Alamut-Tal, Tabriz und die armenischen Klöster: 25.04. - 03.05.15

Das Alamut-Tal: Im Jahr 1090 eroberte der Ismailit Hasan-e Sabbah die Festung Alamut im gleichnamigen Tal. Aus diesem entlegenen Tal des Elburz rief er zur offenen Aufruhr gegen die herrschenden Seldschuken auf. Berüchtigt wurden die zahlreichen Attentate, die seine Anhänger verübten. In Syrien nannte man sie "Haschischiyun - Haschischesser", dieser Begriff ist als "assassin - Meuchelmörder" ins Englische und Französische eingedrungen. Erst die Mongolen machten 1256 der Herrschaft der Sekte ein Ende und zerstörten Alamut (Quelle: M. Gronke, Geschichte Irans).

Obwohl die Metropole Teheran nur 110 km Luftlinie entfernt ist, ist in vielen kleinen Orten scheinbar die Zeit stehengeblieben: Wir sehen noch viele einfache Lehmbauten, alte bäuerliche Strukturen überwiegen hier. Der Kontrast in Lebensweise und Komfort ist enorm, insbesondere wenn man sich die kalten und schneereichen Wintermonate vorstellt. Mit Plastikfolien sind dann die Fenster zusätzlich abgedichtet und wenn der Schnee taut, dann versinkt alles im rotem Lehm ...

Baumblüte hat begonnen ... Das Tal ist eine Reise wert ...

Für drei Nächte bleibt unser Hubdach unten; wir müssen wieder starken Wind in Kauf nehmen, dafür wird der Staub weggeblasen und die Sicht zunehmend besser. Vergletscherte Gipfel kommen zum Vorschein, die Obstbäume blühen und das Grün sprießt überall. Es ist im Frühjahr eine Idylle hier und allein dieses Tal ist dann eine Reise wert. Über diesem Hochtal erheben sich auf einem Felsen die Reste der ehemaligen Festung Alamut.

Das Aus auf dem letzten Kamm ..?Durch ein nahegelegenes Seitental wollen wir über den Salambar-Pass (3.200 m) noch einmal zum Kaspischen Meer fahren. Die Strecke ist in den Höhenlagen nur eine getrocknete Lehmpiste, doch mit einem Geländewagen gut zu befahren. Offensichtlich wurde diese vor kurzem geräumt, doch just auf dem letztem Kamm blockiert noch eine letzte Schneewehe unseren Weg: Die Planierraupe steht bereits parat, aber leider ohne Fahrer. Wir können schon die freie Piste gen Meer sehen, aber dies hilft uns nichts, wir müssen retour und unsere Reiseroute umplanen ...

Über Qazwin verlassen wir das Elburzgebirge und fahren gen Tabriz: Bereits von der Autobahn aus sehen wir im kleinen Ort Soltaniye den Kuppelbau des Oljeutu-Mausoleums schimmern, welches zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Oljeutu-MausoleumMit einer Kuppelhöhe von 51 m und einem inneren Durchmesser von 25 m wurde es im Jahre 1314 fertiggestellt. Wegen ihrer Dicke von 7 m können die tragenden Mauern das Gewicht der Doppelschalenkuppel ohne Stützbogen auffangen. Diese Bauweise soll die Konstruktionsvorlage für das indische Taj Mahal und italienische Kirchenbauten gewesen sein.

Tabriz ist mit 1,4 Mio. Einwohner die größte Stadt im Norden Irans; das Zentrum hat für uns in seinen Einkaufsstraßen südeuropäischen Flair - wenn es nicht die vielen schwarzbekleideten Frauen gäbe ...

Die dortige Blaue Moschee von 1465 wurde leider im 18. Jahrhundert durch ein Erdbeben stark beschädigt. Beim Wiederaufbau wurde bewusst die noch erhaltene Bausubstanz von den Rekonstruktionen farblich getrennt, so dass die Originale noch deutlich zu erkennen sind. Ihren Namen trägt sie wegen ihres seltenen kobaltblauen Fliesendekors.

Wir lassen uns mal wieder durch den Basar treiben: Mit seiner Größe und dem für europäische Verhältnisse unbekannten Treiben und Handel ist er einmal mehr ein Erlebnis und Ausdruck der orientalischen Lebensweise und deshalb wohl auch auf auf der Liste der UNESCO zu finden. Wir erwerben Gewürze und Tee sowie noch einige Mitbringsel, da wir uns doch so langsam auf die Rückreise vorbereiten müssen ...

Noch einmal Fliesendekor ... Am Stephanus-Kloster ...

Unser letztes Reiseziel im Iran sind noch zwei armenische Klöster im Grenzgebiet im Norden: Es ist mal wieder Freitag und das Stephanus-Kloster wird von den Iranern regelrecht geflutet. Es herrscht ein munteres Treiben hier und der eigenen Verpflegung mit Gaskocher, Teekanne und Grill wird mindestens die gleiche Bedeutung beigemessen wie dem kulturellen Aspekt. Wir müssen wie so oft die drei Standardfragen beantworten:

Fotografierwut der Iraner: kaum zu überbieten ...Where do you come from?
Do you like our country?
What is your job?

Inzwischen habe ich den Verdacht, dass sie sich alle vorher abgestimmt haben ..!

Auch die Fotografierwut der Iraner ist kaum zu überbieten: Sowohl untereinander als auch mit uns als Fremden, oftmals ohne gefragt zu werden. Wir möchten nicht wissen, wie oft wir inzwischen auf Facebook und Co. zu sehen sind - manchmal hilft allerdings die Androhung von Gegenfotos.

Bei einem unserer letzten Übernachtungen am Rande eines Feldes erhalten wir noch eine Lektion zum Thema "Trüffel": Ortskundige stochern mit Eisenstangen im Boden herum und finden so bis zu faustgroße Trüffelknollen. Wir bekommen einige zum Kauf angeboten und ein Bauer erklärt uns mit Gestik und Mimik, wie er sie zubereitet. Später bringt er uns noch einige junge Pflanzen, deren Samen wir mitnehmen sollen.

Nachdem unser Boden in Italien ähnlich steinig ist wie dieser hier, werden wir es sicher mal probieren ...

Lektion zum Thema Trüffel ... Ortskundige bei der Trüffeljagd ...

Das zweite Kloster, das Thaddäuskloster, enttäuscht uns: Es ist in einem lieblosen Zustand, Müll liegt in den Ecken, es hat für uns leider keine Ausstrahlung; diesen Umweg hätten wir uns sparen können.

Am folgenden Tag reisen wir über den kleinen Grenzübergang Kapikoy aus. Die Grenzabwicklung ist sehr übersichtlich, läuft fast familiär ab, in einem Büro müssen in unserem Beisein erst ein paar Zauberkünste demonstriert werden, bevor wir einen der erforderlichen Stempel erhalten. Bei der Visumskontrolle entsteht auf einmal Aufregung und die Beamten ziehen sich zu Konsultationen zurück. Uns wird schnell klar, dass sie wohl die Visumsverlängerung im Pass nicht gefunden haben und nach Aufklärung erhellen sich die Mienen wieder.

Nach 7 Wochen und 8.000 Kilometern verlassen wir ein hoch interessantes Land. Fernab des Tourismus haben wir eine enorme Gastfreundschaft und persönliche Offenheit kennengelernt.

Es ist spannend, sich mit dem Thema Islam vor Ort auseinanderzusetzen und dies zu erleben. Insbesondere die Rolle der Frau mit der oft sichtbaren Diskriminierung ist für uns aber nur schwer zu verstehen.

Die Topologie des Landes bietet dem Reisenden eine beindruckende Vielfalt von Steppen, Wüsten, Bergen, grünen Tälern und Küstenregionen.

Die historischen Stätten lassen die Kraft und Kultur des einstigen Persiens erahnen und der heutige Iran ist ein beindruckender islamischer Schwellenstaat in einem weiten Spagat zwischen der Moderne und dem historisch Gewachsenen.

Ausklang in der Kajüte: Fernreisemobil eines Bootsbauers ...Fazit ist: Wir sind froh, dass wir unsere Reise unternommen haben und hoffen, sie in diesem Land irgendwann einmal fortsetzen zu können.

Am gleichen Tag finden wir übrigens in der Türkei noch einen Stellplatz auf einem Campingplatz direkt am Van-See: Nach einer Stunde trudelt noch ein interessantes Fernreisemobil eines norddeutschen Bootsbauers ein. Sie sind auf der Rückreise aus Nepal und wir sitzen noch ratschend bis Mitternacht in ihrer selbstgebauten Kajüte, die von einem kleinen Gussofen mollig warm beheizt wird ...


© 2015 Hans-Jörg Wiebe 



1. Nachtrag, August ´15: Iran-Navigation und andere Berichte

Mittlerweile hat uns Autor Hans-Jörg Wiebe auch noch einen weiteren Beitrag geliefert zur Navigation bei seiner Iranreise, wo OSM-Karten zum Einsatz kamen und auch Geräte wie iPhone und iPad. Hier sein Bericht dazu:

Und wir auch haben auch noch weitere spannende Berichte von Hans-Jörg im Magazin. Die führen uns ebenfalls in den Nahen Osten, aber auch nach Südamerika, Island und Italien:


2. Nachtrag, Mai ´16: Auf ein Neues!

Und sie waren wieder da: Da die erste Reise derart beeindruckend und erfolgreich war, mussten sie einfach noch einmal hin, und das bereits im Folgejahr: