Wo Barney Geröllheimer zu Hause ist ...
Früh morgens werden wir geweckt von lautem Klopfen: Wir schauen raus und sehen - nix!
Wieder Klopfen und wieder keiner zu sehen. Wir müssen raus aus dem Camper und da entdecken wir, welche Gäste uns rausgeklopft haben.
Ein Pärchen Rotringtokos aus der Familie der Nashornvögel hat sich
offensichtlich in den Camper verliebt, insbesondere in die Rückspiegel
und seine Glasscheiben. Sie spiegeln sich darin und klopfen dann heftig auf
das Spiegelbild. Wir lassen sie zunächst gewähren, aber bei dem riesigen
Schnabel kann man sich langsam aber sicher dann doch Sorgen machen, dass sie das Auto beschädigen könnten
und so stören wir sie ein wenig bei ihrer Spiegelfechterei.
Sie machen daraufhin lautstark deutlich, dass sie unser Verhalten gar nicht
freundlich finden. Aber wir akzeptieren das Protestgeschrei der Tokos
als unsere Frühstücksmusik und schon bald ziehen sie sich beleidigt
(aber nur vorübergehend!
) in die
nahen Bäume zurück.
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Heute soll es weiter auf der C40 Richtung Westen gehen. In Kamanjab gibt es schließlich den ersten Zwischenhalt. Hier kreuzen sich unter anderem die C35 und die C40. Das kleine Dorf ist ein zentraler Ausgangspunkt für Safaris und verfügt über eine Tankstelle, einen Spar und sogar einen Geldausgabeautomaten - Infrastruktur, die wir nötig haben.
Kamanjab verfügt über eine hohe Arbeitslosigkeit, wir sind vorgewarnt. Hier sollte man als Touri starke Nerven haben, denn an der Tankstelle wird man von zahlreichen Einwohnern regelrecht belagert, die ihren Schmuck und auch Schnitzereien sehr nachdrücklich anbieten.
Das Warenangebot im Spar ist erstaunlich reichhaltig, abgesehen
vom spärlichen - ziemlich welken - Gemüseangebot. Ein hartes Land
für Vegetarier! Auf das Fotografieren verzichten wir vorsichtshalber, wer weiß, was
das bei den Händlern auslösen könnte ...
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Unseren Wagen betanken darf nur einer der Tankwarte, Selfservice
ist verboten. Unser Bushcamper verfügt über einen Zusatztank und damit
ist der Tankwart (und später auch alle weiteren) wohl nicht vertraut.
Denn er will immer wieder das Tanken abbrechen, da der Zapfhahn blockiert.
Aber man muss warten und sehr langsam tanken, damit sich auch der Zusatztank füllen
kann.
Das erfordert eine Menge Diskussion, denn als Autofahrern wird uns
wohl keine
Tankkompetenz zugetraut, auch wenn man sich freundlich die
Erklärungen anhört ...
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Hier in Kamanjab endet zunächst der Asphalt und geht in eine breite Schotterstraße über. Baumaschinen am Straßenrand zeugen davon, dass man die Schotterstraßen durchaus pflegt oder zumindest pflegen will. Immer wieder liegen allerdings Autowracks am Straßenrand und mahnen zu vorsichtiger Fahrt, die Erfahrungen hierzulande lassen überall grüßen! Schilder warnen vor Senken, denn diese können sich während der Regenzeit zu reißenden Furten entwickeln. Jede einzelne Kurve wird mit Schild angekündigt. Manchmal kommen sogar Fußgänger entgegen und man fragt sich, woher kommen sie und wohin gehen sie in der Gluthitze? Weit und breit ist nur menschenleere Wüste zu sehen. Die Warnschilder "Achtung Fußgänger" am Pistenrand lassen allerdings vermuten, dass hier mehr Leute unterwegs sind, als man so erwartet ...
An manchen Stellen wurde sogar ein beeindruckender ganzer Schilderwald aufgestellt,
könnte es sich dabei noch um Spätfolgen der deutschen
Kolonialisierung handeln ..?
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Wir erreichen den Eingang des "≠Khoadi-//Hôas" Schutzgebiets. Hier ist es gelungen, seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts den Erhalt seltener Tierarten zu gewährleisten. Das Schutzgebiet gilt als das erfolgreichste Namibias.
Scheinbar fahren wir zu langsam, denn ab und zu überholen uns rasante Fahrer und wir werden vom Staub eingenebelt. Allerdings geschieht das in unserer Fahrtrichtung vergleichsweise selten, die bei der Tourenplanung bewusst gewählte "umgekehrte" Fahrtrichtung im Vergleich zu den üblichen Exkursionen macht sich auf dieser Tour insgesamt mehr als "bezahlt" ...
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Die Landschaft wird immer steiniger überall liegen gewaltige Geröllhaufen.
Bald schon erreichen wird das Camp Hoada. Dieses Camp ist deshalb so besonders und berühmt, weil sich die Stellplätze
zwischen den vielen Felsbrocken aus Granit befinden. Outdoor-Küchen, Toiletten und Duschen
nutzen diese Felsen als natürliche Wände. Wer sie kennt, der kann sich
hier wie bei
Familie Feuerstein
zu Besuch fühlen!
Der gesamte Sand an dem Stellplatz ist geglättet, keine Reifen- oder Fußspuren zu sehen - als ob wir die ersten Menschen an diesem Platz wären. An der Rezeption werden wir freundlich begrüßt und sofort fällt eines auf, das wir während unserer gesamten Reise immer wieder antreffen werden: Ein unübersehbares Schild, das hier auf eine "no drone"-Zone hinweist: Es ist wohl der nachvollziehbare Wunsch, die wunderbare Tierwelt hier nicht aufzuschrecken, dem wir gerne nachkommen: Unsere mitgebrachte Drohne wird so leider bei der gesamten Tour keinen einzigen Start erleben ...
Zwischen den Felsen stehen alte Mopanebäume: Die sind in Namibia von zentraler Bedeutung, sie gehören zu den Hülsenfrüchten (so wie Erbsen und Bohnen) und bieten einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche Tierarten, darunter die berühmten Mopane-Würmer, die als essbare Proteinquelle geschätzt werden und von uns schon in Windhoek verkostet wurden. Das schwere, nahezu unverwüstliche und insbesondere termiten- und holzbockresistente Holz wird traditionell zum Bau von Häusern, zur Herstellung von Werkzeugen sowie als Brennmaterial verwendet. Aus der Rinde lassen sich Seile fertigen. In der Trockenzeit verlieren die Bäume ihre flügelförmigen Blätter und die Rinde wird weiß.
Über die Felsen flitzen kleine namibische Felsenagamen, die Männchen mit stahlgrauem Körper und auffallendem orangem Kopf, die Weibchen grau gesprenkelt und bestens getarnt in der Felsenlandschaft.
An den wenigen noch grünen Blättern nagen kleine
Klippschliefer,
man kann sich kaum vorstellen, dass sie mit Elefanten verwandt sind!
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Für unseren Bushcamper gibt es eine Zeltüberdachung. Als wir uns auf dem Stellplatz ausgebreitet haben, nähert sich ein freundlicher Mann vom Personal und fragt an, ob es recht sei, wenn er morgen früh um 4 Uhr käme, um Wasser anzuheizen für die warme Dusche. Wir verstehen das zunächst nicht, er zeigt deshalb auf einen Boiler neben der Küche, den er mit Holz anheizen will.
Das Angebot
wird freundlich abgelehnt, irgendwie
erscheint uns eine kalte Dusche zwischen den Felsen authentischer.
Somit ist ihm klar, das Heizertrinkgeld kann er nicht kassieren, also
versucht er es geschäftstüchtig mit dem Vorschlag, US-Dollars zu
tauschen. Aber auch auf dieses gute Geschäft muss er allerdings heute
leider verzichten ...
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Eine Stunde vor Sonnenuntergang pilgern wir zur nahen Bar mit Terrasse - natürlich oben auf einem Felsen - für einen Sundowner. Neben der Bar befindet sich noch ein Felsenpool, in dem einige Touristen planschen.
Bei einem kalten Bier beobachten wir fast allein hier oben den fantastischen Sonnenuntergang und sind ganz erstaunt, wie wenige Leute aus dem Camp dieses Naturspektakel auf dem Felsen genießen.
Heute gibt es ein dreigängiges Menü, denn etliches aus dem Spar muss
verwertet werden, da es sich schon ziemlich am Ende seiner Lagerungsdauer
befindet. Zwischen den beleuchteten Felsen wirkt aber alles wie ein Gala-Diner
und es wird wieder spät, bis das Camperbett ruft ...
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© 2025 Sixta Zerlauth















