so das Loch. Wenn man nun von innen (nachdem der Flansch auf die Zelthaut aufgeschraubt und die Zelthaut innerhalb des Flanschringes ausgeschnitten ist) das Ofenrohr durch das Loch schiebt, klappt die kleinere Scheibe hoch und dichtete das Loch mit dem durchgeführten Rohr wie ein kleines Dach von oben ab. Da das Rohr recht knapp in dem Loch steckt, sollte das genügend Dichtigkeit bieten, um auch Regen abzuhalten.

Durchführungsflansch mit AbstandhalterZieht man das Rohr wieder heraus, klappt die Scheibe durch die Spannung und Elastizität der Gummiplatte wieder herunter und legt sich passgenau in den Flansch und dichtet das Loch so wieder ab.  Regen und Mücken hält das auf jeden Fall ab. Um den direkten Kontakt der Dichtscheibe mit dem heißen Ofenrohr zu verhindern, brachte ich mittig von innen ein kleines rampenförmiges U-Profil aus V2A Blech an. 

Dieses gleitet über das Ofenrohr und hält die Silikonplatte gut 1 cm vom Rohr entfernt. Da V2A außerdem ein schlechter Wärmeleiter ist, denke ich, dass dies in Verbindung mit dem Luftspalt ausreicht, um die Gummiplatte vor Überhitzung zu schützen.

Den Lüftungsflansch fertigte ich im Prinzip genauso: Der innere Flanschring mit dem Gewinde entsprach dem des Rohrflansches. Der Außenflansch aber hatte ein etwas anderes Maß: Außendurchmesser auch 16 cm, die Bohrungen für die Schrauben an gleicher Stelle. 

Der innere Durchmesser aber beträgt hier nur 10 cm. Auf der Innenseite, die später auf der Zelthaut von außen aufliegen würde, drehte ich vom Rand des Loches, etwa die halbe Materialstärke, also 2,5 mm, 1,5 cm nach außen aus. So entstand eine Vertiefung, in die ich ein passend ausgeschnittenes Stück feinmaschiges und somit  mückensicheres V2A Siebgewebe einlegte und mit Silikonkautschuk verklebte.

Jetzt kam das Schlimmste: Die Montage der Flansche. Ich musste in das neue, noch unbenutzte Zelt, zwei große Löcher schneiden. Kleiner Anflug von Panik ...

Lüftungsflansch mit feinem V2A Siebeinsatz ...Nun, ich hatte das angefangen und da musste ich jetzt durch! Ich legte das Zelt im Zimmer aus, nachdem ich es auf "links" gedreht hatte, und  strich den angezeichneten Stoffbereich, wo der Rohrflansch montiert werden sollte, schön straff und glatt. 

Ich hatte bei der Messaktion genau den Mittelpunkt der vorgesehenen Öffnungen markiert und dort zeichnete ich nun mit einem Zirkel einen Kreis von genau 13 cm für den Rohrflansch und 10 cm für den Lüftungsflansch auf. Zur Erinnerung: Dies ist der innere Durchmesser der Flansche. 

Auf dem Kreis konnte ich nun den Flansch auflegen und genau anpassen. Die Löcher für die Schrauben wurden auf den Zeltstoff durchgezeichnet und mit einem 6 mm Locheisen folgten dann die entsprechenden Löcher im Zeltstoff. 

Wichtig war beim Rohrflansch, dass er die richtige Ausrichtung nach oben und unten hatte. Die Gummiplatte musste, damit es funktioniert, ja genau  nach oben ausgerichtet sein. Kleines Problem: Auch wenn der Flansch mit 8 Schrauben zusammengehalten wird, dürfte die Klemmkraft nicht ausreichend sein, den dünnen Zeltstoff sicher zu fixieren. Es durfte auf keinen Fall passieren, dass sich durch Spannungen der Zelthaut der Stoff aus der Klemmung zieht und eventuell an den Schraubenlöchern reißt, usw. Ich hatte im Vorfeld mit ähnlichem Stoff und ein paar Stücken Makrolon ein paar Klebeversuche gemacht und entschied mich für den transparenten "Uhu Kraftkleber". Dieser Kleber durchdringt den Stoff und haftet auch sehr gut an der von mir leicht angerauten Oberfläche des Makrolon. Dieser Kleber lässt sich auch als Kontaktkleber verarbeiten: Also beide zu klebenden Teile einschmieren, ablüften lassen und dann mit Druck zusammenfügen ...

Nachdem ich den angezeichneten 13 cm Kreis mit einem scharfen, feinen Cuttermesser ausgeschnitten hatte, montierte ich den Innenflansch. Dadurch, dass der Kleber transparent antrocknet, gab es auch keine hässlichen Schlieren unter dem durchsichtigen Makrolon. Damit die Klebung ihre Endfestigkeit erreichte, musste der Flansch zum Anpressen komplett montiert werden. Ich legte also die Gummiplatte mit der klappbaren zweiten Gummiplatte nach außen auf die Vorderseite der Zelthaut und darauf dann den Außenflansch-Ring. Nun wurde der Flansch mit 8 M6 V2A-Imbusschrauben fest verschraubt. Aus optischen und auch aus Gewichtsgründen () könnte man hier auch Schrauben aus Nylon oder Polyamid benutzen. 

... fertig eingebaut in der Zeltspitze Der Innenflansch wurde so fest mit dem Stoff zusammen gepresst und sicher miteinander verklebt. Der durch den Stoff dringende Klebstoff kann an der Silikongummioberfläche der von außen aufgelegten Gummiplatte nicht anhaften, diese kann also bei Bedarf durch einfaches Lösen des Außenflanschringes ausgewechselt werden. 

Noch habe ich keine Erfahrung, wie sich das Silikongummi mit dem heißen Ofenrohr "verträgt". Sollte das Gummi die Hitze wider Erwarten nicht aushalten, werde ich andere Materialien testen. Im Zweifelsfall wird die Scheibe aus 0,5 mm dünnem Edelstahlblech gefertigt.

In gleicher Weise montierte ich danach auch den Lüftungsflansch: Hier allerdings wurde genau umgekehrt der Außenflanschring mit dem Mückengitter aufgeklebt. Dies war zur Abdichtung des Flansches gegen Regen notwendig und der Innenflansch blieb austauschbar. Eigentlich war dies nicht nötig, es gibt hier ja nichts zu ersetzen. Bis zum Aushärten der Verklebung legte ich auch hier eine schon als Ersatz für den anderen Flansch vorbereitete Gummiplatte ein. So wurde der Innenflansch davor geschützt, mit zu verkleben. Nach dem die Gummischeibe wieder entfernt war, konnte der Innenflansch dann endgültig angeschraubt werden. 


© 2004 Bernd van Ooy (Lodjur)