Rückkehr aus einer anderen Welt

Eine Rückreise von Spitzbergen nach München kann zu einem sehr langen Tag und einer sehr langen Nacht führen: Abflug Richtung Oslo morgens um 02:30 Uhr, Ankunft dort um 05:25 Uhr sowie Weiterflug nach München um 07:40 Uhr, Ankunft da um 09:50 Uhr. Das sind die Eckdaten, die unseren letzten Tag in arktischen Gefilden bestimmen.

Um 0:30 Uhr soll uns bereits der Bus zum Flughafen am Svalbard Hotell abholen, womit sich schlappe 9,5 Stunden Reisezeit ergeben würden - alles in allem Grund genug, den letzten Tag vor Ort ausgiebig zu begehen ..!

Wir waren da ..! ;-)) Eisbären überall ...
Hausberg mit Sommer-"Weinglas" Denkmal für harte Arbeit im Liegen ... Nochmal zum Räderwerk ...

Was könnte man an diesem Tag also alles machen? Nun, eine Quadtour z.B. ab Mittag, wie wir es machen. Nicht machen sollte man vielleicht dagegen wie an den Vorabenden einen ausgiebigen Besuch im Karlsberger Pub, denn ein Absacker da wäre möglicherweise nicht gerade die ideale Vorbereitung, vor allem dann, wenn man selbst dort wieder mal versackt! Immerhin ist dieser Pub ein beliebter Treffpunkt in Longyearbyen, und zwar nicht nur einer von Touristen, sondern natürlich auch von allen möglichen anderen Gruppen interessanter Leute, die auf Spitzbergen arbeiten.

So sitzt man an einem Abend z.B. neben einem Team der polnischen Forschungsstation auf Spitzbergen, die vom geophysikalischen Institut der Polnischen Akademie der Wissenschaften betrieben wird und die selbstverständlich auch Webcams von der Umgebung ihrer Station online haben. Wie alle derartige Teams ebenfalls ein sympathischer Trupp von Wissenschaftlern, wie man sie auch aus anderen Ländern auf Spitzbergen oft antrifft. Denn auch die begeben sich gern nach Longyearbyen, wenn sie mal wieder unter Menschen sein wollen.

Auch Tourenguides kann man hier häufig sehen, die ebenfalls gern mal ein Bier trinken gehen. Wundern darf sich dabei aber nicht über Leute, die während des Pubbesuchs draußen in der Fußgängerzone ihre Huskies festmachen, die dann geduldig auf die Rückkehr von Herrchen oder Frauchen oder beiden warten müssen ...

Am Tresen: Karlsberger Pub Trinkbares Bier vorhanden ... ... und ein beliebter Treffpunkt
Mittag in der Svalbar ... Wir müssen draußen warten ...

Ansonsten ist natürlich auch ein letzter Rundgang im Ort angesagt. Nach Versuchen, mit falscher Belichtung zumindest fotografisch einen Eindruck aufziehender Polarnacht zu erzeugen, noch einmal ein Blick auf halbverschneite Sommergipfel: Das "Weinglas" am Hausberg gegenüber ist heute gut erkennbar. Guide Marcus hatte verraten, was es damit auf sich hat: Wenn man dieses "Glas" erstmalig im Jahr so wie wir heute oder zumindest so ähnlich sieht, weiß man, dass nun Sommer ist oder der zumindest naht ...

Durch die Fußgängerzone geht es weiter, ein Holzkunstwerk in Erinnerung an die hart im Liegen schaffenden Kohlearbeiter kann man zum Abschied heute noch einmal näher betrachten. Danach ein letzter Gang zum Räderwerk der Kohle-Seilbahnen, die einen nun schon tagelang fasziniert haben. Oder man kann nochmal Schiffe in der Bucht gucken: Unser Blick fällt auf die Svalbard (W303), ihres Zeichens Eisbrecher und Küstenwachschiff der norwegischen Küstenwache, die hier regelmäßig patroulliert. Die Kontrolle der Einhaltung strenger Regeln in Sachen Fischfang gehört genauso zu den Aufgaben dieses Schiffes wie die Durchführung eventueller Rettungseinsätze.

Küstenwache vor Ort: Svalbard (W303) Forschungsschiff Oden ... An was wird geforscht?

Wir sehen wie schon während der gesamten letzten Tage auch die Oden vor uns in der Bucht herumdümpeln, die sich kaum zu bewegen scheint: Ein schwedisches Forschungsschiff, das ebenfalls als Eisbrecher fungieren kann - offenbar in diesen Gewässern eine gute und sinnvolle Kombination. Was sie hier allerdings bereits tagelang erforscht, können wir auf die Schnelle nicht in Erfahrung bringen, auch die Guides unserer Touren haben keine Infos dazu, obwohl das Schiff dem einen oder anderen ebenfalls schon ganz besonders aufgefallen ist während der letzten Tage.

Es wird Mittagszeit und man kann noch einmal etwas zu sich nehmen: Wir landen erneut in einem beliebten Treffpunkt des Ortes, wo auch unsere Guides ein- und auszugehen scheinen wie wir sehen und wo wir unseren "finnischen Freund" von der Pyramiden-Expedition ebenfalls wiedersehen. In der nah beim Hotel liegenden Svalbar, wo es neben Burger & Co. auch Pizza und anderes gibt, hat sich das hier übliche bunte Völkchen versammelt. Drinnen stellen wir fest, dass es auch durchaus trinkbares Bier hier gibt, was wir kürzlich bei unserer Euro-"Extratour" auf der Straße nicht gemerkt hatten. Trotz oder wegen spätem Flieger kann man so durchaus hier und heute noch das eine oder andere davon zum Abschied genießen ...

"Winterbelichtung": Kommende Polarnacht ..? Zurück ins Svalbard Hotell Hier kann man warten ...
Die Welt ist klein ... Goodbye Svalbard! Letzter Gruß ...

Irgendwann geht es zurück zum Hotel und Warten auf den Bustransfer ist angesagt. Mitternacht und Bus nahen und schließlich erneutes Warten in der Halle: Die Nacht beginnt nun langsam aber sicher lang zu werden ...

Der Abschied von Svalbard fällt bereits schwer nach so wenigen Tagen und auch der "Nur-Bezahl-Service" an Bord der SAS-Maschine erleichtert den später nicht unbedingt. Dass wir auch bei der Rückreise wieder nicht von der Transferzone in Oslo Gebrauch machen können, weil wir diesmal "zu früh" dran sind, wissen wir zum Glück auch noch nicht. Aber wie man inzwischen weiß, überlebt man auch selbst völlig überflüssige zigmalige Sicherheitskontrollen - wenn´s denn hilft ..!

Der Morgen in München graut auf bereits bekannte Art und Weise irgendwann auf dieser Tour und hilft später auf jeden Fall bei einer Entscheidung: Spitzbergen, wir kommen wieder ..!


© 2017 J. de Haas