Zum Tor in das Land, das Gott im Zorn erschuf ...

Wie folgen weiter der C40 Richtung Küste: Obwohl wir Straßenbaumaschinen sehen, ist der Zustand mehr als nur holprig, Wellblech und Schlaglöcher schütteln uns mächtig durch. Wir dürften hier lt. Autovermietung 80 km/h fahren, lt. Straßenschildern teilweise sogar 100 km/h. Und der sehr geringe Verkehr hier rast zum Teil tatsächlich lang wie auf einer asphaltierten deutschen Landstraße, ob das wohl an der alten Offroader-Saga von der Hochgeschwindigkeit auf Wellblech liegen mag ..?

Schotter, Wellblech satt ... ... da helfen die Straßenmaschinen wenig ...
Damit wir nicht so enden: Hin und wieder ein Stopp mit Prüfung des Reifendrucks ... Hinauf zum Grootberg Pass ...

Wir fahren recht behutsam, um Reifen und anderes zu schonen, an unserem Fahrzeug fällt sogar die besondere Halterung der Außenspiegel auf, die auf derartige Pisten ausgerichtet ist. Wir haben zwar zwei Reserveräder am Heck dabei, aber äußerst wenig Lust auf hier häufig praktiziertes Reifenwechseln. Fast täglich kontrollieren wir bei wechselndem Gelände deshalb den Reifendruck und überprüfen die Reifen, insbesondere die Seitenwände.

Schon bald gelangen wir zur kurvenreichen Auffahrt zum Grootberg Pass (1.540 m ü. NN). Die Landschaft verändert sich schließlich, wir verlassen das Gebiet der Granitfelsen und gelangen in die Südausläufer des Etendeka Gebirges, das aus Vulkangestein besteht und aus der Zeit stammt, als der urzeitliche Großkontinent Gondwana auseinanderbrach ...

Pass erreicht ... Influencer @work ...
... und schon sind sie weg im Staub, ohne einen Blick auf den Ausblick  ... Hinab ins Tal ...

Historisch spielte der Pass eine Rolle in der Erschließung des Kaokovelds während der Kolonialzeit, als Straßen gebaut wurden, um entlegene Regionen für Verwaltung und Handel zugänglich zu machen. Er ist ein Übergang von der "zivilisierten" zentralen Region Namibias zum wilden, dünn besiedelten Kaokoveld.

Als wir den Pass erreichen, sehen wir dort einen weiteren Geländewagen: Verwundert beobachten wir, wie versucht wird, das Fahrzeug irgendwie an den Straßenrand zu manövrieren, offenbar so weit wie es möglich ist ohne Absturz. Da die Kommunikation zwischen Einweiserin und Fahrer aber nicht klappt, gibt man das Unterfangen schließlich auf. Aber dann geht es los: Der Wagen wird aus allen Richtungen fotografiert, mal mit Blondine, mal mit schnittigem Kerl. Mal liegt die Landkarte auseinandergefaltet auf der Motorhaube, mal ist die Sonnenbrille im Haar, mal ein Käppi auf dem Kopf, mal die Arme hochgereckt und immer mit total freudigem Gesichtsausdruck. Ja, wir sehen hier tatsächlich ein Influencer-Pärchen bei seiner harten Arbeit, die Follower bei der Stange zu halten ...

Fotos von dem atemberaubenden Ausblick werden allerdings wohl eher weniger gemacht: Kurze Zeit später verschwinden sie in einer riesigen Staubwolke auf dem Weg zum nächsten "instagrammablen" Hotspot.

Wie verweilen noch einen Moment, der Ausblick ist einfach atemberaubend.

Kurvig geht wieder hinab. Es ist das Gebiet der Himbas, einem der Urvölker Namibias. Sie leben von Viehzucht (Schafe, Ziegen, Rinder) und als Jäger und Sammler. Am Straßenrand stehen Himba-Frauen mit ihren kunstvollen Zopffrisuren und bieten traditionellen Schmuck aus Glasperlen an oder hübsche Mineralienstücke. Immer mehr Souvenirbuden säumen den Straßenrand und es gibt sogar eine Garküche, die Take-Away-Food anbietet ...

Himba am Straßenrand ... ... rustikale Souvenirshops ...
Welcome zur Garküche ... ... zu schön, um mit 100 lang zu rasen ...

Wir erreichen Palmwag, hier mündet die C40 in die C43. Die C43 führt in den Norden nach Angola und in den Süden zur C39, auf der man zur Skelettküste kommt. Den Tankstopp können wir uns hier sparen, ein Blick auf die Tankanzeige ergibt, dass es kein Problem sein wird, ca. 300 - 350 km bis zur nächsten Tankmöglichkeit auf unserer Route durchzukommen. So ein Zusatztank ist einfach genial und es ist ein echtes Erlebnis, wenn sich die Tankanzeige überhaupt erst dann bewegt, wenn der Haupttank leer ist und sich der Zweite zu leeren beginnt!

Unser Ziel ist das Camp am Springbokwasser Gate: Das Camp befindet sich unweit des Tores zur Skelettküste. In diese Region kann man nur hier im Norden oder im Süden am Ugab Gate einfahren. Die Tore öffnen um 07:30 Uhr und schließen um 15:00 Uhr. Übernachten darf man nur in Terrace Bay im Norden, ansonsten muss man die Strecke innerhalb eines Tages während der Öffnungszeiten bewältigen.

Das ist der Grund, warum wir in dem Camp übernachten, um morgens früh starten zu können. Das Camp ist eine staatliche Einrichtung, verwaltet vom Ministry of Environment, Forestry and Tourism (MEFT). Es handelt sich um einen Rangerposten mit Campingmöglichkeit für die Besucher des Skeleton Coast Nationalparks.

Das Camp sieht unendlich verlassen aus, wir sind die einzigen Gäste. Rings um die Rezeption befinden sich Häuschen und ein Souvenirstand. An der Rezeption fällt eine große Salatschüssel gefüllt mit Kondomen auf. Offensichtlich werden hier - vermutlich auf Nachfrage - auch "Zusatzdienste" angeboten. Die Rezeptionistin ist freundlich und singt sogar für uns ein spontanes Begrüßungslied. Bei den umhertollenden Kindern und auch der Himbafrau am Souvenirstand sagt sie uns, das wären nur Himbas, sie selbst wäre Herero. Offensichtlich empfindet sie sich als etwas besseres ...

Wichtige Kreuzungen immer im Blick ... Die Rezeption am Springbokwasser Gate Camp
Himba-Souvenirshop an der Rezeption ... Stellplatz in der Einsamkeit ...

Wir beziehen das eingezäunte Camp. Es gibt ein Waschhaus mit Duschen, Toiletten und Küchenspülen, einige Grillplätze und wieder Überdachungen für die Camper. Alles blitzsauber.

Wir waren die letzten Tage verwöhnt, es war windstill und man konnte sich einfach in den Schatten setzen. Hier muss man sich entscheiden, Wind oder Sonne. Als das Kochen beginnt, erscheinen zwei Schildraben und lassen sich unweit von uns nieder. Je länger das Kochen dauert, um so mehr Schildraben fliegen herbei und setzen sich ringsum auf den Zaun und die Dächer. Ein bisschen erinnert es an den legendären Hitchcock-Film "Die Vögel". Schildraben gelten als sehr intelligent und hoffen wohl auf Touris, die sie füttern. Aber das ist unter allen Umständen zu vermeiden. Wir verteidigen unser Abendessen erfolgreich gegen die ständig auf Lauer liegenden und immer wieder Testanflüge unternehmenden Möchtegern-Räuber. Ebenso erfolgreich sind wir im Umgang mit den am Lagerzaun um Aufmerksamkeit und Käufe heischenden Himba-Kindern.

Die Schildraben warten schon ... Sunset ...

Ein wundervoller Sonnenuntergang kündigt sich an, der Autoverkehr stoppt, denn das Gate ist geschlossen. Die Rezeption wird ebenfalls geschlossen, die Himba-Frau mit ihren Kindern geht nach Hause, innerhalb weniger Minuten sind wir einsam und verlassen im Camp und haben den Sonnenuntergang ganz für uns ...

Fortsetzung folgt!


© 2025 Sixta Zerlauth


Anm. der Red.: Weitere Beiträge von Sixta Zerlauth finden sich in unserer Autorenübersicht!