Yazd und die Wüsten: 31.03. - 09.04.15

Zwei Tage später erreichen wir die Wüste Lut: Wir haben uns auf dieser Strecke Zeit gelassen, bei einigen Märkten am Straßenrand angehalten, die Stimmungen aufgenommen und den Bagh-e Shahzadeh (Prinzengarten) in Mahan besichtigt, der auf der Welterbe-Liste der UNESCO verzeichnet ist.

Märkte am Straßenrand ... ... mit reichhaltigem Angebot ... Aufnahme von Stimmungen ... 
Von der Hochebene in die Gartenanlage ... Andere Stimmung garantiert ... 

Wenn man aus einer kargen Hochebene in eine solche Gartenanlage eintritt, dann kann die Diskrepanz kaum größer sein. Außerhalb der Anlage wirbeln die Sandhosen, hier innen geschützt durch hohe Bäume und Mauern plätschert das Wasser durch die Anlagen und sorgt für eine ganz andere Stimmung.

Als wir diese Anlage verlassen, trennt uns gemäß unserer Karte nur noch ein Bergrücken von der Wüste. Dieser hat es jedoch in sich: Als wir die Passhöhe von 2.700 m mit Schneefeldern endlich erreicht haben, ist es bereits dunkel, es stürmt und gewittert; in der Dunkelheit einen Stellplatz zu finden, ist nicht einfach. Unsere Stimmung gleicht der Außentemperatur, aber auf 1.500 m Höhe finden wir schließlich doch noch ein Seitental, wo wir in einem Geröllfeld fern der Straße unser Nachtlager aufschlagen können. Der Sturm schüttelt das Fahrzeug durch und so verbringen wir die Nacht ohne Hubdach auf gemeinsamen 80 cm Bettbreite ...

Für diese Mühen entschädigt uns die Wüste Lut mit eindrucksvollen Landschaften. Der Wind hat hier aus dem Sedimentgestein parallel verlaufende Täler herausgearbeitet, einige lassen sich gut befahren und hier übernachten wir am Fuße eines Berges. Viele Senken jedoch sind noch feucht, zum Teil fließt sogar Wasser und ein Befahren wäre das sichere Versenken des Fahrzeuges in einem Lehm-Salzgemisch ohne Grund und Boden. 

Eindrucksvolle Landschaften ... Täler mit feuchten Senken ... 
Boden mit Lehm-Salzgemisch ... Übernachten am Bergrand ... Versenken des Fahrzeugs problemlos möglich ...  Herrliche Fernblicke auf schneebedeckte Viertausender

Wir sind nur noch 300 m hoch und wenn wir klare Sicht hätten, könnte man von hier die noch schneebedeckten Berge (bis 3.500 m hoch) sehen. Tagsüber steigt das Thermometer auf 35°C, doppelt so heiß kann es im Sommer gut 80 km weiter in der Wüste sein. Hier soll sich gemäß unserer Reiseliteratur in einem Areal mit schwarzem Lavagestein der heißeste Punkt der Erde befinden (Gandom-e Beryan) ...

Zarathustra gründete ca. 900 v.Chr. den Zoroastrismus und dies wurde später die Staatsreligion im sassanidischen Reich (ab 250 n.Chr). Er lehrt, Gutes zu denken, zu reden und zu tun; Feuer, Wasser, Luft und Erde gelten als heilig. Die Toten wurden deshalb in Schweigetürmen ausgesetzt und die von den Geiern gereinigten Knochen später in Höhlen gesammelt.
Heute leben noch ca. 20.000 Zoroastrier im Iran und können Ihrer Religion frei nachgehen.

Auf dem Wege nach Yazd übernachten wir in der Nähe des zoroastrischen Heiligtums Pir-e Naraki: Die Anlage selbst ist wenig sehenswert, da die historischen Funde mit unfertig gelassenen Neubauten verschandelt wurden, die Lage am Hang und Talschluss jedoch gibt herrliche Fernblicke zu noch schneebedeckten Viertausendern frei.

Yazd liegt eingebettet zwischen Bergketten in einem ca. 30 km breiten Tal, in der niedrigeren Hälfte grünt und blüht es, der restliche Teil ab dem Stadtrand geht unvermittelt in Wüsten- und Schotterebenen über. Hier finden wir mit Sicht auf die Stadt einen Stellplatz und sehen in der Abendsonne noch einigen Iranern beim Gleitschirmfliegen zu.

Charakteristisch für Yazd sind neben historischen Moscheen und Gärten jahrhundertealte Klimaanlagen, sogenannte Windtürme: Die höchsten sind über 30 m hoch, nehmen den immer wehenden Wind auf und leiten ihn nach unten in die Wohnräume. Der Luftstrom trifft dort auf Wasserbassins, die die trockene Luft befeuchten und den Flugsand aufnehmen. Diese Technik sorgte dafür, dass es auch im Sommer bei bis zu 50°C in den Räumen einigermaßen erträglich war.

Weiterhin brachten unterirdische Kanäle, sogenannte Quanate, Grundwasser aus den Bergen in die Orte. In den Kellern einiger Häuser wurden diese zu Bassins erweitertet und dienten so der Erfrischung der Bewohner.

In Yazd ... Bassins zur Erfrischung ... 

In einem Museum wird uns diese Technik der Wasserversorgung erläutert, die heute noch in Teilen in Betrieb ist. Die Quanate sind nur körperbreit, wurden knieend gegraben und alle 30 - 50 m gibt es einen senkrechten Belüftungs- und Entsorgungsgang. Überridisch erkennt man deshalb den Verlauf anhand der regelmäßigen überdimensionalen "Maufwurfshügel".

Uns zieht es noch mal für eine Tage in die nordöstlich von Yazd gelegene Dash-e Kavir. Diese Wüstengegend besteht aus weiten tonhaltigen Schotter- und Kiesflächen, Sanddünen und immer wieder wuchtigen Gebirgsrücken. Mehr als einmal sehen wir in 50 km Entfernung, wo wir später fahren werden; die Weite ist grenzenlos. Fernstraßen, einsame Wege und Pisten queren diese Wüste und an einzelnen wasserhaltigen Stellen fahren wir durch Oasen, wo auch heute noch die althergebrachte Bauweise aus luftgetrockneten Lehmziegeln und Lehmputz mit Stroh vorherrschend ist. Die Felder dieser Oasen sind sorgfältig angelegt, das erfrischende saftige Grün des Weizens, der Zwiebeln und des Gemüses passt so gar nicht zu dem vorherrschenden Lehmrot und Staub dieser Gegend. Die Menschen leben hier oft sehr einfach, auch wenn inzwischen Wasserversorgung, Strom, Mobilfunk, Moped und Auto das Leben etwas erleichtert haben.

Oase ... Althergebrachte Bauweise ... 
Endlose Pisten ... ... und grenzenlose Weite ... 

Aus Sicherheitsgründen bleiben wir in der Nähe von Straßen und Pisten, solange wir alleine unterwegs sind. Gerne würden wir mal einen Abstecher in die Sanddünen unternehmen, aber dazu bräuchten wir einen Führer mit einem zweiten Fahrzeug. Inzwischen haben wir zwar einige Kontaktdaten, aber jetzt müssen wir erstmal zurück nach Isfahan, wo wir unsere Visa verlängern wollen.

Wir haben uns nochmals im gleichen Hotel für zwei Tage eingebucht und wollen uns auch noch einige Sehenswürdigkeiten anschauen. 120 km vor Isfahan finden wir in der Nähe eines Dorfes einen schönen Stellplatz mit Blick auf den Gavkhuni, eine große Salzpfanne, in dem der Fluss, der durch Isfahan fließt, versickert.

Am späten Abend hält an unserem Stellplatz ein PKW mit zwei Männern; leider können wir uns nicht verständigen und sie fahren weiter. Es ist inzwischen dunkel geworden und wir bereiten gerade das Abendessen vor, als erneut ein Auto hält. Wir haben die Befürchtung, dass die Männer die Polizei informiert haben, da campierende Ausländer hier unbekannt sind. Stattdessen werden wir von einer jungen Frau in perfektem Englisch angesprochen; ihr Onkel hätte uns getroffen und sie soll doch klären, ob wir irgendwelche Hilfe oder Unterstützung brauchen. Aus dem Auto steigt dann die gesamte Familie aus und will uns kennenlernen. Gerne könnten wir abends auch noch zu ihnen kommen, wir sind herzlich eingeladen ...

Einmal mehr begegnen wir einer Gastfreundschaft und Offenheit, die wir nur schwer erwidern können und der wir mit leeren Händen gegenüberstehen. Die Menschen freuen sich von Herzen, dass wir ihr Land besuchen und sie bitten uns, unsere Eindrücke in unserem Heimatland zu verbreiten. Sie wissen, dass im Westen nicht immer positiv über den Iran berichtet wird und es ist ihnen eine Herzensangelegenheit, dieses Bild zu korrigieren.

Die Politik steht jedoch auf einen anderen Blatt und ich werde dies aktuell nicht kommentieren. Es ist jedoch generell zu hoffen, dass bei allen Meinungsverschiedenheiten die aktuellen Gespräche in Lausanne einen Einstieg in Richtung Entspannung und gegenseitigem Respekt und Verständnis bilden können ...


© 2015 Hans-Jörg Wiebe