US Navy "History" (5)

Das "Steinerne Schlachtschiff"

Der unsinkbare Wächter der Bucht von Manila ...

von Bill Lee   


Vorwort

Wer mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs vertraut ist, hat vermutlich von der tapferen, aber vergeblichen Verteidigung der philippinischen Insel Corregidor durch die amerikanischen Streitkräfte während der ersten Monate des Jahres 1942 gehört. Weit weniger bekannt ist allerdings eine ähnlich bemerkenswerte Leistung der Garnison einer kleinen, benachbarten Anlage an der Einmündung der Bucht von Manila namens Fort Drum.

Die Bucht von ManilaDieser Außenposten an der Einmündung der Bay war einst lediglich eine kleine Felsspitze mit dem Namen El Fraile  und spielte Ende des 19. Jahrhunderts eine unbedeutende Rolle im Spanisch-Amerikanischen Krieg. Später wurde die winzige Insel in das verwandelt, was einem "Steinernen Schlachtschiff" ähnelte - diese stark befestigte Basis war die letzte amerikanische Bastion, die noch standhielt, als Manila, Bataan und Corregidor 1942 bereits von den Japanern überrannt worden war.

Sogar heute noch bleibt die ehemalige Bastion "unsinkbar", auch wenn ihr mittlerweile der Zahn der Zeit zugesetzt hat nach Jahrzehnten, in denen sie dem Schicksal als Hafenverteidigungsanlage ausgesetzt war ...


Die Insel El Fraile

In den 1800er Jahren, als die philippinischen Inseln noch unter spanischer Kontrolle waren, wurden ein paar Kanonen auf El Fraile (Der Mönch) und den anderen Inseln in der Einmündung der Bucht von Manila aufgestellt. Eines dieser Geschütze ist kaum sichtbar am äußersten rechten Rand der seltenen Aufnahme von El Fraile im Bild unten links. Ihr Zweck war, möglichen Angreifern die Einfahrt in die Bucht von Manila zu verwehren.

Dies erwies sich allerdings als eine unzureichende Vorsichtsmaßnahme im erwähnten Spanisch-Amerikanischen Krieg des Jahres 1898. In der Morgendämmerung am 01. Mai 1898 gelangten Schiffe der US Navy unter Kommando von Admiral Dewey leicht hinter diese Verteidigungsstellungen.

Als die amerikanischen Kriegsschiffe schließlich von den spanischen Kanonieren gesichtet wurden, konnte Admiral Dewey´s Geschwader deren wirkungsloses Geschützfeuer schnell zum Schweigen bringen. Obwohl der Kanonendonner die spanischen Kriegsschiffe warnten, die vor der Küste Manilas ankerten, konnte Admiral Dewey schon bald einen entscheidenden Sieg erringen; er beendete damit letztlich drei Jahrhunderte spanischer Herrschaft über die philippinischen Inseln.

El Fraile im 19. Jahrhundert Reste von Fort Drum heute

Die Errichtung von Fort Drum

Nach dem Ende dieses Krieges annektierten die Vereinigten Staaten die Philippinen. Als Teil eines erheblich ambitionierteren Verteidigungsplans für Manila in den frühen 1900er Jahren wurden schließlich die vier Inseln an der Einfahrt der Bucht stark befestigt. Diese Inseln Corregidor, Caballo, Carabao und El Fraile erhielten dabei die entsprechenden neuen Namen Fort Mills, Fort Hughes, Fort Frank und Fort Drum.

General Richard C. DrumFort Drum wurde so benannt in Erinnerung an den US Army Brigadier General Richard C. Drum, der im Jahr 1909 starb, dem selben Jahr, in dem die Arbeiten auf der Insel El Fraile begannen. General Drum war ein Artillerie-Offizier, der bereits im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg, im amerikanischen Bürgerkrieg und auch im Spanisch-Amerikanischen Krieg gedient hatte.

Obwohl die als Fort Drum umbenannte Insel die kleinste der vier an der Einmündung gelegenen war, wurde sie schon bald die einzigartigste. Auch wurde sie mit den größten Marine-Geschützen ausgestattet, über die die US Navy vor dem Ersten Weltkrieg verfügte.

Um Fort Drum zu bauen, entfernten Ingenieure der US Army die Oberseite der kleinen felsigen Insel bis hinunter zur Wasserlinie. Auf diesem Untergrund wurde eine Befestigung aus Beton errichtet, die irgendwie ähnlich wie ein Schlachtschiff geformt war.

Nach der Fertigstellung im Jahr 1913 und der Ausstattung mit Geschütztürmen und einem hohen Mast mit "Krähennest", ähnelte das Ganze derart einem Schlachtschiff, dass manchmal Schiffe bei Einfahrt in die Bucht von Manila von der Begegnung mit dieser kuriosen, aber unbeweglichen und unsinkbaren Konstruktion berichteten und sie dabei als die "USS Drum" bezeichneten ...

Eckdaten des "Steinernen Schlachtschiffs"

Nach der Fertigstellung der Grundstruktur war das "Schlachtschiff" ca. 106 Meter lang, 44 Meter breit und erhob sich mehr als 12 Meter bei Ebbe aus dem Wasser. Innen verfügte das Gebilde über vier Stockwerke, die gegen Angriffe feindlicher Kriegsschiffe oder Luftangriffe jeweils durch mehr als 5 Meter dicken Stahlbeton geschützt waren. Die Außenwände des Forts hatten eine Stärke von rund 6 Metern.

Der Maschinenraum beherbergte sieben diesel-elektrische Generatoren. Der Ausguck-Mast, gestaltet ähnlich denen auf Schlachtschiffen des frühen 20. Jahrhunderts, erhob sich rund 36 Meter über den Wasserspiegel der Bucht bei Ebbe. An der Mastspitze hatte man Suchscheinwerfer angebracht. Benachbart vom Mast befand sich ein 5 Tonnen Service-Kran.

Querschnitt Fort Drum Besatzungsquartiere

Fort Drum verfügte über Quartiere für eine normale Beatzung von insgesamt 200 Offizieren und Mannschaftsdienstgraden. Der Plan oben rechts zeigt die Lage dieser Quartiere. Eine Messehalle und die Bordküche befanden sich einen Stock tiefer, weiterhin Schießpulver und Granaten der 35-Zentimeter Kanonen in den Munitionskammern noch weiter unten ...

Bewaffnung

Das charakteristischste Merkmal des "Steinernen Schlachtschiffs" war allerdings seine Hauptbatterie mit vier 35-Zentimeter Marinegeschützen, montiert in zwei drehbaren stählernen Geschütztürmen.

Fort Drum war die einzige amerikanische Küstenverteidigungsstellung mit vollständig eingebauten stählernen Geschütztürmen. Diese Türme saßen auf einem stählernen Geschützunterbau, eingelassen in Beton. Gebaut worden waren die Türme in den USA und erprobt in einer Armeebasis in Sandy Hook, New Jersey, wo auch das Bild unten links entstand. Der Herstellungsort ist nicht überliefert. Allerdings fertigte nur 16 km entfernt von Sandy Hook die Schiffswerft Brooklyn Navy Yard Schlachtschiffe mit Kanonen und Geschütztürmen in sehr ähnlichem Design, als diese Zwillingstürme entstanden.

Erprobung Armeebasis Sandy Hook 15-Zentimeter Kanonen

Die Türme, die diese 35-Zentimeter Geschütze beherbergten, waren aus Panzerplatten konstruiert, die teilweise bis zu 40 Zentimeter dick waren. Jedes dieser elektrisch angetriebenen Marinegeschütze wog ca. 70 Tonnen und war in der Lage, eine 700 kg schwere Granate mehr als 17 km weit zu schießen. Kein feindliches Schlachtschiff konnte damit die Einmündung der Bucht von Manila passieren, ohne das Risiko einzugehen, von der Hauptbatterie Fort Drums beschädigt oder gar versenkt zu werden.

Zusätzlich hatte man das "Steinerne Schlachtschiff" ganz ähnlich wie die Schlachtschiffe des frühen 20. Jahrhunderts noch mit vier 15-Zentimeter Kanonen ausgerüstet, die sich in jeweils zwei Kasematten auf beiden Seiten des Forts befanden (Bild oben rechts). Auf dem obersten "Deck" des Forts wurden später zusätzlich noch weitere Waffen mit kleinerem Kaliber aufgestellt, die im Wesentlichen als Luftabwehrgeschütze dienen sollten.

Zeitraum 1919 bis 1941

Es dauerte von 1909 bis 1919, das "Steinerne Schlachtschiff" fertigzustellen. Die ursprünglich angesetzten Kosten betrugen rund eine Million Dollar (in $ von 1908). Spätere Quellen weisen darauf hin, dass dieser Betrag "deutlich" überschritten wurde, allerdings können hierzu heute keine genauere Zahlen mehr ermittelt werden. Angepriesen als "uneinnehmbare" Festung, erwies sich dies später nicht als leeres Versprechen ...

Die "uneinnehmbare" Festung

Die Lebensumstände auf Fort Drum in den tropischen Gewässern der Philippinen waren zweifellos schwierig für die Artilleriebesatzungen der Navy, die dort zwischen 1919 und 1941 stationiert waren. Das fensterlose Innere des "Steinernen Schlachtschiffs" wurde nur unzureichend belüftet durch Abluftventilatoren.

In den 1930er Jahren wurde ein zweistöckiges Kasernengebäude oben auf dem Fort errichtet, wie man auf den Bildern oben und unten links erkennen kann. Bei dieser aus Holz zusammengezimmerten Konstruktion handelte es sich offensichtlich um einen nachträglichen Einfall. Typisch für ähnliche Szenen, wie man sie oft auch an Bord von Navy Schiffen fand, ist das Foto (unten Mitte), das auf Fort Drum in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gemacht wurde. Obwohl die Männer auf diesem Fort regelmäßig trainierten sowie Schießübungen und Wartungsarbeiten verrichten mussten, blieb doch noch ein wenig andere Zeit für Unterhaltung. Eine davon, die in Briefen nach Hause erwähnt wird, ist das Fangen von großen Haien ...

Zweistöckiges Kasernengebäude Präsentation auf Geschützrohren ... Volleyball auf dem Oberdeck 

Ein anderes kurzes Vergnügen war das Volleyballspiel auf einem Feld, das auf dem steinernen Deck neben den hinter- und übereinander angeordneten 35-Zentimeter Geschützen abgesteckt war (erkennbar auf dem ca. 1936 von der Mastspitze aus aufgenommenen Foto oben rechts).

Die Aufzeichnungen der Army belegen, dass bestimmte Teile von Fort Drum regelmäßig als "Bug", "Heck", "Deck", "Maschinenraum"  und "Kombüse" bezeichnet wurden, was weitere Bestätigungen liefert für den Spitznamen "Steinernes Schlachtschiff" ...


© 2017 Bill Lee, Deutsche Übersetzung: Explorer Magazin