Ankunft in Westport

Wir können uns am heutigen Sonntag leisten, recht spät aufzubrechen, unsere Fahrt nach Westport wird gerade mal um die 45 km kurz sein, eine geradezu ideale Tagesetappe also!

Roland ist informiert, dass wir so gegen Mittag auf dem dortigen Campingplatz sein werden und so können wir uns für die kurze Fahrt vorbei am Lough Mask durch den County Mayo alle Zeit der Welt nehmen ...

Kurze Tagesetappe ... Ein Blick auf alte Karten ...

Neale cemetery ... ... und Kirchenruine in "The Neale" Pyramide von "The Neale"

Als wir wieder einmal eine beeindruckende Kirchenruine am Wegesrand entdecken, halten wir dort selbstverständlich sofort an: Wir sind gerade mal rund 4 km entfernt von Cong und noch 5 km weg von Ballinrobe,  durch das wir als nächstes auf unserem Weg nach Norden kommen werden. The Neale heißt das kleine Örtchen, wo wir jetzt sind und selbst hier auf dem Land findet man einige Attraktionen: Gerade erst sind wir an einem pyramidenähnlichen Steingebilde vorbei gefahren, bekannt als die "Pyramide von The Neale". Hierbei handelt es sich um ein als "folly" bezeichnetes Bauwerk, also um eine "Narrtei" oder auch "Verrückheit" ohne jeden wirklichen Zweck. Diese rund zehn Meter hohe Stufenpyramide wurde um 1760 errichtet und steht angeblich auf einem alten Grabhügel.

Auf dem Gelände der Kirchenruine in der Nähe findet man den Friedhof Neale Cemetery, wo man mit Hilfe der Webseite vielleicht sogar ein bestimmtes Grab finden kann ...

Wir fahren so langesam wie möglich weiter, doch schon nach einer Dreiviertelstunde erreichen wir schließlich Westport, die Stadt, von der einst behauptet wurde, sie sei der "Best Place to Live in Ireland", also der "beste Platz um in Irland zu leben".

Man würde lügen bei der Behauptung, irgendetwas wiederzuerkennen bei Einfahrt in die Stadt, durch die wir bereits in den siebziger Jahren auf einer großen Rundreise durch Irland erstmals gekommen waren - noch zu der Zeit von "Bed & Breakfast". Nichts, aber auch gar nichts regt sich in der Erinnerung, als wir langsam durch den gepflegten Ort an der malerischen Clew Bay rollen, der schon früher eine wichtige Handelsstadt war und heute eines der beliebtesten Touristenziele Irlands ist, unter anderem wegen der faszinierenden Landschaft hier im Westen am Atlantik, die wir natürlich auch diesmal nicht auslassen wollen bei unserer Reise.

Hübsch-hässlich: Auf Westport´s Campingplatz ... Wiedersehen im "The Helm" ... ... im malerischen Hafenviertel ...

Wir erreichen den Westport House Caravan & Camping Park, einen hübsch-hässlichen Campground, auf dem sich dicht an dicht die Wohnwagen und Wohnmobile drängen. An der Rezeption der erste Schock: Am morgigen Montag beginnt die letzte Ferienwoche auf der Insel, in der viele Iren mit traditionell stattlicher Kinderzahl noch vor Schulbeginn einmal kräftig auf die Pauke hauen wollen und deshalb reserviert haben - mehr als eine Übernachtung auf diesem Platz kann man uns also leider nicht anbieten. Und das, wo wir doch ausgerechnet hier zwei weitere Ruhetage eingeplant haben, bei denen wir ein umfangreiches "Roland-Programm" absolvieren wollen!

Als uns kurz darauf Roland auf dem Campingplatz abholt, überlegt er bereits kräftig, welche Alternativen wir nun haben, die von einem Stellplatz am Hafen bis zu sonstigen Varianten reichen, die wir allerdings nach Möglichkeit vermeiden wollen - eigentlich möchten wir möglichst hier bleiben und brauchen ja nur einen Stellplatz für den Tag, den wir sicherlich nicht hier verbringen werden ...

Doch zunächst wollen uns zu einem "Ankunftsbier" zusammensetzen, denn schließlich haben wir uns schon seit längerem nicht mehr gesehen - die letzte f.re.e. in München bei einem Kilkenny im irischen Pub und Musik von Ronan Drury liegt schließlich schon einige Zeit zurück wie auch unser letztes Treffen im Münchner Schneider Bräuhaus ...

Roland fährt mit uns in seinem Mercedes mit Rechtslenker und irischem Kennzeichen zum Hafen von Westport: Sichtlicher Wohlstand herrscht hier, vom komplett sanierten Hafenviertel aus kann man hinüber schauen zum Golfclub des Ortes, bei dem Roland schon seit längerem Mitglied ist und wo wir sicher im Laufe unseres Aufenthaltes auch noch vorbeischauen werden. Roland hat seine Umsiedlung erst vor kurzem erfolgreich abgeschlossen: Mit inzwischen besten Kontakten zu Einheimischen und Besuchern lebt er nun hauptsächlich in diesem Ort, von dem aus er natürlich immer noch ab und zu für Besuche nach D aufbricht ...

Wir kehren in der malerischen Hafengegend in einer von Rolands Stammkneipen ein: The Helm, ebenfalls eine Food-Bar, ist als Restaurant natürlich an diesem frühen Sonntagnachmittag bereits brechend voll, jedoch findet sich hier für den persönlich bekannten Roland und uns ein nettes Eck an einer nach hinten gelegenen Bar im Lokal.

Es gibt bei dem einen oder anderen Smithwick´s viel zu erzählen und auch zu planen für die nächsten beiden Tage, die uns unvergesslich bleiben werden. Doch heute ist zuerst noch eine kleine Rundfahrt im Anschluss an den Barbesuch vorgesehen - Roland trinkt erst abends Alkohol.

Und so fahren wir zunächst einmal etwas heraus aus der Stadt: Der berühmte Croagh Patrick, Irlands "Heiliger Berg", auf den sich jedes Jahr Unmengen von Pilgern nicht nur am Patrick´s Day hinaufkämpfen, ist schließlich in unmittelbarer Nähe von Westport und als "Kegelpyramide" bereits bestens vom Hafenviertel aus zu sehen.

Rummel am Croagh Patrick ... Ein Rettungshubschrauber müht sich vergeblich - am Famine Monument ... Irische Plaudereien ...

Am heutigen 21. August ist wieder mal viel los am heiligen Berg, auf dem einst der Heilige Saint Patrick 40 Tage lang gefastet haben soll und wo es erst am Monatsanfang wieder einen Riesenansturm von rund 20.000 Pilgern gegeben hat. Auch heute soll hier eine publikumswirksame Besteigung stattfinden. Entsprechend ist auch der Rummel am Parkplatz am Fuße des Bergs: Eine Band spielt, bei Regen und heftigem Wind schaffen es Ordner nur mit Mühe, den Verkehr hier unten entsprechend zu bändigen und einzuweisen. Zu allem Überfluss ist am Berg offenbar auch wieder mal etwas passiert, wie so oft ist dort ein "Pilger" in Problemen und muss gerettet werden. Doch der an diesem Berg wohl regelmäßig operierende Helikopter der Coast Guard schafft es nicht, bei den herrschenden Wind- und Wetterverhältnissen hier unten zu landen. Vergeblich warten die in Orange gekleideten Helfer draußen im Gelände während der mehrfach versuchten und schließlich abgebrochenen Landeversuche - am Gelände mit dem Famine Monument - dem Erinnerungsmemorial an die Große Hungersnot in Irland zwischen 1845 und 1849 ...

Währenddessen kommen Roland und wir schnell in Kontakt mit einem der Ordner, der sich - ganz und gar irisch - voller Eifer ins Gespräch mit uns stürzt. Es stellt sich heraus, dass er ebenfalls schon mal in München war und heute noch ganz begeistert von seinem Deutschlandbesuch ist - so kann es einem offensichtlich also gehen, wenn man dort zu Besuch ist ...

Vor Cronin´s Sheebeen ... Die Bar bereits gut besucht ...
Matt Molloy´s Vor uns bereits andere berühmte Besucher ... ;-)) Viel Historie an den Wänden ...

Wir machen uns auf den kurzen Rückweg in die Stadt, nicht ohne vorher noch an einer anderen Stammkneipe Rolands Halt zu machen: Cronin´s Sheebeen, ebenfalls ein Pub-Restaurant und schon bestens gefüllt, sollen wir noch kennenlernen vor unserer Rückkehr - auch hier werden wir in den nächsten zwei Tagen wohl noch das eine odere andere Bier genießen können ...

Zurück im Ort ist noch ein kurzer Rundgang fällig: Etliche Läden lernen wir kennen und natürlich auch weitere bekannte Pubs. Bei Matt Molloy´s müssen wir natürlich auch kurz reinschauen, in der gemütlich eingerichteten Kneipe kann man viele Bilder mit bekannten Besuchern finden. Mick Jagger, Rod Stewart und andere berühmte Künstler waren schon vor uns in diesem Lokal ...

Nach einem Essen im empfehlenswerten "Waterfront Restaurant" am Hafen bringt uns Roland kurz nach 17:00 Uhr wieder zurück zum Camp und wir verabreden uns erneut zu 22:00 Uhr: Vorher wird sich Roland wie üblich kurz aufs Ohr legen und 22:00 Uhr ist dann die Zeit heute und auch an den nächsten beiden Abenden, wo wir zum Pubbesuch in die Stadt aufbrechen werden - früher macht es nach Roland´s Auskunft keinen Sinn, wenn man das "echte" Nachtleben hier auf sich wirken lassen möchte ...

Pub-Besuch erst ab 22:00 Uhr ratsam ... ... denn dann singt auch der Pub ...

Und so haben wir noch einige Stunden Zeit, die wir auf dem voll belegten Campingplatz zubringen: U.a. machen wir hier und heute nun unsere Euro-Tour Irland 2016 und schon bald geht es wieder hinein in Westport´s Nachtleben.

Bei etlichen Smithwick´s und Guinness werden Pläne für die nächsten beiden Tage geschmiedet, aber eines ist immer noch nicht endgültig klar: Wo können wir die beiden nächsten Nächte zubringen, gibt es hier auf dem Platz wirklich keine Möglichkeit dazu? Wir werden es herausfinden ..!  


© 2017 J. de Haas