Philippinen  Philippinen 2026

Pedalumdrehungen zwischen Palmen und Pazifik

Abenteurer Thomas Bauer fährt 550 Kilometer mit dem Mountain Bike über fünf philippinische Inseln


Pedalumdrehungen ..."Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes", knackt es aus den Lautsprechern der Fähre. Auf den Philippinen schickt man ein Gebet zum Himmel, ehe man sich an eine Überfahrt macht – Überbleibsel der 300-jährigen Herrschaft der Spanier. Die Philippinen sind das größte katholische Land in Asien.

Auf den Camotes, den "Süßkartoffel-Inseln", schwingen wir uns auf die Mountain Bikes. Radfahren auf den Philippinen: Das ist noch immer eine ungewöhnliche Kombination. Dabei spricht viel dafür: Im deutschen Winter ist hier Trockenzeit mit angenehmen 28°C. Die Straßen sind ausgezeichnet, die Aufstiege moderat, beim Essen kombiniert man Einflüsse aus Thailand und Indonesien mit den Trümpfen vor Ort – allen voran süß-saftige Ananas, Mango und Papaya. Und fast immer rauscht der Pazifik ganz in der Nähe ...

"Jeepney" mit Fahrrädern Taxistand
Wasserbüffel Koboldmaki
Beladener Radfahrer Was für ein Lächeln! Verkäuferinnen am Straßenrand Coole Pose: Kinder am Straßenrand

"Hello!", "¿Cómo estás?" und "What’s up, bro": Wir werden mehrsprachig begrüßt, wenn wir durch ein Dorf brausen. Kinder stürzen uns entgegen, Jugendliche winken uns zu. Mit unseren Radklamotten und den Helmen sehen wir aus wie Aliens. Das Leben auf den Camotes spielt sich auf und am Rand der Straßen ab: Hier knattern Mopeds, hier befördern die knallbunten "Jeepneys" Leute für wenig Geld ins Nachbardorf. Wer kann, dreht einen Laden oder auch nur einen Stand zur Straße hin und versucht, irgendetwas zu verkaufen. Die an den Verkehrslärm gewöhnten Hunde erschrecken sich, wenn wir an ihnen vorbeifahren, bleiben jedoch erstaunlich gelassen. Keine Spur von Aggressivität wie in manch anderen Ländern.

Radeln in herrlicher Umgebung: Unterwegs auf der Insel BoholErst auf der deutlich größeren Insel Bohol wird es auf den Straßen mitunter etwas eng. Dafür sorgen die über 1.000 kegelförmigen "Chocolate Hills": mit Gras überzogene Karsthügel, die sich im Sommer schokoladenbraun färben und ganzjährig Touristen anziehen. Hier gibt es auch die nur faustgroßen Koboldmakis, deren Gesicht aus den Augen zu bestehen scheint. Trotzdem machen wir auf Bohol "Strecke"! Unser agiler Guide verteilt Bananen und Wasser, dann treibt er uns mit "Ghee!"-Rufen an – das heißt "Auf geht’s!". Die Umgebung rauscht an mir vorbei, durch mich hindurch: mühsam bewirtschaftete Reisfelder ebenso wie meterhohe Kokospalmen, Mangroven und Mangobäume. Ich kann mich kaum sattsehen an dem, was mir da so reichlich aufgetischt wird. Und merke kaum, dass wir 80 Kilometer und mehr am Tag vorankommen.

Von den 7.641 philippinischen Inseln sind nur knapp 900 bewohnt. Die meisten Bewohner sind jung, das Bevölkerungswachstum insbesondere auf dem Land ist enorm. Die Philippinen sind der einzige Staat der Welt, in dem es gesetzlich verboten ist, sich scheiden zu lassen; die Ehe dient in erster Linie dem Kinderkriegen. Allein im Großraum Manila ballen sich 25 Millionen Menschen. 

Abenteuer "Radfahren auf den Philippinen" ... Manchmal wird der Autor zwar nass ... ... aber der Spaß überwiegt!

Erkennbar zufrieden: Der Autor auf der Insel Siquijor Von der Hektik der Städte ist auf der "mystischen Insel" Siquijor kaum etwas zu spüren. Die Stimmung auf dem vergleichsweise kleinen Eiland ist entspannt. Vielleicht sorgen die hier vermuteten Hexen und Zauberer dafür. Wobei mich die Zeremonie eines "Heilers" in seiner schäbigen Hütte nicht recht überzeugt: Er bläst in ein Wasserglas, das er um mich herum schwenkt. Dann schüttet er die Flüssigkeit aus – und mit ihr angeblich meine "negative Energie". Nun ja ...

Dafür umrunden wir die Insel per Fahrrad – 75 Kilometer am Pazifik entlang. Die Kombination aus weißen Sandstränden, aufragenden Palmen und dem Wellenspiel des Ozeans dürfte kaum zu toppen sein. Nach einem halben Tag, an dem ich wie wild Fotos schieße, bin ich geneigt, an die "Diwatas" und "Encantos" zu glauben, von denen auf Siquijor so viele sprechen. Während die feenähnlichen "Diwatas" in den Baumkronen leben, sind die "Encantos" Schutzgeister des Meeres. Noch heute werfen philippinische Fischer nach einem guten Fang Früchte ins Wasser, um sich bei ihnen zu bedanken. Der Glaube an eine belebte Natur ist nachvollziehbar in einem Land, das sich direkt auf dem Pazifischen Feuerring befindet – mit Vulkanen, Erdbeben und Taifunen als Begleiterscheinungen.

Auf der langgezogenen Insel Cebu nimmt der Verkehr zu, bis er innerhalb der gleichnamigen Hauptstadt apokalyptische Ausmaße annimmt. Auf den gesamten Philippinen gibt es gerade mal eine Bahnstrecke; ansonsten fährt man Auto oder Moped nach Regeln, die für Europäer schwer nachvollziehbar sind. Wenn sie nicht in einem Fahrzeug sitzen, sind die Filipinos in aller Regel höflich und zurückhaltend, was ihre Region zu einem angenehmen Reiseland macht. Hinter der freundlichen Fassade findet jedoch nicht selten ein Kampf statt: Viele arbeiten zu Bedingungen, angesichts derer sich ein deutscher Gewerkschafter die Haare raufen würde, üben zwei oder drei Jobs parallel aus. Andere verdienen sich ihre Brötchen als OFW – "Overseas Filipino Worker" –, vor allem in den Maschinenräumen der Kreuzfahrtschiffe. Von den acht Millionen Auslandsfilipinos leben beinahe die Hälfte in den Vereinigten Staaten, zu denen man seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs enge Beziehungen pflegt.

Boote an einer Flussmündung Insel Siquijor: Ein Platz zum Abendessen ... Abendstimmung am Pazifik ...

550 Kilometer und 6.000 Höhenmeter liegen hinter uns, als wir in Cebu City zu Abend essen. Die Zeit ist viel zu schnell vorbeigesaust. Jede Insel, die wir befahren haben, hat sich uns anders dargestellt. Es sind weniger die touristischen "Hotspots", die uns so beeindruckt haben. Die sind nicht selten überlaufen und dennoch nur begrenzt spektakulär. Was unsere Reise dagegen ausgemacht hat: Die in eine überbordende Vegetation gesetzten Straßen und Wege, über die sich Büsche und Bäume beugen. Das Rauschen und Gurgeln des nie weit entfernten Pazifiks. Und immer wieder die Menschen, die uns grüßen, anlächeln, ansprechen und erkennbar froh sind, dass wir hier sind. Das ganze saftige, wuselige und überschäumende Leben auf diesen tropischen Inseln, das mit jedem Tag etwas mehr auf uns übergesprungen ist ...

Na, und das ist doch mal was!  


Info-Box

  • Anreise: z.B. mit Cathay Pacific von Frankfurt über Hong Kong nach Cebu 
  • Beste Reisezeit: Januar bis April (Trockenzeit)
  • Organisation: In Deutschland z.B. Hauser, in Cebu City seit über 20 Jahren Bugoy Bikers, mit hochwertigen Mountain Bikes und englischsprachigem Guide. Zweiwöchige Radtour mit Inselhopping (Inseln Cebu, Camotes, Bohol, Siquijor und Negros) für ca. 4.000 Euro (inkl. Flug). Schwierigkeit: moderat
  • Womit man rechnen muss: Insbesondere in den Städten herrscht dichter Verkehr. Man sieht Schmutz und Armut (Wellblechhütten, verwahrloste Hunde)
  • Warum das Ganze: Zu den Vorteilen der Philippinen zählt, dass man mit Englisch sehr weit kommt; die Einwohner sind angenehm unaufdringlich. Das Straßennetz ist sehr gut ausgebaut. Die Bandbreite der Restaurants und Hotels reicht von einfach bis gehoben. Die Philippinen sind ein äußerst günstiges Reiseland – oftmals mit im Vergleich zu Deutschland um 90 Prozent reduzierten Preisen
  • Weitere Informationen: Abenteurer Thomas Bauer hat 15 Bücher über seinen Touren veröffentlicht. Dazu gehört auch "Neugier auf die Welt. In 80 Rätseln um die Erde", Periplaneta Verlag, Berlin. Im Februar 2026 erscheint "Abenteuer Asien" im MANA-Verlag

© 2026 Thomas Bauer


Anm. der Red.: Weitere Beiträge von Thomas Bauer finden sich in unserer Autorenübersicht!