Auf der Suche nach der Oase ...

Es ist wohl klar, dass eine Fahrt mit dem Mietwagen in die Innenstadt von Dubai für uns keine Option ist. Muss es auch nicht sein, denn Dubai verfügt über ein modernes Schnellbahnnetz.

Doch vor der Benutzung steht die Beschaffung der NOL-Card. Eine NOL-Card ist ein elektronischer Fahrschein (wie eine Geldkarte), den man mit Geld auflädt. Immer wenn man irgendwo ein- oder aussteigt, hält man die NOL-Card an ein Lesegerät, der Fahrpreis wird abgebucht und der Restbetrag angezeigt. Ist man an einem Tag viel unterwegs, so  wird nur bis zu einem Maximalbetrag von 2,80 EUR abgebucht. Das sind noch Tarife!

NOL-Cards gibt es an den Bahnhöfen der Schnellbahn - Metro genannt - und an einigen ausgewählten Verkaufsstellen. Der nächstgelegen Bahnhof, der Burj Khalifa heißt, ist laut freundlichem Info-Personal, das überall in der Dubai Mall herumläuft, nur mit dem Bus zu erreichen. Endlich kommt der Bus, das Problem ist nur: Kein Bus nimmt Fahrgäste ohne NOL-Card mit und in keinem Bus werden NOL-Cards verkauft.

Der Getränkekiosk an der Bushaltestelle hat zwar ein Schild NOL-Cards, aber keine Karten zu verkaufen - Sold out!

Also wieder zurück zum Info-Personal: Wo gibt es NOL-Cards? Ratlosigkeit - wir werden von Auskunftsstelle zu Auskunftsstelle weiter vermittelt, bis uns jemand in einen Supermarkt schickt: Dort fragen wir wieder bei der Info und werden zur Kasse 4 geschickt. Die Kassiererin will nichts von NOL-Cards wissen, geht aber dann los zur Info. Hinter uns eine Schlange mit Kunden, die nun leider auch warten müssen.

Irgend wann kommt die Kassiererin zurück, öffnet ihre Kasse und reicht uns zwei NOL-Cards. Dieser Vorgang ist typisch für Dubai: An vielen Stellen (Flughafen, Dubai Mall, Bahnhöfen, ...) läuft Info-Personal herum, das sehr freundlich jede Frage entgegen nimmt, aber leider recht häufig unwissend ist. Wenn man Glück hat, bekennt sich der Mitarbeiter zu seiner Unwissenheit, wenn man Pech hat, kriegt man irgend eine Auskunft, und die kann komplett falsch sein. So z.B. die Auskunft, man könne den Bahnhof Burj Khalifa nur mit dem Bus erreichen: In Wirklichkeit ist er nur wenige Gehminuten vom Armani Hotel entfernt, man muss nur wissen, in welche Richtung und willens sein, tatsächlich auch zu Fuß zu gehen - ob das vielleicht das Problem ist ..?

Nun sind wir aber gerüstet mit einer NOL-Card, besteigen den Bus und schon an der ersten Station steigt der Kontrolleur ein und kontrolliert die Karten, natürlich mit elektronischem Handlesegerät. Bei uns ist natürlich alles ok.

Die Metro zum Creek fährt fahrerlos: Die Bahnhöfe sind blitzblank und thematisch nach den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde gestaltet. Bahnhöfe mit dem Thema "Wasser" sind in Blautönen gestaltet mit maritimen Dekors. Bahnhöfe zum Thema "Erde" sind gelblich gestaltet.

An jedem Bahnhof gibt es übersichtliche Umgebungskarten und Explosionszeichnungen des Bahnhofs, letztere sind aber oft eher verwirrend als hilfreich ...

Es gibt extra Abteile für Gold-NOL-Card Besitzer und für Frauen und Kinder. Das Gros der Passagiere fährt aber in den normalen Abteilen. Hier fällt dann endgültig auf, dass die arbeitende  Klasse überwiegend aus Menschen aus Indien, Pakistan oder Indonesien besteht. Der Unterschied zu einer Bahnfahrt in Mumbai und Dubai besteht im Wesentlichen in der Sauberkeit und der geringeren Menschendichte im Waggon. Die Bahnhöfe sind blitzblanke Glas- und Fliesenpaläste und damit es so bleibt, weisen Schilder darauf hin, dass man nichts essen und nichts trinken und keinen Fisch mitnehmen darf. Selbst die Entsorgung des Toilettenpapiers wird auf Schildern vorgeschrieben.

Wir erreichen den Creek: Das ist ein Meeresarm, der sich 14 km durch Dubai zieht. Er teilt die Stadt in Deira und Bur Dubai. In Deira findet man die berühmten Gewürz Souks und Gold Souks. Aufgrund von Eid haben die Souks heute geschlossen mit Ausnahme der Goldläden, denn Gold wird an Eid gerne verschenkt.

Wer schnell von Deira nach Bur Dubai oder umgekehrt will, nimmt ein Wassertaxi - ein Abra - von denen Unmengen auf dem Wasser hin und her fahren. Man kann sich aber auch für wenige Euros ein Wassertaxis exklusiv mieten, um den Creek auf und ab zu fahren. Taxifahrer sind überwiegend Inder oder Einwohner der angrenzenden Länder. Unser Taxifahrer kommt aus Bangladesch und hat sichtlich Spaß, mit uns für einen Fototrip herumzufahren und seinen Kollegen zuzuwinken.

Er schippert uns vorbei an den modernen Hochhäusern, an deren Ufern die alten Dhaus ankern. Diese alten Dhaus sind keineswegs antike Museumsstücke, sie werden heute noch für den Warentransfer von und nach Indien genutzt. Zusätzlich zu den Taxis verkehren auch Wasserbusse, teilweise hochmodern mit "ICE-Look", teilweise als Amphibienfahrzeug im Look von amerikanischen Schulbussen.

Am Creek befindet sich unweit der Metro-Station Al Ghubaiba das Heritage Village mit antiken Bauten und schönen Restaurants am Ufer. Dort zu verweilen ist ein Muss! Es gibt so viel zu schauen: stolze Araber mit ihren noch stolzeren Kamelen, Gastarbeiter, die ihren freien Tag genießen, arabische Familien beim Wochenendausflug und Gruppen, die gemeinsam an den Shishas (Wasserpfeifen) saugen.

Shishas nicht nicht unser Fall, wir halten uns an die Grillgerichte, bei denen jeder einen kleinen Holzkohlengrill bekommt, auf dem das gewürzte Fleisch liegt. Mit Salat, Fladenbrot und Minzetee ein typisch einheimischer Genuss.

Einige wenige hochbeinige Katzen kommen vorbei. Wir können nicht widerstehen, und so fliegt doch das eine oder andere Stückchen Fleisch vom Teller zu den Katzen. Ein Gast am Nachbartisch wirft daraufhin ein Stück Fladenbrot zu einem Kater: Der erkennt sofort das minderwertige "Geschenk", geht hin und bepinkelt das Brot ausgiebig. Daraufhin starrt er den Gast an, um sicher zu gehen, dass gesehen wurde, was er vom Brot hält und stolziert kurz darauf hoch erhobenen Hauptes und Schwanzes von dannen ...

Nachts sind die Gebäude der Heritage Village schön beleuchtet. Trotz jeder Menge Wasser und Minzetee, wäre jetzt ein Bier schon recht - aber so etwas gibt es hier weit und breit nirgendwo. Zum Glück haben wir den Marco Polo Reiseführer dabei mit dem Insidertipp zu einem irischen Pub Fibber Magee's. Das klingt schön und es liegt auch auf unserem Weg zurück unweit der Metrostation. Eine Adresse gibt es nicht, nur die Hinweise, der Pub läge zwischen Crowne Plaza und Fairmont Hotel in der zweiten Reihe Sheikh Zayed Road.

Wir irren zwischen Crowne Plaza und Fairmont Hotel herum, suchen vergeblich und fragen auch immer wieder Leute, die jedoch den Pub nicht kennen. In einem Café fragen wir erneut: Do you know where we can find the Pub Fibber Magee's? Nein, der Wirt weiß es nicht, hat noch nie vom Pub gehört, bietet aber an, den Pub anzurufen. Leider haben wir auch keine Telefonnummer. Wir versuchen ihm zu erklären, dass wir den Pub suchen, da wir Durst auf Bier haben. Oh I'm sorry, meint er daraufhin, I have no beer, but it is a really good idea to have a beer tonight. So viel Verständnis tut gut, kommt man sich doch mittlerweile wie ein Junkie vor, der vergeblich auf der Suche nach Stoff ist. Da fällt uns das Smartphone ein: Mit einem Wifi könnte man im Internet die Telefonnummer des Pubs ausfindig machen, dann dort anrufen und so vielleicht sein Problem lösen - mittlerweile ist das Gefühl eines Verdurstenden in der Wüste nicht mehr weit ...

Da im Armani das Wifi kostenlos ist, könnte dies doch ein üblicher Service von Hotels hier sein. Unauffällig versuchen wir bei den umliegenden Hotels ein kostenloses Wifi zu finden - Fehlanzeige, alle Wifis sind kostenpflichtig und wollen Daten wie Zimmernummer, Name, Kreditkarte usw.  Die Bieroase bleibt uns verwehrt und der Durst nach Bier ist vermutlich auch deshalb so stark, weil man weiß, dass es nur an dem besch...... Reiseführer liegt, dass man die Oase nicht findet.

Wir kehren zurück zum Hotel, genießen wenigstens die Springbrunnenshow und stillen den Durst weiter mit Wasser, das mit Kohlensäure auch schwierig zu bekommen und teuer ist, da es importiert werden muss. Nur stilles Wasser gibt es günstig an jeder Ecke, was den Frust allerdings eher verstärkt als lindert. Ist so eine erzwungene Wasserkur wenigstens vielleicht eine gute Vorbereitung für den Ausflug in das Wüstenumland der Stadt Dubai ..?


© 2012 Sixta Zerlauth