Funkertreff mit Fahrrad: Radeln im Ebersberger Forst


Vor kurzem kam uns die Idee, mal ein "lokales" Funkertreffen auf dem Fahrrad zu organisieren, mit dabei Mitglieder der "Explorer-Redaktion": HEKLA, EXPLORER und ich als XYLON - eine kurze Tagestour stand auf dem Programm.

An einem bewölkten und recht kühlen Samstag im Juli startet das Explorer-Funkerteam vom gemeinsamen Treffpunkt in Richtung Ebersberger Forst. Mit dabei die am "Expeditionsfahrrad" befestigte Handgurke Stabo xh 9082 DTMF und die "Hochantenne" auf meinem Gepäckträger - genug Funkverbindung zur Außenwelt!

Außer mir will keiner seine Kondition auf zwei Reifen unter Beweis stellen und so kommt vom EXPLORER bereits nach wenigen Metern die Anweisung im besten Fliegerdeutsch: "Karsten: reduce to minimum!!!" Mit gemütlichen 15 km/h geht es über die Schotterwege des plantagenähnlichen Waldes. Auf einmal beginnt plötzlich mein Tachometer zu spinnen. Die Geschwindigkeit schwankt laut Anzeige zwischen 0  und 18 km/h - sowas hat er vorher doch noch nie gemacht! Der erste "Pitstop" wird fällig. Die Lösung des Problems ist schnell gefunden: der Sensor an der Gabel ist verrutscht und muß wieder in die richtige Position gebracht werden. Tip vom EXPLORER: Immer eine Rolle Gewebeband mitnehmen. Denn damit läßt sich zur Not ein ganzes Fahrrad bauen - wer´s glaubt! Nach weiteren 500 m meldet eines der mitgenommenen GPS(!) plötzlich: "Approaching Büro". Ein Blick auf die Karte bestätigt die Meldung, das im GPS mit seiner Position gespeicherte Büro liegt für das Gerät tatsächlich bereits in der Nähe - nix wie weg!

Bei dieser Gelegenheit wird gleich noch ein Sattel in die richtige Neigung gebracht und dann geht es tatsächlich einige Kilometer ohne irgendwelche Störungen und kleine Arbeiten am Fahrrad weiter.

EXPLORER bastelt am Rad ...

Als wir die St 2080 überqueren wollen, stehen wir plötzlich vor einem verschlossenen Gattertor. Alles rundrum ist eingezäunt, damit die Wildschweine, Rehe und was sonst noch auf die Straße rennen könnte, von letzterem abgehalten wird. Es bleibt uns also nichts anders übrig, als an anderer Stelle die Straße zu überqueren. Nach einigen Kilometern erreichen wir die Sauschütt. Das ist übrigens kein Wildschweinfriedhof, wie es der Name vermuten läßt, sondern eine Waldgaststätte mit Biergarten und Wildfreigehege. Der EXPLORER wird zum Weißbierholen verdonnert. 

Kurze Zeit später trifft ein typischer "90er-Jahre Radfahrer" ein. Fahrrad ohne Schutzbleche, Arsch 20 cm höher als der Lenker, Nylonhöschen und natürlich die typischen Schuhe, mit denen man auf gerader Strecke bergauf geht - das Lästern kann ich mir natürlich nicht verkneifen! Der gute Mann geht "bergauf" in die Wirtschaft, um 5 Minuten später mit einem Bier wieder zu erscheinen. Anscheinend haben wir es ihm angetan: nachdem er aufgrund der auffälligen Ausrüstung einige Minuten  verstohlen zu uns rübergeschaut hat, steht er plötzlich auf und spricht uns an.

In dem folgenden Gespräch erzählt er uns, daß er ebenfalls ein leidenschaftlicher Radfahrer sei und spekuliert über unsere Herkunft. Wir versichern ihm dann aber, daß wir nicht wie vermutet aus Norddeutschland, sondern aus der näheren Umgebung kämen -  soviel Gepäck haben wir doch auch wieder nicht dabei! Kleiner Witz vom EXPLORER: hast Du eigentlich immer Deine Fangemeinde dabei?

Kurz darauf wird das zweite Weißbier bestellt. Fachmännische Beurteilung: SAUER!!! Der Wirt meint nach dem Probieren "Wo sie recht haben, haben sie recht". Daß das Ersatzbier gratis war, versteht sich natürlich von selbst.

Danach geht es weiter Richtung Forsthaus Hubertus, zwischendurch schallt is immer wieder aus dem "Bordfunk" oder aber aus dem "Bordradio". Nachdem dieses aber innerhalb von 30 Minuten erreicht ist, fahren wir gleich weiter zum Forsthaus Diana - hat übrigens nichts mit irgendeiner verstorbenen Prinzessin zu tun.

Dort betreibt ein Köhler nebenbei eine kleine Wirtschaft - der Mann muß ja mächtig viel Kohle haben!

Plötzlich ein Schreckmoment!!! Die Mag Lite ist weg!!! An HEKLA´s Weste ist eine Naht aufgegangen und irgendwo zwischen Sauschütt und Diana liegt jetzt das gute Stück, sofern sich nicht bereits ein Spaziergänger am Fund erfreut. Mit der Suche wird dennoch sofort begonnen. Aber als wir kurz hinter dem Forsthaus Hubertus sind und ein leichter Nieselregen einsetzt, wird die Suche abgebrochen. Nachdem wir auch langsam einen leichten Hunger verspüren, beschließen wir die Vorräte meines "Versorgungsfahrzeugs" anzuzapfen. Unter einer Fichtengruppe geschützt wird meine umfangreiche Ausstattung nicht mehr (wie noch vor einigen Stunden!) belächelt sondern begeistert benutzt. Auf dem Trangia-Kocher wird ein leckerer Feuertopf aufgewärmt. Dazu Semmeln mit Butter. Danach einen Earl Grey und für mich eine Zigarette.

Wald-Idyll ... (24 KByte)

In der Faltschüssel wird schnell der Abwasch erledigt. Kurz darauf geht es schon wieder in Richtung Heimat, doch pötzlich werden meine Ortskenntnisse angezweifelt. Es geht um einen Abzweig, bei dem wir einbiegen müssen. "Du hattest recht!" muß EXPLORER jedoch nach genauer Prüfung gestehen (beide GPS waren inzwischen abgeschaltet!).

Im Endspurt auf der "Hirsch" (die Wege haben hier alle Namen) geht es Richtung Purfing. Aus dem Funk dröhnt plötzlich ein Norddeutscher Dialekt. Erst will ich noch wie im Raum München üblich die Kollegen darauf aufmerksam machen, daß sie sich auf dem Anrufkanal befinden, dann aber merke ich, daß es sich tatsächlich um ein DX handelt! Die Kollegen aus Schleswig-Holstein kommen bei mir mit Santiago 9+20 herein. Der Kontakt zu ihnen gelingt mir allerdings nicht.

Kurz nachdem wir uns getrennt haben, setzt ein leichter Regen ein. Endlich kann ich mal meine frisch imprägnierte Regenkleidung ausprobieren. Ich begleite den EXPLORER noch bis zu seiner Garage. Ein Blick auf den Kilometerzähler zeigt: 47 Kilometer heute - für Anfänger eine gute Strecke.

Den Tag darauf habe ich den EXPLORER nochmal am Funk. Er bestätigt meine Vermutung, daß "Körperteile, die den ganzen Tag den Sattel berührt haben, auch heute noch weh tun" - kann bei mir nicht behaupten. Wir sind uns aber alle einig: Dieser Ausflug ist gelungen!


© 1998 Karsten Franke (Xylon)