Nach Nordost!

Als wir am heutigen Morgen nach zwei Ruhetagen in Westport aufbrechen, scheint auf einen Schlag auch das sensationelle Wetter der letzten paar Tage umzuschlagen: Bei der Abfahrt bedauern wir Roland etwas, der eigentlich heute das Superwetter für ein wenig Golfspielen nutzen wollte. Aber was soll´s, so ist irisches Wetter eben!

Weiter geht´s!Wir machen uns auf den Weg zu unserer weiteren Rundreise, die nun nicht nur weiter nördlich führen soll, sondern auch wieder zurück in Richtung Ostküste.

Auf diesem Weg wollen wir zunächst zurück zum Shannon, in Battlebridge bei Leitrim sollen alte Erinnerungen aufgefrischt werden. Dort hatte vor mehr als 40 Jahren die "Kerry 16" auf ihrem Weg nach Norden Richtung Lough Key festgemacht - warum nun dort nicht mal campen?

Angepeilt ist der Battlebridge Caravan and Camping Park, die Webseite berichtet von Großartigem, sogar von "Glamping" ist die Rede, vom erstklassigen "Beirnes Pub, where it all happens", von Events und Aktivitäten vor Ort - also nichts wie hin!

Als wir nach einer Fahrt von rund 140 km am Camp ankommen, trauen wir unseren Augen nicht: Ein vollständig toter Campingplatz erwartet uns hier, kaum ein Fahrzeug ist zu sehen in äußerst unattraktiver Umgebung, einige Boote drängen sich am nahen Anlegeplatz und ein Schild am Tor verweist auf einen Pub an der Straße - die Rezeption, wo man sich melden soll.

Wir schleichen kurz über den Platz, anschließend zum nicht besonders einladend wirkenden Pub, wo man hinter den Fenstern meint, ein Licht zu erkennen und sind uns einig: Das ist nicht unser Camp und die Webseite scheint irgendwie eine andere Realität zu beschreiben als die, welche sich hier uns bietet. Die Selbstbeweihräucherung des Platzes im irischen "Green Guide Touring Caravan and Camping Parks" führt an, man sei vom Irish Independent als einer der 10 besten Campsites in Irland (!) ausgewählt worden und auch Pub sowie Restaurant seien preisgekrönt. Das alles erscheint hier und heute grotesk - wo mögen wohl die Tester vom Irish Independent normalerweise "campen" ..?

 Einer der 10 besten Campsites in Irland ..? Von den Besatzungen keine Spur ...

Also wohin nun? Der besagte Campingführer nennt in der näheren Umgebung keinen weiteren Platz, aber ein Blick in unsere Karte zeigt auch ein Campingsymbol am Lough Key, dem damaligen Wendepunkt der ersten Shannon-Bootstour. Dass der dort nahe Ort Boyle im Camping Guide nicht einmal eingezeichnet ist, beweist wie wichtig es wohl selbst für größere Campingplätze ist, in einem solchen Führer zu inserieren - ansonsten existiert man eben ganz einfach nicht und aus - und man wird sicher auch vom Irish Independent niemals erwähnt ..!

Die gut 20 km lange Rückfahrt lohnt sich: Das schon seit Jahrzehnten im Lough Key Forest Park gelegene Camp erweist sich im Gegensatz zu Battlebridge als wirklich "lebendiger" Platz, der auch entsprechend nachgefragt zu sein scheint. Der Warden hat nach der Ankunft einige Mühe, für uns noch einen angemessenen Stellplatz zu finden, aber der kann sich wirklich sehen lassen: Ein recht naturbelassener Fleck im Wald erfüllt alle unsere Erwartungen und so sind wir hochzufrieden, als wir uns dort einrichten ...

Zum Lough Key ... Wald-Idylle ... Eine Campsite nach Maß ... Noch ist der Abend trocken und hell ...

Am nach so langer Fahrt (schon wieder! ) folgenden Ruhetag führt uns ein kurzer Fußweg von hier aus vorbei an einer Kirchenruine hin zum See. Dort hat sich mittlerweile ein vielbesuchtes Touristenzentrum entwickelt, zu dem nicht nur die zahlreichen Bootsbesatzungen ihren Beitrag leisten, die hier festmachen. Nach einem Rundgang durch das Besucherzentrum und Studium der Restauration beschließen wir allerdings, hier nicht einzukehren - der Rummel entspricht nicht ganz dem vorhandenen Angebot ...

Wie schon Battlebridge weckt auch die Marina am Lough Key kaum mehr Erinnerungen an die Bootstour vor Jahrzehnten, lediglich "Castle Island" mit der historischen Burg ist noch gut bekannt und scheint unverändert - die damalige Fahrt hinüber mit dem Beiboot einiger Shannon-Bekannter ist noch in bester Erinnerung. Die Burg auf Castle Island aus dem 12. Jahrhundert war einst Sitz der hiesigen Könige, von denen auch der Name "MacDermotts Castle" stammt.

Kirchenruine am Lough Key ... Gut frequentiertes Besucherzentrum ... Auch das Weinangebot verleitet nicht zum Bleiben ...
Vertrauter Anblick: Castle Island ... Moylurg Tower Einst war hier der Wendepunkt ...

Fast so auffällig wie die Burg ist auch der "Moylurg Tower", ein seinerzeit umstrittener Aussichtsturm im "brutalistischen" Stil der frühen 70er Jahre, der mittlerweile etwas modernisiert wurde und von den Touris eifrig genutzt wird.

Da die Busfahrpläne Richtung Boyle nicht allzu vielversprechend erscheinen, entschließen wir uns ganz spontan zu einer am Kai lautstark angepriesenen Rundfahrt auf dem See, veranstaltet von Lough Key Boats, die hier im Sommer regelmäßig Fahrten für 12 EUR pro Erwachsenem anbieten.

Gut dass er nahezu unverständlich ist ..?

See-Idylle ... Die Attraktion der Tour: Wundersame Teddybären! Wieder ganz nahe: MacDermotts Castle ...

Bereits kurz nach dem Ablegen wird uns klar: Das war eindeutig eine Fehlinvestition! Trotz der zahlreichen Touristen nicht-irischen Ursprungs an Bord gibt sich der Touristenbespaßer der "Boat Crew" keinerlei Mühe, sein akkustisch selbst für routinierte "Irisch-Versteher" nahezu unverständliches Schnell-Gebrabbel etwas "englischähnlicher" zu gestalten. Die aufgeschnappten "Satzfetzen" zeigen allerdings, dass man nichts verpasst: So wenig wie vor den Fenstern zu sehen ist, so wenig Erläuterndes kommt zur Sprache. Eigentlich handelt es sich bei der Fahrt nur um ein zielloses Hin- und Her-Gekreuze auf dem recht leeren See, bei dem der Höhepunkt einer für die Kinder an Bord zu sein scheint: Hier am Seeufer soll Wunderliches geschehen; zur Begeisterung der Kids fahren wir dicht am waldigen Ufer entlang und können dort befestigte Teddybären bestaunen - ein wahrhaft sensationeller und "empfehlenswerter" Ausflug ..!

Den Abend verbringen wir wieder in unserem Waldcamp, über dem sich später ein bisher in Irland von uns so noch nicht erlebter Starkregen ergießt - das Wasser schwallt derart über unsere Plane hinweg, dass diese kurzfristig neu eingestellt werden muss, um die Bäche neu zu leiten - so etwas in dieser Heftigkeit haben wir schon lange nicht mehr erlebt!

Die Lage beruhigt sich im Laufe der Nacht wieder und der nächste Morgen sieht einen Campingplatz, der an etlichen Stellen noch vom Vorabend unter Wasser steht - Zeit, sich wieder auf den Weg zu machen!

Die Devise heißt nun zurück in Richtung Ostküste, die allerdings doch noch ein gutes Stück weit entfernt ist. Wir passieren Carrick on Shannon und sehen neben der Straße die Marina von "Emerald Star Line" - schon damals neben der von uns bevorzugten Carrickcraft der wichtigste Bootsvermieter in Irland, die beide hier ihren Sitz haben. Beim kurzen Blick hinüber wundert wieder mal das offensichtlich kurze eigene Gedächtnis: Nichts, aber auch gar nichts erinnert in diesem Moment an die mehrmaligen Aufenthalte vor Jahrzehnten in diesem Ort und an diesen Marinas ...

Marina in Carrick on Shannon ... Richtung Osten ...
Torfabbau unterwegs ... Vertraute Verkehrsregelung ... Einsame Wege zu den Megalithen ...

Die heutige Strecke beträgt weniger als 100 km, unser Ziel ist nun eine prähistorische Stätte: Wir wollen das Loughcrew Megalithic Centre in der Nähe der Ortschaft Oldcastle auf unserem Weg nach Südosten besuchen, wo sich auch ein Camp befinden soll.

Der schmale Weg zur Anfahrt an unser heutiges Ziel führt durch eine einsame und malerische Landschaft: Man meint gut zu verstehen, was einst jungsteinzeitliche Druiden hierhin verschlagen hat. Unmittelbar nach unserer Ankunft wollen wir zuerst einmal hinaufsteigen auf einen der Hügel, der majestätisch die umliegende Landschaft überragt und den Hauptteil der hiesigen Megalithen enthält.

Zuerst erwartet uns unten am Weg aber eine Überraschung: Wer hätte ausgerechnet hier in dieser wunderbaren abgelegenen Umgebung ein Schild erwartet, das den Besucher vor Dieben warnt, die hier aktiv sein sollen? Man soll alle Wertsachen entfernen und die Fahrzeuge verschließen, die hier auf eigenes Risiko abgestellt werden - auch Irland ist mittlerweile nicht mehr das, was es vielleicht einst einmal war - oder verklärt hier einfach doch nur die Erinnerung ..?

Das Zenrum ist touristisch gerüstet ... Doch auch hier herrschen europäisch "moderne Zustände" ...
Die Hügel von Loughcrew ... Territorium nicht nur für jungsteinzeitliche Druiden ... ... und große Schafherden ... ... die aus der Nähe sehr zutraulich wirken ...
Megalithen ... Steinkreise aus der Jungsteinzeit ... Ganggräber ... Grabkammern mit spiralförmigen Felsritzungen

Die größte Grabkammer: Cairn T

Der Aufstieg zur prähistorischen Stätte auf die höchste Hügelkette des County Meath, in dem wir uns mittlerweile befinden, lohnt sich nicht nur wegen des großartigen Ausblicks in die weite Landschaft. Loughcrew wurde ähnlich wie die andere bekannte irische prähistorische Stätte bei Newgrange etwa zwischen 3.500 bis 3.200 v. Ch. errichtet. Wir finden hier Dolmen und Ganggräber aus der Jungsteinzeit, ihre genaue Ausrichtung nach der Sonne weist auf einen Ort der Rituale hin.

Anders als im ebenfalls aus der Jungsteinzeit stammenden englischen Stonehenge, das wir erst wenige Monate zuvor besucht haben, steht hier auch die Wintersonnenwende bei der Ausrichtung im Mittelpunkt. Die Grabkammern wurden von innen mit auffälligen, zumeist spiralförmigen Felsritzungen versehen. Die größte Kammer auf dem Gipfel mit der Bezeichnung "Cairn T" hat einen Durchmesser von 35 Metern.

Nach einiger Zeit oben auf dem wunderbaren Hügel gehen wir wieder hinab und checken im Loughcrew Camp ein. Der kleine Campingplatz bei Oldcastle ist im "Green Guide" enthalten und wirbt dort damit, ein neuer Platz zu sein, der in der fantastischen Umgebung der Megalithenhügel liegt - wer Komfort sucht, ist hier sicherlich falsch, aber den Aussagen zur Lage kann man durchaus zustimmen. Auch die Angabe, dass man nur einen Fußweg von zwei Minuten zum Eingang des Zentrums entfernt ist, stimmt. Wie lange man allerdings von da aus dann braucht, um bis oben zu gelangen, ist schließlich individuell verschieden, und wer kann das schon wissen ..!

Camp bei Zeltern beliebt ... Großartige Umgebung ... Sandbleche heute nicht für Außendusche benötigt .. ;-))

Der einfache Campingplatz wird offenbar gern von Zeltern benutzt und so finden wir uns in recht uriger Umgebung wieder. Auch wenn man die Toilette nur auf Nachfrage findet, ist der Aufenthalt hier insgesamt recht angenehm. Doch morgen geht´s weiter Richtung Ostküste und nach Jahren wieder mal zum nicht weit entfernten Castle von Trim ..!


© 2017 J. de Haas