Auf den Spuren des Orkans
Mein erstes Ziel
ist Tomar. Ich versuche
zunächst einmal der östlichen Zugrichtung des
Orkans zu folgen, was problemlos möglich ist: Die Zerstörungen
des Orkans sind überall zu sehen. Über Marinha Grande fahre ich
nach Osten. Tomar selbst liegt gut 80 km in östlicher Richtung von
Praia das Vieira entfernt.
Ich komme an vielen tausend zerstörten Bäumen vorbei. Dächer und Seitenwände aus Aluminiumprofilen sind im Orkan davon geflogen. Sie liegen, wie auch in Praia da Vieira, Vieira de Leiria und Marinha Grande in großen Fetzen überall verteilt. Einige sehen aus wie zusammengeknülltes Papier. Viele Ampelanlagen funktionieren wegen Zerstörung oder Stromausfall nicht. Der einzige Unterschied ist, dass die Anzahl der Zerstörungen mit den Kilometern nach Osten etwas abnimmt. Auf den ersten 40 km ist noch kein Unterschied zu sehen.
Als ich schließlich in Tomar ankomme, der alten Stadt der Templer, treffe ich auf den unten zu sehenden Mast: Das war einmal einer der vier Masten, die im benachbarten Fußballstadion für Licht gesorgt haben ...
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Natürlich versuche ich den offiziellen Stellplatz für Wohnmobile in Tomar anzufahren. Doch schnell ist klar, der Platz bis auf weiteres nicht mehr zu gebrauchen: Hier hat der Orkan alle Bäume neu sortiert. Es soll auch Wohnmobile gegeben haben, die den Bäumen nicht mehr entkommen sind. Inzwischen ist der Platz von diesen Fahrzeugen geräumt und gesperrt, ich muss auf einen Parkplatz dicht bei der Markthalle in der Stadt ausweichen.
Da in Tomar keine Versorgung für Wohnmobile mehr gegeben ist, fahre ich am 2. März noch weiter östlich nach Castelo Branco: Hier bin ich nun 175 km von Praia da Vieira und damit der Atlantikküste entfernt. Die spanische Grenze ist auch nicht mehr so weit entfernt.
Selbst in Castelo Branco sind die Spuren des Orkans von Praia da Vieira zu sehen. Hier war der Orkan allerdings deutlich harmloser unterwegs: Die meisten Schäden finden sich an Bäumen und an Gebäuden in Leichtbauweise, der Umfang dieser Schäden ist allerdings erheblich geringer!
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Um das "Abenteuer" mit dem Orkan zu einem Abschluss zu bringen, fahre ich am 16. März noch einmal zurück nach Praia da Vieira an die Atlantikküste: Inzwischen sind 48 Tage vergangen, seit der Orkan auf diesen Ort getroffen ist. Internet und Strom funktionieren noch immer nicht. Nur einige wichtige Punkte wie die Polizeistation und ein Seniorenheim werden notdürftig versorgt. Noch immer laufen in den Orten die Generatoren.
In Praia da Vieira selbst versucht man mit den Unmengen an Sand fertig zu werden. Eine (!) Baumaschine und ein Lastwagen verladen die Sandmengen. An den zerstörten Gebäuden sind erste Arbeiten zu deren Rettung im Gange. Doch es gibt ein Problem mit den Versicherungen: Diese wollen erst selbst die Schäden prüfen, deshalb müssen die Betreiber warten. Es ist fraglich, ob die Gebäude bis zur Sommersaison fertig sein können.
Durch den Orkan Kristin und die nachfolgende Regenflut gab es in
Portugal den größten Stromausfall in der Geschichte des Landes.
Der Strand ist jetzt 1,5 Meter flacher und der Schutz zum Ufer weg.
Der LERRY und ich wurden vom Zentrum des Orkans überrollt. Wir
hatten bei diesem Geschehen wirklich enormes Glück, dass wir
noch in "einem Stück" existieren. Eine Wiederholung wollen wir auf
keinen Fall!
Mein Fahrzeug selbst hat alles nur deshalb so gut
überstanden, weil die meisten Steine es nicht getroffen haben.
Ganz besonders war seine Aluminium-Karosserie von Vorteil. Metall
verformt sich und Kunststoff reißt sternförmig von der
Aufschlagstelle aus. So kann mich der wirklich einfache, aber
unendlich gemütliche LERRY noch weiter auf neuen Abenteuern
begleiten. Das war pures GLÜCK!
![]()
![]()
© 2026 Jürgen Sattler
Anm. der Red.: Weitere Beiträge von Jürgen Sattler finden sich in unserer Autorenübersicht!













