21.06.94

An diesem Morgen kamen wir erst um 0800 Uhr heraus und frühstückten anschließend mit zwei Männern aus der Gießener Gegend. Sie hatten vor der Sauna gepennt - Gottseidank, würde ich sagen!

Kultahamina ...Die beiden machten einen recht spleenigen Eindruck auf mich und Irmi. Sie trugen Bundeswehrklamotten und aßen aus Bw-Essgeschirren alte Einsatzverpflegung. Schienen so Soldatels-Spieler (süddeutscher Ausdruck, wenn Kinder Soldaten spielen) zu sein. Als einer an meinem Reden erkannte, daß ich Deutscher bin, sagte er gleich: "Ich bin auch Deutscher!" Ich antwortete ihm: "Man siehts!" Nach dem Frühstück trennten wir uns von den Komikern, sie wollten die Runde machen und wieder nach Njurgalahti laufen.

Wir jedenfalls tigerten erst mal runter in Richtung Kultasatama und machten bei der ersten Feuerstelle eine Trinkpause. Hier trafen wir erneut ein Goldsucherpärchen, sie wollten drei Monate lang hier oben Gold suchen. Jedenfalls unterhielten wir uns recht nett und gingen danach wieder unseres Weges.

Unten an der Hütte Kultasatama(sämisch), was auf finnisch Kultahamina = Goldhafen heißt, kochten wir gegen 1230 Uhr unser Mittagessen und liefen nach einer Stunde weiter.

Die Schnakenplage (Süddeutsch = Stechmücke) wurde jetzt stärker. Wir dachten an der ersten Raststelle nach der Hamina nicht daran, schon wieder Pause zu machen und als uns schließlich der Durst überkam, waren wir nur noch einen Kilometer von der Ravadasjärvihütte entfernt.

Wir tranken ein Fläschchen Doping (= Flußwasser mit aufgelöster Vitamin C Tablette) und erreichten gegen 1600 Uhr die Hütte, bei der kein Mensch war. Wir hatten kurz vorher noch am Ravadasköngäs unsere Flaschen gefüllt und kochten hier erst mal Tee zur Brotzeit ...

Kato bei Kultahamina ...
 
Wasserschöpfen am Morgamjarvi ...

Die zwei Paare, die ich gestern Abend aus unserer Hütte gewünscht hatte, kamen den Hang herunter und machten ebenfalls Brotzeit. Sie hatten sich wie´s scheint nicht geärgert, denn sie unterhielten sich gleich mit uns. So warteten wir gemeinsam auf das Fährboot. Während sie noch erzählten, daß sie aus der Gegend um Vasa und Christianstad kämen, überfiel uns gegen 1730 Uhr plötzlich ein richtiger Platzregenschauer ...

Kurz zuvor war noch ein Pärchen aus der Gegend um Melk in Österreich herein gekommen: Sie waren nur leicht gekleidet und hatten keine Ausrüstung oder Verpflegung mit. Richtig leichtsinnig waren sie von Njurgalahti oder Lemmenjoki zur Ravadasjärvihütte gelaufen und wollten ebenso wie wir mit dem Boot zurückfahren. So gegen 1900 Uhr kam auch das Boot, das aber mit bereits mit sieben Leuten besetzt war - wir acht Personen wurden dennoch dazu geladen.

Mit dem voll beladenen Boot ging es dann bei nicht gerade warmer Witterung flußabwärts bis zu dem Nachen. Hier mußten wir alle aussteigen und zu Fuß am Ufer entlang bis unterhalb der Stromschnellen weiterlaufen. Nur zwei vorlaute Deutsche und ein junges Paar mit Kinder durfte im Boot bleiben. Unterstrom der Flachstelle nahm uns der Bootsführer wieder auf, nach weiteren ca. 50 Min. Fahrt erreichten wir schließlich Lemmenjoki.

Zurück in Njurgalahti ...

Hütte am Lemmenjoki ... Bauernhof am Lemmenjoki ...

Unser Auto stand noch unversehrt da, wo wir es zurückgelassen hatten, nur etwas warm war es drinnen. Wir tranken jeder ein Bier und unterhielten uns nacheinander mit den Österreichern und dann mit den Finnen. Die beiden Militaristen waren auch da. Sie wollten uns weismachen, sie hätten in 8 Stunden die 42 km abgelaufen, für die wir 2 Tage gebraucht hatten, aber ich ging nicht darauf ein. Ich fragte sie nicht einmal, welchen Weg sie gegangen seien. In einem so schwierigen Gelände mit Gepäck eine solche Strecke zurückzulegen und dafür nicht mehr als 9 Stunden zu brauchen, das kann mir niemand erzählen ...

Wir zogen uns in unser Auto zurück, wo wir uns wuschen und Abendbrot machten. Es gab eine Schachtel Fertigfutter für jeden von uns - Hackbraten sollte angeblich drinnen sein. So gegen 2400 Uhr gingen wir trotz des Sonnwendfestes schlafen. So brachten wir die Nacht der Nächte, die Mitternachtsonnennacht, ruhig und ohne Trubel hinter uns. Die Finnen feierten diesen Tag erst am Freitag, den 25.06.

Von Ritva und Esa (siehe "Bärenrunde") erfuhren wir aus einem Brief, daß sie an dem Tag, an dem sie uns verließen, aufgaben und sich mit dem Taxi ausfahren ließen ...

Über den Rest der Reise, bis zum Eismeer bei Jacobselv in Norwegen und zurück, berichte ich vielleicht ein anderes Mal ...


© Text/Bilder 1999 Kurt & Irmi Gradolph