Suunto Core:

Zwei Jahrzehnte danach: Würdiger Vector-Nachfolger ..?


Um eines sofort vorwegzuschicken: Unsere Suunto Vector Uhren funktionieren unverändert gut - und das seit nun zwei Jahrzehnten!

Oft wurden in dieser Zeit schon die Batterien der Uhren gewechselt, die uns fast immer bei unseren Reisen begleiteten - und dabei stets zuverlässig ihren Dienst versahen. Als reine "Alltagsuhren" waren sie aber nie eingesetzt, dafür dienten in der Regel immer andere. Doch neulich war es rein zufällig so weit: Die eine (billige) Ersatzuhr hatte endgültig ihr Armband verloren und die andere zeigte ziemlich gleichzeitig einen Defekt und musste zur Reparatur - was nun, lautete die Frage.

Unterwegs mit der "Neuen" ...Klar, dass der Vector in dieser Situation sofort wieder zum Einsatz kam, aber eigentlich hätte man nun ganz plötzlich gern auch mal was Neues gehabt. Also noch ein Billig-Ersatzteil? Davon fanden sich im Internet sofort jede Menge - kaum zu glauben, was aus China für 7,95 EUR so alles daher kommt - von Suunto-Kopien bis hin zu gründlich nachempfundenen Casio-Gebilden reicht die breite Schrottpalette.

Bei all diesen Angeboten kam jedoch auch wieder ein alter Gedanke hoch: Da hatten wir vor 10 Jahren doch schon einmal einen Vector Nachfolger gesucht und waren dabei auf die Suunto X10 gestoßen, die sich als echter Flop entpuppte. Sollte man das also heute noch einmal versuchen? Schnell stießen wir bei der Suche nach aktuellen Suunto Uhren auf die im 2. Nachtrag unseres damaligen Vector-Artikels bereits von einem Leser verrissene "Suunto Core". Zu der kann man aktuell auf der Webseite des Unternehmens lesen:

"Suunto Core – Die Outdoor-Uhr: Das Wesentliche der freien Natur ist in der Suunto Core vereint und macht sie zu Ihrem zuverlässigen Begleiter auf allen Ihren Wegen. Mit der Kombination aus Höhenmesser, Barometer und Kompass, einschließlich Wetterdaten, steht Ihrem Forschungsdrang nichts mehr im Wege."

Nun, vollmundigen Werbesprüchen begegnet man heutzutage an allen Ecken und Enden, und sicherlich hatte es auch damals bei der X10 Ähnliches zu lesen gegeben, die seinerzeit natürlich angereichert war durch GPS-Funktionalität. Aber dennoch: Eine Chance wollten wir der aktuellen Suunto-Uhr dann doch wieder geben und so war sie schnell bestellt: Zwischen rund 130 EUR bis 150 EUR reicht die Bandbreite des Angebots (Stand Oktober 2019), Version "Regular Black" mit schwarzen Ziffern auf hellem Grund war unsere Wahl, geliefert von Sport Scheck über ebay und zugestellt durch - Hermes.

Letzteres war uns bei der Bestellung nicht bekannt und rächte sich umgehend: Tagelang war die Uhr unterwegs bei diesem wohl am wenigsten zu empfehlenden Lieferdienst, immer wieder konnte man lesen, die Adresse wäre unbekannt und die Uhr wanderte mehrfach zurück ins Depot. Also gilt hier als Erstes: Vorsicht ist beim Zusteller gefragt! Aber wen wundert das heutzutage in der "Werte- und Dienstleistungsgesellschaft" noch, wenn Pakete schon in der Mülltonne zugestellt, im Schnee tagelang vor Garagen und Türen deponiert oder - wie auch bereits berichtet - sogar durch offene Klofenster eingeworfen werden ... 

Uhrkalender muss sein ...Irgendwann war die Uhr dann schließlich doch da: Positiv auf der Rückseite der Batteriedeckel. Im Gegensatz zum Vector ist das kein Plastikteil mehr, dessen Schlitz sich mit jedem Batteriewechsel mehr verformt, sondern nun ein Metalldeckel. Dass diese Uhr nach Design in Finnland auch in China hergestellt wurde, verrät der Metalldeckel ebenfalls ...

Weiterhin sofort auffallend an der Uhr ein gefälliges Display, aber ein Knopf mehr als beim guten alten Vector: Zwar auch links jeweils einer oben und unten, aber auf der rechten Seite dann drei mit einem zusätzlichen Knopf in der Mitte. Böse Ahnungen und Erinnerungen an andere Uhren stiegen sofort auf, die sich ohne ständigen Blick in die Gebrauchsanleitung überhaupt nicht als bedienbar erwiesen, geschweige denn intuitiv ...

Und da sich in dieser Hinsicht gerade der Vector als vorbildlich erwiesen hatte, wurde die "Neue" sofort getestet: Zunächst schienen sich auf den ersten Blick die schlimmen Befürchtungen zu bewahrheiten, denn die im Display beschrifteten Tasten "Start Stop", "View", "+", "Mode" und "- Light" samt den Beschreibungen in der Bedienungsanleitung wirkten zunächst mehr verwirrend als hilfreich.

Doch mit gutem Willen dann alles noch einmal in Ruhe studiert und natürlich ausprobiert: Ganz plötzlich erschien die durchaus intuitiv zu bedienende Uhr zunehmend positiv und leicht verständlich: Auch bei ihr sind Uhr, Höhenmesser, Barometer, Kompass, Thermometer, Höhen- und Druck-Historie leicht zu beherrschen. In der Barometer-Einstellung wird der Wettertrend (Luftdruckveränderung) der letzten 6 Stunden in zwei gekoppelten Pfeilen von je 3 Stunden ständig angezeigt - recht hilfreich, wenn man sich eine Zeit lang am selben Ort aufhält. Zusätzlich kann man dabei auch noch eine "Sturmwarnung" aktivieren, falls der Luftdruck in den letzten 3 Stunden 4 hpa oder mehr gesunken ist.

Die mittlere "Modus"- Taste rechts ist der Schlüssel zum Erfolg: Mit ihr kann man sich problemlos durch die drei Hauptfunktionsbereiche Uhrzeit (TIME), Höhe/Barometer (ALTI & BARO) und Kompass (COMPASS) klicken, in der jeweiligen Hauptfunktion geht´s dann mit einem weiteren Klick auf die Modus-Taste entweder in ein tieferes Menu oder aber zu detaillierteren Unterfunktionen weiter mit der "View"-Taste unten links. Wenn man diese einfache Vorgehensweise einmal begriffen hat, ist die weitere Handhabung leicht zu bewältigen. Und so hat die Core bereits nach kürzester Zeit etwas geschafft: Sie hat bis auf weiteres den guten alten Vector abgelöst, der - kaum zu glauben - im Vergleich zu dieser Uhr tatsächlich nun etwas komplizierter erscheint!

Hauptfunktionsbereich TIME: Ständige Datumsanzeige dazu mit "View" Statt Datum z.B. Sonnenauf- und -untergangszeit Hauptfunktionsbereich ALTI & BARO: Ausgewählt Barometer und Temperatur Referenzhöhe ist nun vorgegeben
Hauptfunktionsbereich COMPASS: Nordost NE als Zusatzangabe Auswahl zusätzliche Uhrzeit mit "View" Metalldeckel für die Batterie: Uhr made in China ... Wie lange wird das Armband halten ..?

Übersichtlich werden im Display stets die drei Hauptfunktionsbereiche angezeigt und derjenige mit einem Rahmen versehen, der gerade in Benutzung ist.

Gut gefällt uns im Hauptfunktionsbereich "TIME" die Möglichkeit, die jeweilige Weltregion samt nächster Großstadt auszuwählen, wo man sich gerade aufhält und dafür dann mittels der "View"-Taste auch die Sonnenauf- und -untergangszeit angezeigt bekommt.

Bei Höhe und Barometer hat man im Hauptfunktionsbereich eine zusätzliche Auswahl zwischen diesen beiden Bereichen, die dann unterstrichen angezeigt werden. Zu den Grundlagen der barometrischen Höhenmessung muss man dasselbe Basiswissen mitbringen wie beim Vector. Auf das ganze Gebiet von hier erforderlichen Einstellungsmöglichkeiten wollen wir deshalb an dieser Stelle nicht nochmals eingehen - da hat sich in den letzten 20 Jahren in Hinblick auf unsere damaligen Erläuterungen erfreulicherweise mal gar nichts geändert ...

Unsere ersten Test ergaben in allen Bereichen durchaus zufriedenstellende Ergebnisse auch bei Kompass und Höhenmessung - wollen wir hoffen, dass das auch bei kommenden Tests so bleibt! Wie lange sich das Kunststoffarmband im Echtbetrieb hält, wird sich noch herausstellen. Immerhin: Der geliebte Uhrkalender kann hier problemlos angebracht werden ...

Insgesamt können wir derzeit viel von dem damals zitierten Lob über den Vector auch bei dieser Uhr unverändert bringen:

"Uhr, Höhenmesser, Barometer, Kompass, Thermometer, Höhen und Druck-Historie - was will man eigentlich als Outdoorer sonst noch wissen? ... Das beleuchtbare Display ist wahrhaft riesig und hervorragend abzulesen ... Die Menüführung ist sehr logisch und einleuchtend. Daher muss man nicht in der Gebrauchsanweisung lesen, wenn man eine Funktion mal 2 Monate nicht angewendet hat."

Selbstverständlich werden wir auch diesen Beitrag wie üblich fortschreiben - mit allen Erfahrungen, die wir auf unseren Touren mit der Suunto Core machen!


Nachtrag, November ´19: Fast die "Automatik"-Funktion vergessen!

Bei unserem mehrwöchigen Trip durch Neuseeland (Bericht folgt!) gab es nun ausreichend Gelegenheit, den neuen Core umfassend zu testen. Sehr schön bei ihm z.B. die Möglichkeit, Sonnenauf- und -untergangszeiten von Städten wie Auckland oder Christchurch in NZ oder auch Singapur bei der Rückreise bequem angezeigt zu bekommen. Ebenso wie auch bei "Dualzeit" die jeweils aktuelle Ortszeit zu Hause.

Mit dem Core unterwegs im neuseeländischen Urwald ...Was aber besonders auffiel: Dass im obigen Beitrag eines zu Unrecht gar nicht erwähnt wurde: Nämlich die Funktion "Automatik" im Bereich Höhe/Barometer (ALTI & BARO). Zu dieser findet sich in der Bedienungsanleitung ein recht merkwürdiger Zusatzhinweis:

"Abhängig von Ihren Bewegungen wechselt das AUTOMATISCHE Profil zwischen den Profilen HÖHENMESSER und BAROMETER. ... Wenn sich die Positionshöhe des Geräts innerhalb von 3 Minuten um 5 Meter verändert, wird das Profil HÖHENMESSER aktiviert. Wenn die Positionshöhe des Geräts 12 Minuten lang konstant bleibt, wird das Profil BAROMETER aktiviert. HINWEIS: Das  AUTOMATISCHE Profil sollte nicht ständig aktiviert sein. Bei verschiedenen Aktivitäten sollte das Profil BAROMETER immer aktiviert bleiben, auch wenn Sie sich bewegen (z.B. beim Surfen). Das heißt, dass Sie in bestimmten Situationen ein passendes Profil manuell wählen müssen."

Da wir bei unserem Trip ständig entweder auf gleicher Höhe oder aber auf und ab unterwegs waren, erwies sich letztlich gerade das Automatik-Profil dafür als das richtige.

Auch wenn dann bei jedem automatischen Wechsel ggf. ein Signalton zu hören ist und vermutlich auch mehr Batteriestrom verbraucht wird, lieferte die Uhr so überwiegend die gewünschten Ergebnisse. Bei extremen Veränderungen fragt sie zusätzlich auch an, ob neue Referenzwerte z.B. bei der bekannten Höhe eingegeben werden sollen, um dann entsprechend weiter korrekte Werte ermitteln zu können. Im Vergleich zu Ergebnissen beim ebenfalls mitgeführten alten Suunto Vector lieferte der Core in diesen Fällen immer die genaueren Werte.


© 2019 J. de Haas