Zum König der Weine und Abstecher nach Frankreich

Am späten Vormittag heißt es aufzubrechen nach Barolo: Der Ort mit dem Wein der Könige und dem König der Weine, wie es so schön vollmundig heißt. Uns reicht eine Runde in dem kleinen Ort, in dem alles auf die zahlungskräftige Kundschaft ausgerichtet ist. Sogar aus einer Flasche Barolo von 1964 zu 3.000 Euro darf man kosten, der winzige Schluck für lächerliche 40 Euro ..!

Enoteca in Barolo Beim König der Weine ... Alles auf zahlungskräftige Kundschaft ausgerichtet ...
Angekommen in Alba ... Trüffelfest mit angeschlossenem Jahrmarkt Kleine Stadt im Mittagsschlaf ...

Wir kommen dennoch nicht in Versuchung und nehmen zum Abschied noch zwei Caffé in einer etwas abseits liegenden normalen Bar. Als wir schließlich in Alba ankommen, ist gerade Mittagszeit und jede Menge Schüler und Angestellte bevölkern die kleine Stadt. Hier geht es wesentlich weniger aufgeregt zu als in Barolo. Allerdings ist hier auch das Trüffelfest mit angeschlossenem Jahrmarkt, der aber noch im Mittagsschlaf liegt. Wir machen einen ausgedehnten Bummel und essen hinter dem Dom in einer Bar.

Es gibt "Langheburger" mit einheimischem Fleisch und Käse aus dem Langhe, der Heimat des Barolo und der Trüffel. Dazu ein Glas einheimischen Weißwein. Danach schlendern wir noch die Haupteinkaufsmeile der Altstadt entlang und ergeben uns dem Shopping. Zurück beim Auto beschließen wir, der im Reiseführer empfohlenen Brennerei Distilleria Montanaro südlich von Alba noch einen Besuch abzustatten.

Mit etwas Suchen finden wir die angenehm unauffällige Brennerei und durchstöbern in aller Ruhe den Laden: Hier nehmen wir ein spezielles Olivenöl aus den kleinen Taggiasche-Oliven, zwei Flaschen Langhe-Wein, eine Art einheimischen Wermut (Barolo Chinotto) und zwei Flaschen Nebbiolo-di-Barolo-Grappa mit.

Es ist zwar schon relativ spät, aber wir wollen noch einen "Abschluss-Einkauf" in einem Piemontesischen Ipermercato machen. Unsere Wahl fällt auf den Auchan in Cuneo, den unser Navi diesmal anstandslos findet. Hier gibt es nochmal guten Langhe-Wein und diverse Mitbringsel. Auch unsere Obstvorräte werden wieder aufgefüllt und Lila-Karotten bekommt man ja auch nicht alle Tage ...

Kurz vor 19 Uhr sind wir zurück und ich brate wieder ein paar Kastanien auf dem Bundeswehrkocher. Noch sind wir unschlüssig, ob wir morgen nochmal einen Tag hier bleiben oder die Rückreise antreten sollen.

Tolles Panorama ...Der nächste Morgen - was ist das? Um 8 Uhr ist es taghell im Wohnwagen! Draußen scheint die Sonne ... aber noch vor dem Frühstück ist alles wieder grau und hochnebelig. Wir haben gestern Abend beschlossen, doch noch einen Tag dranzuhängen und auf den Tendepass zu fahren.

Alternativ zur derzeit gesperrten Ligurischen Grenzkammstraße sollen zwei Denzeltouren (502 und 503) eine Runde ergeben, die dann wieder über den Tende zurückführt. Gegen 10:30 Uhr fahren wir los und prompt wird es mit jedem Kilometer südlich im Valle Vermenagna heller und sonniger. Als wir nach einer knappen Stunde Fahrt auf der Passhöhe des Tende stehen, bläst uns bei 13°C ein kräftiger Südwind um die Ohren, aber wir haben ein tolles Panorama.

Etwas desorientiert suchen wir nahe der Sperre zur Ligurischen das Fort Central und gehen ein paar Schritte zu Fuß Richtung Süden. Bei einem Blick über die Schulter sehen wir dann aufs Fort: Was für ein Blick!

Jetzt finden wir auf Anhieb den richtigen Weg mit dem Auto zum Fort. In den Ruinen der alten Wohnbereiche hatte eine Gruppe Schweizer die Nacht verbracht und ist gerade beim Frühstück, als wir durch den Innenhof fahren. Wir grüßen herzlich!

Oben auf der Festung machen wir einen kleinen Rundgang durch die verfallene Anlage ...  

Was für ein Blick! Rundgang muss sein ... ... durch die verfallene Anlage Noch einmal: Fort Central  

Man kann alles nach Herzenslust erkunden und keine Verbotsschilder oder Sperren hindern einen daran. Natürlich haben auch hier irgendwelche Geister mit Spraydosen ihre Spuren hinterlassen, aber es gibt kaum Müll. Dafür jede Menge rätselhafte Vergangenheit. Das Fort wurde lange vor dem ersten Weltkrieg um das Jahr 1880 herum erbaut und auch im Internet finden sich nur wenige Informationen.

Bald machen wir uns nun auf den Weg Richtung Süden und zwar auf der westlichen Seite des Vallée de la Roya. Ach ja, ich vergaß zu erwähnen: Wir sind jetzt in Frankreich! Die geschotterte Straße zum kleinen Fort Marguerie und weiter zur Baisse de Peyrafique ist in gutem Zustand und wird wohl regelmäßig instand gesetzt. Die Ausblicke sind super und wir erkennen in der Tiefe die endlosen Serpentinen der gesperrten südlichen Auffahrt zum Colle di Tende.

An der Baisse de Peyrafique gehen drei Straßen ab: Wir sind etwas verwirrt und sehen viele Schafe auf der Straße in Richtung Casterino. Die Schäfer geben uns freundlich Auskunft und schicken uns die rechte Straße ins Vallon de Casterino. Dort wird der Belag schnell ruppiger und die Fahrbahn enger. Vor einem abenteuerlichen Tunnel kommt uns dann auch noch ein Kieslaster des Straßenbaukommandos entgegen.

Ich nutze schnell eine talseitige Ausweiche und kann so den Laster passieren lassen. Der Fahrer bedankt sich freundlich und ich riskiere vorsichtig einen Blick aus dem Fahrerfenster in die Tiefe, den ich fotografisch festhalten muss ...

In der Tiefe endlose Serpentinen ... Schafe auf der Straße nach Casterino  
Endlich mal Gegenverkehr ..! ;-)) Kieslaster muss sein ... Kurzer Blick nach links unten ...

Auf der französischer Seite ist viel Verkehr: Wir müssen immer wieder anhalten und manchmal auch rückwärts rangieren. Viele Motorräder, aber auch Quads und 4x4 kommen uns entgegen. Auf einer schmalen Asphaltstraße gelangen wir nach Casterino, einer größeren Ansammlung von "Alpintourismusangebotsattraktionen": Ein Kletterpark, ein Restaurant, ein riesiger Parkplatz, auf dem sogar einige Pkw stehen ... mit so etwas haben wir hier nicht gerechnet.

Kurz hinter Casterino finden wir ein lauschiges Plätzchen am Bach für unsere Brotzeit. Es ist mittlerweile 14 Uhr und die Sonne meint es gut mit uns. Wurst, Käse, Brot, Obst, frische Luft und eine tolle Umgebung - so macht Urlaub Spaß!

Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg in Richtung S. Dalmas de Tende: Hier treffen wir wieder auf die Hauptstraße, die durch den Tunnel unter dem Tendepass in Richtung Süden geht. In Tende finden wir ein kleines Café für unseren Nachtisch. Der "petitCafé" ist echt italienisch und Éclaires und Tarte aux Pommes sind auch gut. Wir fragen die Wirtin nach dem Einstieg zum Rückweg und ein zufällig anwesender Gast beschreibt uns den Abzweig im Ort. Ohne diesen Hinweis wäre es echt schwierig gewesen die "Piste 4x4" zu finden.

In einer engen Gasse geht es ohne Hinweise nach oben ...

Toller Blick über Tende ...

Den im Denzel beschriebenen tollen Blick über den Ort finden wir ebenso wie den ersten Gegenverkehr auf dem sehr schmalen Militärsträßchen. Dann wird es abenteuerlich! Ohne jegliche Randsicherung geht es auf der nur teilweise asphaltierten "Straße" bergauf. Wir müssen in fast jeder Kehre reversieren und immer wieder Gegenverkehr auf abenteuerlichen Ausweichen passieren lassen. Die Straße ist teilweise so schmal, dass ich notgedrungen mit dem talseitigen Reifen auf der Randbefestigung fahren muss.

Meine Beifahrerin protestiert deutlich und ich möchte mir nicht vorstellen, wie es wäre, die Straße wieder bergab fahren zu müssen. Schließlich haben wir das erste Steilstück überwunden und schrauben uns in dichtem Lärchenwald Meter um Meter nach oben. An einigen Stellen bekommt der Lack unseres Land Rovers einiges an Buschwerk zu spüren, Ausweichen unmöglich! Auch ein paar kleine Brücken müssen überwunden werden. Die Betonstempen sind derart eng gesetzt, dass ich froh bin, mit den Außenspiegeln oben drüber zu kommen.

Der Straßenzustand ist im Denzel zu Recht mit "rumpelig" beschrieben und ich bin froh um die zusätzliche Bodenfreiheit im Discovery. Zudem bin ich so gefordert, dass es leider von den echt kniffligen Stellen keine Fotos gibt. Die Fahrt zieht sich dahin und genauso wie der Sonnenschein wird auch der Gegenverkehr immer spärlicher ...

Es wird abenteuerlich ... Wohin genaui geht´s eigentlich ..? Wo bleibt der Gegenverkehr?
Auf dem Weg in die Wolken ... Manchmal wird die Beifahrerin protestieren ...  

An der Baisse Peyrafique treffen wir dann wieder auf die bekannte Route zum Tendepass. Allerdings fahren wir mittlerweile direkt in den Wolken, was ein Reagieren auf plötzlich auftauchenden Gegenverkehr echt spannend macht. Am Fort Central angekommen, haben wir dann noch knapp 20 Meter Sicht und wir sind froh, als auf der Nordseite des Tende der Nebel wieder nachlässt. Mit einem kleinen Schlenker zur Tankstelle in Borgo S. Dalmazzo sind wir um 18 Uhr wieder am Camping. Ein toller Ausflug, auch wenn meine Beifahrerin einiges wegzustecken hatte: Speziell die Fahrt vom Ort Tende aufwärts ist wirklich nichts für Menschen mit Höhenangst! Wir packen noch das Vordach ein und kochen Gemüse zum Abendessen. Morgen geht es definitiv Richtung Norden!

Unser Plan für die Rückreise hätte eigentlich einen Stopp am Gardasee vorgesehen, aber die Campingsaison geht dort gerade zu Ende und die noch offenen Plätze sind ausgebucht. Nachdem wir auch in Bozen keinen Stellplatz finden, verbringen wir noch drei Nächte auf dem Camping Gamp in Klausen. Dieser liegt zwar direkt unter der Autobahn, bietet uns aber bei strahlendem Herbstwetter eine ideale Basis für kleinere Exkursionen nach Bozen.

Am 07.10.2017 sind wir schließlich wieder zu Hause: Unser Land Rover (Nach Discovery 2 und 3 seit Anfang 2017 ein Discovery 4 / 3.0 SDV / MY 2012) hat nach dem Schweiz-Intermezzo klaglos alles mitgemacht und sich wieder einmal auf 3.300 Kilometern als ideale Kombination aus Reise- und Zugfahrzeug mit hoher Offroadtauglichkeit bewährt. Das 8-Gang-Automatikgetriebe mit Untersetzung ist für mich im Offroadbetrieb eine echte Bereicherung. Das Piemont und die Ausflüge in die Westalpen haben uns tief beeindruckt. In naher Zukunft wollen wir die Westalpen von der französischen Seite erkunden. Es ist gut, immer einen kleinen Traum in der Tasche zu haben ..!


© 2018 Matthias Bernhard



Anm. der Red.: Im Explorer Magazin finden sich noch etliche andere Beiträge von Matthias Bernhard zu unterschiedlichen Themen:  

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