Mit dem  EXPLORER MAGAZIN "unterwegs":

Caravan Salon Düsseldorf ´99

   

Von einem Besuchsbericht wie zum Caravan Salon ´99 in Düsseldorf (25.09. - 03.10.99) erwartet man normalerweise viel sachliches zu Ausstellern, Produkten und vielem anderen. Aber Kurts sehr persönlichen Besuchsbericht zum Düsseldorfer Event, nur wenige Tage vor seinem Aufbruch zu Slowenien 99 geschrieben, wollen wir dennoch niemandem vorenthalten. Angaben zu Herstellern, Fahrzeugen, Aufbauten o.ä. ohne unser Obligo (Übrigens: Eine "ernstgemeinte" Übersicht der NEUHEITEN des CARAVAN SALONS Düsseldorf in Tours 1/2000)!

    

Am Freitag kurz vor Mittag rief mich mein Freund Alfred von Aero-Plast in Haßfurt, u.a. der Hersteller der bekannt guten Explorer Kabinen, in scheinbar höchster Not an. Er bat mich dringend, sein neues Modell des Freizeit-Anhängers Tuareg, vorgestellt im letzten Monat in der FAZ, unbedingt heute noch nach Düsseldorf zur Ausstellung beim Caravan Salon 99 zu bringen.

Dort wird er am Samstag zur Präsentation durch den WDR im Rahmen einer Livesendung gebraucht. Obwohl ich einiges zu tun gehabt hätte, entschloss ich mich spontan, dem Hilferuf Folge zu leisten und fuhr so gegen 1400 Uhr von Haßfurt los.

Über die A3 Richtung Westen und dann die A45 in nördlicher Richtung bewegte ich das Gespann gen Norden. Herrlicher Sonnenschein begleitete mich den ganzen Tag. Bei Olpe machte ich kurz vor dem Abbiegen auf die A4 eine kurze Pause. Jeder, der vorbei kam, schaute sich das Duo an ...

Mein roter Taro passte zu dem knallroten Tuareg wie der sprichwörtliche A... auf den Eimer. War es vielleicht seitens Alfreds doch kein reiner Zufall, ausgerechnet diese Kombination auf die Reise zu schicken? Zutrauen würde ich es ihm.

In der Gegend um Leverkusen verließ ich die Autobahn und folgte der A1 bis in die Umgebung von Köln. Es wurde schon langsam dunkel, als ich nach ganz kurzem Ritt auf der A3 in die A57 auf linksrheinisches Territorium einbog. Trefflich von einem Brummi-Fahrer per CB-Funk auf Kanal 9 AM geführt, kam ich auf Höhe des Neusser Hafens wieder auf die Spur nach Düsseldorf und somit zurück auf das rechte Rheinufer. Dem Lkw-Fahrer, der sein Fahrzeug im Hafen von Neuss zur Wochenendpause abstellte, dessen Namen ich nicht kenne und ihn selbst auch nicht, dessen Fahrzeug ich ebenfalls die ganze Zeit nie sah, dem Mann sei hiermit noch einmal ausdrücklich für seine Hilfe gedankt!

Bei Dunkelheit überquerte ich die Rheinbrücke. Den Positionslichtern nach zu urteilen, herrschte noch reger Schiffsverkehr. In Düsseldorf angekommen fuhr ich gemächlich die Rheinuferstraße entlang, bis ich endlich nach den Untertunnelungen der Rheinuferbesiedelung die Schilder zum Caravan Salon sah - diesen zu folgen war dann keine schwierige Sache mehr.

Auf der Messe war natürlich niemand mehr da, der mir den Hänger abnahm. Man hatte wohl nicht mehr mit unserem Kommen gerechnet ...

Mir blieb, weil die Abmachungen alle etwas nebulös formuliert waren, nichts anderes übrig, als vor der Messehalle im Auto zu übernachten. Die ganze Nacht wurde in der unmittelbaren Umgebung gewerkelt. Durch die fast neunstündige Fahrt war ich so müde, dass ich trotz des Lärms um mich herum tief und fest schlief ...

Als Rache für das nicht zustande gekommene Treffen mit einem kompetenten Mitarbeiter der Messe rief ich am Samstag morgen gegen 0700 Uhr bei Aeroplast an und weckte alle auf. Wie man mir sagte, habe das Antworten etwas länger gedauert, weil man das neue Schnurlose nicht gleich gefunden hat. Ob das wohl stimmte ..?

Danach erledigte sich das meiste von selbst. Ich schaute mir nach der Übergabe des Hängers und einer kleinen Einweisung dann noch die Messe an, was einfach sein musste nach einer solchen Fahrt!

Leider habe ich von dem Messekurzrundgang keine Bilder. Aber die dort gezeigten Kisten ödeten mich überwiegend an,
so dass ich nur in die Hallen 13, 14 etc. rein sah. Aufgefallen sind mir die Unmengen Tischer-Fahrzeuge und -Kabinen, die von fast jedem Fahrzeughersteller gezeigt wurden. So zeigte Ford z.B. eine 230er "Trail"-Aufsetzkabine auf einem Pickup "Ranger". Sie hat, wie der Typ aussagt, eine Bodenlänge (ohne den Alkoven) von 2,30 m, also reichlich Überhang am Heck. Dann der neue Nissan Pickup, der insgesamt etwas rundlicher als der alte aussieht und auch mit stärkerer Dieselmaschine bestückt ist, und last but not least einen Caddy-ähnlichen Renault oder Citroen, ebenfalls mit einer Tischer Kabine. Die ist, wie ich von Peter Tischer hörte, die kleinste, die er baut. Ohne Nasszelle und den üblichen Schnickschnack. Aber auch sie wäre mir viel zu hoch. Die Fahrzeuge wirken dadurch alle irgendwie plump. Wie bimobil ...

Als "islandtauglich" pries Tischer mir eine Neuauflage der alten 245er Kabine an, deren oberer Teil aus festen aufklappbaren Seitenwänden besteht, die dann nach Anheben des Daches die Seitenwände nach oben zur vollen Stehhöhe bilden. Das Dach steht dann nicht schräg, sondern wird als Parallelhubdach geliftet. Die Kabine hat auch,  je nach Unterbau-Fahrzeug, mehr oder weniger Hecküberhang. Von allen wäre sie aber noch von Größe und Gewicht her die einzige brauchbare für einen Schlechtwege-Einsatz. Nicht wirklich Offroad/Crosscountry geeignet, sondern eher so ein Zwischending ...

Den Clou bildete ein ca. 12 m-Gespann mit einem riesigen US Dodge Pickup mit Rucksack (Anm. der Redaktion: Zum Dodge Ram 2500 ClubCab in Büsching Edition mitsamt Hänger siehe Offroad 12/99). Zumindest glaube ich, dass das Fahrzeug ein Dodge war, dessen gesamte Ladefläche eine niedrige, vollgeschlossene Kiste mit Spoiler darstellte und zum Wohnen einen zwillingsbereiften, wie das abgesägte Heck eines Kastenwagens aussehenden Anhänger mit aufmontierter Tischer 280er Kabine (Alkoventyp) hatte. Wahrlich ein sehr gewöhnungsbedürftiges Vehikel!

Den Vogel schoss allerdings ein Landrover Defender ab (der mit der superkurzen Ladepritsche), mit aufgesetzter riesig wirkender Tischer Kabine, Hecküberhang ca. eine Meile! Das Durchhängen des Hecks kaschierte man dadurch, dass man ihn vorne auf einen Sandkasten stellte, wie er auf Kinderspielplätzen verwendet wird. Zur Krönung hatte man dann noch ein Kindertipilein davor gestellt - es fehlte nur noch eine Garnitur Sandeimerchen und Schäufelchen ... Das alles war im oder vor dem Messestudio des WDR aufgebaut. Werbemäßig also der beste Platz auf der ganzen Messe - jeden Tag stundenlang im Blickpunkt der Sendungen. Das wäre normalerweise unbezahlbar. Das Auto war ok, aber mit einem Explorer hätte es glaubhafter gewirkt ...

Ja, was war da noch? Einige VW-Kastenwagenaufbauten von Ormocar aus Karbon. Ach ja, ein ca. 16 -18 m langer fünfachsiger Riesenkasten mit Renault Lkw-Chassis und einem "Fünfzimmer und Küche"-Aufbau mit Maserati und Jaguar Sportwagen in der befensterten Heckgarage. Man muss ja schließlich sehen, was man hat. Wenn ich den Verkäufer richtig verstanden habe, kostet er (ohne die Autos hinten drin), über 1,5 Millionen DM. Nichts für die Explorer-Crew! Aber er ist bereits verkauft. Nein, nicht an mich. Ich brauche ja nur einen Fahrzeugabstellplatz hinten ...

Ja, ansonsten waren da die üblichen fahrbaren Wohncontainer mit Gelsenkirchener Barockeinrichtung und Bad und Klo mit Hinternwischautomatik und sonstigen technischen Spielereien. Je nachdem auf Herzjesu-Benzfahrgestellen oder Opel Kaplan-Pickups mit Walnussholzvertäfelung am Scheibenwischer ...

Ich fuhr wieder heimwärts. Ausser einem einstündigen Stau auf der A57 war eigentlich alles wie auf der Herfahrt. Nur meine Kiste lief etwas leichter und beim Blick in den Rückspiegel vermisste ich etwas. Auch das Interesse an meinem Gefährt war deutlich geringer. Wie man sieht, stellt man mit einem Tuareg einfach mehr dar ...

    

© Text/Bilder 1999 Kurt Gradolph