Mit dem  EXPLORER MAGAZIN "unterwegs":

Fuerteventura 2006: Auf den Spuren der "Kette"

Die Reise zu den Schauplätzen eines Thrillers ...


Wie man weiß, waren wir von Anfang an begeistert seinerzeit, als wir den Thriller "Die Kette" im Explorer Magazin vorstellten: Schon lange hatte der Rezensent nicht mehr das Gefühl, dass hier ein Buch ganz speziell nur für ihn geschrieben wurde - so lautete eines der Ergebnisse. Ganz klar, dass wir darauf hin mehr wissen und natürlich auch zu den Schauplätzen der "Kette" aufbrechen wollten: Wir baten Wolfgang Kaes um ein kurzes Statement zu unserer Frage, warum er gerade "unsere" Insel für seinen Thriller als Schauplatz ausgewählt hatte und so freuten wir uns sehr, als wir dazu das folgende Grußwort von ihm erhielten ...


Liebe auf den ersten Blick. Vor mehr als einem Vierteljahrhundert war ich zum ersten Mal in Spanien. Seither hat mich das Land nicht mehr losgelassen. Franco war tot. Und wir wollten wissen, ob das Land nach dem Tod des Diktators zurück zur Demokratie finden würde. Also setzten wir uns im darauf folgenden Sommer zu viert in einen VW-Käfer, Baujahr 68, Schlafsäcke im Gepäck, und fuhren los, über die französischen Nationalstraßen, weil wir das Geld für die Autobahnen nicht hatten. Wir kamen immerhin bis Katalonien und blieben in Cadaques hängen.

Von da an fuhr ich jedes Jahr für einige Wochen oder Monate nach Spanien, oft nach Andalusien. Granada, Ronda, Sevilla. Als Student hatte man noch die Zeit dafür. Später, als Journalist, unternahm ich für eine Artikelserie zum 50. Jahrestag des Spanischen Bürgerkriegs eine Recherchereise kreuz und quer durchs Land, interviewte Altenheimbewohner im baskischen Guernica, jugendliche ETA-Sympathisanten in San Sebastian, Tagelöhner in Andalusien, Bankiers in Barcelona, Militärs in Madrid.

Ende der 80er, bis dahin kannte ich nur das spanische Festland, brauchte ich dringend eine Auszeit. Ich fühlte mich völlig ausgebrannt, ging ins nächste Reisebüro und sagte: Ich suche eine einsame Insel, auf der man spanisch spricht. So landete ich auf Fuerteventura. Auf dem Flughafen schob der Taxifahrer eine Kassette mit arabischer Pop-Musik in den Schlitz, stellte auf volle Lautstärke und raste mit mir durch die fremde Mondlandschaft nach Corralejo. Ich war augenblicklich fasziniert.

Ich mietete mir ein Auto und lernte erstmals all die Schauplätze kennen, die ich viel, viel später für mein Buch "Die Kette" benutzte, ohne dies damals zu ahnen. Seither hat es mich immer wieder magisch nach Fuerteventura gezogen. Die Insel ist Medizin für meine Seele. Faszinierend finde ich auch, wie die Insel die Menschen polarisiert: Man liebt sie oder man hasst sie; man kommt nie wieder oder aber immer wieder.

Fuerteventura erwies sich später als ideal für mein Buch: die Einsamkeit und Abgeschiedenheit vieler Landstriche vor allem an der Westküste und im Inneren, und die Tatsache, dass die Insel im wahren Sinne des Wortes Ecken und Kanten hat, so wie ihre Bewohner. Und Spanien war als genereller Schauplatz ideal, weil sich das Buch mit religiös motiviertem Terrorismus und dem Missbrauch von Idealen durch Ideologien beschäftigt. Denn große Teile Spaniens waren in ihrer Geschichte länger islamisch als seither christlich. Spanien erlebte damals einen toleranten, weltoffenen Islam und ein rückständiges, tyrannisches Christentum. Beide Religionen und Kulturkreise haben das Land entscheidend geprägt.

Am 1. September 2006 erscheint - wieder bei Rowohlt - mein nächster Roman: "Herbstjagd" beschäftigt sich mit dem Thema Stalking - dem zerstörerischen, narzisstischen Missbrauch der Liebe. Kommissar Morian ist nach seinem Fuerteventura-Desaster soweit wieder hergestellt, um die Jagd nach einem Wahnsinnigen aufzunehmen, dessen gefährlichste Waffe seine messerscharfe Intelligenz ist.

Grüßt mir die Insel der Sehnsucht
Wolfgang Kaes


Soviel zur Erläuterung von Wolfgang Kaes, warum Fuerte diese Rolle in seinem Thriller spielt - aber war das wirklich alles? Nun, wir wollten nach wie vor mehr zu den Hintergründen und Schauplätzen der "Kette" auf der Insel wissen und hatten in unserem oben erwähnten Beitrag im Jahr 2005 deshalb schon angekündigt: "So werden wir bei unserem nächsten Aufenthalt auf der Insel selbstverständlich auch direkt den sechsten Stock des Hotels Tres Islas ansteuern, um Hurls Fitnessstudio aufzusuchen, oder in die Calle Requena Nr. 16 in El Cotillo gehen, um uns die Behausung von Max Maifeld dann etwas genauer anzusehen ..."

Gesagt, getan: Im Februar 2006 war es schließlich so weit. Ganz diskret hatten wir unsere Reise zu den Schauplätzen der "Kette" vorbereitet, nur wenige waren von der Redaktion in die genauen Reisepläne eingeweiht worden, aber dennoch: Konnte eine Reise zu den Schauplätzen einer derartig unheimlichen Geschichte wirklich ohne Überraschungen, merkwürdige Erlebnisse und geheimnisvolle Begegnungen ablaufen? Vermutlich nicht, aber der Reihe nach ...

Und die Geschichte geht weiter!


© 2006-2013 J. de Haas, Bild Autor: Wolfgang Kaes