Laki
und Westabfahrt zur F208Es stand da noch ein Fressnapf und daneben lag ein Hundehalsband, aber wieder daneben stand das Müsli, bei dem ich am ehesten gedacht hätte, dass es für Menschen gemacht wurde. Auf dieser Packung war nämlich ein Teller mit Milch und dem Müsli darin abgebildet - aber was, wenn die Hunde so etwas auch fressen und es doch Hundenahrung sein sollte?
So nagte der Zweifel in mir und ich war hin und her gerissen. Der Fressnapf
und das Hundehalsband haben mich dermaßen irritiert, dass ich es
schließlich für besser hielt, auf mein Frühstücksmüsli
für die nächsten Tage zu verzichten
...
Die Auffahrt zur Laki war einfach. Alles war wieder einmal zu gut ausgeschildert und zu perfekt hergerichtet. Man kommt nur bis zum Aussichtspunkt "LA-E", zurück wollte ich die westliche Abfahrt zur F208 nehmen. Die Abzweigung liegt bei "LAKI01". Die Strecke ist teils steinig, teils 11-spurig wie ein amerikanischer Highway, weil die Geländewagen die Spuren so angelegt haben. Auch Reiseenduros dürften sich hier gut zurechtfinden.
Nach einem Bauernhof kam ich zu einer Furt, die mich wieder einmal in Erstaunen versetzte: Die Flussbreite betrug fast 130 m. Die erste Seite liegt bei "FURT-A", die andere bei "FURT-E", abzüglich etwa 1,5 m, weil ich nicht ganz am Wasser stand. Wer will, kann das mal genau ausrechnen!
Ich hatte mir schon lange abgewöhnt, alle Bäche abzulaufen. Man entwickelt mit der Zeit so ein Gefühl für die Befahrbarkeit. Mit Strömung, Wellengröße usw. läßt sich ganz gut abschätzen, ob und wie es gehen müsste. Aber bei dieser Furt lies es sich nicht vermeiden, die Strecke abzugehen. Dabei stand an der tiefsten Stelle das Wasser nur knapp über den Knien. Die Furt war völlig problemlos zu fahren ...
Ein Geländewagen würde sich im Bach leichter tun, da er nicht
so leicht umfallen kann. Der Sand wechselte häufig die Farbe von gelb
zu schwarz und jedesmal dachte ich, dass es hier mehrere Meter abwärts
geht, was aber nicht der Fall war. Auch die restliche Strecke war nicht
ohne: scharfkantige Lava-Steine, ewiges auf und ab. Bei einem Bauernhof
"022" kam ich raus. Zusätzlich kam aber noch ein Feldweg bei "023"
vom Berg herunter - ob dieser Weg der richtigere war, kann ich nicht beurteilen.
Die Straße mündet jedenfalls dann bei "024" in die F208.
Wieder
einmal machte ich mich auf den Weg in den Norden und benutzte dazu die
schnelle F26, die berühmte Sprengisandur.
Als ich bei der Furt unmittelbar vor der Einmündung der F910 ankam, standen dort zwei hochgebaute Reisebusse, ein kleiner und ein großer. Die Leute waren gerade dabei einzusteigen und es wurden Bergungsgurte und Seile verladen.
Zwei Schweizer Radfahrer erzählten mir, dass der kleinere Bus in der Furt abgetrieben wurde, weiter unten dann fest hing und aus eigener Kraft nicht mehr heraus kam. Man musste warten, bis Hilfe kam. Der größere Bus konnte ihn schließlich heraus ziehen ...
Mir rutschte das Herz spürbar nach unten. Schließlich musste auch ich hier durch. Der Fluss war oberschenkeltief, hatte ein gewaltiges Gefälle quer über die Straße und die Strömung war unglaublich. Die Farbe des Wassers war ein hässliches dunkles Braun. Es musste hier vor kurzem stark geregnet haben, weil alles nass war. Der einzige Hauptstrom teilte sich weiter flussabwärts in viele einzelne Arme auf und dazwischen waren viele Sandbänke. Dort konnte ich völlig problemlos an das andere Ufer gelangen. Die beiden Schweizer begannen sich erst wieder anzuziehen, als ich drüben war - Radfahrer sind wirklich noble und hilfsbereite Menschen!
Insgesamt empfand ich die Sprengisandur als nicht so interessant: Eine einzige Schotter- und Wellblechbolzerei ohne eigentliche landschaftliche Höhepunkte - nur die F35 war noch fader ...
© 2001 Hans-Jürgen Weise