Freitag, 08.05.15: Auftakt und Einlaufparade

Heute also soll es losgehen mit dem Hafengeburtstag! Ein Platz auf einem Kutter zum Begleiten der Einlaufparade ist längst gebucht, auch der Tisch zum Abendessen ist reserviert - was will man mehr!

Schuldenuhr im Spielgeldland ...Da das Boarding zur Einlaufparade erst um 14:30 Uhr stattfinden wird, haben wir den Vormittag zur Verfügung für einen ausgiebigen Hafenrundgang. Zuerst soll im Sporthafen der "stabilisierte Einrumpf-Trimaran" von Sea Shepherd gesucht werden, der beim Hafengeburtstag zu Besuch ist und den wir uns auf alle Fälle näher anschauen wollen.

Vom Hotel aus sind wir schnell am U-Bahnhof Stephansplatz. Wir kommen an der Uni vorbei und können die Hamburger Schuldenuhr bestaunen: Passend zum Millionen-Event Hafengeburtstag werden hier anschaulich die Schulden der Stadt Hamburg und ihr Zuwachs pro Sekunde dargestellt. Darunter dann das Vermögen des reichsten Zehntels der Bevölkerung und auch der Zuwachs von deren Vermögen pro Sekunde: Dass dieses vierzehnmal (!) so schnell wächst wie die Schulden, kann wohl heutzutage niemanden mehr wundern, der mit offenen Augen durch´s Spielgeldland geht, das wohl allerdings nur einem sehr ausgewählten Personenkreis zugänglich ist ...

Auffälliges Boot: Die BRIGITTE BARDOT von Sea Shepherd ...

Wir fahren bis Baumwall: Bereits nach wenigen Schritten sehen wir das auffällige Boot der oft als "Öko-Piraten" verschrieenen Umwelt- und Tierschützer - und weil es so schön war, haben wir diesem Besuch ein eigenes Kapitel Hafengeburtstag gewidmet ...

Außer dem Sea Shepherd-Boot gibt es natürlich noch jede Menge Anderes zu sehen: Man könnte sich bereits heute morgen "typisch bayrisch" stärken: Der "Gebratene Leberkäse im Brezel" wirkt allerdings auf zugereiste Wahlbayern eher komisch - wir verzichten!

Die Ju 52 der Deutschen Lufthansa Berlin-Stiftung hat heute und in den nächsten Tagen viel zu tun: Unaufhörlich zieht sie ihre Kreise über dem Hafengeburtstag - das historische Fluzeug Baujahr 1936 mit seinen 16 Plätzen ist offensichtlich ständig ausgebucht.

Wir gehen weiter und landen bei der Marine: Wir. Dienen. Deutschland. ist deren Devise, die glatt von genialen Chefredakteuren irgendwelcher Schwestermagazine stammen könnte - modern. cool. einfallsreich.!

Es ist die GORCH FOCK, die hier angelegt hat, hoch oben in den Masten turnen Matrosen in schwindelerregenden Höhen herum - es ist allerdings kein Platz, wo man sich vor der Lumix DMC-TZ61 wirklich verstecken kann. Genau so wenig verstecken können sich Marinesoldaten auf dem Boden, die sich hier offenbar mit lustigen Knotenspielen die Zeit vertreiben müssen. Auf eine Besichtigung des Schiffes verzichten wir genau so wie auf eine der Fregatte AUGSBURG (F 213): Endlose Menschenschlangen vor den Schiffen halten erfolgreich von derartigen Vorhaben ab ...

Was für Nordlicht-Bayern: Gebratener Leberkäse im Brezel ... Tante Ju im Geburtstags-Dauereinsatz ...
Die GORCH FOCK ist auch schon da ... Bundesmarine im Einsatz: Wir. Dienen. Deutschland.
Dienst auch im höchsten Mast ... Das Tele zeigt´s: Der Mann ist tatsächlich da oben ...

Als nach einiger Zeit der Bierdurst übergroß wird, entdecken wir zum Glück das im Hafen liegende Restaurant-Feuerschiff LV 13: Auf dessen Deck sind noch Plätze frei und es vergehen tatsächlich nur wenige Minuten, bis ganz in unserer Nähe wieder das österreichische Paar von gestern Abend auftaucht und Platz nimmt - auch die Hamburger Welt ist klein!

Das heutige Programm steht bereits fest: Mit den Sea Shepherds haben wir geklärt, dass wir gegen 13:00 Uhr an Bord kommen werden zur Besichtigung der BRIGITTE BARDOT, um 14:30 Uhr ist dann das Boarding für die Einlaufparade, die uns bis ca. 18:00 Uhr beschäftigen wird und um 19:00 Uhr ist im "Kartoffel-Keller" reserviert - der Tag ist ausgebucht!

Feuerschiff als Flucht-Restaurant ... Aufatmen angesagt: Hier gibt´s noch freie Plätze ...
Irischer Pub heute gut besucht ... Die Niederländer halten das Viertel mit Fisch ... ... und gutem Kaffee ...  Marketing-Überflieger ...

Nach dem Besuch bei den Sea Shepherds ist noch Zeit für einen geruhsamen Bummel Richtung Anleger Sandtorhöft / Kehrwiederspitze, wo wir unser Boot besteigen wollen, um drei Stunden bei der Parade mitzuschippern. Beim Gang zum Sandtorkai kommt man durch das geschäftige Eck der Niederländer, die mit der Hansestadt Groningen als Partnerland des 826. Hafengeburtstages auftreten. In den orangefarbenen Containern werden neben Kunst kulinarische Spezialitäten angeboten, auch niederländische Bands treten auf. Vom Fisch bis zum Kaffee wird alles mögliche gereicht, wovon wir natürlich Gebrauch machen: Das Fischbrötchen ist ausgezeichnet!

Die Ablegezeit rückt näher, unser Boot ist allerdings nicht das dort auffällig liegende Eventschiff, sondern die deutlich kleinere LÜTTE DEERN von Barkassen Meyer. Nach der Ansprache des Käptn´s, der erklärt, wo die Seemänner mit Beziehungen Kapitän werden und wo die ohne Beziehungen (die machen Hafenrundfahrten), geht es los: Wir schippern die Elbe flussabwärts, vorbei an bekannten Sehenswürdigkeiten und Schiffen. Zu denen hat unser Käpt´n viele Dönkes zu erzählen, die natürlich von der Elbphilharmonie über den Oligarchen Abramowitsch und seinem Kahn bis hin zum Bürogebäude Dockland reicht: Das darf nicht mehr wie ein Schiff befeuert werden, weil es bei entsprechendem Wetter glatt mit einem solchen verwechselt werden könnte ...

Doch nicht unser Boot: Sowas haben wir auch im Modellkeller ... Santiano-Fan? Unser Einlaufparadenmitfahr-Käpt´n ...
Baufortschritt: Die Elbphilharmonie wird mehr und mehr zum Lautsprecher ... U-434: Wieder nur Außenbesichtigung vom Museums-Uboot ... Die Menschenmassen sammeln sich überall ... 
Wer genau spinnt hier tatsächlich ..? Gefahr für den Hafengeburtstag ..?
Die EUROPA 2 immer noch am Cruise Center Altona ... Bürogebäude Dockland: Bei Nebel mit Schiff zu verwechseln ..? ELBE 1: Traditionsschiff unterwegs ...  Oliigarchen-Kutter: Abramowitsch-Yacht ECLIPSE

Wir werden die vom Museumsfrachter CAP SAN DIEGO angeführte Parade einholen und später an den beteiligten Schiffen Richtung Anleger auch wieder vorbeifahren. Alle Sportbootfahrer mit Lizenz dürfen übrigens bei der Ein- und Auslaufparade beliebig mitfahren, Großschiffe werden natürlich angemeldet und deren Position in der Parade wird festgelegt. Auffallend dabei, dass die meisten großen Schiffe hier von Schleppern gezogen werden und sich nicht mit eigener Kraft bewegen - auf Kurs gehalten von jeweils einem Schlepper vorn und einem hinten gleiten sie den Fluss entlang. Laut Auskunft unseres Käptn´s garantiert das die notwendige Genauigkeit bei der Parade, die mit eigenem Antrieb und so geringer Geschwindigkeit ansonsten nicht möglich wäre. Nun ja, müssen wir ihm heute einfach glauben ..!

Unser Kapitän scheint auch Santiano-Fan zu sein, denn auf der mehrstündigen Rundfahrt werden wir überwiegend deren Musik zu hören bekommen - was bei diesem Event übrigens nicht im geringstens stört ...

Auch die RICKMER RICKMERS gut gefüllt ... Die DAR MLODZIEZY wieder angelegt ... Packungsdichte erreicht ...  Auch die Anlegestellen werden knapp ...

Hier müssen auch die Kirchen schwimmen können ...

Die Menschenmassen bei Ende der Parade sind beeindruckend, und wir sind gegen Abend froh, als wir uns bald in Seitengassen zurückziehen können auf dem Weg zur Deichstraße, wo der "Kartoffel-Keller" auf uns wartet. Als wir wenig später dort wieder auf das uns nun schon bestens bekannte Paar aus Österreich treffen, wird man tatsächlich langsam aber sicher nachdenklich - wer lässt uns auch hier nun überwachen ..?

Wir werden es wohl nie erfahren uns lassen uns auch dadurch nicht erschüttern - am späten Abend verliert sich unsere Spur sowieso wieder in Menschenmassen - wir lassen uns bei Wies´n-ähnlichem Betrieb in der Menge treiben auf unserem langen Weg zurück zum Hotel - und der frische Souvenirkrug für 3,- EUR Pfand behindert dabei nicht im Geringsten ...

Die Holländer heizen ein ... ... und wir verschwinden im `Kartoffel-Keller´ ...
Wies´n-Atmosphäre in Hamburg ... Stimmung bis tief in die Nacht ... Auch die Liebesschlösser leuchten noch ...  ... und die Massen wollen noch nicht nach Haus ...

© 2015 J. de Haas