Donnerstag, 15.09.16: Totale Schwärze, zurück nach Emden, Fisch und Eis

03:20 Uhr, 3/8 Bedeckung, Wind E 5, 20°C: In der Nacht bläst der Wind mit 5-6 Bft aus Ost, Jürgen schläft wegen der Wärme bereits die zweite Nacht im Cockpit.

Um 03:00 Uhr heißt es aufstehen, Loona´s Gesicht ist der erste lustige Moment heute! Frühes Aufstehen ist so gar nicht ihr Ding. Vom Licht des fast vollständigen Vollmondes ist nichts mehr zu sehen, alles ist gleichmäßig schwarz. Unser alter Mercedesmotor beginnt um 04:45 Uhr zu arbeiten und ist gut außerhalb des Bootes zu hören. Hoffentlich haben wir nur wenige Schläfer um uns herum geweckt ...

Nach der Schwärze endlich wieder Licht ...Um 04:50 Uhr legen wir ab. Von der Borkumer Hafenausfahrt ist nur noch das schummrige gelbe Licht der Infotafeln zu sehen. Wir fahren in die Schwärze hinein, als wir den Hafen verlassen und die Fischerbalje erreichen. Wasser und Himmel sind gleichmäßig tiefschwarz ohne Unterschied.

Ab und zu ist das eine oder andere Licht einer der Fahrwassertonnen zu sehen, aber nicht die Tonnen selbst. Wir wissen, dass nicht alle Tonnen beleuchtet sind. Passend zur Situation ist das Leuchtfeuer Fischerbalje an der Zufahrt zur Ems ausgefallen: Wir fahren durch ein Schwarz mit gelegentlichen roten oder grünen Lichtsignalen ...

Mit unseren Augen und dem alten, aber aktuellen Kartenplotter A 65 geht es durch die Dunkelheit: Wir halten möglichst die Mitte des Fahrwassers, das uns der Plotter sehr genau anzeigt. Wir kommen nach etwa einer halben Stunde an der Zufahrt zur Ems an, ohne eine unbeleuchtete Fahrwassertonne unfreiwillig näher kennengelernt zu haben. Gegen 06:00 Uhr kommt dann der erste Schimmer des neuen Tages bei der Emstonne 27 in Sicht. Der Wind hat inzwischen eine leicht südliche Tendenz mit EzS 4 bei etwa einem Meter Seegang.

Mit der auflaufenden Tide kommen wir zügig voran: Die Geschwindigkeiten liegen zwischen 6,5 und 7,2 Knoten. Um 08:45 Uhr haben wir bereits den sogenannten K-Weg hinter uns, das ist eine kleine Abkürzung des Emsfahrwassers bei der niederländischen Stadt Delfzijl auf der roten (rechten) Fahrwasserseite. 

Einfahrt ... ... und Liegeplatz im Emder Außenhafen

Hier finden wir auch wieder Christoph und Lotte mit ihrer Infinite Loop: Sie sind etwa 3 Tonnenlängen vor uns und wollen heute noch weiter bis Weener fahren. Wir aber verschieben die Heimfahrt auf morgen und laufen um 09:40 Uhr in den Emder Außenhafen ein.

Auf zum Eis- und Fischbrötchenessen!Um 10:00 Uhr sind wir wieder fest am Zollponton, die Außenanleger des Yachthafens sind mal wieder belegt. Ohne Probleme kommen wir mit der - fast immer - zitternden Loona in Emden an. Nun heißt es noch Loona schnell an Land zu bringen und dann "alle Mann" den unterbrochenen Schlaf nachholen ...  

Zum Tagesabschluss geht es nachmittags wieder zum Eis- und Fischbrötchenessen zum Emder Ratsdelft: Der wenige Schlaf ist nicht zu übersehen, selbst Loona läuft nur schlapp auf ihren kurzen Beinen hinterher ...

Freitag, 16.09.16: Auf Heimatkurs

07:00 Uhr, grau bedeckt, Wind WSW 4, dicke Regenwolken, 1011 hPa, 18°C: Eine halbe Stunde später fällt Regen, wir können in Ruhe aufstehen, selbst ein gutes Frühstück ist drin. Mit der auflaufenden Tide brauchen wir gut 3 Stunden bis nach Weener. Da haben wir noch Zeit!

Die Emsbrücke naht ...Um 09:15 Uhr legen wir ab. Jetzt ist etwa die halbe Tide aufgelaufen, wir werden in Weener bei fast voller Flut ankommen. Zuerst bleibt uns der graue Himmel erhalten, es folgt aber kein zweiter Regenschauer. Andere Schauer ziehen alle weit entfernt von unserem Weg vorbei, um andere mit ihrem Regen zu beglücken. Manchmal sind sogar einige wenige blaue Stellen am Himmel zu sehen.

Wir haben eine ruhige Fahrt und kaum Verkehr. Der Hafen von Weener soll allerdings sehr voll sein, der gute Zbigniew meldet sich bei uns und will einen Liegeplatz für uns schaffen.

Um 10:05 Uhr passieren wir das Sperrwerk und um 11:30 Uhr die Leer Bridge. Vor der Brücke müssen wir erst noch 15 Minuten auf eine weitere Yacht warten, danach lassen wir uns Zeit. Zbigniew meldet sich wieder: Er hat wirklich nur einen Liegeplatz von 15 m Länge zusammen bekommen. Bei unseren 13 m Bootslänge heißt das "Einparken ohne Hilfe des Motors". Harry von der Arielle und Zbigniew wollen uns mit den Leinen einfangen und in die Lücke bugsieren. Weener ist bereits in Sicht, wir lassen uns von der Tide flußaufwärts schieben und nehmen den Motor nur zum Steuern ...

Das letzte Stück ... ... zur Schleuse und zum Reiseende ...

Wir bekommen die Schleuse für uns allein: Zbigniew und Harry erwarten uns dort bereits und Hafenmeister Frank lässt uns herein.

Weeners Hafen ist zur Zeit wirklich sehr gut besucht, auch an Land steht alles voller Wohnmobile, denn morgen soll die Ems wegen der Überführung eines neuen Kreuzfahrtschiffes der Meyer-Werft aus Papenburg gesperrt werden. Das neue Schiff wird dann wie immer direkt am Hafen hier vorbeikommen.

Wir stecken wieder fest - direkt im Hafen ... Angekommen ...

Unser Liegeplatz ist tatsächlich nur etwa 15 m lang. Wir fahren die Bugspitze der pacifico im flachen Winkel in das eine Ende des Liegeplatzes. Dann übernehmen unsere beiden Helfer an Land. Auch die Wohnmobilfahrer helfen schnell beim Einparken unseres Seglers: Um 13:00 Uhr sind wir nach einigem Fummeln fest.

Loona ist beim Einlaufen und Anlegen natürlich wieder voll da: Bekannte Gesichter und "ihr" Hafen - die Welt ist wieder in Ordnung.

Wohlbehalten zurück ...Es dauert auch nicht lange, da liegt sie wieder auf dem Sofa im Cockpit auf "ihrem" Schiff und genießt das Ende einer aufregenden Reise auf ihre Weise ...


© 2016 Jürgen Sattler



Anm. der Red.: Weitere Beiträge von Autor Jürgen Sattler in unserem Magazin: