Deutschland  Bayern ´12:

Schlaflos in Iffeldorf - Kurzbesuch an den bayrischen Osterseen


Die Osterseen - Münchens Naherholungsgebiet

Bayerns schönste Geotope ...Rund 50 km südwestlich von München findet man die Gemeinde Iffeldorf. Zu ihr gehört eine Gruppe von Gewässern südlich des Starnberger Sees, die gemeinhin als die "Osterseen" bezeichnet werden.

Das gleichnamige Naturschutzgebiet besteht aus rund 20 größeren einzelnen Seen, Mooren und Mischwald. Vom bayrischen Umweltministerium ausgezeichnet als "Bayerns schönste Geotope" beherbergt die urwüchsige Region eine bemerkenswerte Artenvielfalt und auch ein europäisches Vogelschutzgebiet.

Hier befindet sich auch eine in der letzten Eiszeit geformte so genannte "Eiszerfallslandschaft" des bayerischen Alpenvorlandes: Eis, das nicht mehr direkt zu einem Gletscher gehörte, zerfiel an dieser Stelle in Blöcke, zwischen denen Schmelzwasserströme Schutt ablagerten. Also ein Leckerbissen für die naturwissenschaftliche Forschung und eben - Freizeitparadies für Münchner und deren Umgebung. Also heißt es am verlängerten Himmelfahrtswochenende auch für uns wieder einmal:

Auf zum Kurztrip an die Osterseen!


Ausgangspunkt Fohnsee-Camping

Als Camper steuert man an den Osterseen natürlich den Campingplatz Fohnsee bei Iffeldorf an, auf dessen Webseite man ausführlich über sein Ziel informiert wird:

"Unser Campingplatz direkt am Fohnsee bei Iffeldorf ist von Mitte April bis Mitte Oktober geöffnet und liegt am Naturschutzgebiet der Osterseen. Wir halten ihn bewusst naturangepasst, es ist ein kleiner Campingplatz mit ca. 40 Stellplätzen unter Baumbewuchs direkt am See und einigen kleineren Flächen im sich anschließenden Wald. Die sanitären Anlagen sind in einem guten Zustand, Waschmaschine und Trockner sind vorhanden (die Dusch- und Waschräume sowie die WC-Anlagen wurden erst vor kurzem komplett renoviert). ... Ein Restaurant (www.fohnseestueberl.de) und der Badeplatz sind direkt beim Campingplatz gelegen. In den Ort Iffeldorf geht man ca. 10 min, hier befinden sich Lebensmittelgeschäft, Post, Bank und Arzt, ebenso weitere Restaurants. Vom Bahnhof Iffeldorf sind es 1,5 Kilometer zum Campingplatz. Busse und Bahn verkehren von Iffeldorf in die Stadt Penzberg (6 km) mit einem sehr schönen Wellenbad oder nach Seeshaupt am Starnberger See (ebenfalls 6 Km) oder in die nahegelegenen Berge."

Wir machen uns auf den Weg zu dem von uns rund 80 km entfernten Campingplatz, den wir bereits vor mehr als 15 Jahren bei einer Explorer-Einweihungstour erstmalig aufgesucht hatten. Am Platz angekommen bietet man uns eine ruhige Ecke an: Einer der letzten Stellplätze direkt am schilfigen Seeufer gelegen mit Blick auf Iffeldorf und natürlich die Zugspitze, auf die der Platzwart besonders hinweist. Natürlich nehmen wir die ruhige Ecke, schließlich kann zu diesem Zeitpunkt noch niemand von uns wissen, dass an diesem Himmelfahrtswochenende im Festzelt an der Jägergasse das 125 jährige Jubiläum der Musikkapelle Iffeldorf gefeiert wird samt 30-jährigem Jubiläum der Partnerschaft Iffeldorf - Châteaubourg. Und dass dabei auch die "Rocknacht" mit der Band "Firewall" stattfinden soll, ist uns zum Glück bei dieser Platzwahl auch noch unbekannt ...

Stellplatz mit Ausblick ... Viel Landschaft und Berge ... "Ruhige" Ecke im Fohnsee Camp ...

Wanderungen und Ortserkundung

Wir umrunden zum Auftakt erst einmal den Fohnsee, vorbei am Fohnseestüberl und den Dauercampern geht es entlang des idyllischen Seeufers über einen angenehmen Wanderweg, der heute am Himmelfahrtstag auch nicht von anderen Wanderern überbevölkert ist. Nachdem man auf seinem Weg nach Iffeldorf den Fohnsee verlassen hat, stößt man wieder einmal auf ein Stück des Jakobswegs, den man hier ebenfalls benutzen muss - wo haben wir eigentlich in den letzten Jahren einmal kein Stück von diesem Weg irgendwo begangen? Er scheint so gut wie überall zu verlaufen, zumindest drängt sich heute dieser Eindruck auf ...

Geht man vom Campingplatz direkt in den Ort, passiert man 3 kleinere Seen, die südlich an den Fohnsee angrenzen: Vorbei am Seng-, Schiffhütten- und Waschsee erreicht man Iffeldorf tatsächlich in rund 10 Minuten, die ein oder andere Villa am Wegesrand wie auch die "normalen" Bürgerhäuser zeigen deutlich, dass man sich hier nicht gerade in einer armen Gegend Deutschlands befindet ...

Vom Camp nach Iffeldorf: Vorbei an kleinen Seen ... ... durch die nicht gerade ärmste Gegend Deutschlands ...
Hier weiß man immer, wo man ist ... ... und wo man isst:  Im Weinlokal Vitus ...

Zielstrebig suchen wir ein Lokal, über das wir in der Süddeutschen Zeitung gelesen hatten. Als ein "Ausflug-Tipp" war dort Ende März 12 das "Weinlokal Vitus, Iffeldorf" aufgeführt, zu dem man lesen konnte: "Das Wirtshaus mit den grünen Fensterläden ist Kulisse in der Vorabendserie Forsthaus Falkenau, aber eigentlich ein französisches Bistro. Das Menu steht auf schwarzen Tafeln, das Lokal ist in schlichtem Weiß gehalten, mit dunklen Holzmöbeln ausstaffiert und großen Bildern mit Weinmotiven an der Wand. Die Wirtin Sabine Ernest-Hahn ist Sommelière und bietet Weinseminare an. Eigentlich ist der Wein ihr Hauptberuf und das Bistro eher ihr arbeitsintensives Hobby ..." Der ebenfalls im Tipp erwähnte Laden mit einer Auswahl an 60 Weinen befindet sich direkt neben dem Lokal, das wir nun aufsuchen.

Zu recht gesalzenen Preisen verkosten wir einige Viertele reinsortigen Tempranillo und eine Cuveé mit dieser Rebsorte - in dem beim Essen wohl sehr auf "Bio" ausgerichteten Lokal mit entsprechend wirkender Kellnerin müssen wir die Rechnung schließlich zweimal korrigieren, die zu Ungunsten des Lokals ausgestellt ist - auf ein Wort des Dankes dafür wartete man vergebens ...

Für unsere Bedürfnisse ansprechender in Iffeldorf der Landgasthof Osterseen, der neben einem guten Restaurant auch ein auch Hotel beeinhaltet. Die Werbeaussage, dass man hier "bayerische Gemütlichkeit mit kultivierter Gastlichkeit harmonisch verbindet", können wir jedenfalls voll bestätigen.

Iffeldorf kann auch Ausgangspunkt für eine Tour zum Starnberger See sein: Zwei Erwachsene fahren mit der DB die eine Station nach Seeshaupt am südlichen Seeufer für 4,40 EUR - kurios dabei der auch bei solchen Fahrpreisen aufgedruckte Hinweis, dass für den Umtausch dieser Fahrkarte 15 EUR verlangt werden ...

Will man für einen derartigen "Umtausch" vorher noch einmal schnell zum GAA, um Geld abzuholen und ist nicht Kunde bei einer Sparkasse oder einer Volks- und Raiffeisenbank, kann man ggf. in dieser Gegend eine Überraschung erleben: Für solche Kunden gibt es zumindest in Iffeldorf und naher Umgebung keinen günstigen Automaten. Die hier vorherrschenden Institute halten sich allerdings an die Vorgabe, irgendwo ihre Abhebungsgebühren zu veröffentlichen: In den Aushängen sucht man zwar natürlich vergebens, aber als letzte Information vor dem endgültigen Drücken der letzten Bestätigungstaste kommt dann schließlich doch noch der Bildschirm-Hinweis auf die nun fälligen 4,50 EUR Gebühren ...

Genossenschaftliche Halsabschneiderei ... ... und vergleichbarer Versuch bei der DB ...
Seeshaupt: Historischer Bahnhof ... ... mit historischem Stellwerk ...

Ausflug zum Starnberger See

Die Reise nach Seeshaupt ist kurz. Der Bahnliebhaber kann sich am Bahnhof bei der Ankunft gleich einmal ein historisches Stellwerk anschauen, wenn er einen Blick ins Innere durch die Scheibe des Stellwerkvorbaus wirft: Gut erkennbar ist das Kurbelwerk für die Hauptsignale, ein Bedienpult für den Streckenblock Richtung Tutzing sowie Hebel für Vorsignale und Weichen - ein Leckerbissen für das Bahnerkind!

Weiter geht´s zu Fuß Richtung See, wo am Ufer der "Biergarten Lidl" samt "Würmseestüberl" lockt:

"Unser Biergarten und das Würmseestüberl liegen ca. 2 Gehminuten vom Dampferanleger der bayerischen Seenschifffahrt entfernt an der Seepromenade, direkt am Ufer des Starnberger Sees. Für die Sonnenhungrigen unter Ihnen haben wir eine gepflegte Liegewiese auf der Sie es sich gemütlich machen können und wenn Sie vor oder nach einer Brotzeit den südlichen Starnberger See erkunden möchten, können Sie sich in unserem Bootsverleih ein Elektro-, Tret- oder Ruderboot ausleihen und damit "auf große Fahrt" gehen. In den Sommermonaten spielt sich bei uns das Leben im Biergarten ab, in der kalten Jahreszeit stehen wir Ihnen im neu eingerichteten Würmsee-Stüberl von Donnerstag bis Sonntag zur Verfügung."

Starnberger Seeblick: Eingekehrt beim Biergarten Lidl ... ... mit deftiger Brotzeit ...

Deftige Brotzeiten gibt es auch heute, Steckerlfisch gegen Mittag leider nicht, jedoch wird auch der für den Abend bei gutem Wetter angekündigt. Wir trösten uns mit einigen "Halben" über das bereits vor einer halben Stunde ausgelaufene Ausflugsschiff hinweg, das wir hätten nehmen können, wenn wir etwas früher aufgebrochen wären. So aber müssen wir auf eine Starnberger See Rundfahrt verzichten, da wir heute sonst nicht mehr problemlos nach Iffeldorf zurückkehren könnten.

Bevor wir die geplante Wanderung zurück nach Iffeldorf beginnen, überzeugen wir uns noch kurz davon, dass es in Seenähe zwei Lokale gibt, in denen man am nächsten Tag (im Gegensatz zu Iffeldorf) abends sogar am "Public Viewing" teilnehmen kann: Das "Finale dahoam" steht schließlich auf dem Programm, das Spiel des FC Bayern München gegen Chelsea im Champions League Finale 2012 ...

Die Wanderung zurück führt erneut durch eine idyllische Landschaft, bis wir wieder die Osterseen im Süden erreichen und schließlich auch den Weg rund um den Fohnsee, mit dem wir unseren Aufenthalt hier begonnen hatten. Insgesamt eine Wanderung, die man nur empfehlen kann, wenn man noch eingermaßen gut zu Fuß ist und keine Probleme mit den Massen an Radfahren hat, die einem auf diesem Weg begegnen können ...

Wander-Idylle ... ... der lange Rückweg nach Iffeldorf ... ... Radfahren erlaubt ...
Seeblicke ... ... und verträumte Ecken ... ... Rast auf halbem Weg nach Iffeldorf ...

Wir erreichen nach der kilometerlangen Wanderung schließlich wieder unseren Campingplatz: Deutlich kann man von hier aus das auf dem anderen Seeufer errichtete "Festzelt an der Jägergasse" erkennen. Dieses werden wir jedoch wohl eher nicht aufsuchen, sondern wohl die Gastronomie im Ort weiter testen, bevor es einen idyllischen Abendausklang am Explorer geben sollte ...


Epilog

Ach ja, noch etwas zum Festzelt an der Jägergasse: Klar, das war uns natürlich auch vom Camp aus bereits aufgefallen am gegenüber liegenden Seeufer, aber wir hatten uns dabei ursprünglich nicht viel gedacht.

Auch als am späten Abend des Himmelfahrtstages die laut über den See schallende Blasmusik nicht enden will, werden wir nicht sonderlich misstrauisch - 125 Jahr Feier halt! Erst als wir uns in den Explorer zurückgezogen haben und es 2 Uhr morgens wird, dann 3 Uhr, 4 Uhr, 5 Uhr und nach einer halben Stunde Schlaf schließlich ganz plötzlich 7 Uhr und immer noch Blasmusik herüber schallt, schwant uns einiges ...

Als dann jedoch auch in der Folgenacht ein unglaublicher Lärmpegel vom Festzelt herüber dröhnt - diesmal sind es Rock- und Popsongs, von deren Text man jedes Wort verstehen kann - scheint der Lärm direkt bis an die Zahnwurzel zu reichen. Wieder wird es 3 Uhr morgens, und noch immer brüllen sowohl der Sänger als auch offenbar gefühlte Tausende Angetrunkene um die Wette.

Festzelt Jägergasse: 125 Jahre Blasmusik rund um die Uhr ...

In diesem Moment irgend wann am frühen Morgen - immer noch war an keine Minute Schlaf zu denken - fällt dann schließlich die Entscheidung: Auch wenn der Aufenthalt ursprünglich einen Tag länger dauern sollte, würde es nun frühzeitig wieder nach Hause gehen. Eine weitere schlaflose Nacht und wieder angekündigte Blasmusik (sicher erneut bis um 7:00 Uhr in der Frühe - seit wann gibt´s so etwas eigentlich in Bayern?? ) und keine Möglichkeit zum Ausweichen soll es bei uns nicht nun schon wieder geben.

Der Campingwart äußert sich am Morgen erstaunt zum vorzeitigen Aufbruch: Wieso man denn schon fahren wolle? Von einer Jubiläumsfeier hat der gute Mann, der offenbar recht weit entfernt wohnt, nicht das Geringste gehört. Wohl nicht ganz firm in letzten Feinheiten der deutschen Sprache fragt er, der osteuropäisch angehauchte schließlich, welches Zelt denn den Lärm verursacht hätte und schaut sich suchend auf dem Campingplatz um. Es dauert eine Weile, bis er verstanden hat, dass es sich wohl um ein Festzelt auf der anderen Seite des Sees handelt, das unsere vorzeitige Abreise verursacht hatte ...

Einen Tag später und wieder zurück zu Hause können wir im Internet die Meldung zur erfolgreichen Iffeldorf-Veranstaltung auf der Webseite der Rockband Firewall lesen:

Iffeldorf 18.05.12: Rocknacht

News: Rocknacht in Iffeldorf ...
... man braucht eigentlich nicht viele Worte um die Party in Iffeldorf zu beschreiben.

G - E - I - L!

Trotz angeschlagenem Sänger Tom, der seinen kranken Stimmbändern
auch noch das letzte abgefordert hat, haben wir gemeinsam ein
super Event gefeiert ...

Einen Vorteil hat das Ganze zu guter Letzt dann schließlich doch noch: Die Niederlage des FC Bayern gegen Chelsea im Champions League Finale 2012 konnte man so wenigstens "dahoam" in aller Stille verfolgen ...


© J. de Haas 2012