Ein Nachbau im Wartestand ...

Der Weg durch die Werkstätten verläuft parallel zur Helling, auf der der begonnene Nachbau der De 7 Provinciën liegt, eines Kriegsschiffes, das in den Jahren 1664/65 für die Admiralität in Rotterdam gebaut wurde. Auch wenn davon auf der Webseite der Bataviawerf nichts zu lesen ist, so lässt sich doch aufgrund eigener Erfahrung und Fragen vor Ort festellen, dass die Bauarbeiten offenbar bereits seit Jahren gestoppt sind, da wohl die Finanzierung nicht mehr gegeben ist.

Neu-Nachbau: De 7 Provinciën ... ... ein ehemaliges Kriegsschiff ... Blick ins Spantengerüst ...  Fantasiestück im Heck zur Veranschaluichung der Platzverhältnisse ...

Im Bild oben links nun der Blick vom Ufer zurück zur Helling: Etwas verloren ragt die Bugfigur des geplanten Schiffes aus dem hölzernen Baugerüst. Auf dem Bild daneben sieht man die Backbordseite (linke Seite) des Schiffes. Der gerade Abschluss oben im Gerüst würde bei Fertigstellung das Hauptdeck.

Das nächste Bild daneben zeigt einen weiteren Blick in das Spantengerüst der De 7 Provinciën, etwa von der Mitte nach vorn. Das letzte Bild oben rechts schließlich zeigt den Blick zum Vorschiff vom Heck aus gesehen. Hier wurde ein Fantasiestück eingesetzt, um dem Besucher etwas von der Inneneinrichtung und den Platzverhältnissen in den Decks zu zeigen. Das Baugerüst um das Schiffsrumpfskelett ist voll begehbar ...

Das Wappen der 7 Provinzen am Heck ...

Blick auf die Backbordseite des Kiels ... In der Modellwerkstatt ... Das Schiff, das draußen nicht fertig wird ...  ... hier bereits als fertiges Modell ...

Das Bild oben links zeigt die Backbordseite des Schiffskiels vom Heck aus nach vorne gesehen. Hier unten kommt durchaus etwas von dem Gefühl der damaligen Zeit auf: Am besten sollte man die Situation einmal einige Minuten auf sich wirken lassen, sich einfach einmal als unsichtbarer Beobachter die arbeitenden Menschen der damaligen Zeit vorstellen ...

Am Heck der Steuerbordseite ist das Emblem aufgestellt (siehe oben), das eigentlich das Heck des Schiffes zieren sollte. Es zeigt die Wappen der 7 Provinzen der Niederlande - der Name des Schiffes De 7 Provinciën. Was aus diesem Baubeginn einmal werden soll, weiß hier niemand genau: In diesem Zustand liegt es nun schon viele Jahre auf der Helling. Dadurch ist dieser Platz natürlich auch für eventuelle andere Projekte nicht mehr nutzbar. Für einen kleinen, etwa 19 m langen weiteren Neubau musste deshalb neben der großen Helling eine Minihelling aufgebaut werden. Damit ist das Platzangebot hier erst einmal ausgeschöpft.

Ganz in der Nähe des Hecks der unfertigen De 7 Provinciën befindet sich eine Modellwerkstatt: Hier wird das Schiff gebaut, das draußen nicht fertig wird. Die eindrucksvollen Modelle sowie ein bereits fertiges zeigen die obigen Bilder.

Ebenfalls beim Heck des Schiffes findet sich auch eine echte Segelmacherei, die von einer Segelmacherin geführt wird. Auch hier ist man gerne für alle Fragen offen. Diese Segelmacherei fertigt auch die Baumwollsegel der Batavia. Das Gebäude ist noch recht neu, da die alte Segelmacherei im Jahre 2008 ein Raub der Flammen wurde.

Die Batavia wartet ...

Wir haben nun den Bereich der Landratten durchlaufen. Wer sich für alles interessiert, hat jetzt bereits einige Stunden hinter sich. Im Eingangsgebäude gibt es ein Restaurant für eine Pause und eine Stärkung. Danach geht es zum Ufer, in den Bereich der "Seehelden" - zur Batavia.

Gerupftes Schiff ..? Sicherer Landgang ...
Am Bug: Löwe mit zwei Schwänzen ...  Hinweis auf Baubeginn im Jahr 1987 ...

Das Schiff wurde wie bereits erwähnt in den Jahren 1987 bis 1995 gebaut, hat also schon einige Jahre hinter sich. Normalerweise haben Schiffe dieser Art - ohne große Pflege - eine Lebenserwartung von etwa 15 Jahren. Dann sind bereits sehr viele Holzteile so angegriffen, dass sie erneuert werden müssen.

Dieses Schiff war bereits einmal ein vollwertiges Segelschiff, das schon auf den Weltmeeren der Südhalbkugel unterwegs war. Während des Baubeginns der De 7 Provinciën kam es in die Zeit, wo umfassende Erneuerungen vieler Holzteile notwendig wurden. Da nun die Finanzierung der De 7 Provinciën nicht mehr gegeben war, konzentriert man sich hier nun auf den Erhalt der vorhandenen Batavia.

Deshalb sieht das Schiff zur Zeit noch ziemlich gerupft aus, doch in wenigen Jahren wird es voraussichtlich wieder segeln. Der Vorteil dieser Situation ist, dass man die Entstehung der Bauteile in den Werkstätten mitverfolgen kann.

Den vorderen Teil des Bugs ziert ein Löwe, der übrigens zwei Schwänze hat, auf jeder Seite einen. Durch eine metallene Drehpforte erreicht man den "Seeheldenbereich": Einer Besichtigung des Schiffes steht nichts mehr im Weg. Bevor man an Bord geht, sollte man sich unbedingt daran erinnern, dass die Menschen des 17. Jahrhunderts sehr viel kleiner waren als heute - das schont den eigenen Kopf ungemein!

Ein Schiffsrundgang muss sein ...

Der Zugang zum Schiff ist die blanke Sicherheit in modernster Qualität: Hätte man hier die damals üblichen Landgänge (Gangways) verwendet, wären wirklich viele der Besucher nicht das Risiko des Betretens eingegangen. Oben an Deck findet man dann auch den Hinweis auf den Baubeginn des Schiffes.

Blick aufs Achterschiff ... ... und Blick Richtung Bug ... Ende vom Bugspriet ... 

Auf dem sogenannten Hauptdeck angekommen, geht der Blick automatisch nach links zum Achterschiff (Heck) oder nach rechts zum Vorschiff (Bug): Leider vergisst man dabei schnell, dass noch andere Leute folgen oder auf seine eigenen Schritte zu achten. Daher kann es vorkommen, dads sich die Gangart der an Bord Kommenden kurzzeitig "unnatürlich" verändert: Nachsichtig sein ..!

Der Anblick für denjenigen, der zum ersten Mal das Deck eines solchen Seglers betritt, ist tatsächlich atemberaubend. Allein diese Vielfalt an Details, die alle historisch getreu vorhanden sind: Da kommen sofort Fantasien zu Seefahrt und Piraten auf.

Also: Am besten erst einmal einen sicheren Standort an Deck aufsuchen und die Blicke in alle (!) Richtungen schweifen lassen. Kinder an die Hand nehmen, die rennen mitunter sofort los. Überall sind Stolperfallen, da ein solches Schiffsdeck nicht glatt ist wie etwa ein Bürgersteig. Hinfallen tut sehr weh!

Im Bild oben links sieht man das Achterschiff: Allein dort gibt es an Deck sehr viel zu entdecken zur Funktion des Schiffes. Der Blick nach vorn ist allerdings genauso interessant: Auf dem Bild daneben sieht man das Ankerspill, in dem noch die langen Bedienstangen stecken. Da mussten einige Leute zugreifen, um den Anker wieder an Bord zu bekommen. In der Verlängerung nach unten gibt es diese Stangentechnik ein weiteres Mal zur Unterstützung der oberen "Kollegen".

Das Bild oben rechts zeigt das Ende des Bugspriets. Dieser ist so gebaut, dass dort noch zwei weitere kleinere Segel gesetzt werden konnten. Die Leinen, die gut sichtbar unter der Rah geschwungen hängen, sind der "Gehweg" der Besatzung, um bis ans äußere Ende der Rah zu kommen. Das oftmals ohne Schuhwerk, wenn derjenige so etwas nicht besaß. Auch hier ist die Menge der Details einfach atemberaubend.

Wir gehen nach vorn: Das Deck des "Forecastles" lassen wir aus. Dies ist das kurze Deck im Hauptdeckbereich über dem Vorschiff. Dort befindet sich die obere Ankerspillmechanik. Wie schon einmal erwähnt, sollte man jetzt auf seinen Kopf aufpassen, man hat sich sonst schnell eine Beule geholt. Besonders beulengefährlich sind hier die Decksbalken: Das sind die Querversteifungen unterhalb vom Deck, auf denen sich die Planken befinden. Zwischen den Decksbalken ist einigermaßen Platz, doch sie sind sehr dick - und schmerzhaft! Kinder bevorzugen hier lieber irgendwelche Dinge, die an Deck liegen, um darüber zu stolpern ...

Lagerplatz im Forecastle   Schwalbe an Bord: Friedliche Koexistenz ..?

Das Forecastle wird gern als Lager für alle möglichen Dinge genutzt, die an Deck irgendwann einmal gebraucht werden. So hängen hier z.B. etwas Reservetauwerk (oben links), ein paar Blöcke und ein Falteimer. Natürlich sind das nur einige wenige Utensilien. Tatsächlich befanden sich in der damaligen Zeit hier sehr viel mehr Gegenstände dieser Art. Dazwischen hat man gelebt und geschlafen. Der sichtbare Kettenzug und die Stromverteilung sind ein kleines modernes Zugeständnis an die Arbeit der freiwilligen Helfer und deren Sicherheit.

Der Weg nach vorn über den Bugspriet führt direkt über eine ziemlich kleine Öffnung: Etwa 1,20 m hoch ist sie und man muss man sich ordentlich krümmen, um da durch zu kommen. Draußen befindet man sich dann vor (!) dem Schiffsbug - auf einer Gräting (begehbarem Gitterrost) mit direktem Blick nach unten ins Meer. Bei heftigem Seegang kann es schon vorkommen, dass Wasser von unten durchschlägt. Das war für die Besatzungsmitglieder, die hierher mussten, durchaus von Wichtigkeit, die meisten mussten nämlich täglich hierher: Denn es gibt auf jeder Seite jeweils eine quadratische Öffnung in der Gräting mit einer Art Sitz darüber - die Toiletten für alle, also Männlein und Weiblein, außer den Offizieren. Somit herrschte hier täglich und bei jedem Wetter reger Verkehr ...

Die kleine Schwalbe auf dem Bild oben rechts stellt für die Helfer ein Problem dar: Natürlich, dort wo sich Schwalben wohl fühlen, gilt dies auch für Menschen. Sagt man. Hier ist das sicher genauso, allerdings sind das nicht gerade wenige der kleinen Vögel. Sie sind auch gar nicht menschenscheu und an die Besucherströme gewöhnt. Man arrangiert sich, allerdings gibt es leider noch die Hinterlassenschaften der Tiere und die bekommen dem Holz des Schiffes gar nicht gut. Bisher lebt man aber friedlich miteinander ...


© 2016 Jürgen Sattler