Auf zur Batavia Stad!

Mai 2016: Wir wollen uns die Werft und ihre Umgebung nun einmal aus der Nähe ansehen. Lelystad liegt am südlichen Ende des Ijsselmeeres in den Niederlanden.

Der Ort ist über gut ausgebaute Straßen leicht zu erreichen, kurz davor kommen bereits die ersten Hinweise zur Bataviawerf, denen man weiter folgt. In das Ortsinnere kommt man auf diese Weise gar nicht.

Unser Ziel kann man folgendermaßen beschreiben: Direkt am Ufer des Ijsselmeeres liegt der Bauplatz der Schiffe, die Helling. Darum herum sind die Handwerksbetriebe angeordnet für die Herstellung von Takelagenteilen, Tauwerk, Segeln und Metallteilen. Um diese Betriebe ist eine nachempfundene Stadt aufgebaut, wo allerdings nur die Freunde/Freundinnen des Markenkaufs zuschlagen sollten: Fast jede bekannte Marke findet sich hier - aber keinesfalls die Kreditkarte vergessen!

Um den Ort herum ist eine Stadtmauer gezogen, davor befindet sich ein richtig großer Parkplatz, der auch Busse und Wohnmobile ohne Probleme aufnehmen kann. Es empfiehlt sich in der Sommersaison, bereits kurz vor Öffnung der Einrichtung da zu sein.

Parkticket erforderlich ...  Snackbar: umgedrehter Pool ..?
Alle Marken vertreten im `Fashion Outlet´...

Vom Parkplatz aus sind ein Museum und eine Snackbar gut zu erreichen: Sie liegen links vom Parkplatz außerhalb der Batavia Stad. Das Museum zeigt eine Ausstellung über die Landgewinnung in den Niederlanden und die Gefahren durch Sturmfluten. Das Land liegt unterhalb des Meeresspiegels und ist dadurch sehr durch Sturmfluten gefährdet. Treffend zeigt diese Gefahren das am Gebäude angebrachte große Bild mit dem Titel "Pumpen oder Versaufen".

Interessant ist auch die Snackbar, besonders das Gebäude: Es besteht aus einer GFK-Schale. Denkt man sich die Tür- und Fensteröffnungen weg, dreht dann das Ding auf den Kopf und gräbt es in der Erde ein, entsteht ein - Swimmingpool. Anscheinend wurde hier die Schale eines Pools in ein Kiosk verwandelt ...

Doch weiter zur Batavia Stad: Die Stadtmauer ist gut zu sehen, der Eingang nicht zu übersehen. Die Kanonen in der Stadtmauer sind nicht mehr aktiv. Vor dem Eingang wird erst einmal das Lösen eines Parktickets verlangt, die Preise erscheinen normal.

Museum: Info über Landgewinnung in den Niederlanden ... Dekorativer Eingang zur Batavia Stad ...
Nachempfundener Ort ... ... mit ausreichenden Einkaufsmöglichkeiten ... Noch wenige Käufer am Morgen ... 

Hat man schließlich den Eingang an der Stadtmauer durchschritten, findet man sich in dem nachempfundenen Ort wieder: Dieser ist um die eigentliche Werft herum entstanden. Hier kann man sich stärken oder auch sein Konto erheblich belasten bzw. belasten lassen. Hier finden sich auch die bereits erwähnten Markenangebote aus aller Welt im "Fashion Outlet", die gerne für gutes Geld den Besitzer wechseln würden.

Es kommt vor, dass die männlichen Besucher eher die Werft aufsuchen, während die weiblichen Begleiter vor der Werft den Ort erkunden. Familien gehen übrigens zumeist geschlossen in die Werft. Die Aufnahmen entstanden kurz nach der Öffnung am Morgen, weshalb auch nur wenige Besucher und Käufer zu sehen sind ...

Werftbesichtigung ...

Läuft man ziemlich geradeaus durch den Ort, findet man auch schnell den Eingang zur Bataviawerf: Alle Wege sind in gutem Zustand, die Einrichtungen sauber. Das ist etwas, was es zur damaligen Zeit sicher so nicht gegeben hat ...

Am Werfteingang wird nun Eintritt verlangt: In Zeiten des (noch?) existierenden Euro(pas), ist es hier natürlich üblich, in Euro zu bezahlen ...

Am Werfteingang ... `Seehelden´ im Anmarsch ... Ermäßigungen für alles mögliche ... 

Es gibt viele gute Ermäßigungen: Für Kinder, Senioren und für Leute, die nicht das alt anmutende Schiff Batavia betreten wollen - aus welchen Gründen auch immer. Dabei sind die Zeehelden (Seehelden) diejenigen, die alles mitnehmen. Die anderen sind die Landrotten (Landratten). Der informative Eingangsbereich und die handwerklichen Bereiche sind also auch für Landratten zugänglich. Die niederländischen Mitbürger hier sprechen alle recht gut deutsch, die Sprache ist also kein Hindernis. Erste Informationen über das, was als nächstes zu sehen ist, kann man hier problemlos erhalten. Diese Möglichkeit sollte man auch wahrnehmen, um nicht orientierungslos über das nun folgende Gelände zu laufen. Man hat mehr davon und man versteht sehr viel mehr die Hintergründe dieser Werft und der damaligen Zeit.

Nach dem Verlassen des Eingangsgebäudes hat man gleich links die Werkstätten, in denen Teile der Takelage und auch Blöcke dafür hergestellt werden. Es ist noch früh und keine weiteren Besucher sind zu sehen, gerade arbeitet hier ein Handwerker, der neue Blöcke für die Takelage der Batavia fertigt.

Man kommt beim Betreten der Werkstatt gleich in eine andere Welt: Weit und breit ist kein modernes Werkzeug zu sehen. Überall liegen Sachen herum, die bereits fertig sind oder alte Gegenstände, die als Muster für das Anfertigen des neuen Teiles dienen. Der Mann hat Zeit und freut sich besonders darauf, uns alle Einzelheiten zu zeigen. Auf dem Bild unten rechts sieht man die verschiedenen Stadien der Entstehung eines Takelage-Blocks: Der vierkantige Klotz etwa in der Mitte besteht aus grob übereinander geleimten Holzteilen, in denen die Aussparungen für die Scheiben bereits zu sehen sind, über die die Seile laufen. Diese Scheiben werden ebenfalls aus Holz gefertigt.

Auf zu den Werkstätten ... Weit und breit kein modernes Werkzeug zu sehen ... Stadien der Entstehung eines Takelage-Blocks ... 

In den gelb schimmernden Blöcken sind die Scheiben bereits auf hölzernen Achsen eingesetzt: Damit die Scheibenachse am Ende des Blocks geschützt ist, sind auf den Öffnungen kleine Lederstücke aufgebracht. Das fertige Produkt ist dann der dunkle Block in der Mitte. Je nach seiner geplanten Verwendung wird das Äußere des Blocks gestaltet. Der fertige Block hier wird wohl - wie man seinem Aussehen entnehmen kann - irgendwo freischwebend in der Takelage des Schiffes seinen Platz finden ...

Wir nähern uns dem Wasserliegeplatz der Batavia: Hier findet man eine Schmiede, die sich um die Herstellung der vielen tausend Metallteile kümmert, die auf einem solchen Schiff vorhanden sind. Die Teile werden in der Glut erhitzt und dann mit dem Hammer in die benötigte Form gebracht. Zum Beispiel ein Haken für eine hängende Petroleumlampe.

Hier treffen wir allerdings auch auf ein paar modernere Helfer: Die Presse auf dem Bild unten in der Mitte ist neueren Datums. "Nur" einhundert Jahre alt, ist sie für das Biegen größerer Eisenteile gelegentlich im Einsatz, da der Zeitaufwand für die Herstellung einiger Teile sonst einfach zu groß wäre. Die Schleifmaschine daneben stammt ebenfalls aus jüngerer Zeit. Und dann wäre da noch der Blasebalg, der die Feuer am brennen hält: Er bläst automatisch gesteuert. Unter den wenigen Handwerkern hier, die alle freiwillige und ehrenamtliche Helfer sind, hat man da wohl einfach keinen jungen kräftigen Mann, der die Blasebälge bedient ...

Betrieb in der Schmiede ... Auch Helfer aus jüngerer Zeit vorhanden ... Kohleofen - einfach und immer funktionstüchtig ... 

Im Bild oben rechts erkennt man einen Kohleofen, mit dem - einfach und immer funktionstüchtig - der Raum bei Bedarf geheizt wird. Der Ofen wird unten im runden Bereich mit Kohle gefüllt, darunter befindet sich eine Schublade, aus der die verbrannte Kohle entfernt wird. Oben auf dem Ofen steht ein flacher Schraubenkasten und ein Bitsatz - der wurde offensichtlich da nur abgestellt, weil gerade Platz war ...


© 2016 Jürgen Sattler