Ans Meer und zu den Sternen ...

Frühmorgens brechen wir auf zu unserem Ausflug ans Meer, voll bepackt mit Proviant, denn am Abend vorher ist einfach viel übriggeblieben. Brot besorgen wir in einer kleinen Bäckerei, die als Geheimtipp gilt für ihr Land-Baguette, das etwas dunkler und rustikaler ist als das übliche Stangenbrot.

Unser Ziel ist das Cap Ferret am Atlantik, eine Halbinsel mit gleichnamigem Hafenort, der berühmt ist für seine Austernzuchtbetriebe und für die größte Düne auf dem Festland von Europa. Die Wettergötter verwöhnen uns wieder mit herrlichem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen - es herrscht blendende Laune in unserer Gruppe bei der Anfahrt: Erneut scheinen überwiegend Engel zu reisen ...

Cap Ferret - ganz im Zeichen der Auster ... ... wässern, reinigen, sortieren, verpacken ...
Austern schlürfen mit Blick auf das Bassin d'Arcachon ... ... Austern satt und anderes Meeresgetier ...

Im malerischen Fischerdorf L'Herbe genießen wir die Vorsaison, denn der Ort gehört fast nur uns, ein freier Strand, kein Gedränge bei den Austernzüchtern. Welch ein Glück im März am Strand in der Sonne sitzend ein Glas Crémant zu genießen, wir gönnen es uns ..!

In der Bucht Bassin d'Arcachon werden die Austern gezüchtet: Nicht nur solche für den Verzehr, sondern auch "Jungaustern", die an andere Austernzuchtbetriebe in ganz Frankreich geliefert werden. Ca. 10.000 Tonnen werden pro Jahr hier von ca. 400 Betrieben produziert. Die Austern - eine japanische Sorte - werden in der Bucht auf Austernbänken großgezogen. Das kann bei den großen Austern schon mal 7 Jahre dauern. Anschließend kommen sie von den Austernbänken in Körben in die Klärbecken am Ufer, wo sie gereinigt, gespült, nach Größe sortiert und am Ende für den Versand verpackt werden, wenn die hungrigen  Touristen sie nicht gleich vertilgen.

Ein freundlicher Austernfischer lässt uns sogar kostenlos (!)  probieren und antwortet auf alle möglichen Fragen.

Nach und nach finden sich alle bei Chez Boulan ein, dort ist ein Tisch im Garten vorbereitet mit Austern und dem passenden Weißwein Entre-Deux-Mers. Wer sich nicht an die lebendigen Tiere traut, kann sich an Seeschnecken (mit Aïoli sehr, sehr lecker), Garnelen oder anderem Meeresgetier gütlich tun - nur Wein trinken geht aber auch ...

Nach dieser opulenten Vorspeise fahren wir weiter an den Ort Cap Ferret, um dort ein Strandpicknick zu veranstalten.

Bunker in Friedenszeiten ... ... ab zum Strand, aber es gibt noch so viel zu probieren ...
Strand satt ... ... Cap Ferret, wir müssen dich verlassen ...

Ein herrlicher fast leerer Sandstrand erwartet uns: Im Sand stehen noch Relikte der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg, als dieser Abschnitt hier zum Atlantikwall gehörte. Wieder einmal stoßen wir damit also auf Hinterlassenschaften, wie wir sie schon vor mehr als zwei Jahren bei der Tour Frankreich 2008 nördlich von hier am Atlantik genauer betrachtet hatten.

Zwar wurden die Bunker einst gesprengt, doch die geborstenen Teile sind nun fester Bestandteil des Strandes. Mehr Informationen zu diesem Strandabschnitt bietet das Deutsche Atlantikwall-Archiv, so dass wir hier auf weitere Einzelheiten verzichten können. Durch die bunte Bemalung integrieren sich die Ruinen besser ins Strandleben. Uns dienen die Überreste als Ausguck, als Buffet und als Schattenspender. Dort sitzend tanken wir flüssigen Lernstoff nach, es gibt ja noch so viel zu probieren ...

Ein Spaziergang am Strand lohnt sich allein schon wegen der tollen Seeluft, den beruhigenden Wellen und den hübschen Muscheln, die man hier finden kann.

Doch der Nachmittag neigt sich viel zu schnell dem Ende zu, wir müssen zurück und uns rausputzen für unser Dinner im 2-Sterne Restaurant Château Cordeillan-Bages. Aufgebrezelt mit unseren Flaschen im Gepäck, die wir am Tag zuvor erworben haben, bringen uns Eric und seine Frau zum Gourmettempel. Dort werden unsere Flaschen vom Sommelier in Empfang genommen, der sich darum kümmern wird. Er wird sie entkorken, dekantieren und nach dem Belüften wieder in unsere Flaschen zurückfüllen.

In der Lounge beschäftigt man sich derweil beim Apéritif - Kir oder Champagner schlürfend mit dem Menü, das vom Service genau erläutert wird. Jeder gibt an, was er in den einzelnen Gängen möchte, dann ziehen wir um in ein Séparée. Der Sommelier bringt unsere belüfteten Flaschen herein und ordnet sie auf einem gesonderten Tisch für den Service an.

Die Grüße aus der Küche werden serviert: Obwohl wir jetzt ganz anders sitzen als bei der Bestellung in der Lounge, bekommt jeder genau das serviert, was er bestellt hat. Wir nehmen an, dass man auf den Bestellzettel nicht Tischnummern schreibt, sondern "Dicke Rothaarige: Lammrücken ..., kleiner Glatzkopf: Entrecote, ...".

Das Essen ist wirklich hervorragend, das was den Gaumen am meisten erstaunt ist die Tatsache, wie intensiv alles schmeckt. Ein winziger Pfifferling entwickelt das Aroma eines ganzen Pfifferlingkorbs, Austernschaum schmeckt wie eine ganze Austernbank.

Ausklang im Château Cordeillan-Bages ...So gut das Essen auch ist, alles wirkt ein wenig steif, die Gestaltung der Speiseräume ist puristisch, fast schon japanisch angehaucht und soll wohl vom Teller nicht ablenken. Unbeeindruckt vom Stil des Hauses beleben wir den vornehmen Laden mit vielen lauten Diskussionen über das Erlebte, einer Menge Gelächter und guter Laune. Die Kellner bieten dann sogar ihre Dienste als Fotografen an ...

In der Lounge gibt es schließlich den Kaffee mit obligatem Digestif - für das Explorer Team gibt es einen 25 Jahre alten Armagnac der Gebrüder Dartigalongue. Der Koch verlässt schließlich seine Küche und kommt um uns zu fragen, ob wir zufrieden waren. Das waren wir durchaus!

Kurz vor Mitternacht holen uns Eric und seine Frau wieder ab, der letzte Abend geht zu Ende und morgen müssen wir wieder zurück nach Hause. Unsere Zungen werden es danken, denn die Verkostung von zum Teil jüngeren Bordeauxweinen (weniger als 10 Jahre alt) hat bei dem einen oder anderen zu leicht brennenden Irritationen geführt. Nun, zwei oder drei Tage mit kühlem Bier spülen - schon werden die Zungen wieder fit sein!

Und unser Fazit? Nun, diese Weinreise hat uns wieder einen Schritt näher gebracht vom reinen Weingenießer zum Weinkenner.

Bordeauxweine sieht man nun mit anderen Augen, die Etiketten kann man nach dieser Reise besser verstehen, die Preise besser bewerten, den Zusatz "für Kenner" richtig einordnen. Dem Bordeaux sollen seine Jahre gegönnt sein zum Reifen, bevor er schließlich in unseren Gläsern endet. Und vor allem eines haben wir ebenfalls verstanden: Bordeaux ist nicht nur Wein, Bordeaux ist auch ein Lebensgefühl und das hat uns diese Tour mit Weinreisen Rettich wunderbar näher gebracht.

Das fantastische Doppelpack aus Burgund und Bordeaux unter perfekter Leitung von Gerhild Burkard hat aber zum guten Schluss nun doch auch noch eine ganz neue Frage mit sich gebracht: Wo geht es eigentlich das nächste Mal hin mit unserer ganz persönlichen Weinkönigin ..? 


© 2011 Sixta Zerlauth 


1. Nachtrag, Januar ´12: Aller guten Dinge sind DREI!

Nun ist es heraus: Die nach Burgund-Reise und obigem Bordeaux-Trip inzwischen dritte Tour mit unserer "ganz persönlichen Weinkönigin" Gerhild Burkard findet statt! Im April dieses Jahres (17.04.12 - 22.04.12) geht es nun nach Portugal!

Wir zitieren Gerhilds Vorankündigung:

Spektakuläre Weinreise in außergewöhnliche Weinlandschaften!

Auf nach Portugal!"Tauchen Sie mit uns ein in einer der schönsten Weinbauregionen der Welt - dem Douro Tal im Norden von Portugal. Es erwarten Sie spektakuläre Landschaften mit traumhaften Ausblicken, außergewöhnliche Rebsorten und kulturelle Highlights.

Von Porto, der Portweinmetropole reisen wir entlang des Douros bis zum wunderschön gelegenen Kleinstädtchen Pinaho. Genießen Sie die nostalgische Atmosphäre, mitten im Welterbe „Douro Tal“.

Dies lässt das Herz von Natur- und Weinfreunden höher schlagen. Wir genießen bekannte und unbekannte Weine bei hervorragenden Winzern, wunderschöne Weingüter und tuckern langsam mit dem Boot durch die romantische wilde Landschaft mit steilen Felsufern. Eine Weinreise für Vinophile und alle, die einfach Neues entdecken wollen. Lassen Sie Ihre Weinseele baumeln."

Nun, auch wir wollen unsere Weinseele baumeln lassen, und da noch einige wenige Plätze frei sind bei dieser Tour, haben auch unsere Leser die Gelegenheit, uns dabei zu begleiten. Wir freuen uns über weitere Mitreisende!


2. Nachtrag, Mai ´12: Voller Erfolg!

Auch diese Weinreise war wie die vorhergehenden ein voller Erfolg! Selbstverständlich folgt auch zu dieser Tour ein ausführlicher Bericht - und dazu die Berichterstattung aus Sicht der Euro-Tour, die zu diesem Anlass natürlich ebenfalls fällig war: