Tipps: Bootsführerscheine im Ausland

Welche Möglichkeiten bieten deutsche und ausländische Bootsführerscheine?


Bei Bootsführerscheinen im Ausland gibt es einiges zu beachten. Dieser Beitrag gibt einen kurzen Überblick zu den Möglichkeiten, die mit deutschen und ausländischen Bootsführerscheinen bestehen - und außerdem etliche Tipps!

Seinen Urlaub auf dem Boot zu verbringen, ist im Laufe der Jahre immer populärer geworden. In Deutschland bietet sich dafür z.B. die Mecklenburgische Seenplatte an, ein echtes Wassersportparadies, wo man diese Urlaubsfreuden seit vielen Jahren auch auf einem Hausboot sogar führerscheinfrei genießen kann, wie der Explorer Besuch in Malchow im Jahr 2012 zeigte. Ebenfalls führerscheinfrei kann man bereits seit Jahrzehnten auch in Irland Fluss und Seen bereisen, was das Explorer Team erstmals vor weit mehr als 40 Jahren ausprobierte. Ohne Lizenz ist das Reisen mit dem Boot z.B. auch auf den Kanälen Frankreichs möglich, unvergesslich die erste Explorer Tour auf dem Canal du Midi im Jahr 2015.

Selbst wenn derartige Reisen führerscheinfrei möglich sind, erfordern solche Touren doch recht viel Eingewöhnung, bis die frischgebackene Mannschaft ihr neues Gefährt ausreichend beherrscht. Verfügt man dagegen über einen Bootsführerschein, ist der Einstieg in solche Abenteuer doch deutlich einfacher und kostet im Zweifel auch erheblich weniger Nerven ...

An der Mecklenburgischen Seenplatte ... Irland 1976: Auf dem River Shannon ... Frankreich 2015: Canal du Midi ...

Gänzlich unabdingbar ist ein solcher "Sportbootführerschein (SBF)" allerdings, wenn man abseits spezieller Möglichkeiten für Touristen ein Boot mieten will oder - sicher die Krönung dieser Leidenschaft - mit dem eigenen Boot in nahe und ferne Gewässer aufbrechen möchte. Und so etwas erfordert ja auch nicht immer gleich eine Segeljacht wie die "pacifico", deren Fahrten hier in der Vergangenheit immer gern verfolgt wurden.

Nun, gehen wir einmal davon aus, dass man aus diesen Gründen nun tatsächlich so einen deutschen Bootsführerschein in der Tasche hat und jetzt auch mit dem eigenen Boot ins Ausland aufbrechen möchte. Oder man will vielleicht im Ausland ein Boot chartern, um damit fremde Welten vom Wasser aus zu erkunden. Dafür haben wir gute Nachrichten: Wenn man in Deutschland den amtlichen Führerschein (SBF See oder SBF Binnen) erlangt hat, kann man damit in der Regel auch im Ausland auf den jeweiligen Gewässern ein Boot führen. Also mit dem SBF See auf dem Meer, mit dem SBF Binnen auf Seen und Flüssen.

Im Ausland unterwegs mit dem ICC

Mit dem eigenen Boot im Ausland ..?   (Bild: Pixabay.com)Die amtlichen deutschen Sportbootführerscheine SBF Binnen und SBF See enthalten nämlich das ICC (International Certificate of Competence), ein internationales Zertifikat, mit dem sich die erworbenen Kenntnisse auch im Ausland nachweisen lassen. Viele Länder erkennen das ICC offiziell an, darunter Frankreich, Italien und Kroatien.

Und selbst in Ländern, die das Zertifikat nicht offiziell anerkennen, kann man mit seinem deutschen Führerschein ein Boot führen: Viele Länder akzeptieren das ICC zumindest informell. Um sicher zu gehen, sollte man sich dennoch vorher bei den zuständigen Behörden informieren.

Beispiel Griechenland: Die Behörden akzeptieren zwar informell den deutschen Bootsführerschein, wollen aber oft eine amtlich beglaubigte Übersetzung sehen. Außerdem verlangen sie regelmäßig ein Schreiben von einer staatlichen Stelle, die bescheinigt, dass der Bootsführerschein von einer offiziell anerkannten Behörde im Herkunftsland ausgestellt wurde. Es heißt also, sich rechtzeitig um diese Dokumente zu kümmern, bevor man in Griechenland in See stechen kann!

Mit dem Boot auf hoher See

Wie sieht es mit dem Boot auf hoher See aus? Außerhalb der Küstengewässer gibt es gar keine Führerscheinpflicht. Und innerhalb der sogenannten 12-Meilen-Zone gilt der bereits erwähnte SBF See: Hier kann man also auf den Meeren rund um Europa mit dem deutschen Bootsführerschein in der Regel frei navigieren. Es gilt aber auf die Pflicht zum Einklarieren (Anmelden) in einem entsprechenden Hafen zu achten. Dies entfällt für deutsche Staatsangehörige bei Einfahrt in Schengen-Vollanwenderstaaten.

Besondere Acht ist geboten beim Eintritt in russische Gewässer: Hier muss man sich umgehend über Funk bei der russischen Küstenwache anmelden. Um einen Hafen anzulaufen, benötigen deutsche Staatsangehörige vorab ein Visum für Russland. Auch im Mittelmeer darf man mit dem SBF See fahren: Beliebte Zielländer für Bootsführer wie Kroatien, Griechenland und Spanien erkennen den deutschen Führerschein an.

Unterwegs auf ausländischen Binnengewässern

Auf ausländischen Binnengewässern benötigt man dagegen den SBF Binnen, etwa auf dem Lago Maggiore in Italien, beziehungsweise der Schweiz. Die beiden Länder erkennen den deutschen Bootsführerschein an. Ebenso auf dem Gardasee in Italien. Das beliebte Ijsselmeer darf dagegen nicht mit dem SBF Binnen befahren werden, hier wird der SBF See verlangt.

Griechenland: Deutscher Bootsführerschein wird anerkannt mit Übersetzung   (Bild: Pixabay.com)Manch einer überlegt vielleicht noch, den Bootsführerschein zu machen. Dafür bietet sich ein Urlaub im Ausland an, auf diese Weise lässt sich das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden.

Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2017 ist es sogar möglich, den deutschen Bootsführerschein im Ausland zu erlangen: Seitdem gibt es auch im Ausland deutsche Prüfungsausschüsse, bei denen die Prüfung abgelegt werden kann.

Vorteile ausländischer Bootsführerscheine

Auf der anderen Seite besteht auch die Möglichkeit, einen ausländischen Bootsführerschein machen, zum Beispiel das kroatische Küstenpatent.

Der Vorteil ausländischer Bootsführerscheine sind oft die Kosten: Unter Umständen kann man so den Bootsführerschein deutlich günstiger erlangen. Ein großer Nachteil ist jedoch, dass für deutsche Staatsangehörige der ausländische Bootsführerschein nur im Ausstellungsland gültig ist. Sofern man also nur im Urlaubsland ein Boot führen will, ist der ausländische Führerschein durchaus eine Überlegung wert.

Ein weiterer Nachteil liegt allerdings in der Ausbildung: Diese ist bei ausländischen Bootsführerscheinen nicht immer so fundiert wie beim deutschen Pendant. Ein deutscher Bootsführerschein ist mit einer soliden Grundausbildung verbunden und bereitet bestens auf unerwartete Situationen vor. Bei ausländischen Bootsführerscheinen ist außerdem mitunter die Sprachbarriere bei der Prüfung und während der Ausbildung ein Problem.

Vorteile deutscher Bootsführerscheine im Ausland

Der große Vorteil deutscher Bootsführerscheine für deutsche Staatsangehörige liegt in seiner Gültigkeit: Sie gelten eben nicht nur im Inland, sondern dank dem ICC auch in vielen weiteren Ländern - mit ziemlicher Sicherheit auch im jeweiligen Wunschland.

Bootsführerschein beim Auslandsurlaub ..?  (Bild: Pixabay.com)Hat man längere Zeit im Ausland gelebt und dort den Bootsführerschein erlangt, lässt sich dieser nach Rückkehr in der Regel nicht einfach umschreiben, sondern der deutsche Bootsführerschein ist dann erforderlich. Allerdings wird die praktische Prüfung erlassen, sofern der ausländische Führerschein das ICC enthält.

Das Wichtigste dazu in Kürze:

  • Deutsche Bootsführerscheine SBF Binnen und SBF See sind auch im Ausland gültig
  • In Griechenland ist eine amtliche Übersetzung des Führerscheins erforderlich
  • Auf hoher See gibt es keine Führerscheinpflicht
  • Ausländische Bootsführerscheine sind oft günstiger, aber in der Regel nur im Ausstellungsland gültig
  • Umschreiben ausländischer Bootsführerscheine ist nicht ohne Weiteres möglich.

Wir wünschen viel Freude und Erfolg mit der neuen Lizenz! 


© 2021 Jan Peterskovsky, Bilder oben: Explorer Magazin, Bilder unten: Pixabay.com