Mit dem  EXPLORER MAGAZIN "unterwegs":

Über die finnischen Steuer-Moskitos ...


Was haben wir geschwärmt von Finnland!

In unseren Reiseberichten Skandinavien 99 und Skandinavien 2000 hatten wir sie genossen, die Freiheit und Weite der finnischen Straßen und natürlich auch die Gelassenheit und Disziplin der finnischen Autofahrer. Für einen Pickup-Fahrer sicherlich ein besonderes Paradies: Konnte man doch dort mit 80-90 km/Std Höchstgeschwindigkeit auch gleichzeitig und problemlos seinen Spritverbrauch minimieren ...

Dass man allerdings als finnischer Autofahrer, der vielleicht auch mal einen Pickup fahren möchte, vor Ort dennoch nicht unbedingt nur uneingeschränktes Vergnügen hat, nun - so etwas merkt der normale durchreisende Tourist in der Regel kaum.

Wer jedoch wie unser Leser Heiko Riedel vor Ort wohnt, erlebt in dieser Hinsicht dann doch ganz andere Geschichten, wie wir aus seiner Mail vom Oktober ´02 erfahren können.

Und was man daraus noch entnehmen kann, ist zweierlei: Selbst der deutsche Fiskus erscheint im Vergleich zum skandinavischen danach noch richtig sympathisch. Und scheinbar kann man ein Volk, das daran gewöhnt ist, Jahr für Jahr immer neue Insektenschwärme auszuhalten, auch mit "Steuer-Moskitos" bis auf´s Blut quälen - mit bisher scheinbar noch ohne für uns erkennbaren Folgen - oder etwa doch ..?


15.10.2002 Bei uns schneit es heute das erste Mal den ganzen Tag, man ist hier noch etwas unter Schock wegen des Anschlags auf das Einkaufszentrum Myyrmäki in Vantaa. Aber Verrückte gibt es halt überall ...

Hier in Kurzform eine kleine Geschichte, ist am Communicator geschrieben, verzeiht mir den Haufen Tippfehler, aber Wurschtfinger sind halt nun mal Wurschtfinger ...

Ich bin momentan etwas im Stress mit dem Vorverkauf, so dass ich leider noch nicht dazu gekommen bin, euch den Artikel über die bescheuerten Pickup- und sonstigen Autogesetze, die man in Finnland so hat, zu schreiben.

Zu meiner Person: Ich wohne seit sechs Jahren in meiner Wahlheimat Finnland (bin eigentlich Urbayer) in der Nähe eines schönen kleinen Städtchens namens Porvoo, ca. 40 km östlich von Helsinki. Der Ort, in dem wir wohnen, heißt übrigens Haiko , da wundern sich die Leute immer, wenn ich mich vorstelle ...

Meine Firma ist jedoch (leider! ) in Helsinki, wir importieren einiges, was man für´s Outdoorleben so braucht. Die meisten Produkte kommen aus Bayern, so bleibt der Kontakt zur Heimat erhalten. Ich glaube, sonst wäre es für mich deutlich schwerer, hier zu wohnen. Durch meine Tätigkeit habe ich Finnland wirklich "er-fahren", so knapp 100.000 km schruppe ich schon runter - das möchte ich auf deutschen Autobahnen dann doch lieber nicht tun ...

Ja, es gibt bei uns einige Besonderheiten im Automobilgesetz. Zum einen eine "Luxus"steuer von 107% auf alle PKW´s und eine kleinere in Höhe von 35% auf alle sogenannten "Paketautos" (vergleichbar in Deutschland mit LKW´s unter 3,5 t). LKW´s sind erstaunlicherweise steuerfrei.

Und dann noch die verschärften Gesetze: Ich führte z.B. bei meinem Umzug nach Finnland einen VW T2 als WoMo (in Deutschland registriert) nach Finnland ein, und siehe da, das ging in Finnland nicht. Das Fahrzeug wurde als PKW eingestuft mit erhöhter Dieselsteuer von ca. 750 Euro im Jahr. Denn für PKW´s mit Dieselmotor zahlt man jährlich Dieselsteuer und für PKW´s mit Benzinmotor nichts ...

War einfach, die Kiste dann wieder zu verkaufen, ich überlegte mir schon den Umbau zum Benzinmotor ...

Ich habe einen ganzen Ordner voll mit meinen Vorschlägen beim TÜV, das Groteske der ganzen Geschichte ist: Es gab T2´s, die hier als WoMo zugelassen worden sind, jedoch war dies nur bis zur Erstzulassung 1986 erlaubt.

Nun zur Pickup-Geschichte. Pickups fallen in die "Paketauto-Steuerklasse" und sind daher halbwegs bezahlbar (Preise der Basisversionen -1,5-Kabiner- ohne alles: Mitsubishi 38.000 Euro, Tojota 36.000 Euro, Nissan KingCab 37.000 Euro). Doppelkabiner werden nicht nach Finnland gebracht, da die PKW-Steuer zuschlägt (= unbezahlbar plus Dieselsteuer ...).

Den Mitsubishi bekommt man auf Sonderbestellung zum Preis von ca. 89.000 Euro. Normale Geländeautos gibt es ein paar, aber die sind schweineteuer: Pajero 85.000 Euro, Terrano 79.000 Euro.

Ach ja, KingCab bedeutet in Finnland übrigens Fahrersitz plus Beifahrersitz, hinten ist nix - sonst wird das Ding wieder als PKW eingestuft ...

Wir wollten dieses Jahr dennoch einen Pickup kaufen, und dazu später eine kleine, leichte und winterfeste Wohnkabine aus Schweden, doch es kam alles anders. Nach Probefahrten stand fest: Der Nissan ist´s, der hat genug Kraft, also haben wir das Ding dann bestellt. Der kam mit Klimaanlage von Webasto etc. dann trotzdem auf fast 40.000 Euro.

Dann erfuhren wir Sonderbares. Wir waren auf der Suche nach einem Hardtop: Die gibt es hier nicht, sind verboten, he??? Nur möglich, wenn die Innenhöhe im Laderaum mindestens 1,60 Meter ist. Das war uns zu hoch und zu hässlich. Hardtops in Wagenhöhe gibt es nur als Stoffverdeck, und die dürfen dann nicht absperrbar sein. Wenn man z.B. ein absperrbares Hardtop aus Schweden oder Deutschland kauft und draufsetzt, folgt eine saftige Strafe, falls man erwischt wird: Die PKW-"Luxussteuer" wird fällig. Also dann doch lieber ohne Hardtop.

Dann gingen wir daran, uns die Kabine auszusuchen, und die nächste Überraschung folgte: Die sind auch verboten, das wusste der schwedische Hersteller zum Glück. Denn es droht die selbe Strafe wie beim Hardtop, falls man erwischt wird! Wir sind dann mit einem ganzen Fragenkatalog zum finnischen TÜV und der hat uns noch mal alles bestätigt - und noch einen drauf gesetzt: Höchstgeschwindigkeit bei Pickups ist 80 km/h ...

Aus der Traum: Nun mit schlechten Gewissen zum Nissan-Händler und den Kauf rückgängig gemacht - eine Woche bevor das Auto in Finnland eintraf ...


Und dann kam noch eine Ergänzung zur obigen Story von Heiko:

Ja, die Behörden sind in Bezug auf Autos hier ganz schön eigenartig. Ihr wart ja auch schon öfter in Finnland: Da sind euch evtl. solche "Citroen -Combis" mit "aufgeschraubter Skibox" aufgefallen? Auch eine Sonderform, die ein schlauer Bürger erfunden hat, die Dinger konnte man damals als LKW zulassen und brauchte keine Kfz-Steuer zu zahlen, weil der Laderaum dann groß genug wurde ... 

Heutzutage geht das natürlich nicht mehr, der Gesetzeslücke wurde ein Riegel vorgeschoben. Aber ich hoffe, es fällt einem Tüftler mal wieder so was ein, wenn nicht: Kommt mal mit eurem "AMY PROTO Spezial PickUp" *) zu uns zu Besuch und wir fahren beim TÜV vor - die Gesichter beim finnischen TÜV würde ich gerne sehen!

Viele Grüße
Heiko

*) Anm. der Redaktion: Mehr zu diesem Fahrzeug in unserem Beitrag "Der Pickup als Kampfpanzer-Ersatz ..." ...


Nachtrag, Oktober ´03: Und noch eine Nachricht von Heiko, diesmal mit interessanten Links zu Finnland!

Ich dachte, ich schicke Euch ein paar (wie ich finde) interessante Links aus Finnland, auf die man sonst ohne Finnisch-Kenntnisse nicht so einfach stößt. Alle Seiten sind auf englisch:


Und noch was: Wie Heiko Riedel und die Lappen über die Frage denken, ob es kalt sei im Lande, haben wir ebenfalls bereits geklärt: In unserem 2. Nachtrag zum Thema "Windchill" ...


© 2002 Heiko Riedel, Helsinki